Wiederherstellung

Leidenschaftlich und liebevoll drückt sie meinen Sohn an ihr Herz. „Du siehst jetzt wieder wie früher aus“ und klopft ihn bei den Worten beherzt auf seine Schultern. Tränen …kaum zu sehen.. sie sind bei beiden zu spüren, auch bei mir waren sie nicht weit. Das letzte Bild das sie von meinen Sohn sah, hatte sie erschüttert und sich bei ihr eingeprägt .

Am Fuß der Treppe, die in unteren Betriebsräume führt, fand man ihn. Nur wenig später, nachdem er seine Kollegen zum Dienstbeginn begrüßte. Er wollte nur noch seine Dienstkleidung anziehen. Die Spints der Mitarbeiterin befinden sich im Unterschoß,, zu denen man über eine steile Metalltreppe kommt. Bis an seine Spint schaffte es Sohnenmann jedoch nicht mehr. Auf der Treppe traf ihn der epileptische Anfall unerwartet und er fiel kopfüber die Stufen abwärts. Noch vor Ort wurde Sohnemann ins künstliche Koma gelegt. Seine Kollegen hatte das Bild mit dem blutigen Gesicht und Beatmungsschlauch im Mund noch vor ihrem Auge, als er schon zur Notfallklinik gebracht wurde. Eine knappe Woche danach wachte Sohnemann auf der Intensivstation wieder auf. .

Ich wartete mit Bangen in der Notfallstation der Rostocker Uni auf die ersten Ergebnisse der Untersuchung. Nach dem schweren Sturz von der Treppe war alles möglich und ich wusste nicht,was mich erwarten würde. Meiner angstvollen Fantasie durfte ich keinen Raum geben. Die 30 Minuten Wartezeit waren eine Ewigkeit. Dann endlich wurde mein Name aufgerufen… ein junger Arzt klärte mich über die ersten Ergebnisse der Untersuchung auf. Mein Atem stand still, als er zu reden begann. „Keine Verletzung an der Wirbelsäule. keine schweren Verletzungen am/im Kopf. “ Ich konnte wieder atmen. Die Auskunft war Erlösung pur. So wie sonst, konnte ich Sohnemann diesmal nicht mit nach Hause nehmen.. er kam gleich auf die neurologische Intensivstation zur Weiterbehandlung.

Als er nach eine knappen Woche aufwachte, war seine Sprache weg und der Körper linksseitig spastisch gelähmt. Eine kleine Verletzung am Gehirn zeigt ihre Wirkung. „Sohnemann, deine Software ist beschädigt“ sagte ich ihm.. „das wird wieder“ gab ich  ihn zu verstehen. „Das Gehirn nutzt nun andere Areale für s Sprechen und die Bewegung der linken Körperhälfte“ Ich gab erst mal nur weiter, was man mir sagte.

Ich habe aber auch eine eigene Methode in die Zukunft zu schauen. Ich schloss die Augen, versenkte mich, konzentrierte mich auf das Bild meines Sohnes und aus meinem Unterbewusstsein stieg ein Bild auf, in dem ich meinen Sohn auf seinem Skateboard sah. „Das wird wieder“ Erleichterung auch für mich. Ich konzentrierte mich auf die Besuche ..Intensivstation, Normalstation und nun Reha.

Nach fast 8 Wochen steht Sohnemann noch nicht ganz in seinem vollen Leben. Aber die Sprache ich wieder zurück gekehrt. Anfangs gab es nur geleierter Worte, doch nun ist auch schon das volle Klangbild seiner Stimme wieder da. Gut zu Fuß ist er auch schon wieder und auch seine linke Hand macht wieder mit. Die Reha ist noch nicht abgeschlossen und es kann nur noch besser werden.

ich bin Yvonne

Es heißt, der Mensch weicht nicht mehr als 45° von seinem Ziel ab, Bei einer Abweichung von mehr als 45 °  wird er zum Querfeldein-Latscher. Um vom Supermarkt zur Bushaltestelle zu kommen muss ich um keinen Bogen über den Umweg machen will,  nicht nur querfeldein latschen, sondern auch noch eine Böschung mit einem 45° Gefälle überwinden.

Der Weg vom Supermarkt zur Bushaltestelle war glatt, Trotzdem quälte ich mich, in der Hoffnung, ich würde dabei nicht auf meinen Steiß fallen, mit meinem Einkauf auch noch die Böschung hinab, so kam ich direkt hinter die Bushaltestelle an.. Auf den weiten Umweg hatte ich keine Lust. Ich fiel nicht auf den Steiß, Glück gehabt. In wenigen Minuten soll der Bus kommen.

Durch die gläserne Bushaltstelle sah ich, wie eine Frau mir heftig zuwinkte. Ich solle zu ihr kommen. Sie stand oben auf der Böschung und wollte, wie ich auch ohne Umweg zur  Bushaltestelle gelangen. ich sollte sie sichern. So wollte die den Höhenunterschied überwinden, aber der Boden war ihr zu glatt. Sie bekan Angst und nahm in Windeseile gelaufen wie ein Wiesel den Umweg.

Ein paar Minuten, bis der Bus eintreffen sollte, wir warteten zu zweit.  Sofort redete sie wie ein Wasserfall auf mich ein. Ich hatte Mühe ihr zu folgen und verstand erst mal nicht, was sie mir sagen wollte. Es war von einer Betreuerin die Rede und das sie geweint hätte und sie hätte am Michelshof Rostock gewohnt und nun hätte sie ihre eigene Wohnung. Achja.. dann hatte sie wohl ihre Betreuerin vermisst. Ihr Leben hatte sich für sie umgestellt.

“Ich heiße Yvonne und bin 41 Jahre alt” Sie stellte sich vor, als sich ihre erste Aufregung legte. Jetzt konnte ich ihr besser folgen. “Ich war auch ein Jahr im Krankenhaus, weil ich psychisch krank bin” erzählte sie mir weiter. “Ich bin noch ein Kind, 10 Jahre alt”. sie gab mir mehr und mehr Einblick in ihr Leben. Sie wippte dabei mit jedem Wort ihren Oberkörper vor und zurück, hin und her.  “Aber jetzt wohne ich hier” sie zeiget auf den Wohnblock, den man von der Bushaltestelle aus sehen konnte. “Da bin ich ganz allein, aber Paul wohnt über mir”

“Wohin willst du jetzt fahren?” Yvonne erklärte mir, dass sie in die Innenstadt wolle, einfach so. “Aber am Freitag darf ich mir ein Bier und Kekse kaufen, aber nur Freitags, sonst nicht.” Weiter sprudelte es auch ihr heraus, über das, was sie darf und das, was ihr nicht erlaubt ist. “ich fahre immer mit dem Bus, da kenne ich mich gut aus. “Aber wenn es spät wird fahre ich nicht, da habe ich Angst vor den frechen Jungs” Unser Bus fuhr vor, wir verabschiedeten uns. “Noch eine gute Riese für dich” Yvonne stieg vorn und ich stieg in die Mitte des Busses ein.

Ich traf Yvonne nicht das erste mal an einer Haltestelle. bei jeder Begegnung erzählte sie mir, was sie in dem Moment besonders bewegte. Gestern bewegte sie besonders, dass sie aus der betreuten Wohnung im Michelshof Rostock auszog und in eine sognannte “Trainingswohnung” ihr eigenes Leben umgesiedelt , Das sie nun ihre Betreuerin weniger sah, als sonst, darunter litt Yvonne.

total normal

Vor einem Jahr war der Anblick für mich non ungewohnt und befremdlich. Besonders in der Staßenbahn, wenn die Fahrgäste auf engstem Raum in der Bahn sitzen. Ich fühlte mich besonders am Abend fast umzingelt, von Menschen, die kein deutsch sprachen. Darunter war nicht nur die für meine Ohren harte Klang der syrischen Sprache sondern auch russisch war dabei und viele andere Sprachen, die ich gar nicht zuordnen konnte. Ich hatte das Gefühl, ich wäre im Ausland und nicht daheim in Rostock.

Mitte der letzten Woche fuhr ich mal wieder mit der Bahn in die Stadt. Mit mir stieg eine Gruppe junger Menschen ein. Niemand von ihnen sah aus, als käme er aus Deutschland. Ich hörte ausschließlich den Klang der für meine Ohren harten Sprache der Südafrikaner. Sie kamen aus der Berufsschule, die in der Nähe der Haltestelle ist. Es stürmte sozusagen eine ganze Klasse in die Straßenbahn. Ich saß facto unter ihnen und? was mich wunderte, das war für mich schon total normal geworden. Die syrische Sprache zu hören wurde schon zu den ganz normalen Eindrücken meines Alltags

Ein anderes mal beobachtete ich sogar, wie sich 2 junge Männer in gebrochenen Deutsch unterhielten. An ihrem Aussehen konnte ich deutlich erkennen, sie waren keine Europäer. Einer von ihnen hatte asiatisches Aussehen, der andere kam aus Afrika. Auch das war für mich total normal geworden. Es gab nichts mehr, was befremdlich für mich gewesen wäre.. Ganz im Gegenteil, ich fand es jetzt sogar ungeheuer spannend, den Prozess der Veränderung mitzuerleben.

In den Kinder- und Yogagruppen, die ich betreue, findet zur Zeit auch der Nationen aus den unterschiedlichsten Kontinenten statt. Ich weiß gar nicht mehr, als welchen viele Herrenländern die Teilnehmer sind. Sie gegen den Weg der Integration in Europa, Deutschland über die Sportvereine  der Stadt. Eine gute Entscheidung, wie ich finde

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Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Somalia, Indien, Bulgarien, Togo, Jugoslawien, Kroatien und und und..so genau weiß ich es es gar nicht. Die Kinder, die in unsere Gruppe kommen sprechen Deutsch, weil sie hier geboren wurden und und und und.

Ein bunte Mischung und das finde ich total normal. Ich freue mich sogar, dass ich denen, die de Weg zu den Sportvereinen finden, bei der Integration zu unterstützen.

Auch das ist auch  total normal für mich.

 

lass(t) mich in Ruhe

Ihre Fluchtdistanz hielt sie auf 15 m. Das entsprach der Breite der Sporthalle, in der wir uns aufhielten. Kam ich auch nur 2 Schritte näher, lief sie mit den Worten “Lass mich in Ruhe” in die nächste Ecke der Sporthalle. Sie wollte niemanden mehr an sich ran lassen, nicht näher als die Breite oder Länge der Sporthalle hergab.. Bewegten sich die Kindergruppe, die bereits schon mitten im Training war, in ihre Nähe, floh sie ebenfalls, Sie wollte niemanden in ihrer Nähe haben. Was hatte die Kleine so sehr in Aufregung versetzt?

Vor Beginn der Trainingszeit gab es Beschwerden über sie. Sie hätte dies und das gemacht. Alles sah für mich nach einen Ausraster aus und nicht zuletzt deshalb, weil die Mutter uns eine Info zukommen lies, bei der sie darauf hinwies, ihre Tochter wäre ab und zu schwierig im Umgang.

Nun war es also so weit. Bis data gab es keinen Vorfall, bei dem die Kleine aufgefallen wäre. Sie war neu in der Gruppe und ich sah sie gern an, weil sie ein echt hübsches Mädchen war. Einer ihrer Eltern kam nicht aus Deutschland, das war an den pechschwarzen Haaren und der dunklen Haut zu erkennen.

Das Kind, was in der Sporthalle vor uns davon lief, wirkte auf mich, wie ein Menschenkind das auf der Flucht war. Trotzdem musste ich darauf achten, dass sie nicht aus der Halle verschwand und vielleicht nach Hause flüchten wollte. Unsere Aufsicht als Trainer geht bis zum Ende der Trainingszeit und diese dürfen wir auch bei eine Konflikt nicht vernachlässigen.

Während meine Kollegin das Training weiter  fortsetzte, behielt ich die Kleine im Auge. Durch die Bewegung der Kindergruppe floh sie letztendlich aus der Halle. Ich musste ihr folgen und das nur, um sie zu bitten, sie möchte in der Halle bleiben und wenn sie kein Training mitmachen möchte, von der Zuschauertribüne ganz weit oben uns zuschauen.  Aber die Kleine floh durch die Gänge im Hinterland der Sporthalle. Sie versteckte sich in den Ecken oder in der Umkleidekabine. Auch wenn sie sich bedrängt fühlt, durfte und wollte ich sie mit ihrem aufgewühlten Gemüht nicht allein lassen .

Schließlich stoppte sie in  einem der Umkleideräume und lies mich nur ihre Hand sehen, der Körper verschwand hinter der Ecke. Ich versprach ihr, dass ich NICHTnäher kommen würde, wenn sie dort, wo sie jetzt ist, bliebe. Sie glaubte mir und blieb stehen. Ich erzählte ihr, dass  sie für mich immer ein hübsches Mädchen war, “aber heute sehe ich davon nichts mehr, von dem hübschen Mädchen” ich fragte sie, wo das hübsche Mädchen der letzte Tage geblieben war.  Sie begann zu weinen, konnte kaum sprechen. Ich sah nur ihre Hand und hörte ihre Stimme. So nach und nach erzählte sie mir von dem Streit, der sich beim Umkleiden in der Kabine ereignet hatte. Ein Mädchen der Gruppe hätte ihr die schwarzen Haaren und die dunkle Haus vorgeworfen. Sie weinte, der Raum bebte dabei, in dem sie sich aufhielt. Ich ging zu ihr und sie lies es zu. Mir wurde klar die Kleine fühlte sich verletzt und “rastete” deshalb aus.

Ich gab ihr zu verstehen, dass wir so etwas in unserer Gruppe nicht dulden werden und versicherten ihr unseren Beistand, wenn das noch einmal vorkommen würde. Mit ihr zusammen an der Hand kehrten wir in die Halle zurück, die Trainingsstunde war schon fast rum. Sie wollte auch die letzten Minuten nicht daran teilnehmen. Also lud ich sie ein, auf einer Matte in unserer Nähe zu sitzen. Das tat sie auch, versteckte aber immer noch ihren Körper hinter dem Sportgerät, das in der Nähe stand. Nebenbei erzählte sie mir, dass ihr Vater aus Indien wäre, sie ihn aber noch nie gesehen hätte. Sie wollte ihn auch nicht sehen, auch wenn er in Deutschlang lebt, erklärte sie mir mit großen Augen.  Ich dachte mir, daher könnte ihre Verletzlichkeit rühren.

Zügig informierte ich meine Kollegin, die das Training während meiner Abwesenheit leitete. Sie nahm die beiden Mädchen zusammen,  die während der Umkleidezeit aneinander geraten waren. Sie versprachen sich in die Hand, sich in Zukunft einander zu respektieren. Dem kleinen Mädchen versicherte ich noch einmal, dass sie uns vertrauen kann und ich denke, nach diesem Vorfall wird sie dies auch im Zukunft tun.

die Welt ist bunt

Das bunte Treiben auf den alljährlich Ostermarkt erfreut wieder viele Besucher der Stadt, auch die Einheimischen, das ist klar. Der Ostermarkt hatte gestern schon etwas frühlingshaftes. Der Himmel so blau, die Sonne so hell, die Luft so mild.

Mit den Besuchern des Ostermarktes tummeln sich in diesem Jahr ganz andere Gesellen, die ich bis dato noch nie sah. Das sich an solchen Tagen auch die Bettler an den Wegesrand setzen, ist auch nicht s neues, Sie werden eigens dafür in die Großstädte gebracht. Längst sind wir Bürger schon so weit aufgeklärt, dass wir wissen, dahinter steht ein, wenn ich mal so sagen darf, eine Management, dass sie entsprechend die Strippen sieht.

Neu in diesem Jahr ist, dass die Bettler nicht nur stumm mit der Bettelschale und mit einem leidvollen Gesicht da sitzen, nein, die kommen jetzt mit Krücken und humpelnden Beinen daher, stellen sich den Menschen den Weg, damit sie nicht einfach vorbei laufen können, sondern einen Bogen machen müssen.

Eine weitere Masche, die Z.Z. neu in der Stadt ist zu sehen und mir deshalb aufgefallen ist, sind ihre Standorte der Bettler, nämlich neben den zahlreichen Geldautomaten, die der Besucher in der Einkaufsstraße nutzen kann, wenn ihm das Bargeld ausgegangen ist. Sie sitzen oder stehen nicht nur stumm leidend da, sondern sprechen die Menschen gezielt an, die sich Geld aus dem Automaten gezogen haben.

Sehr unangenehm und deshalb dachte ich mir, “gehe ich halt in die Bank und hole mit dort mein Scheinchen”. Aber auch dort saß ein Mann leidend und stumm in einer Ecke und als ich den Vorraum der Bank verlies, sprach er mich auch auf mein Geld an.

Ich gehe davon aus, das diese Menschen wirklich bettelarm sind und deshalb in diese mieslige und demütigende Lebenslage kamen. Aber ich bin mir auch sicher, dass diese Menschen das Geld abliefern müssen und davon nur das schwarze unter dem Nagel bekommen würden.

Fahre ich am Abend mit der Straßenbahn nach Hause, zeigt sich wieder ein anderes Bild um mich herum, Die meisten Fahrgäste unterhalten sich nicht in meiner Heimatsprache. Um mich herum kommunizieren Menschen in allen möglichen Sprachen. Wir stehen vor einer neuen Zeit, dass wird mir in solchen Momenten deutliche klar. Unsere Welt verändert sich jeden Tag und unsere Köpfe müssen mithalten, wenn wir die neue Welt verstehen wollen.

Die neue Zeit spielgelt sich auch im Kindertraining wieder. Am Mittwoch schlichen sich fremde Kinder in die Sporthalle, in der wir grade Kinder im Alter von 4 – 9 Jahre zum Training hatten. Sie schauten uns neugierig zu. An ihrer Seite stand ein mir bekanntes Mädchen und sie erklärte mir: “Das sind meine neuen Freunde. Ich verstehe zwar nicht, was sie sagen, aber das stört mich nicht” So einfach stellt sich die neue Zeit für die Kleinen dar. Die fremden Kinder waren syrische Kinder und stürmten mit Freude die Sporthalle, als sie grünes Licht von uns Trainern dafür bekamen, So einfach und unkompliziert erobern sich die Kinder die neue Welt, in die das Leben sie gebracht hat.

Die Sprachbarriere löste eine Mutter mit dem Handy. So konnten wir den fremden Kindern übermitteln, dass sie zum nöchsten Training kommen sind, wenn ihre Eltern das erlauben würden. Dabei erfuhren wir, dass die syrische Großfamilie in einer nahegelegenen Straße Einzug gehalten hat. Wir werden sehen, wie es weiter geht.

Zur Zeit  setze ich wie viele andere Menschen auch meine Hoffnung auf den zur Zeit laufenden EU-Gipfel, der heute endlich über einen gangbaren Weg für alle in der Flüchtlingskrise verhandelt, damit alle Menschen, die davon betroffen sind, wieder eine Lebensperspektive bekommen.

Bei der Gelegenheit möchte ich hier noch zum besten geben, dass ich von vielen europäischen Ländern nicht nur enttäuscht sondern auch über ihre Haltung zur Flüchtlingskrise entsetzt war. Das von 28 Ländern der europäischen Union nur wenige Staaten bereit waren, Flüchtlinge in Not aufzunehmen, geht bis heute nicht in meinen Kopf rein.

Ostseemaus

Heidi

Höre ich den Namen oder lese ihn, wie hier in der Titelzeile, summt sofort der Titelsong einer Kinderserie in meinem Kopf.  Jetzt weiß bestimmt jeder, welche Serie ich meine. “Heidi, deine Welt sind die Berge”

Die Heidi, von der ich erzählen will, lebt nicht in den Bergen,sondern im Flachland, ist aber ähnlichen Alter, wie die kleine Heidi aus den Bergen und vielleicht kam ihr für eine kurze Zeit die Welt wie ein böhmischer Wald vor.

Aber die Geschichte von Anfang an.

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die 5. Jahreszeit beginnt

Die Narrenzeit beginnt just in diesem Moment,

am 11. 11. 11 Uhr 11

Wir Nordstaatler sind da eher zurückhaltend, aber der 11. 11. geht an uns auch nicht kommentarlos vorbei.

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an eine Unterrichtsstunde während der Schulzeit. Wir waren in der 9. oder 10. Klasse und zum Start der 5. Jahreszeit hatten wir Mathe. Der Lehrer, mit dem schlichten Namen Herr Schulz, war ein seriöser Mann, besprach mit uns die Formeln, brachte uns wirklich was bei. Er  war durch und durch Lehrer, nicht kumpelhaft aber auch nicht über die Maßen streng. Er hatte unseren Respekt.

In der Pause davor besprachen wir unseren Plan. Wir wollten um 11 Uhr 11 lärmend wie die Narren durch die Unterricht laufen. Doch als die Zeit näher kam, trauten wir uns nicht. Wir saßen vor unserem Lehrer, der mit einem großen Dreieck aus Holz an der Tafel stand und die mathematische Regeln der Dreiecksberechnung erklärte. Unsere Aufmerksamkeit zum Unterrichtsstoff schwand und beschäftigte sich nur mit unseren geplanten karnevalistischen Ausbruch, der aber ins Stocken geriet.

Als die Zeit 11 Uhr 11 dran war, wurde es in der Klasse totenstill. Auch unser Lehrer sprach kein Wort mehr. Wir erwarteten eine Maßregelung, weil wir unaufmerksam waren. Diese kam aber nicht. Aber etwas lag in der Luft, aber was? Das wussten wir nicht.“Warum traut ihr euch nicht?“ fragte er uns. Dann sprang unsrer Mathelehrer wild herum, mit den großen Holzdreieck in der linken Hand sah das echt komisch aus. Endlich trauten wir uns auch und begrüßten wie unser Mathelehrer  die 5.  Jahreszeit mit einem lauten Getöse.

Kurze Zeit später folgten wir  wieder konzentriert der Unterrichtsführung unseres Mathelehrer, der mit seinem Auftritt noch höher in unseren Respekt aufstieg. Auch hatte er sich – aber nicht nur damit – bei mir bis heute in mein Gedächtnis eingeprägt.

Ostseemaus

Schönen Taaaag noch…

Das war der Nachruf für mich einer jungen Mutter an mich gerichtet, nachdem sie sich nicht so durchsetzen konnte,wie sie es gern gehabt hätte..

Das Vorspiel für diesen verzickten Nachruf war im Grunde nur kurz.

Die Trainingszeit war noch nicht ganz vorbei, als die Klingel der Sporthalle laut rasselt. Dabei kann es sich nicht mehr um ein verspätetes Kind handeln und die Abhol-Eltern warten vor der Halle auf ihre Kinder. War das ein Klingelstreich? Klingelstreiche sind immer noch sehr beleibt bei Kindern. Klingel kräftig rasseln lassen und dann aus dem Staub machen. Daran hat sich wohl seid 100 Jahren noch nichts geändert. Obwohl das beauftragte Türöffner-Kind weiß, dass es keine Fremden in die Hallo lässt, tat dieses Kind es doch. was uns als Trainer wieder mal zeigt, dass so manche Order öfter erneuert werden muss, als bisher.

Noch bevor ich das Kind in seinem Eifer bremsen konnte, stand ein Pulk Leute schon im Vorflur der Sporthalle. “Wir wollen zum Akrobatiktraining” sagte mir die begleitende junge Frau. Neben ihr standen 2 Mädels im Teenie-Alter und sahen mich fragend an. “Nein, wir sind die Breitensportgruppe. Ihr Trainer kommt später”

Oft  ist es so, dass die Trainer sich die Klinke in die Hand geben. Doch den Trainer für Akrobatik traf ich noch nie, was besagt, das die Trainingseinheit für Akrobatik deutlich später nach unserer Trainingseinheit beginnt.

“Können wir hier auf den Trainer warten?” Der goldene Oktober hat das Zepter an das Mistwetter abgegeben und entsprechend ungemütlich war es vor der Halle. “Sie dürfen nur mit ihrem Trainer die Sporthalle betreten” Darauf weise ich die Mutter hin. An ihren Gesicht kann ich sehen, dass ihr  die Antwort nicht gefällt, denn sie schaut auf das diesige Wetter vor der Tür. Es ist feucht draußen, aber das war es auch schon. Mutter und Teenies bewegen sich keinen Zentimeter vor die Tür. “Wenn wir mit unseren Kindern die Halle verlassen und ihr Trainer ist noch immer nicht eingetroffen, dann müssen sie mit uns die Sporthalle verlassen. Jeder Trainer haftet nur für seine Trainingseinheit und darf niemanden nach ihm in die Halle lassen, wenn kein verantwortlicher Trainer dabei ist”

Dazu muss an dieser Stelle noch gesagt werden, dass  sich ab den Nachmittagsstunden kein Hallenwart mehr in der Sporthalle aufhält und deshalb der letzte Trainer, der die Halle verlässt, niemand Unbefugtes in der Sporthalle aufhalten lassen darf

“Klare Ansage” dachte ich, aber auch nur ich.  Die Fremden – ich nenne sie jetzt einfach mal so – dachten gar nicht daran, ihren Platz zu räumen. Die Mutter als super Vorbild für die Teenies weigert sich, dem Rechnung zu  tragen. “Ok..ein paar Minuten bis zum unserem Trainingsende bleiben ja noch. Vielleicht taucht der andere Trainer auf” so hoffte ich. Doch vergeblich gehofft: Der nachfolgende Trainer tauchte nicht auf und  die Fremden klebten förmlich im Vorflur fest. Wenn es vor der Tür Strippen geregnet hätte oder ein bedrohlicher Wintersturm draußen getobt hätte, dann wäre das Verhalten für mich nachvollziehbar  gewesen. Aber die feuchte Luft, die an diesem Tag herrschte ? Nicht wirklich nachvollziehbar für mich.

Das letzte Kind unsere Gruppe verließ die Sporthalle. Nachdem ich die Fremden schon mehrmals darauf hingewiesen hatte vor die Tür zu gehen, blieben sie voll Unverständnis stehen. “Aber unser Trainer kommt doch in 10 Minuten” sagten die Mädels. “Trotzdem darf sich niemand in der Sporthalle aufhalten, wenn der verantwortliche Trainer nicht dabei ist” Die Begründung hatte ich schon zum x-ten mal wiederholt, doch die Einsicht bei den Fremden war gleich Null. Die Mutter rollte mit den Augen als wollte sie antworten: “Ich kann das nicht mehr hören” Ich bat jetzt zum letzten mal, dass sie gehen möchten und hielt dabei die Tür auf. Widerwillig schoben sie sich vor die Tür.

Mir stand schon die Zeit im Nacken, denn die nächste Groppe wartete an einem anderen Ort schon auf mich. Die Fremden standen endlich vor der Tür. Ich schnappte mir meinen Rucksack und meine Yogamatte und verlies die Halle. Die Tür sollte gedämpft ins Schloss fallen. Das höre ich immer als letztes Geräusch. So bin ich sicher, dass die Halle wieder geschlossen ist

.Auf das Schnappgeräusch hätte ich diesmal lange warten können, denn als ich mich umsah, hatte die Mutter die Klinke in der Hand. Sie wollte verhindern, dass die Tür sich von selbst zuzog. “Ich möchte sie bitten, die Halle nicht zu betreten!!!” forderte ich die Mutter nun doch energischer auf. Ungewollte schlug ich den Ton an, den ich sonst während des Trainings einsetzen muss, wenn Kinder ihre Ohren zu Hause gelassen haben und zum x-ten mal aus der Reihe tanzen.

Die Mutter fühlte sich ertappt und wurde entsprechend zickig. “Ich wollte nur verhindern, dass die Tür zuknallt” Wer´s glaubt, wird selig und ich glaubte es nicht. “Nur mit dem verantwortlichen Trainer dürfen sie die Halle betreten. Er trägt dann die Haftung, solange liegt diese bei mir” Nachdem das hörbare Geräusch, dass die Tür wieder geschlossen ist, mir zu Ohren kam konnte ich mich endlich auf den Weg zur nächsten Gruppe machen.

“Schönen Taaag nooch” rief mir die Mutter mit einem deutlichen Unterton noch hinter. Wahrscheinlich war sie angepestet,  weil sie ihren Willen gehen mich nicht durchsetzen konnte, auch nicht mit einem Trick 17, wie sie es vorhatte.

Ostseemaus

Lebenzeichen

Meine Mutter gab uns Kinder immer einen gut gemeinten Ratschlag:“Willst du was gelten, dann erscheine selten“  Das ist aber nicht der Grund  bei mir, warum ich mich hier so rar gemacht habe. An manchen Tagen fehlte mir die Muse und an anderen Tagen die Zeit. Da kann eine kurze Sendepause Wunder wirken und die Schreiblust kehrt wieder zurück, so wie heute.

Die letzten Wochen waren bei mir auch nicht ohne. Arbeiten und Haus voller Leute. Meine Tochter kam wieder mit ihrer 4 köpfigen Kinderschar zu Besuch und meine Wohnung war eins fix drei von Kindern überflutet. Ab nächstes Jahr springt ein weiter Hüpfer durch meine Wohnung, denn dann reist meine Tochter mit ihrer 5 köpfigen Kinderschar an.  Eine Überalterung in unserer Familie ? Weit gefehlt. Meine zahlreichen Enkelkinder lassen das Durchschnittsalter unserer Familie kräftig absinken.

Zum Glück müssen wir uns als Familie keine Sorgen um unsere Zukunft machen, müssen keine Angst haben, dass uns Bomben auf den Kopf fallen oder Terroristen unsere Familien auseinander reißen oder zerstören.  Wenn ich täglich die Bilder mit den Flüchtlingen sehe, die zur Zeit Europa erreichen, dann zerreißt es mich fast das Herz. All die kleinen Kinder, die aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden und mit ihren Eltern in eine neue bessere Zukunft flüchten.

Die Tränen konnte ich nicht mehr zurück halten, als das Bild von dem kleinen 4 Jährigen ertrunkenen Körper am Strand um die Welt ging.  Von welchem Leid zahlreiche Familien heimgesucht werden können, zeigen die aktuellen Bilder der Flüchtlingsströme. Ihre Angehörigen im Heimatland werden auf ein Lebenszeichen von ihren Lieben auf der Flucht vor Krieg uns Terror warten.

Ich hoffe für alle, die auf eine neue bessere Zukunft hoffen, diese auch in Europa bekommen,, auch wenn sie nicht in allen Ländern willkommen sind.

In meinen Lebenslauf kann ich auch auf eine Episode zurück blicken, die von Flucht gekennzeichnet war. Weil vor zig Jahren der Scheidungskrieg so heftig in eigenen Haus war, beschloss ich mit meinen damals 6 jährigen Sohn an der Hand – die Tochter war zu der Zeit im Ferienlager – nach der Arbeit einen Schlafplatz bei Freunden und Bekannten zu finden. Jeden Abend nach der Arbeit suchte ich andere Freunde und Bekannte und Verwandte auf, die mich bei ihnen übernachten ließen. Das war natürlich keine Dauerlösung, sondern nur zur Überbrückung, bis ich eine eigene Wohnung bekam, in die ich mit den Kindern einziehen konnte.

Fast alle halfen mir, aber einer meiner Verwandten schlug die Tür mir vor der Nase zu. Er lies mich mit meinem kleinen Sohn an der Hand in die Nacht ziehen. Er wollte meinen Ex-Mann damals nicht in den Rücken fallen oder hatte sogar Angst vor ihm. Weiß der Teufel, was damals in seinem Kopf vor sich ging. Später als alles ausgestanden war und ich nach etlichen Monaten wieder ins normale leben zurück fand, konnte er sich bei mir gar nicht genug bei mir entschuldigen. Er hätte damals Angst vor meinen Ex-Mann gehabt und und und . Ich sah, wie sehr unter seiner damaligen Entscheidung litt und seid dem von schlechten Gewissen geplagt wurde. Ich sagte ihm. es wäre schon ok. aber das schlechte Gewissen deshalb konnte ich mit den wenigen Worten nicht nehmen.

Der Ausnahmezustand damals, in dem ich jeden Abend nach der Arbeit eine Schlafstätte suchen musste, dauerte 3 Wochen, dann endlich konnte ich mein eigenes Reich beziehen und mich um eine neue bessere Zukunft kümmern. Doch zunächst hatte ich mit mir selber zu tun. Ich musste all die Endrücke verarbeiten, denen ich durch die Scheidung damals ausgesetzt war. Nicht nur das mein Mann damals mit Gewalt die Familie zusammen halten wollten und ich plötzlich einem fremden Mann vor mir sah, nein, auch zahlreiche Freunde entpuppten sich als Schein-Freundschaften und ich musste auch erleben und verarbeiten, dass es Menschen in meinem Umfeld gab  die mich in höchster Not anwiesen.

Ich war für Wochen und Monate traumatisiert.

Ostseemaus

Freund Blase

Eine alte Geschichte über einen Bastschuh, einem Strohhalm und dem Freund Blase. Auch ich sah die Geschichte schon als Kind und vergaß diese bis heute nicht.
Die Botschaft über gegenseitige Hilfe auf Grund der unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken, aber auch Schwächen der einzelnen Figuren der Kurzgeschichte ist perfekt gelungen
Ostseemaus

ab in die Ferien

Wieder ist ein Schuljahr vorbei

Gestern war die letzte Trainingsstunde für unsere Gruppe. Sogar ein paar Tränen sind geflossen, weil einige Kinder die Gruppe aus “Altersgründen” – 10 Jahre – verlassen. Mit den Jahren hatten sich Freundschaften heraus gebildet, die jetzt ihre eigenen Wege gehen. Und ich hoffe für die Kinder, sie werden ihre Freundschaft auch darüber hinaus weiter pflegen und erhalten können

Auf die in die Sommerferien – Im September sehen wir uns wieder

Ostseemaus

vierbeiniger Lehrmeister

Mit Hund, Katze, Maus, Hühner, Kühe und Pferde wuchs ich auf einem Bauernhof auf. Normal all die Tier um mich herum. Schnell wusste man als Kind, welchen Tieren man lieber aus dem Weg gehen sollten, wie z.B. Gänse und Puten, wenn sie einen langen Hals machten, nix wie weg. Andere Tiere wurden zu Freunden erklärt, weil sie mit uns Menschenkindern kommunizierten. Dazu gehörte unser Hofhund, ein schwarzer Mischlingshund, namens Bobbi. Damals bekamen die Hunde noch klassische Hundenamen wie Hasso oder Bobbi oder Bello.

Neben der Hauptaufgabe eines Hofhundes, den Hof zu bewachen oder auch nur Ratten und Mäuse vom Hof fernzuhalten, spielte er auch mit uns Kindern. Lief mit uns um die Wette  oder hielt sich nur so in unsere Nähe auf, nur um dabei uns zu sein.

Später als Stadtmensch musste ich auf die Gesellschaft des Hundes verzichten. Das soll sich im Zukunft ändern. Bis es so weit ist, schau ich mir andere Hunde an, die von ihren Haltern über Youtube an den Späßen ihrer Hunde teilhaben lassen, wie dieser kleine Clip zeigt.

Achja.. vor kurzem las ich, das der Anblick von Hundewelpen den Menschen sanfter macht, den Blutdruck senken und die Stimmung aus dem Tal holen kann.  Vorausgesetzt. man mag Hunde, dann kann man sich schon an ihren Bildern erfreuen. Manchmal braucht es nicht viel um wieder in Stimmung zu kommen.

Ostseesemaus

Level Code

“Die Ruhe der Seele ist ein herrliches Ding und die Freude an sich selbst”

Johann Wolfgang von Goethe

Eine Rückblende in mein Leben führt mich stets an den selben Punkt, an das selbe emotionales Erlebnis. Ich fühle dann sogar wie das Kind von damals, dass noch kein Schulkind war. Ich rieche noch die frische Luft, ich spüre noch die Erleichterung, die von diesem Moment ausging. Ich erinnere mich an ein aufgewühltes Gemüt, bevor die Ruhe wieder in meine Seele Einzug nahm. Paradoxer Weise denke ich an diese Zeit häufiger zurück, wenn die Weihnachtstage näher rücken, obwohl die Erinnerung in die Zeit der Sommerhitze zurück geht. Das ist sozusagen immer der selbe Level Code, den z.B. die Programmierer Computerspiele nutzen, die an einen bestimmten Punkt ins Spiel kommen, um das Spiel zu testen.

Damals war die Familie noch nicht so zerstreut wie heute. Die Verwandten lebten zum Teil im selben Ort oder im Nachbardorf. Wir Kinder zogen Tags über unsere Kreise durch die Ortschaft und Umgebung. Die permanente Aufsicht der Kinder gab es damals noch nicht. Damals lag Tagelang die Sommerhitze über unser Dort und für mich als Kind eine nie enden wollende Ewigkeit. einer Hitzewelle.

Ich hielt mich bei Verwandten im Nachbardorf auf, als die dicken Gewitterwolken das Dorf verdunkelten, Deshalb musste ich bei meiner Tante bleiben, bis das Gewitter sind entladen hatte. Eltern informieren? Das ging nicht, so machte sich jeder Sorgen um den anderen, während die Blitze auf das Dorf donnernd nieder krachten und der schwere Gewitterregen erst mal die Erde unter Wasser setzte.

Ebenso tobte meine Seele. Was ist, wenn der Blitz in unser Haus trifft? Eine Geschichte von den schrecklichen Erlebnissen einer Nacht, als der Blitz das Haus meiner Großeltern traf, vergrößerten meine Ängste um ein Vielfaches. Vor meinem  kindlichen Auge sah ich mein Elternhaus schon in Flammen, warte schon auf das laut tönende Feuerhorn, um die freiwilligen dir Feuerwehr zusammen zu rufen,  als Bestätigung meiner schlimmsten Vorstellung.

Mein Großmutter erzählte mir, das mein Großvater fast nackt aus dem vom Blitz getroffenen brennenden Haus flüchten musste, weil er sich nur noch so retten konnte. Seid dieser Nacht musste die ganze Familie – uns Kinder holten man deshalb aus dem Schlaf – , wenn es nachts gewitterte, angezogen in Hut und Mantel und mit den wichtigsten Papieren in der “Notfalltasche” im Wohnzimmer sitzen, bis sich das Gewitter verzogen hatte.

Diese Geschichte brachte meine schon verängstige Seele fast zum kochen. Kaum durfte ich nach dem Gewitter wieder vor die Tür, rannte ich wie ein Blitz heim. Ich wollte nur eins, nach Hause und auf den sicheren Schoß meiner Mutter. Während ich lief und lief, fragte ich mich, ob das Haus noch stehe oder schon abgebrannt war. Erlösend stand ich vorm Haus, es stand noch und nichts war dem Haus passiert.Es sah noch genau so aus wie vor dem Gewitter.

Auch meine Mutter war unruhig geworden, sie erzählte mir, wie sehr sie mich gesucht und nach mir gerufen hatte. Und ich hatte sie nicht gehört, weil ich so weit weg war. Das fand ich genau so furchtbar wie das Gewitter selbst und brach erst mal richtig in Tränen aus und der Tränenfluss war ähnlich wie der Gewitterregen.

Niiiiieeeemals wieder werde ich mich so weit von meiner Mutter und zu Hause entfernen,das schwor ich mir in diesem Moment. Nach dem die inneren Wogen sich geglättet hatten, zog auch wieder Ruhe in meine Seele ein.

Ich spüre diese innere Ruhe heute noch, wenn ich an diesen Moment denke. Ich rieche immer noch die selbe Frische in der Luft von damals, die typisch nach einem Gewitterregen war, weil die staubige und spannungsgeladene Luft wieder rein und neutralisiert war. Ich sehe immer noch den blauen Himmel mit den  schneeweißen Wolken über den Park, der schräg gegenüber von unserem Haus war.

Für mich war das damals ein Bild für die Götter,  malerisch und schön, sie das entspannte Gefühl der Erleichterung, was von mir Besitz nahm. Ich freute mich wider des Lebens. Vielleicht hat sich deshalb dieser Moment so sehr eingeprägt.

Noch eine lange Zeit danach entfernte ich mich tatsächlich nie so weit weg von Haus und Hof, dass meine Mutter mich weder sehen oder noch  herbei rufen konnte.

Ostseemaus