Paradox

Nachdem die Nation während der letzten Tage permanent unter Dauerinformation  über den Mauerfall vor 25 Jahren stand, reihe ich  mich auch ein. Ich will erzählen, wie es mir erging, als die Grenze damals  geöffnet wurden.

Meine Wahrnehmung war ähnlich wie in einem Film, wenn man als Zuschauer ein Auto ins Bild fahren sieht. Obwohl das Fahrzeug sich deutlich sichtbar vorwärts bewegt, die Räder drehen sich rückwärts, Es läuft was vor den Augen der Zuschauer ab, was das Gehirn als unlogisch einordnet und die Gehirnwindungen sich zu verrenken drohen.

Damals vor 25 Jahren hatte ich mein Leben nach der Ehescheidung grade neu geordnet und ihm eine neue Richtung gegeben. Auch was mein Einkommen betraf, hatte mich mir 2 Jahre zuvor eine bessere Basis geschaffen, mein Leben konnte neu beginnen. Mein 3. Kind war grade geboren, am 9. November 89 kamen wir nach 5 Tage Klinik auf der Wochenstation heim.

“Guck mal” rief mein Partner aufgeregt. “Die Menschen gehen alle in den Westen” Er verfolgte das Geschehen wie Millionen andere Menschen auch über die Berichterstattungen im Fernsehen. Alles wurde live übertragen, wir konnten im Wohnzimmer miterleben, wie die Massen Richtig Westen strömten. Sie schienen alle weg zu wollen. Nur weg hier ohne noch einmal zurück zu schauen.

Die Menschenmassen schienen statt in den Westen zu strömen alle in meine Wohnung eindringen zu wollen. Mein Wohnzimmer wimmelte von Menschenmassen, drängten sich in meine kleine Wohnung, machten mich klein und kleiner,. nahmen mir die Luft zum Atmen, Mit beiden Händen hielt ich mir die Augen zu., aber es half nichts., die Bedrängnis hörte nicht auf.

Während mein Partner dem Geschehen mit Begeisterung folgte, floh ich in  mein Schlafzimmer zu meinem kleinen Sohn, dort war die Welt für mich noch in Ordnung. Mit ihm zusammen verzog ich mich unter der Bettdecke und hoffe, dass ich nur in einem bösen Traum war und meine Welt am nächsten Tag wieder die selbe war, wie ich sie schon immer kannte.

Mir war klar, das ich als nächstes meinen Arbeitsplatz verlieren würde, dass ich wieder bei Null anfangen muss, mein Leben wieder neu aufbauen musste. So, wie es bis dato war, wird es nie wieder werden.

Ostseemaus