Bombentag

Der Anrufer wechselt hektisch von Handy auf s Festnetz und zurück. Jemand will mich dringenst erreichen. Mein Handy ist fast immer auf leise gestellt und am Morgen sowieso.  Übers Festnetzt kommt das Gespräch mit dem unbekannten Anrufe zu Stande. Natürlich befürchte ich einen verbrecherischen Anruf, davor wird wieder seit Tagen hier oben im Norden gewarnt. Aber es war der Wohnungsverwalter von Sohnemanns Wohnung. Sohnemann lebt seit seinem Unfall noch bei mir und wird demnächst aus meinen Fittichen entlassen.

„Wann  haben sie ihren Sohn das letzte mal gesehen?“ damit leitet der Verwalter das Gespräch ein. „Gestern“ antworte ich brav „er hatte gestern Spätschicht und schläft noch“ „Aus der Wohnung ihres Sohnes riecht es nach Gas, ihr Sohn muss sofort kommen. Oder wollen sie, das das Haus in die Luft fliegt?“ Noch während der Verwalter auf mich einredet, rüttelt ich Sohnemann wach, damit er persönlich mit ihm sprechen kann. „Bin gleich da, aber 20 Minuten wird es dauern“ und schon springt Sohnemann mit  tausend Fragezeichen im Kopf in seine Klamotten und macht sich auf den Weg. Er hat ums verrecken keine Erklärung dafür, warum es aus seiner Wohnung nach Gas riecht, denn er kocht elektrisch.

Ungeduldig warte ich auf den Rückruf von Sohnemann, während mein Gehirn schon dabei ist, Szenarien zu entwickeln. Hat Sohnemann das letzte mal, als er in seiner Wohnung war, ein Gerät angelassen und das kokelt nun vor sich hin. Aber würde das nach Gas riechen ? Nein. “

„Wie gut es die Haftpflichtversicherung gibt“, denke ich, als endlich der erlösende Anruf von Sohnemann eintrifft. Was er mir dann zu erzählen hat, hat mir fast den Atem verschlagen und erst  nach und nach wurde mir die Tragweite dessen bewusst.

pexels-photo-191648Lange Rede kurzer Sinn. Also kurz gesagt, durch die (Keller)Wohnung von Sohnemann geht ein Stück der Gasleitung, die die Mieter das Hauses mit Gas versorgt. Sohnemann gehört jedoch nicht dazu. Im Sommer ist permanent ein Fenster angekippt, im aber Winter geschlossen. D.h. das Fenster ist schon seit 3 oder Wochen geschlossen. Das hatte zur Folge, dass der Gasgeruch aus seiner Wohnung kam und ein Techniker stellte fest, dass das kurze Stück der Gasleitung in seiner Wohnung ein Leck hatte.

Mit dieser Info entwickelte mein Kopf neue Szenarien. Was wäre wenn Sohnemann in der Wohnung mit geschlossenen Fernster geschlafen hätte? Wäre er am Morgen  überhaupt aufgewacht? Oder hätte die nächste Zigarette, die er sich in seiner Wohnung angesteckt hätte, die Butze in die Luft fliegen lassen? Unfälle dieser Art kommen ja immer mal wieder vor.

Und noch etwas später verstand ich erst den Sinn der Frage „Wann haben sie ihren Sohn das letzte mal gesehen? Befürchtete der Verwalter, dass Sohnemann vielleicht schon an einer Gasvergiftung gestorben ist. Die Aufregung des Verwalters lässt dies vermuten. Ich bin für meinen Teil froh, dass ich Sohnemann nach dem Unfall doch noch etwas länger unter meine Fittiche gehalten habe. Er sollte erst im Frühjahr von mir wieder entlassen werden. Wie gut , das ich mich durchgesetzt habe.

6 Gedanken zu “Bombentag

  1. eingefangenemomente schreibt:

    Na das wäre ja genau das richtige für mich gewesen, ich wäre ja wohl wahnsinnig geworden. Mhh, ich bin mir nicht sicher ob man sich an dem Gas noch vergiften kann, meine mal gelesen zu haben das da was verändert worden ist aber explodieren kann das Gas wohl immer noch bei jedem Funken, Super das es für Euch gut ausgegangen ist 🙂

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    • Hallo Regina,
      ich war auch schon kurz vor dem kollabieren und das, erst, als mir die Gefahr bewusst wurde, in die hätte Sohnemann geraten können. Er wollte in der Nacht von Montag auf Dienstag ja in seiner Wohnung übernachten. Da war mit Sicherheit seine Wohnung mit dem Gas schon so weit angereichert gewesen, dass eine Zigarette ihn in den Himmel hätte bringen können. Aus irgendeinem Grund tat er es dann doch nicht.
      Ich haben mal recherchiert, ob es noch die Gasvergiftungen gibt, wie ich sie noch aus alten Zeiten kenne. Fand aber „nur“ etwas über Kohlenmonoxydvergiftungen in dem Zusammenhang.
      Aber die Schutzengel haben Sohnemann zum Glück auf einen anderen Pfand gebracht, als ursprünglich beabsichtigt.
      Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende
      LG Ostseemaus

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      • eingefangenemomente schreibt:

        Meine Herren, da war für Deinen Sohn aber nicht nur ein Schutzengel unterwegs, Dir auch ein schönes WE 🙂

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    • Hallo Bo.,
      na mit Sicherheit ist der Vermieter dafür verantwortlich, denke ich mal. Nicht um sonst war der Verwalter so sehr in Panik. Wahrscheinlich erfuhrt er kurz dem Anruf bei mir von dem Gasgeruch, der aus der Wohnung von Jo strömte von den Mietern des Hauses und dies mit der Bemerkung, dass sie Jo schon lange nicht mehr gesehen haben. Darauf hin ist der Verwalter, so wie er bei mir rüber kam, fast aus dem Latschen gekippt. Und mir wurde durch seine erste Frage erst hinterher klar, dass es befürchtete, Jo. könnte tot in seiner Wohnung liegen.
      Zum Glück hielt ich Jo nach dem Unfall länger bei mir fest, als ihm lieb war. Da haben bestimmt die Schutzengel noch mal mitgemischt 🙂
      Ich wünsche dir un O. ein schönes Wochenende
      LG Ostseemaus.

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