der letzte Rest

der Belaubung hält sich noch am Baum, andere Bäume zeigen schon das blanke Gerippe ihrer Baumkrone.

Der Herbst ist der Frühling des Winters..diese kleine Weisheit  lass ich gestern in einem Blog. Also nahm ich meine Kamera und suchte vom Balkon aus den letzten Rest des Sommers in  Überschneidung mit dem Herbst, wie diese sich vor meinem Fenster zeigt.

Heute bin ich auch dort angekommen, wo mein Vater damals in meinem heutigen Alter war. Während ich als junge Frau  die Welt erkundete und nur Ausschau nach großen Erlebnissen und Abenteuer  hielt, beobachtete er die Natur in unseren Hausgarten. Für mich war das alles andere als abenteuerlich um nicht zu sagen, extrem langweilig.

Wie kann das spannend sein, was man direkt vor der Nase hat? Kann etwas, was jeden Tag für mich greifbar ist überhaupt eine Spannung erzeugen? Für war nur spannend, was sich in der großen weiten Welt tat und diese war damals nicht größer als mein Dorf und die Menschen, die in ihm lebten.

Da gab es die kleine bucklige Frau, von der man erzählte, man hätte sie als Baby vom Tisch fallen lassen und dieser tiefe Fall war verantwortlich für eine lebenslängliche Verkrüppelung.

Da war die Familie in der ein Stiefkind lebte. Wie im Märchen starb ihre Mutter und der Mann nahm sich eine neue Frau, die das Haus mit dem Mann haben wollte, das Mädchen –Kriemhild – nahm sie in Kauf. Ob das Mädchen von ihr geschlagen wurde, weiß ich nicht, doch im Dorf wurden Geschichten erzählt, die von ihrer Stiefmutter verbreitet wurde, die einfach nur furchtbar waren. Ich sah mir die Stiefmutter an und fand, sie hatte hexenhafte Züge in ihrem Gesicht, das Mädchen wirkte auf mich, wie eine Außerirdische, war nicht nur in der Familie isoliert, sondern auch im Dorfleben.

Und dann gab es den Mann, der keinen Tag ohne Alkohol leben konnte und weil er im Rausch den dunkelblauen Abendhimmel unter freien Himmel öfter sah als andere, nannte man ihn “Blaue Nacht” Der abgekürzte Weg von der Kneipe bis zum Haus führte über eine Wiese und darauf verbrachte er im Rausch und auf den Rücken liegend und berauschte sich noch der dunkelblauen Nacht – dabei sang er besonders gern das Lieb: “Blaue Nacht am Hafen” Lichtverschmutzung gab es damals nicht.

Ich kannte also meine Pappenheimer im Dorf, wusste wer nett war und wen ich besser aus dem Weg gehen sollte..Gänse mit langen Hälsen inbegriffen Zwinkerndes Smiley  Wie von einem anderen Planten kamen mir deshalb  die Menschen aus den umliegenden Dörfern vor. Sie erzeugten Neugier und Interesse und Spannung. Warum also die Natur vor dem Haus beobachten, wenn es viel spannenderes außerhalb gab ?

Trotzdem beneidete ich damals meine Vater, wenn er von seinen Beobachtungen aus der Pflanzen- und Tierwelt auf unserem kleinen Hof erzählte. Wo hatte meine Augen ? Wenn ich diese kleinen Einblicke auch haben wollte, gab die Natur mir diesen  nicht frei…ich war noch blind dafür.

Das hat sich heute geändert. Ich bin geduldiger geworden, hab viel in der großen weiten Welt viel gesehen und weiß, dass das, was es im Großen gibt auch im Kleinen wiederzufinden ist.

Ostseemaus

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5 Kommentare zu “der letzte Rest

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