auf den Schlauch gehen

Seid heut ist mir klar, was es heißt, auf den Schlauch zu gehen oder besser gesagt zu fahren. Schon mit dem kleinen Finger konnte ich den Schlauch vom Hinterrad bis auf die Felgen zusammendrücken. Da war ja nun wirklich kein bisschen Luft drin. Die Tanke gegenüber sollte das Übel schnell beheben. Bei dem super sonnigen Wetter soll mein City-Roller nicht länger in Keller dümpeln. Ich will wieder mit 10 Km/h durch mein Wohngebiet düsen und mir dabei den warmen Fahrwind durch die Haare sausen lassen.

An der Tanke gibt es Luft kostenlos, also nix wie hin. Die großen Düsen an der Luftsäule verschlingen fast meinen Roller, aber das große Vorderrad ist in 2 Sekunden aufgepumpt. Das kleine Hinterrad ist störrisch wie eine Ziege. Der Stöpsel passt nicht, die Luft zischt vorbei, keine Druck macht es möglich, auch nur etwas Luft in den Schlauch zu bringen. Ich gebe alles und liege schon fast auf allen vieren vor dem kleinen Hinterrad am Boden. Die frische Luft am Rücken, lässt darauf schließen, dass meine Kimme schon an der Frischluft ist. Oh je…wie peinlich. Abwechselnd ziehe ich dem T-Shirt wieder über die Hose und halte den Stöpsel zum Aufpumpen ans Ventil. Das Hinterrad ist schon ausgebaut, da kommt ein netter Mann – er hatte den Rasen vor der Tanke gemäht – zur Hilfe. Auch er kommt nicht weiter aber zu dem Schluss “Das Ventil muss kaputt sein”

Mein kleiner City-Roller muss in die Fachhand, damit er wieder rollen kann und zum Glück ist das Fachgeschäft nicht weit. Die Fahrradhändler erfüllen perfekt das Klischee, dass meine Tochter bei den Händeln schon in Hamburg entdeckt hat. Ihre Augen scheinen mit dem winzigen Schrauben und Speichen der Räder verwachsen zu sein. Sie sprechen mit mir ohne die Augen von den Schräubchen zu lassen. Ihr Kopf ist fast immer gesenkt, weil sie immer eine Schraube in der Mache haben. Auch die freie Verkäuferin dreht am Rad und hat keine Zeit, mich anzublicken, während sie sich mein Anliegen anhört. Ohne ihren Kopf anzuheben gehen wir gemeinsam in die Werkstatt. Sie untersucht den Platten am winzigen Hinterrad. Auch bei ihr zischt die Luft der elektrischen Fahrradpumpe vorbei. Ein neues Ventil und siehe da, der Schlauch ist wieder prall, wie es sich gehört. Penibel prüft sie mehrmals den Luftdruck auf den Rädern und schiebt noch ein Quäntchen Luft in den Schlauch. Perfekt – der City- Roller rollt wieder flott.

Eine kleine Rundreise ist fällig. Zum warmfahren um das Wohngebiet und auch der Sensationsreporter in mir wird wach. Da war doch was in den Nachrichten vom großen Brand und so. Und schon stehe ich davor, ein Fitness-Center ist Sonntag Nacht zwischen  3 und 4 Uhr abgebrannt.

Die Feuerwehr war nach 9 Minuten schon am Ort, doch retten konnten sie nichts mehr. Das Gebäude hatten die Flammen schon komplett vereinnahmt. Dank des Einsatzes der Feuerwehr blieb das Nachbarhaus – auf den Bild deutlich zu sehen – unbeschadet.

Zu mir als neugieriger Gucker gesellt sich ein älterer Herr, der sich den Brandschaden auch ansehen wollte. “Das war Brandstiftung” sagt er. “Ja, meinen sie“?” antworte ich ihm.  Aber mein Kopf hat schon die selbe Vermutung angestellt. In der Nacht um 2 Uhr schlafen die Menschen am tiefsten und vom Samstag auf Sonntag finde ich auch komisch. “Das war bestimmt die Mafia” stellt der ältere Mann fest. “Die hier waren den Fitness-Ketten ein Dorn im Auge” Die Sache ist für ihn schon klar, die Fachleute werden alles genau untersuchen.

Die langjährigen Mitarbeiter gehen jetzt auf dem Schlauch, denn mit dem verbrannten Gebäude sind ihre Arbeitsplätze verschwunden. Ob und welche Wahrheit wegen des Brandes an´s Licht kommt, wird die Zukunft zeigen.

Ostseemaus

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8 Gedanken zu “auf den Schlauch gehen

  1. anglogermantranslations schreibt:

    Nanu? Ich kenne eigentlich nur *auf dem Schlauch STEHEN* im Sinne von ratlos sein. So wie mit Brett vor dem Kopf. Dabei habe ich das Bild vor Augen, dass man auf dem Gartenschlauch steht und sich wundert, dass kein Wasser herauskommt. Auf dem Schlauch GEHEN könnte man allenfalls in Sandalen aus alten Autoreifen, oder?

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