eigene Sprachkultur

Ich zitiere Lennard Hausmann zum Lebensgefühl der Menschen, die in der DDR aufwuchsen:

“Die Sensibilität dafür, dass man in Geiselhaft war, ging verloren in einem diffusen Gefühl von Geborgenheit», schrieb er in einem Gastbeitrag in der «Bild am Sonntag».
Diese «Parallel-DDR» habe eine ganz eigene Kultur der Sprache, des Humors und des Denkens entwickelt. Die Erinnerungen seien für Außenstehende kaum vermittelbar. «Vielleicht will man eben nicht Opfer sein, nicht Amboss, sondern Hammer. Vielleicht ein Selbstbetrug.»

Für mich geben  seine Worte erstmalig einen Einblick in meine Gefühlswelt, wenn es um die Aufarbeitung meiner eigenen Geschichte während der DDR-Zeit geht.

Was die Wortschöpfungen der Zeit von damals betrifft hab mal eine Zusammenstellung aus dem Sprachschatz der vergangen Zeit

Kulturbeutel Waschtasche
Nicki T-Shirt
Klapperlatschen flache Holzlatschen
Essengeldschuhe Turnschuhe
blauer Würger Schnaps (Korn)
Schweinecamel Kippen
Rennpappe Trabant
Manchesterhose Cordhose
Telespargel Berliner Fernsehturm
Subbodnik unbezahlter Arbeitseinsatz
Gummiadler Hähnchen
Broiler dito
Alu Chips DDR-Kleingeld
Clarks Holzpantolette
Campingbeutel Rucksack
Intershop Handel mit Westware für Westgeld
Tal der Ahnungslose n Dresdener Raum
Stanniolpapier Alufolie
Werktätiger Arbeiter
zur Fahne gehen zur Armee (NVA) gehen
Vitamin B Beziehungen
Bückware knappe Produkte
Ranzen Schultasche
Antifaschistischer Schutzwall Mauer
Drüben Westen
ABV Abschnittsbevollmächtigter
Tonmöbel Musiktruhe

Das war eine kleine Zusammenstellung von Wortschöpfungen, die das Leben der damaligen zeit wiederspeigelte. Sicher gibt es noch eine ganze Menge mehr davon Laut lachen

Ostseemaus

Advertisements

4 Gedanken zu “eigene Sprachkultur

  1. jtaelling schreibt:

    Sehr viele dieser Wörter, Redewendungen waren auch in meiner westlichen Jugend umgangssprachlich etabliert. Kulturbeutel, Nicki, Gummiadler, Stanniolpapier, Vitamin B – alles sehr gängig in den 60er/70ern

    Gefällt mir

    • flotterblogger schreibt:

      Hallo jtaeling,
      dass kann schon sein, denn viele Begriffe kamen auch im Osten an und sie haben sich bei uns länger im Sprachgebrauch gehalten.
      Z.B. nannte man bei uns die Jeanshose auch Nietenhose..oder wir nannten die Dinge einfach anders..wie z.B. Hamburger bei uns Grilletta nannte und der HotDog in Ketwurst umbenannt wurde. ;-).

      LG Ostseemaus

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s