Augen zu und durch

“Ok, dann komme ich gleich morgen früh” Ohne Termin beim Augenarzt kann man den Rest des Tages aus seinem Kalender streichen. Die leichte Rötung in rechten Auge sollte sich noch einen Tag unter Kontrolle halten lassen, so das sich der Arzt sich am nächsten Tag ein Bild davon machen kann. Die Krankenschwester nahm das zur Kenntnis und ich konnte meinen Tagesplan weiter folgen.

Am frühen Nachmittag fühlte sich das rechte schon eher bedenklich an und aus der harmlosen Rötung würde ein schmerzvolles Matschauge. Sollte ich unbehandelt damit noch eine Nacht verbringen? Spontan erinnerte ich mich  an die höllischen Schmerzen, die mir mehrere Augenentzündungen vor 10 Monaten  gleich 3 mal nacheinander verursachten. Mein Auge schmerzte beim 3. Mal so sehr, dass ich den Augenarzt kaum erkennen konnte. Ich erinnerte mich auch daran, dass die meisten Ärzte ihre Praxis am Mittwoch Nachmittag geschlossen haben.  Es war Mittwoch nachmittag.

“Geh in die Sprechstunde der Augenklinik” empfahl Sohnemann, der mein inzwischen tiefrotes Auge gar nicht mehr ansehen konnte. “Achja? Geht das auch? “ “Klar, warum nicht” Dann erzählte er mir, dass er dort ohne weiteres einen Terim für die Sehschule bekam. Dort sei auch eine Poliklinik.

Nach langen hin und her überlegen rang ich mich durch, die Augenklinik aufzusuchen. Schließlich war sie ja  in Sichtweite. Draußen stand Poliklinik dran, dann kann ich mich auch anmelden. Aber so einfach war es dann doch nicht und wenn ich es mir im Rückblick noch ansehe, kam ich eher wegen einer “Lücke im System” in die Sprechstunde der Augenklinik Rostock. Der Warteraum war leer und ich hoffte auf schnelle Behandlung und das Rezept für Tropfen und Salbe, damit die Entzündung in Auge sich nicht weiter ausbreiten konnte.

Ein sehr junger Arzt untersuchte mich. OK.. in einer Uniklinik ist das zu erwarten. Mitten in der Untersuchung übergab er mich seiner ebenso sehr jungen Kollegin. Er wurde abgerufen und verschwand, sie arbeitet den Zetteln mit den Fragen ab, die ihr Kollege noch offen lassen musste. Wenig später tauchte er wieder auf und erinnerte die junge Kollegin daran, dass in Kürze die Weiterbildung beginnt. “Setzen sie sich noch einmal in den Warteraum, wir sind in ca. einer Stunde wieder da. Wir müssen zur Weiterbildung” Ok.. die scheinbar kurze Wartezeit verlängerte sich um einer Stunde. Na egal.

Schon nach 45 Minuten tauchten sie wieder auf. Ich wurde wieder ins Arztzimmer gerufen und weiter untersucht. Dabei fiel eine Bemerkung wie “über Nacht in der Klinik bleiben” Oh Schreck, ich wollte doch nur Salbe und Tropfen haben. Nachdem der junge Arzt alles notwenigen an Aufzeichnungen machte, holte er noch einmal die junge Kollegin dazu. Sie sollte auch einen Blick auf die Entzündung werden. “Sei sei besonders schön ausgeprägt und eher untypisch für braune Augen” Oh…dabei nahm ich an, alles stünde auf Anfang. Wie Mensch sich doch irren kann.

Wenig später kam Frau Professor und sah sich an, was der junge Kollege an Informationen zusammengetragen hatte. Dann faltetet sie mich erst einmal zusammen. Ich hätte erst zu meinen Augenarzt  gehen sollen und wenn der nicht weiter wüsste, dann wäre ich bei ihnen richtig. “schließlich haben wir 33 Augenärzte in Rostock” Danach sah sie trotzdem mein entzündetes Auge  genauer an. Anschließend lies sie sich vom jungen Arzt sagen was er von der besonders gut ausgeprägten Augenentzündung hielt und zu welchen Ergebnis er gekommen war. Er stand respektvoll der der Professorin und machte sich nebenher über die Korrekturen von Frau Professor zu den schon gemachten Aufzeichnungen.

“Ich werde sie gleich in die Klinik einweisen und alles, was sie bis Sonntag geplant haben, können die canzeln. Wenn sie eine immer wiederkehrende Augenentzündung haben, können die Ursachen auch andere sein, als bisher angenommen. Wir entnehmen ihnen Kammerwasser aus dem erkrankten Auge und untersuchen es auf andere mögliche Ursachen.” Das hört sich für meine Ohren noch schmerzvoller an, als die Schmerzen, die die Entzündung verursacht hat. “OK”, sage ich mir “Augen zu durch”

Nach frühen Abend fand ich mich als Patient in der Augenklinik wieder. Die Patienten gingen auf den Gängen spazieren und sahen fast alle gleich aus, Entweder es war das rechte oder das linke Auge zugeklebt. Die beiden Frauen im 3 Bett Krankenzimmer empfingen mich freundlich und ich fühlte mich sofort wohl.  Noch am Abend bekam ich nach ein paar Betäubungstropfen eine Spritze ins Auge. Zu meiner Verwunderung nicht so schmerzhaft,  wie das Szenario in meinem Kopf mir vorspielte.

Am Morgen danach durchlief ich mehrere Untersuchungen und ich musste wie die anderen Patienten immer wieder antreten  damit  die unterschiedlichsten Ärzte mich untersuchen konnten z.B. der Stationsarzt, der Chefarzt und der Professor.. Letzterer  hatte einen Schwarm junger Ärzte im Schlepptau.

“Frau Jellerjan” wurde besonders häufig gerufen. Schon am Abend zuvor holte man nach mehrmaligen rufen “Frau Jellerjan” aus dem Bett. Frau Jellerjan sollte Tropfen in ihre Augen bekommen und das ging nicht, wenn Frau Jellerjan träumend im Bett lag. Frau Jellerjan saß verdattelt auf dem Stuhl im Gang und wartete darauf, dass die Schwester ihr die Tropfen gab. “Ich wusste gar nicht, wo ich war” sagte sie mir. “habe ja schon geschlafen”

Frau Jellerjan ist Anfang 80 und reiste mit einem Rollator an. Fast jede Stunde hörte ich, wie die Krankenschwestern nach “Frau Jellerjan “riefen. Mühevoll ohne Rollator und etwas flotter mit Rollator kam Frau Jellerjan um die Ecke. Frau Jellerjan hatte gar keine Bock auf die ganzen Behandlungen, doch man wollte ihre Sehkraft auf dem rechten Auge verbessern.

“Noch vor dem Mittag”  hieß es dann für mich “essen können sie nach der OP” OP???? Oh Schreck. “ich dachte, das Kammerwasser wird hier” ich zeige auf den Schwesternzimmer – “abgenommen” “Nein”  antwortetet die Stationsärztin “wir machen keine OP auf dem Küchentisch”

Von einer Krankenschwester wurden Frau Jelelrjan und ich eine Etage tiefer gebracht und dem OP-Bereich übergeben. In mir stieg nun eine Spannung auf. “nur halb so schlimm”, sagte die OP- Schwester, die Frau Jellerjan in meinem Beisein auf den fahrbaren OP-Tisch für ihre  OP vorbereitet. “Alles Mist im Alter” sagte sie mir, als wir für einen Moment allein in Raum waren. Dann schob man Frau Jellerjan in den OP Raum. Nach ihr wurde ich für den kleinen Eingriff OP-mäßig vorbereitet. Ich fühlte mich wie ein Hase in einer  Angststarre gefangen. Ebenso wie Frau Jellerhan in  grünen Laken gehüllt schob man mich ebenfalls in den OP-Bereich.

“Sie sind jetzt im OP Raum und bekommen nun Betäubungstropfen” wurde ich aufgeklärt. Während die OP-Schwester mir wiederholt die Betäubungstropfen verabreichte, unterhielten sie sich mit dem Rest der OP Besetzung über alltägliche Sache. Meine Starre hielt an und ich konnte mir nur sagen, “Augen zu und durch”. Aber dem war nicht so. Das entzündete Auge würde mit zwei Krallen weit geöffnet, ich musste ins Licht sehen. “Ist nicht so schlimm. Sie werden nicht viel merken” Dem war auch nicht so. Ich hatte das Gefühl, man wollte mir den Augapfel entfernen. Das gelbe Licht wurde weiß, rot blau und hatte was von psychedelischem Licht. Der Eingriff dauerte nur wenige Sekunden, dann war auch schon vorbei. Aber das daraus extrem unangenehme Gefühl wollte noch geraume Zeit nicht von mir weichen. “Geschafft” sagte man mir und ich bekam, wie die anderen Patienten auch eine weiße Augenklappe mit einem weißen Pflaster quer über das Gesicht fixiert. Jetzt bin ich auch einer von ihnen, den einäugigen Patienten.

Frau Jellerkan kam später aus dem OP. Sie war jetzt auch eine von uns. Auch Frau Jellerjan trug nun eine Augenklappe auf ihren erkrankten Auge. Ich erinnerte mich noch daran, dass sie der OP-Schwester bat, nicht das falsche Auge zu operieren. Auf dem könne sie noch gut sehen. Denn man hatte bei Frau Jellerjan vergessen , ein Kreuz über den erkrankten Auge zu zeichnen. Makierung war der 3. Abgleich für das OP- Personal, damit eine “OP nicht ins Auge” geht.

Für mich war der Klinikaufenthalt heute beendet, Frau Jellerjan musste noch bleiben. es sollten noch mehr Untersuchen gemacht werden. Als ich die Station verlies, verabschiedende ich mich noch von Frau Jellerjan und wünschte ihr gute Genesung. Ich sagte ihr nicht, dass ich ihren Namen bezaubern fand., er klang jeden mal, wenn man nach ihr rief, wie eine Melodie. Frau Jellerjan, die ich eher etwas knurrig drein schaute, schenkte mir zum Abschied noch ein Lächeln.

Auch wenn Frau Jellerjan nicht mehr gut zu Fuß ist.  ich wünsche ihr noch viele gute Jahre, solange sie noch auf Erden weilt  und  dann diese auch richtig sehen kann.

Alles Gute Frau Jellerjahn.

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8 Gedanken zu “Augen zu und durch

    • flotterblogger schreibt:

      Hallo Bo.,
      die Maßnahme sollte nur ausschließen, dass eventuell Augenerpes die Ursache sein sein kann. Deshalb antnahm man Kammerwasser. und unstersuchte es auf Viren. Alles gut, hat sich nicht bestätigt. Die Behandlung ist immer die selber, Tropfen und Salbe.
      Eine weiter Ursache kann Rheuma sein und das soll auch abgeklärt werden. Angeblich kann die wiederkehrende Augenentzündung darauf hinweisen. Ich bin aber beweglich wie eine Weide, verbide aber Rheuma eher mit Steifheit.
      Ich habe aber auch eine körperliche Reaktion auf Zusatzstoffe in Nahrungsmittel in der Verdacht Diesen Gedanken belächeln die Ärzte aber.
      LG Ostseemaus

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  1. flotterblogger schreibt:

    ich hoffe, meine Erfahrungen werden besser und die Augenklinik brennt sich nicht negativ in Erinnerung. Als ich dort war, kamen aus Patienten aus dem Berliner Raum angereist, weil sie mit einer bessere Behandlung erwarten ,als in ihrer Gegend.

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  2. Frau Tonari schreibt:

    Oh, oh, an die Augenklinik hab ich haufenweise früh- und kindliche Erinnerungen. Incl. zweier Operationen. Letztere gründlich missglückt. Lebenslanger Makel als Erinnerung. 😦

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