ich bin Yvonne

Es heißt, der Mensch weicht nicht mehr als 45° von seinem Ziel ab, Bei einer Abweichung von mehr als 45 °  wird er zum Querfeldein-Latscher. Um vom Supermarkt zur Bushaltestelle zu kommen muss ich um keinen Bogen über den Umweg machen will,  nicht nur querfeldein latschen, sondern auch noch eine Böschung mit einem 45° Gefälle überwinden.

Der Weg vom Supermarkt zur Bushaltestelle war glatt, Trotzdem quälte ich mich, in der Hoffnung, ich würde dabei nicht auf meinen Steiß fallen, mit meinem Einkauf auch noch die Böschung hinab, so kam ich direkt hinter die Bushaltestelle an.. Auf den weiten Umweg hatte ich keine Lust. Ich fiel nicht auf den Steiß, Glück gehabt. In wenigen Minuten soll der Bus kommen.

Durch die gläserne Bushaltstelle sah ich, wie eine Frau mir heftig zuwinkte. Ich solle zu ihr kommen. Sie stand oben auf der Böschung und wollte, wie ich auch ohne Umweg zur  Bushaltestelle gelangen. ich sollte sie sichern. So wollte die den Höhenunterschied überwinden, aber der Boden war ihr zu glatt. Sie bekan Angst und nahm in Windeseile gelaufen wie ein Wiesel den Umweg.

Ein paar Minuten, bis der Bus eintreffen sollte, wir warteten zu zweit.  Sofort redete sie wie ein Wasserfall auf mich ein. Ich hatte Mühe ihr zu folgen und verstand erst mal nicht, was sie mir sagen wollte. Es war von einer Betreuerin die Rede und das sie geweint hätte und sie hätte am Michelshof Rostock gewohnt und nun hätte sie ihre eigene Wohnung. Achja.. dann hatte sie wohl ihre Betreuerin vermisst. Ihr Leben hatte sich für sie umgestellt.

“Ich heiße Yvonne und bin 41 Jahre alt” Sie stellte sich vor, als sich ihre erste Aufregung legte. Jetzt konnte ich ihr besser folgen. “Ich war auch ein Jahr im Krankenhaus, weil ich psychisch krank bin” erzählte sie mir weiter. “Ich bin noch ein Kind, 10 Jahre alt”. sie gab mir mehr und mehr Einblick in ihr Leben. Sie wippte dabei mit jedem Wort ihren Oberkörper vor und zurück, hin und her.  “Aber jetzt wohne ich hier” sie zeiget auf den Wohnblock, den man von der Bushaltestelle aus sehen konnte. “Da bin ich ganz allein, aber Paul wohnt über mir”

“Wohin willst du jetzt fahren?” Yvonne erklärte mir, dass sie in die Innenstadt wolle, einfach so. “Aber am Freitag darf ich mir ein Bier und Kekse kaufen, aber nur Freitags, sonst nicht.” Weiter sprudelte es auch ihr heraus, über das, was sie darf und das, was ihr nicht erlaubt ist. “ich fahre immer mit dem Bus, da kenne ich mich gut aus. “Aber wenn es spät wird fahre ich nicht, da habe ich Angst vor den frechen Jungs” Unser Bus fuhr vor, wir verabschiedeten uns. “Noch eine gute Riese für dich” Yvonne stieg vorn und ich stieg in die Mitte des Busses ein.

Ich traf Yvonne nicht das erste mal an einer Haltestelle. bei jeder Begegnung erzählte sie mir, was sie in dem Moment besonders bewegte. Gestern bewegte sie besonders, dass sie aus der betreuten Wohnung im Michelshof Rostock auszog und in eine sognannte “Trainingswohnung” ihr eigenes Leben umgesiedelt , Das sie nun ihre Betreuerin weniger sah, als sonst, darunter litt Yvonne.

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5 thoughts on “ich bin Yvonne

    1. Hallo Bo.,
      ich finde spannend, wie es den einfachen Menschen oft gelingt, auf naive Art zu einer Bekanntheit der Stadt zu gelangen.;-) Fast jeder, der regelmäßig auf der Strecke unterwegs ist, kennt Yvonne. Sohnemann hatta auch schon die Ehre mit ihr. 😉
      LG Osteemaus

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      1. weil sie sich mit ihrer offenheit und kindlichen ehrlichkeit vom sonstigen stadt-sumpf abheben. sie stehen sozusagen jenseits von gut und böse. sie konfrontieren uns mit einer unverkrampften einstellung zum leben.

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