Viele Eltern schicken ihre Kinder schon in frühen Kindesalter zum Sport. Manche von ihnen können grade erst laufen und schon finden sie sich in einer großen Sporthalle wieder. Und ? Sie haben Spaß. Die Kindergärten, in denen die Kleinen tagsüber sind, verfügen z.T. auch über Sporträume, aber solche eine große Sporthalle hat was. Das gefällt auch die Kleinen.

Während die Kleinen mit ihrem Trainer in die Tiefen der Sporthalle – hier eine Turnerhalle – verschwinden, schauen die Eltern von Rand der Halle ihren Kindern zu.

Das Training wird altersgerecht durchgeführt. Im Breitensport stehen laufen, springen, klettern, kriechen, hopsen auf dem Programm. Sie lernen dabei Koordination, Kondition, Geschicklichkeit und Ausdauer. Die Kleinen wollen gefordert werden.

Am letzten Mittwoch kamen 2 weitere Kinder in die Gruppe, ein Junge und ein Mädchen. Während der Junge sich sofort an Werk machte, wollte das Mädchen sich das Geschehen lieber aus der Ferne ansehen.  Als ich dem Mädchen dabei behilflich sein wollte um die „Schwelle“ zu überschreiten und ihr dazu meine Hand reichte, schlug sie diese heftig weg. Sie hatte mich wieder abgeschlagen  😀 . Wie klar doch die Charaktere der Menschen im Kleinkindalter schon zu erkennen sind. Wie die Oma meine Sohnes immer sagte: „Da legst du die Ohren mit Schwund an“ 😉

Dem Jungen wiederum konnte es gar nicht schnell genug gehen. Er stürzte sich ins Geschehen, überwand den Parkour locker, der für unterschiedliche Bewegungsarten aufgebaut wurde, Es drehte sogar noch eine Extra-Runde, borvor er sich der nächsten Aufgabe stellte. Das kleine Mädchen wagte sich später dann doch noch in die Gruppe, um dann in Intervallen wieder zur Mutter zu flüchten. Sie hatte sich auf`s Pendeln eingespielt.

Nach 60 Minuten Trainingszeit übergaben wir – es sind immer 2 Trainer im Einsatz – den Eltern ihre Kinder wieder. Bevor ich die Halle verlassen konnte, musste ich prüfen, ob alle meine Teilnehmer die Umkleide verlassen haben. So kam ich mit der Mutter ins Gespräch, deren Sohn  sich ohne Umschweife in die Gruppe einband.  Die Mutter erzählte mir nebenbei, das sie für ihren Sohn noch keine Kindergartenplatz bekommen hätte. Deshalb sei ein Sportverein für ihn jetzt wichtig. Sie wären erst kürzlich nach Rostock gekommen und das eher Hals über Kopf. Der Vater neige zur häuslicher Gewalt und deshalb wären sie quasi in einer Nacht- und Nebelaktion in eine fremde Stadt gezogen.

Ich hatte also eine kleine Flüchtlingsfamilie vor mir. Die Mutter des Kindes hat entschieden, sich und ihren Sohn aus der schwierigen Lage, in der sie sich befanden, zu befreien. Richtig entschieden, dachte ich mir. Dabei erinnerte ich mich an einen Satz, den ein Lehrer vor Jahren zu uns Schülern sagte. Die Mutter entschied sich, nur für ihr Kind dazu sein und dazu benötigte sie Ruhe und Kraft. „Du musst immer dafür sorgen, dass es dir gut geht, dann kannst du auch anderen helfen“ Dieser Satz nistete sich damals sofort in den Fundus meine gesammelten Lebensweisheiten ein, auf den ich immer mal wieder zurück greife. Er passte zur Entscheidung der jungen Mutter.

Noch auf dem Heimweg musste ich an das Schicksal dieser kleinen Familie denken und wünschte ihnen das beste für ihr neues Leben in Rostock. Vielleicht kann man als Trainer im Sportverein seinen Teil zum Gelingen beitragen. Ich würde es mir wünschen.

 

5 Kommentare zu „Die Ohren mit Schwung angelegt

  1. Guten Morgen Ostseemaus 🙂
    vorab mal, Deine Artikel werden über meinen Reader angezeigt, da habe ich nämlich diesen gerade gefunden, allerdings wird “ Du folgst“ nur kurz angezeigt wenn ich auf den “ Folgen Butten“ klicke.

    Bewegung ist ganz besonders für Kinder aber richtig genommen für uns alle wichtig 😉 das merke ich z.B. auch an meiner Gesundheit. Zurück zu den Kindern, wenn sie richtig ausgepowert sind fühlen sie sich wohl und sie sind stolz auf sich selber und beides ist extrem wichtig!

    Die Mutter hat meiner Meinung nach das richtige getan, für sich und auch für den Jungen, auch das sie gleich den Ort oder die Stadt gewechselt hat ist gut denn nur so kann sie sicher sein das der Typ nicht ständig vor der Tür steht. Hut ab denn dazu gehört natürlich auch Mut, liebe Grüße aus dem düsteren Kiel von Regina.

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    1. Hallo Regina,
      ich habe gestern noch einiges versucht, was das lesen im Reader betrifft, aber es klappt nicht, Weiß der Teufel warum. Nur die älteren Blogs erscheinen. Ich hoffe, das die „Störung“ von WP bald behoben wird.

      Der kleine (Flüchtlings)junge in der Sportgruppe war kräftiger Natur und voller Energie. Daher ist es für ihn besonders wichtig, dass er sich sportliche betätigt udn auspowern kann. Überschüssige Energie tut keinem Menschen gut und kann am Ende zerstörerisch sein.

      Sportvereine sind immer eine gute Möglichkeit, sich im fremden Ort zu integrieren. Dabei ist es egal, ob man aus einer fremden Stadt oder aus einem fremden Land kommt.

      Ich hoffe, die Mutter wird hier oben im Norden ihre Ruhe finden und sich dann wieder ihren Leben widmen kann.

      LG Ostseemaus

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      1. Wenn eine Frau die eh schon aus der Heimat flüchten musste, danach gleich wieder den Mut aufbringt um aus einer schlimmen Beziehung zu flüchten dann ist diese Frau wirklich bewundernswert, Hut ab, liebe Grüße Regina

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