Emotionen, Erinnerung, kunterbunt, Leben, Menschen, Traumzeit

Gruß aus dem Jenseits

Ich hab geträumt heut Nacht. Nein, nicht heute Nacht. Ich wurde wach und musste aber noch nicht aufstehen. Ich bin nur Frühaufsteher, wenn die Umstände das von mir verlangen. Haben sie heute aber nicht, heute ist Samstag. Also drehte ich mich wieder auf die Seite und schlief noch ein weiteres Stündchen in das Wochenende hinein. Deshalb träumte in der zweiten Runde meines Schlafes. Aber wie es mit den Träumen so ist, kaum hat man die Augen auf, schon sind sie ins Nirwana verschwunden. Zumindest für den ersten Teil des Tages.

Der Traum wollte wohl doch nicht unvergessen bleiben und brachte sich doch noch in Erinnerung. Ich war grade mit schwerem Einkauf über den Schulter hängend auf dem Heimweg vom Supermarkt. Wie aus dem Nichts kam ich eine Sequenz meines Traumes wieder in den Sinn.

Ich hatte von meinem Ex-Mann geträumt. Vor 2 Jahren lag er schwer erkrankt in der Klinik und verstarb nach wenigen Tagen dort. Ich war die letzte, die ihn noch lebend sah und war entsetzt, wie sehr die Krankheit ihm zugesetzt hatte. Auf den ersten Blick erkannte ich ihn nicht, auf den zweiten Blick auch nicht, erst auf den dritten Blick erkannte ich ihn an den Haaren. Doch ich war froh, dass ich ihn noch verabschieden konnte, auch wenn er nicht mehr bei Bewusstsein war. Unsere zwei gemeinsamen Kinder hatte uns für immer verbunden, auch wenn wir unser Leben nach 13 gemeinsamen Jahren getrennt verbrachten.

Zwei Jahre nach seinem Tod meldete er sich heute morgen wieder in meinem Traum zurück. Er war der junger stattliche Mann, den ich damals heiratete. Er hatte grade die 30 erreicht und ich war Mitte 20.. Damals fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, wie man sich fühlen mag, wenn man dem Tode nahe ist. Wir gingen logischer Weise davon aus, dass wir das Greisenalter erreichen würden, bevor das Thema aktuell werden würde. Hatte er ein Fünkchen Angst vor dem Tod? Ich antwortete unbekümmert: „Ich denke, das man sich dann unendliche müde fühlen würde und man froh wäre, dass man endlich die Augen schließen könne“ Ich verglich ein Menschenleben mit einem langen beschwerlichen Arbeitstag, an dem man am Ende des Tages todmüde ins Bett fallen würde. Das beruhigte meinen damals noch jungen Mann. Er legte sich ins Ehebett und schlief beruhigt ein. 7 Jahre später schlief jeder in seinem Bett, jeder an einem anderen Ort. Niemand von uns beiden konnte den anderen mehr verstehen und den Zusammenbruch der Ehe aufhalten. Einer hatte Groll auf den anderen, über viele Jahre lang. Aber der Tod verändert noch einmal alles.

Im Traum begegneten wir uns, als stünden wir noch am Anfang unsere Ehe. Er sah wirklich gut aus. Warum war mir das damals nicht aufgefallen? Vielleicht weil seine Gesichtszüge keine Groll mehr zeigten. Wir tauschten uns kurz über unsere missglückte Ehe aus. Weder er noch ich hatten einen Groll aufeinander, so dass alle bisher gemachten üblen Nachreden vom Winde verweht wurden. Ich erzählte ihm, dass unsere Kinder unser damals gemeinsam gebautes Haus verkaufen und ich seinem Esstisch, 4 Stühle und Waschmaschine übernommen hätte. Er war zufrieden, dass einige seiner Möbel in meinem Haushalt eine zweite Chance bekommen hätte. ER schwand dann wieder aus meinem Traum und ich wurde ein zweites mal wach.

Fast jeder Verstorbene meiner Familie tauchte ca. 2 Jahre nach seinem Tod in meinen Träumen auf, als wollte er mir zeigen, dass es ihm auf der anderen Seite gut gehen und ihr geschundener Körper wieder jugendlich frisch aussieht.

Vielleicht zeigen mir die Träume auch an, dass die Trauerarbeit über ihren Verlust in meinem Inneren abgeschlossen ist. Wenn letzteres der Fall ist, dass trage ich noch einen unerledigten Trauerfall in meinem Herzen, weil mein Groll dies verhindert ?

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3 Gedanken zu “Gruß aus dem Jenseits

    • Hallo Bo.,
      liest sich fast wieder „träum weiter“ 😉 .

      Mir fiel beim Schreiben des Textes auf, dass ich vom Sohnemann-Vater bisher noch keinen versöhnlichen Traum hatte. Das deckt sich auch mit der Trauerarbeit um ihn. Bisher konnte ich nicht trauern, weil ich auch nach 17 Jahren seines Todes immer noch wütend auf ihn bin, weil er uns allein gelassen hat ;-(.
      Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche
      LG La We

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