Das Leben kehrt zurück

Ich lebe ja dort, wo andere Urlaub machen. Und dieser darf ab morgen landesweit und ab 4.Juni bundesweit in Mecklenburg/Vorpommern wieder kräftig genutzt werden. Über Hören/Sagen kam mir zu Ohren, dass die Hotels im Speed ausgebucht wurden. Das Wetter spielt seit gestern auch mit, was will Mensch mehr. Es braucht nicht viel, um sich wieder mitten Im leben zu spüren.

Bevor die Massen anströmen, wollte ich in Warnemünde den alten Strom und die Promenade noch mal für mich ganz allein haben. Aber ganz so war es dann doch nicht. Die Busse und Bahnen in Richtung Warnemünde waren voll besetzt. Auch wenn noch kein ausgesprochenes Strandwetter war, ein Spaziergang an der Ostsee hebt immer die Stimmung und macht Lockdowns gedingt steif gesessene Knochen wieder geschmeidig. Die salzhaltige Meeresluft (Thalosso) sorgt dafür und kostet kein Extra. 😁

Ich blieb jedoch auf der Promenade und schlenderte an zahlreichen Straßenkünstler vorbei. In regelmäßigen Abstanden hatten sie sich eine Platz reserviert und unterschielten die Spaziergänger mit den unterschiedlichsten Gesängen. Ich fühlte mich in meinen Urlaub auf Malle zurück versetzt. Auch dort standen am Abend alle 50 – 100 m die Straßenmusiker. Der Trend setzte sich von Jahr zu Jahre mehr durch und ist wohl nun auch in Warnemünde angekommen.

Auf dem Foto zu sehen, einer der Söhne von Angelo den Kelly. Das es sich um ihn handelt, sah ich gestern zufällig im TV. Als ich das Foto machte, wusste ich es nicht. Mutig der 19 Jährige. Er will es auch weit bringen und versucht sich schon früh im Alleingang. Ich wünsche ihm Glück.

So dünn gesät von Spaziergängern wird es auf der Strandpromenade in nächster Zukunft nicht mehr aussehen.

Ich finde es in der Nachbetrachtung der Lockdown-Zeit paradox, das viele in der Vergangenheit (vor der Pandemie) bevorzug Urlaub buchten, wo man nicht auf Menschenmassen treffen wollte. Man wollte am liebsten in der Abgeschiedenheit sich von der heiß gelaufenen Arbeitswelt erholen und dem Hamsterrad des Lebens entfliehen. Doch nachdem das Virus die Menschen in den Stillstand zwang, drehten einige doch mächtig am Rad, bekamen Schnappatmung und nahmen den Staat als Staatsfeind Nr. 1 ins Visier. So eine Auszeit hat uns alle ganz gut getan, aber wie es aussieht, tat sie nicht allen gut.

Wenn die tägliche Ablenkung abhanden kommt, dann fällt der Mensch oft auf sich selbst zurück und das macht nicht jeden Laune. Ich konnte im Laufe der Zeit beobachten, wie einige zähneknirschend sich abwandten und ein weiteres mal den Staat als Staatsfeind Nr. 1 ins Visier nahmen. Manchmal ist es nicht so einfach, sich selbst auszuhalten. Aber egal, jeder ist ja seines eigenen Glückes Schmied, denn die Welt ist immer so, wie ich sie sehe. Und weil ich diesen Planeten irgendwann nicht mit schlechter Laune verlassen will, werde ich auch in Zukunft darauf schauen, was mir Laune macht.

Doch vorerst muss ich erst mal die Koffer packen. Die Riese geht zu meiner Schwester, die sich kürzlich einer einer Operation unterziehen musste. Sie ist, wie mein Bruder kürzlich, grade noch so an einem Drama vorbei geschrammt. Doch die Chirurgen konnten zum Glück alles wieder richten und das Leben kann nach ihrer Genesung in vertrauten Bahnen weiter gehen.

Gute Frage

Im Laufe meines Lebens las sich schon einige Bücher, obwohl ich keine Leseratte bin. Meistens lese ich, wenn mit Bus und Bahn unterwegs bin. (Die Abende vereinnahmte meistens TV. Eine Gewohnheit, die ich nur schwer ausmerzen konnte). Darunter gab es nur wenige Bücher, die ich bis heute noch in Erinnerung habe. Das eine oder andere aber auch als emotionale Erinnerung., so mit „Boooaaaa“ und so. Damit meine ich einen AHA-Effekt, der mich staunen ließ.

Eins von diesen Büchern mit dem „Booooaaa“ – Gefühl handelte vom Leben in Romanform von Marie Curie, jener wohl allen bekannten Wissenschaftlerin, die die Radioaktivität entdeckte. Mit ihrem Mann Pierre Curie verließ sie ihre Heimat Polen und zog mit ihm nach Frankreich. (in ihrer damaligen Heimat wurden Frauen zum Studium nicht zugelassen) Der Buchautor beschrieb im Roman, wie entzückt Marie Curie war, als sie Universität betrat um dort weiter zu studieren, was damals als Frau nicht die Normalität war. Für sie war die Universität ein Gebäude, in dem hinter jeder Tür einen Schatz zu erwarten war. Ihr Wissensdurst hatte der Buchautor für mich emotional spürbar gemacht und in mir den Wunsch geweckt, soviel wie möglich über die Welt in der ich lebe zu erfahren.

Bis zu einem Studium an einer Universität hat es bei mir nicht gereicht, dafür war ich wohl nicht ehrgeizig und zielstrebig genug. Doch meine Neugier auf das , was unser Leben ausmacht, ist geblieben. Und so sieht man mich eher mit einem Sachbuch als mit einem Thriller vor der Nase. Und wenn, wie zur Zeit in der Pandemie, tausend unbeantworteter Fragen auf mich einstürzen, verschwinde ich regelrecht hinter einem Bücherberg auf der Suche nach Erklärungen und tauche erst auf, wenn sich meine grauen Zellen wieder koordiniert und in klaren Strukturen durch mein Gehirn bewegen. Ich lasse nicht zu, dass sie sich um sich selbst kreisen, bis mir schwindlig wird.

Zur Zeit lese ich von Gerhard Müller das Buch „UMDENKEN – Überlebensfragen der Menschheit“ Dabei wird nicht die Pandemie erörtert, der Politiker sieht die überlebenswichtige Frage auf einem anderen in unserem Umgang mit der Welt. Um die Probleme sichtbar zu machen, werden dem Leser Fragen gestellt, die anhand von Zahlen sichtbar werden. Unter anderen wird die Frage gestellt, wieviel Mensch die Erde bei der gegebenen Technologie und Kooperationsstruktur erträgt?

Und jetzt kommt eine erstaunliche Feststellung:

„Würde jeder Mensch so leben und konsumieren wie wir Deutschen, bräuchten wir heute schon 3 Erden. Bei dem Lebensstil der Amerikaner für alle wären 5 Erden notwendig.“

Das heißt, wir Deutsche leben heute schon mehr als über die Verhältnisse, als unser eigene Grund und Boden hergibt. Die Frage die sich mir stellt, ist, wessen Boden ziehen wir mit unseren Wohlstandsleben den Boden unter den Füßen weg?

Eine echt gruselige Frage, oder? Nach der Bewältigung der Pandemie wird der Klimaschutz ganz oben auf der Agenda der Politiker stehen müssen und dieser wiederum wird Einschränkungen nach sich ziehen. Mißtöne zum Klimaschutz waren schon vor der Pandemie vernehmbar. Ich denke dabei an Greta und wie die Klimaleugner sich an ihr abarbeiteten, indem man sich über sie lustig machte. Der Kampf der Stimmunsmacher und Desinformanten wieder ähnliche Züge annehmen, wie wir sie gegenwärtig erleben.

Hallo Leben….

Noch habe ich das Gefühl, mein Oberarm sei leicht geschwollen und deshalb auch etwas druckempfindlich. Aber das war´s auch schon an Impfreaktion. Ja, gestern war es soweit. Ich erhielt meine erste Impfung. Mit der LUCA-App hielt ich den denkwürdigen Augenblick für mich fest, als ich das Impfzentrum Rostock betrat. Für mich war Impfen lassen, ja oder nein, nie ein Thema. Einmal, weil ich mich schützen wollte und zum anderen kommen wir nur aus dem Schlamassel, wenn 70 % der Bevölkerung immunisiert sind. So tue ich etwas für mich und der Gemeinschaft und das wiederum tut mir auch wieder gut. Die Balance zwischen geben und nehmen ist für mich damit ausgewogen.

Der Termin wurde per Telefon vereinbart, nachdem ich eine Einladung erhielt. Da der größte Ansturm auf das Callcenter der ersten Wochen vorbei war, kam man relativ schnell ins Gespräch. Alle lieb und nett und bemüht, ruhig und souverän den Ansturm abzuwickeln. Für mich kam nur der Impfstoff von Biontech in Frage, weil in unserer Familie schon Embolien auftraten, die erblich Form.

Kaum hatte ich den Termin für mich notiert, vollzog sich in meinem Inneren in kurzer Zeit eine Wandlung. Als erstes fiel die Spannung ab und ich fragte mich, warum wir Menschen uns wegen der Pandemie überhaupt in den Haaren lagen. Ich spürte keine Konflikte mehr und an deren Stelle trat das Gefühl einer Befreiung, wie ich es noch aus längst vergangenen Zeit kannte (damals brach ich aus einer autoritär geführten Ehe aus). Ein neues frische Leben stand vor mir und solch ein Gefühl nahm ich mit der Impfung wahr.

Unwichtig alle Diskrepanzen zum Thema Lockdown, sie sind für mich in die Bedeutungslosigkeit abgesunken. Ich frage mich, warum ich mich überhaupt daran so ab gearbeitet hatte. Mit der Impfung vollzog sich für mich auch die Befreiung von den Ängsten einer Infektion mit einem noch relativ unbekannten Virus und ich huldige alle, die uns den Weg in die Freiheit in relativ kurzer Zeit möglich machten. Sie haben es trotz aller unterschiedlichen Auffassungen zu einem guten Ende gebracht und das ist das was zählt.

Hallo Leben, ich bin wieder da !!!!!!!