Das Ende der Idylle

Nach 1 – 1/2 Wochen im ländlichen Raum vom Schleswig Holstein tauche ich nun wieder in das pulsierende Stadtleben von Rostock ein. Ländliche Idylle gut und schön, aber ich mag´s lieber wenn es um mich herum pulsiert und im öffentlichen Raum viele Menschen um mich herum sind. Noch schieben sich keine Massen durch das Stadtzentrum, doch das wird sich in dieser Woche mit Sicherheit ändern. Sohnemann – in der Warnemünder Gastronomie beschäftigt – dem qualmten schon am Samstag mächtig die Socken. Alle Plätze besetzt, innen wie außen, und zahlreiche Gäste mussten abgewiesen werden. Jeder Gastwirt in Warnemünde dürfte sich über die abendliche Abrechnung gefreut haben. Der Puls des Lebens darf peu á peu höher schlagen. Schön, die alltäglichen Freiheiten wieder zu genießen. Manches im Leben wird etwas Selbstverständliches erst bewusst, wenn man es verloren hat. Sei es die Liebe, sei es die Freiheit.

Im Gegensatz zu uns, die mit weiten Armen in die Freiheit laufen um das Leben zu begrüßen. war vielen – zu vielen- dieser befreiende Moment nicht mehr vergönnt. Sie wurden vom Virus überrollt und uns für immer genommen. Sie starben allein und einsam, durften ihre Angehörigen nur im Schutzanzügen sehen, wenn überhaupt. Ein Politiker, dessen Frau an Krebs erkrankte, sagte damals: „Wenn man gesund ist, will man alles. Wenn man krank ist, will man nur eins“ Für zu viele, die sich infizierten, gab es nicht mehr mal mehr das eine. Sie mussten gehen und jeder der gehen musste, ist einer zu viel. Ich gedenke ihrer hier und jetzt und hoffe für uns, die das Glück haben, vom Leben noch alles zu erhoffen, dass wir mit der Zukunft so umsichtig umgehen werden und wir vor einem weiteren schnellen Virus den Kopf nie wieder einziehen müssen.

Ich habe nicht nur Menschen an das Virus verloren, sondern auch an die Ideologie von Desinformationen, in denen Lügen und Wahrheit so häufig verwirrend gemischt wurden, das die Anhänger nicht mehr wussten, was richtig uns was falsch war. Mit Hilfe der Desinformation wurden Filterblasen installiert, die im Kontrast zu den üblichen Medien standen, in denen sich Suchende nach einfachen Antworten verfingen und verirrten. Ich spürte es an einer subtilen Giftigkeit in auch harmlosen Worten, wenn ich mit ihnen sprach. Jedes der Worte ihrer Antworten enthielt stets einen Gifttropfen, wie ich sie von Manipulationen kenne.

Auf Youtube traten zahlreiche Seher der Zukunft auf, deren Theorien Konstrukte ihrer Eitelkeiten waren. Mit der Zunahme von Zuhörerschaft wuchs ihr Ego und mit der Macht über ihre die Zuhörer, die an ihren Lippen hingen, wuchs ihr Konto. Ich denke, sie werden auch in Zukunft davon leben können. Herr und Frau Bhakdi z.B. schreiben sich grade die Finger wund, hauen ein Buch nach dem anderen raus und verdienen im Zuge der Pandemie zu ihrer satten Rente noch ein Sack voll Geld an dem Virus, den keiner will. Es gibt genug Menschen, die sich von einem Herren Prof. Dr. med, bestätigen lassen wollen, dass das Virus doch nicht soo gefährlich wäre, wie behauptet wird und alle Menschen der Welt mal kurz auf die „Schlachtbank“ der Versuchskaninchen geschoben werden und die Pandemie deshalb ein Szenario der Regierungen wäre. Ich schaue jetzt einfach mal allwissend in die Glaskugel und denke, dass der besagte Prof. angesäuert war, dass man ihn nicht ins Boot der Berater für die Regierung aufnahm. Dort hätte seine Person die Wichtigkeit bekommen, die ihm gebührt. Das von Eitelkeit geprägte Ego und die selbst überhöhende Wichtigkeit lässt grüßen und so lässt sich wortgewandt im Gegenpart zu Regierungsbeschlüssen aber auch gutes Geld verdienen.

Auch das hat mich diese Zeit gelehrt. Überall wo Prof. drauf steht, muss kein weiser Mann drin stecken. Manchmal, wenn man genau hinschaut, steckt dahinter ein eitles Arschgesicht. Aber im Grunde hat sich für mich eine alte Erkenntnis während einer schweren privaten Krise bestätigt. In dieser Zeit kamen die wahren Gesichter zum Vorschein. In meiner damaligen Situation appellierte ich an die Solidarität vieler, die ich als Freunde glaubte. Ich musste erfahren, das nicht für alle Solidarität selbstverständlich war. Für den einen oder anderen war relativ früh Schluss mit Lustig In der Pandemie wurde auch an die Solidarität appelliert, um das Leben der Schwachen und Verletzlichen der Gesellschaft zu schützen. Den ersten Erkenntnissen nach, wurden nur sie durch das Virus wirklich bedroht. Krisen bringen manchmal das Beste aber auch manchmal das Schlechteste im Menschen hervor. Das Interessante an der Situation ist, das sich zur Zeit jeder auf der Seite der Guten glaubt. Eine illustre Gesellschaft verlangt von einem nicht viel, eine Gemeinschaft jedoch den Gemeinschaftssinn.

Heute in einer Woche bekomme ich meine zweite Impfung und dann kann ich auch wieder an Malle im September denken. Spaß muss sein, denn nach dieser außergewöhnlichen Zeit müssen wir mal wieder voller Inbrunst lachen können und uns so die Leichtigkeit des Lebens zurück holen.

zwei reizende Schwestern