Tag: 5. September 2021

ein bunter Abend

Langsam aber sicher installiert sich die Live-Kultur wieder in unser aktuelles Leben. Die Pandemie bremst den Hype noch etwas aus, doch der Saal, in dem ich gestern saß, war voll. Es kam rein, was rein durfte. Nur hier und da mussten die Veranstalter – das Volkstheater Rostock – ein paar Lücken zwischen Reihen und Sitzplätzen lassen, doch das tat dem Erlebnis keinen Abbruch. Auf dem Spielplan stand „Disco-Fieber“, 70er-Jahre-Musical von Juri Sternburg. Musik und Tanz ist immer gut und bring Schwung in unser Leben. Und wer auf dem Sound der 70iger Jahre stand, kam gestern Abend auf seine Kosten.

Fünf reizende Frauen, eine von ihnen war ich, machten sich gestern Abend auf den Weg in das Sommertheater von Rostock. Das ist eine alte Werkhalle auf dem ehemaligen Werftgelände der Neptun Werft. Was die rustikale Bühne nicht an Breite hatte, hatte sie in der Höhe. Über 3 Etagen spielten die Darsteller für ihr Publikum, die alle mit Mundschutz zusahen. Keine von uns wusste genau, ob wir den Mundschutz ablegen durften oder nicht, also machten wir es, wie die meisten der Zuschauer und behielten den Mundschutz auf. Ich fragte mich, wie das wohl für die Darsteller aussehen mag. All die Zuschauer mit weißen Tüchern vorm Gesicht.😷😷😷😷😷😷😁 Aber vielleicht sahen sie von uns auch nicht viel, denn die Künstler standen ja im grellen Bühnenlicht, das auf sie gerichtet war.

Wir waren ein dankbares Publikum und honorierten jeden Song – es waren viele – , mit Applaus, der zwischen den Szenen gespielt wurde. Und nach jeden Song wurde der Applaus länger und lauter. Die Zuschauer kamen in Schwung, kamen in Stimmung. Wir klatschten nicht nur, wir klatschten mit, im Rhythmus der Musik.

Das Ende des Musicals wurde mit einem opulenten Bühnenbild eingeleitet und der letzte Song „YMCA“ riss uns alle vom Hocker, bzw. von unseren Sitzplätzen. Die Begeisterung hatte sich im Zuschauer Saal weiter ausgebreite, als mir plötzlich Tränen aufstiegen. Urplötzlich musste ich an meine Cousine, meinen Cousin und meine Freundin denken, die all das nicht mehr miterleben dürfen. Vor einem Jahr dachte niemand im entferntesten daran, das ihr Leben ein jähes Ende finden wird.

Noch immer mischt sich die Trauer in meine Lebensfreude. Sie lässt mich die Lebensfreude nicht ungestört genießen, ganz im Gegenteil. In solchen Momenten, wie gestern Abend, drängt sie sich wieder mit in die erste Reihe und will gefühlt werden. Und sie macht mir deutlich, wie wichtig es ist, sein Leben im positiven Licht zu gestalten und jeden Moment des Leben zu genießen, wenn auch nicht jeder Moment mit Glück beseelt wird. Meinen Yogis sage ich immer: „Du kannst die äußere Welt nicht ändern, jedoch dein innere Einstellung zur äußeren Welt“ Momentan prallen sogar zwei Welten in meinem Inneren zusammen, die der Lebensfreude, die der Trauer und beide muss ich zulassen, .mitunter sogar zeitgleich, wie gestern Abend.