platt gemacht

Mitte der 80iger Jahre entstand mein Wohngebiet am östlichen Stadtrand von Rostock. Man nannte damals wie heute solch Neubaugebiete auch Plattenbausiedlung. Meine Familienangehörigen wollten „hier nicht mal gegraben sein“ aber mir machte es nichts aus, in der Platte zu wohnen. Als ich damals meine Neubauwohnung bezog, spürte ich deutlich, wie aus mir Wurzeln in den Boden trieben um mich auf dem Grund und Boden, auf dem mein Wohnblock stand zu fixieren. Deshalb dachte ich nie ernsthaft über einen Umzug in die Innenstadt nach.

Seitenansicht der ehemaligen Kaufhalle

Direkt an der Straßenbahnhaltestelle gab es einen Supermarkt – zu DDR Zeiten Kaufhalle genannt – der sich nach der Wende nur kurze Zeil aber hielt. Man konnte mit dem Auto nicht direkt vor den Supermarkt fahren und so blieben die Kunden aus. Nach dem Supermarkt folgte Feldmann-Wohnen GmbH und auch dieser Markt verschwand  in diesem Sommer. In diesem Sommer verschwanden alle Mieter des Gebäudes von der Bildfläche, ihre Verträge wurden wohl nicht verlängert. Z.B betrieb ein Vietnamese seit 20 Jahren einen Imbiss und hatte seine seßhafte Stammkundschaft. Auch Vereinskneipen ließen sich im Gebäude nieder, Rostocker Rocker hatten sich auch für ein paar Jahre eingenistet und der Kindergarten Rock`n Roll war Mieter des Gebäudes. Die kleine Hasen sind auf dem 1.Bild zu sehen

Im letzten Sommer verschwanden alle Mieter und das Gebäude wurde großräumig mit einem Bauzaun umstellt. Alles klar.. 30 Jahre Geschichte werden vom Bagger abgerissen und zusammen geschoben.

Mein Weg von der Straßenbahn nach Hause führt täglich am dem Abrißgebäude vorbei und täglich verschwinden nun große Abschnitte des Gebäudes

Schaufenster mit Durchblick

von den Mietern verlasse Räume

der letzte Rest vom Kindergarten

Es bliebt abzuwarten, was auf der neu gewonnenen Fläche errichtet wird. Erfahrungsgemäß wächst auf einer zügig beräumten Fläche schnell wieder ein neues Gebäude, ein Wohngebäude vielleicht? Nur wenige Meter gegenüber der Fläche, man muss nur die Bahngleise überqueren, erstreckt sich ein wunderschönes Naherholungsgebiet, das mit seinen Flaniermeile direkt zum Wasser führt und wenn die Natur wieder grünt und blüht, wird der neue Bewohner dieses Wohngebietes einen blumigen Ausblick genießen können

auf der anderen Seite der Bahngleise
Flaniermeile nahe aktuellem Abrißgebiet

2 Gedanken zu „platt gemacht

  1. platt machen haben wir in den letzten Jahren ja oft erlebt, darum bin ich froh, dass ich noch immer in meiner Wohnung lebe seit 1971, wünsche eine gute erste Dezemberwoche, Klaus von der Müritz

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    1. Hallo Klaus,
      das hört sich gut an…seit 71 in einer Wohnung. Da bist du wirklich tief verwurzelt.
      Zur Zeit verschwinden in unseren Wohngebiet zahlreiche Gebäude, die zu DDR-Zeiten ihren Zweck erfüllten, aber heute nur noch wenige Beachtung faden. Das Gute am Plattmachen ist, dass man jahrelang nicht an einer Ruine vorbei gehen muss. Etwas Neues ist mir dann auch lieber
      LG Ostseemaus

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