Mannner´s Nachlass

Kein aktuelles Bild, aber es zeigt die Sporthalle in seiner schönsten Kulisse. Sie ist ein Überbleibsel der Schulen, die vor Jahren abgerissen wurde. Seid Montag üben wir dort wieder Yoga bzw. trainieren Aikido.

Als ich am Montag die Halle als erste unseres Vereins betrat,  streifen mich in jeder offen stehende Tür Spinnweben. Komisches Gefühl, wenn sich unsichtbare Fäden über das Gesicht ziehen. “Hat die  Stadt Geld gespart und auf die Reinigung während der Sommerferien verzichtet?” In der Regel werden die Hallen während der großen Ferien nicht gereinigt. Aber in unserer Halle war nichts davon zu merken. Sie war zwar nicht verdreckt, dafür aber versponnen.

Manner  übernimmt diese Arbeit. Er ist der Hausmeister. Wenn es was zu regeln oder zu reparieren gab,  Manner war zur Stelle. Für einen Plausch hatte er immer eine Minute Zeit. Vor den Ferien war er besonders gesprächig. Ich traf ich schon vormittags dort an. War nur im Vorbeigehen in die Halle gegangen. “Ich bin ja krank” erzählte er mir im Frühjahr. Dann folgte eine unglaubliche Geschichte, Er sei krebskrank, doch eine Therapie kann er nicht machen. Auf Arbeit hätte man ihm gesagt, dass man ihn dann entlassen würden. Mein Gerechtigkeitssinn schlug die Hände nicht nur einmal über den Kopf zusammen. “Manner, die Gesundheit geht aber vor” mahnte ich ein. “Die dürfen dich deshalb doch nicht entlassen” pochte ich auf sein Recht. Aber Manner blieb dabei. Wenn er eine Therapie mache, würde man ihn entlassen und dann hätte er kein Geld mehr.

Später fragte ich andere Trainer, die Manner auch kannten, was an der Sache dran wäre. Denn es bewegte mich doch sehr. “Och..Manner erzählt viel – spinnt manchmal rum”  wurde abgewinkt. Sollte Manner jetzt am vertüteln sein und viel dummes Zeug reden?

Als ich Manner das nächste kurz vor den großen Sommerferien mal wieder antraf, gab es keine Klagen mehr über seine Krankheit. Er klagte eher über Gott und die Welt. Nebenbei erklärte er mir das neue Panikschloss der Sporthalle. “Wenn es hier z.B: brennt und die Halle ist abgeschlossen, kann man sie trotzdem von innen öffnen.”  “Tolle Sache” bestaune ich die neuste Technik. Aber wie immer hatte ich es eilig und verabschiedete ich mich auch bald. “Tschüss Manner, bis zum nächsten mal”

Gestern erfuhr ich, dass es ein nächsten mal nicht geben wird. Manner kam in die Klinik und entließ sich auf eigenen Wunsch selber. Machte seinen Job weiter, brach zusammen und verstarb am nächsten Tag. Ich bin traurig, er gehörte für mich schon zum Inventar. Ich werde ihn vermissen.

Als letzten Gruß an uns Trainer hinterließ Manner Spinnenweben.

Wie makaber – denke ich.

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