mal in die andere Richtung

dachte ich mir, denn der Rest der Stadt würde mit Sicherheit nach Warnemünde pilgern. Mit dem Stromerwachen wird die Sommersaison 2017 eingeleitet und das heißt, der kleine Ort wird randvoll mit Menschen angefüllt sein.

Also zog es mich in die andere Richtung. Die Liegewiese direkt am Ufer der Warnow schwebte mir vor Augen. Vor ein paar Tagen Anfang April ließ ich es mir dort gut gehen und das verlangte nach einer Wiederholung. Als nix wie los…Richtung Gehlsdorfer Ufer.

Beine von Sohnemann

Schnell die 7 Sachen zusammen in den Rucksack, Decke zum ausrollen, Buch zum Lesen, Kamera für Fotos, eine Flasche Wasser gegen den Durst und meine Beine in die Hand, weil der Bus in wenigen Minuten fahren würde.

Auf dem Weg zum Bus ein Blick auf s Handy, wegen der Uhrzeit, wie viele Minuten würde ich noch haben? Kann ich noch gehen oder muss ich schon laufen? Bis zum Ellenbogen grabe ich in der Handtasche auf der Suche nach dem Handy. Na so was aber auch, habe das Handy auf die Schnelle liegen lassen und was diese Tatsache mit mir macht, erschüttert mich jedes mal, wenn mir das passiert. Umkehren oder weiter gehen? Diese Entscheidung wäre noch das geringste Übel. Ich war ja nur zum flanieren unterwegs, wozu also das Handy? Geht auch ohne. Trotzdem gebe ich mit dem Gefühl weiter, als würde ich als Trapezkünstler einen doppelten Salto ohne Netz und doppelten Boden in der Luft machen. Warum nur fühlt man sich als Mensch nur soooooo komisch, wenn das Handy mal nicht in der Tasche ist? Bisher konnte ich mir die Frage selber nicht beantworten.

In dem Zusammenhang erinnerte ich mich noch an die Zeit, als man wirklich wichtige Nachrichten per Telegramm seinen Lieben zukommen lassen musste. Um vielleicht eine banale Nachricht wie: „Treffe morgen 17 Uhr Bahnhof so und so ein“ an den Mann zu bringen, musste erst ein riesiges Gerät, genannt Fernschreiberr angeworfen werden.  Was für ein großer Apparat.

BildQuelle: „Wikipedia“

Dafür nehmen wir heute unser Handy, das kleiner als die Wählscheibe auf dem Fernschreiber ist,  in die Hand und tackern unsere Lieben mit WhatsApp- Nachrichten zu, die in der Regel so unwichtig sind, wie Blumen gießen bei Regen im Garten. Was heute in Sekundenschnelle der Adressat auf WhatApp lesen kann, musste damals noch bei Nacht und Nebel vom Postboten ausgetragen werden. 2 Stunden Zeit konnte sich der Postbote am Tag lassen und 4 Stunden in der Nacht lassen, aber dann musste er sich mit flinker Socke mit dem Telegramm in der Hand auf dem Weg machen.

Aber diese Erinnerung nur am Rande, sie fiel mir eben spontan ein. Ich finde es interessant, wie de Dinge mal ihren Anfang genommen haben. Ok.. ich hätte mich auch an die Buschtrommel erinnern können und  auch das würde mich in Staunen versetzten, wie erfinderisch die Menschen damals Informationen von A nach B bringen konnten.

Mein Weg zum Gehlsdorfer Ufer führte über das Gelände der Uniklinik  Die wunderschöne Parkanlage besteht aus großen alten Bäumen, die mich schon wegen ihrer ausladenden Größe beeindrucken

ob in die Breite
oder ihre Höhe

In meinen Augen sehen sie immer mächtig gewaltig aus.


In Schwarz-Weiß im Spiel von Licht und Schatten, nehmen sie in meinen Augen sogar ein Eigenleben auf. Ein Stamm hat mit etwas Fantasie betrachtet, sogar ein Gesicht, oder nicht?

Etwas Unbehagen bekam ich jedoch nicht wegen meiner Fantasie, das ist der Lage ist, aus einen harmlosen Park einen Gespensterwald zu machen, sondern einsam und allein sitzende Männer an abgelegenen Kinderspielplätzen. Aber vielleicht spielt meine Fantasie bei dem Anblick auch eine Rolle ?

Auf dem Gelände der Uniklinik befindet u.a. auch ein therapeutischer Kinderspielplatz. Durch Baum und Strauch ist er gut abgeschirmt und daher schwer einsehbar. Nicht selten sehe ich an solch oft verwaisten Plätzen einsame Männer sitzen. Sie sitzen einfach nur da und trinken ihr Bier. Als erstes denke ich an Pädophilie, aber wenn keine Kinder zu sehen sind? Warum setzen sich einsam und verlassen wirkende Männer bevorzugt an solche Plätze?

In meinen Augen haben diese Männer, wenn sie so verloren da sitzen, keine Konturen. Ihre Kontur scheint schon früh verblasst. Sie wirken in dem Moment auf mich eher ab- als anwesend. Vielleicht hält sie nur noch die Erinnerung an ihre Kinderjahre am Leben, die aus eine Zeit stammt, in der man als Kind noch Abenteuer spielen konnte. Das Abenteuer Leben stand ihnen damals noch bevor und es erschreckte sie irgendwann, das das Abenteuer Leben doch nicht so spaßig war, wie man als Kind glaubte? Vielleicht zieht die Erinnerung an ihre Kinderjahre sie an den Ort zurück, als ihr Leben nur ein Spiel war?

Artig schloss ich das Tor und ich verließ die Parkanlage.

und ich widmete mich den maritimen Bildern der Stadt.

zahllose Segelmasten
Zirkus in der Stadt
über den langen Steg
noch vertäut

Der Sommer 2017 kann kommen.

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2 Gedanken zu “mal in die andere Richtung

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