der Himmel kann immer noch warten

Grade habe ich den Unfallbericht abgesendet. Ich war als Zeuge des Unfalls gefragt, weil ich auch mit im Auto saß.

Meine Trainerkollegin und ich, wir waren schon wieder auf dem Rückweg. Die Trainingseinheit mit den über 30 Kindern lief gut und jeder von uns musste später an anderer Stelle vor Ort sein. Ich fahre immer nur ein kurze Strecke mit und steige dann kurze Zeit später aus. Meine Kollegin muss dann noch durch den Warnowtunnel fahren. Sie lebt auf der anderen Seite der Warnow.

Am letzten Mittwoch fuhren wir wieder gemeinsam los. Sie nahm das Lenkrad in die Hand und ich mein Smartphone. Ich hatte gesehen, dass mein Sohn zur Trainingszeit versucht hatte. mich zu erreichen. Nun wollte ich wissen, was es so dringendes gab. Wir bogen grade in die Straße ein, die wir an dem Tag nicht bis Ende fahren sollten. Es stellte sich später sogar heraus, dass ihr Fahrzeug nie wieder eine Straßen mehr befahren wird. Aber das ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Ich hatte grade meinen Sohn am Telefon, als ich auf der anderen Fahrbahnseite einen dunkelgrauen PKW sah, dessen Heck vom Parkplatz schon etwas vorgezogen war. Oder hatte das Fahrzeug Überlänge. Es war ein Kombi. Die hinteren Seitenfenster konnte ich deshalb schon sehen. Aber würde uns der Fahrer von seinem Platz auch sehen können. Keinesfalls hatte er einen Einblick auf den Straßenabschnitt, auf dem wir uns, wenn auch auf der Gegenfahrbahn, näherten.

Während ich mit Sohnemann sprach, dachte ich im Hinterkopf: „Der wird doch jetzt nicht ausparken wollen?“ Wahrscheinlich war das eine berechtigte Frage und Vorahnung, denn kaum hatte ich den Satz zu Ende gedacht, da krachte es auch schon. Sohnemann bekommt das „Krach-Wumm“- Geräusch auf der anderen Seite des Telefons live ins Ohr geliefert. Unser Airbag hatte ich sich nicht geöffnet, dafür war meine Kollegin wohl zu langsam unterwegs.

Wahrscheinlich war mein Gedanke eine richtige Vorahnung und ich stemmte rechtzeitig meine Beine nach vorn auf den Fahrzeugboden So konnte ich den Schub nach vorn durch den Aufprall abfangen. Meine Kollegin hatte zum Glück ihr Lenkrad in der Hand und konnte sich ebenfalls gegen den Schub wehren. „Das glaube ich nicht“ sagte ich meiner Kollegin „Der hat tatsächlich sein Auto aus dem Parkplatz manövriert“ Für solch ein Manöver war die Straße viel zu eng und sein Wagen viel zu lang. Das hatte ich zumindest als Nichtautofahrer so eingeschätzt.

Nur noch knirschend und schwer gängig lies sich die Seitentür auf der Kraftfahrerseite öffnen. Meine Kollegin sah sich den Schaden an und wurde blass. Einmal wegen des Schreckens und weil ihr Auto wohl damit hinüber war.

Noch mal Glück gehabt. Wäre des Zusammenstoß nur eine halbe Sekunde früher gewesen, dann hätte es die Tür und meine Kollegin im Auto erwischt. Aber so konnten wir unverletzt das Fahrzeug verlassen und kamen nur mit dem Schrecken davon. Dafür wurde später von Gutachter erklärt, dass Fahrzeug hätte Totalschaden.

Nach einer guten Stunden, nachdem die Polizei schon da war, alle Daten von uns aufgenommen und -zig Fotos gemacht und jeder der Unfallbeteiligten seine Versicherung informiert hatte, wurde das Fahrzeug vom Abschleppdienst abgeholt. Für meine Kollegin machte ich, während ich mich zu Fuß auf den Heimweg machte, ein Abschiedsfoto von ihrem Wagen.

Weil der Fahrer vom Abschleppdienst so rasant zur Unfallstelle kam und ebenso rasant das Fahrzeug auflud, erkundigte ich mich später besorgt bei meiner Kollegin, wie denn die Fahrt mit dem wilden Fahrer gewesen sei.. „Frag mich nicht“ antworte sie mir sinngemäß und sie wischte sich verbal noch mal den „Angstscheiß“ von der Stirn, weil der Fahrer auch mit aufgeladen PKW weiter so rasant mit ihr unterwegs war. Aber sie war heil angekommen – zum Glück.

Vor 6 Monaten war ich in einer ähnlichen Situation. Damals haben wir unser Leben einem reaktionsschnellen Taxifahrer zu verdanken, ansonsten hätte ich diese Weihnachten nur noch vom Himmel aus erleben können.

13 Gedanken zu “der Himmel kann immer noch warten

  1. gut, dass ihr an leib und leben davongekommen seid. der berliner verkehr ist auch ganz schön gefährlich. als fahrradfahrer muss ich auf alles gefasst sein. ausparkende pkws gehören dazu…

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    • Mal wieder nicht dran gewesen ….ich hatte den ausparkenden PKW wohl deshalb im Blick, weil mein Bekannter deshalb schwer verunglückt war. Er hatte vor seinem fahrenden Motorrad plötzlich die Breitseite eines PKWs vor seinem Vorderrad und flog durch den Aufprall meterweit durch die Luft. Ich glaube, 3 Monate war er danach außer Gefecht gesetzt, Der Radfahrer ist ja ebenso schnell getroffen., auch wenn er nicht mit der Geschwindigkeit eines Motorrades daher kommt.
      Meine Kollegin hat jetzt ein Ersatzfahrzeug und muss sich nun nach einem neunen PKW umsehen. Weil ihre Unfallgegner glaubt, sie hätte sich nicht richtig verhalten, wird sie einen Anwalt einschalten. Wie es eben so ist, jeder glaubt im Recht zu sein. Aber, obwohl ich keine Autofahrer bin, denke ich, dass der Unfallgegner falsch entschieden hat. Wir werden sehen, was daraus wird.
      Ich wünsche dir noch eine schöne Woche
      LG La We

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      • wie es rechtlich aussieht, ist die eine sache.
        die andere sache ist, dass wir im straßenverkehr alle sehr vorsichtig sein müssen, auch wenn wir „vorfahrt“ haben. das ist aber eine binsenweisheit. meistens passieren unfälle, wenn beide seiten leichtsinnig unterwegs sind.

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        • Hier geht es auch nur mit Rechtsanwalt weiter, Den Unfallbericht als Zeuge, den ich gestern absendete, war für den Rechtsanwalt meiner Kollegin. Also wird d a wohl noch kräftig gestritten. Er teilte seiner Versicherung mit, sie wäre wegen eins Überholmanövers auf seiner Fahrbahn gewesen. Aber an eine Überholmanöver kann ich mich nicht erinnern. Meine Kollegin auch nicht. Überholen hätte in der kurzen Straße, in der man nur mit 30 Km/h fahren darf keinen Sinn gemacht. Natürlich will der Unfallgegner die Schuld weit von sich weisen. Aber sie wären selbst, wenn sie mit bremsen reagiert hätte, zusammen gekommen. Ihr Blick war jedoch auf der rechten Fahrbahn mit einer kleinen Zu -. und Abfahrtsstraße zum Supermarkt. Also auf der Seite war einiges los, worauf sie geachtet hatte.
          Mal sehen, was nun daraus wird und wer die „Zeche“ zahlen muss.
          LG La We

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  2. Uiui, das wünscht man keinem. Ich frage mich, wie solche Unfälle überhaupt passieren können. Mir ist als Beifahrer auch mal ein Unfall passiert, der einfach nur unglaublich war. Wir sind bei einer grünen Ampel auf die Kruezung gefahren. Die andere hatte natürlich Rot. Plötzlich, als wir mitten auf der Kreuzugn waren, fährt ein Auto der Querstraße los und direkt auf die Beifahrerseite (meine Seite) zu. Die Fahrerin war meine Mutter sah das und reagierte zum Glück sehr schnell, sodass der Wagen nicht in die Beifahrerseite krachte, sondern nur den hinteren Teil des Autos erwischte. Auch wenn das schon ein paar Jahre her ist, die Erinnerung ist noch sehr lebhaft da.
    Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du dabei empfunden hast. Bei uns war es zum Glück wie auch bei dir nur ein Blechschaden. Der Fahrer hat behauptet, ihn hätte die Sonne geblendet, so dass er die Fraben der Ampel nicht mehr gesehen hätte. Aber uns hätte er doch sehen müssen.
    Genauso wie euch! Da regt man sich über Rentner auf, die den Führerschein abgeben sollen. Dabei fahren diese oft unfallfreier als andere.
    In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Abend
    Liebe Grüße
    Monika

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    • Hallo Monika, das lies sich ja auch gar nicht gut und ich kann verstehen, dass einem der Schreck noch lange in den Knochen steckt. Auf der anderen Seite kommt einem das alles zu unwirklich vor. Und zum Glück hat deine Mutter schnell reagiert und damit wohl dich gerettet. Denn ich war erstaunt, dass das Fahrzeug meiner Kollegin durch den Zusammenstoß bei geringer Geschwindigkeit so sehr demoliert war. Hätte es die Fahrerseite getroffen, wäre sich meine Kollegin auch verletzt worden.
      Der Unfallverursacher war ein Rentner und ich schätze ihn zwischen 70 und 80 Jahre. Er sagte, das wäre sein erster Unfall gewesen. Aber er glaubt. meine Kollegin hätte die Schuld an der Kollision. Entsprechend wird jetzt geklärt/gestritten, wer die Verantwortung dafür trägt.
      Ich als Nicht-Kraftfahrer war der Meinung, dass er uns hätte erst mal vorbei ziehen lassen müssen, denn er hatte ein viel zu großen Wagen und konnte ihn nicht mit einer klitze kleinen Kurve aus von dem Parkplatz manövrieren, ohne mit dem Heckteil auf die gegenüberliegende Straßenseite zu kommen.
      Bin gespannt, wie alles ausgeht, Auch wenn zum Glück niemand verletzt wurde, der Sachschaden ist wohl emmenz.
      Ich wünsche dir noch eine schöne Woche
      LG Ostseemaus

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  3. Glück im Unglück. Gut dass es „nur“ Blechschaden war. Den Ärger und Stress hat jetzt leider Deine Kollegin. Hoffen wir, dass die Versicherungen schnell und unproblematisch reagiert! Trotz allem eine schöne Woche! Hier scheint heute auch die Sonne, aber es ist kalter Wind.

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    • Hallo Hedwig, wir waren auch froh., dass mir ohne eine Beule oder Katzer aus dem Auto kamen, Erstaunlich war für mich, wie hoch der Sachschaden nun doch sein wird, denn der eine kam aus dem Stand und der andere (wir) nur mir 30 Km/h daher. So ganz unproblematisch wird es nicht ablaufen, denn der Unfallgegner sieht die Schuld bei meiner Kollegin. Sie hätte zu dem Zeitpunkt ein Fahrzeug überholt und wäre deshalb auf seiner Fahrbahn gewesen. Aber ich kann mich nicht an ein Fahrzeug erinnern, dass wir zu dem Zeitpunkt überholt haben. Bei der Geschwindigkeit hätte ein Überholmanöver keinen Sinn gemacht. Nun steht aber Aussage gegen Aussage und ein Rechtsanwalt hat deshalb auch schon genug zu tun.
      Hier scheint heut auch die Sonne.. Es wechseln sich regen und Sonne täglich ab. nicht schlecht würde ich sagen. Denn Regen brauchen wir auch.
      Eine gute Woche für dich
      LG Ostseemaus

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    • Hallo Tilda,
      zum Glück glimpflich ausgegangen,. Zumindest für uns Menschen.und ich bekam die Bestätigung, dass ich mich auf mein „Frühwarnsystem“ verlassen kann. Ohne dass ich damit gerechnet hatte, was ich auf die Kollision wohl doch vorbereitet.
      Ich wünsche dir noch eine schöne Woche. Hier in Rostock scheint die Sonne. Ich hoffe, bei dir auch .

      LG Ostseemaus

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