ein gutes Gefühl

Für Recht und Ordnung, hatte der kleine Junge, der im letzten Jahr den Notruf wählte

Videotext vom 5. August 2019

Ordnung muss sein, auch zwischen den inzwischen gefühlten Milliarden von Bildern, die ich mit meinem Handy machte. Was ich doch alles so fotografierte, sogar Videotexte. Heute wollte ich den alten Bildermüll löschen, doch diese lustige Nachricht vom letzten August wollte ich dann doch nicht endgültig verschwinden lassen, ohne sie meinen Bloggern hier zu zeigen

aus der Schusslinie

Der Lockdown passte genau zu meinem Gefühl von: „Jetzt wird es gefährlich“ Es war für mich, als würde ich mit jedem Tag näher an ein offenes Feuer treten, trotz der Befürchtung, es können Funken übersprühen und mich entzünden. Und das wollte ich nicht riskieren. Mein Sicherheitsgefühl hatte schon mehr als einmal die rote Lampe blinken lassen. Der Gegenspieler neigte zur Verharmlosung und schwächte ab: „Es wird schon nichts passieren“ Ich machte das Kindertraining weiter. Pro Woche 60 Kontakte, mit denen ich nicht auf Distanz arbeiten konnte. Was, wenn ein Kind dabei ist, das infiziert ist?

Kinder sollen ja kaum Symptome haben, sie wissen nicht, dass sie verteilen können. In meinem Inneren tobte schon das Hin und Her. Dann die Erleichterung, der Staat hatte die Reißleine gezogen und eine Brandung gegen die zweite Welle eingebaut. Der Lockdown ab dem 2. 11. – also heute – wurde bekannt gegeben. Ich war erleichtert, weil der Saat mir die Entscheidung abnahm, die sich in meinem Inneren schon aufbaute.

Ich will nicht den Helden spielen und Empfehlungen für die Risikogruppe, zu der ich von Alterswegen gehöre, einfach in den Wind schlagen. Doch Meck/Pom hat den Kindersport erlaubt und ich stand wieder vor einer Entscheidung. Soll ich weitermachen, oder mich doch besser aus der Schusslinie nehmen? Der chronischen Trainermangel in den Vereinen machte die Entscheidung für mich auch nicht einfacher. Teile ich dem Verein meine Entscheidung mit, dann müssten sie Ersatztrainer „aus dem Boden stampfen“. Zu blöd, wenn man auch die Probleme der Gegenseite kennt. Und ich frage mich, ob die Eltern der Kinder dafür Verständnis haben werden?

Heute früh teilte ich meine Entscheidung dem Verein mit, bekam aber nur ein verhaltenes Okay. Klar, woher die Ersatztrainer nehmen, wenn sich aus den Reihen der „Alten“?

Der Anfang ist gemacht

Mit dem ersten Schultag am Montag in Mecklenburg-Vorpommern nahmen nach 4 1/2 Monaten auch die Vereine ihre Tätigkeit auf. Alle warteten schon ungeduldig darauf, dass es weiter losgehen würde. Erstaunlicherweise blieben die Mitglieder der Gruppen bis auf einige wenige dem Verein treu. Kündigungen ihre Mitgliedschaft gab es nur vereinzelt, weil anfangs niemand wusste, wie es nach dem Lockdown weiter gehen wird. Schließlich durchleben wir alles und das weltweit das erste Mal eine Pandemie. Pandemie, ein Wort das ich nur aus Filmen kannte.

Ich durfte also am Montag als erste Trainerin den Reigen der Sportveranstaltungen der 3 Sportvereine, für die ich tätig bin, eröffnen. Wir, die Yogis, trafen uns nach 20 Wochen Trainingspause wieder in der Sporthalle und damit haben wir ein Stück Vertrautheit aus alten Zeiten zurückgewonnen und wir hoffen alle, dass wir nicht wieder auseinander laufen müssen. Die Infektionszahlen stiegen wieder an und der Staat überlegt schon, wie sie damit umgehen werden. Trotzdem hoffen wir, dass der Staat nicht wieder die Notbremse für alle ziehen muss, sondern nur hier und da etwas strenger vorgehen. Zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern mussten nur wenige Tage nach Schulbeginn ihre Tore wieder schließen.

Am Dienstag/Donnerstag waren die Kinder dran. Von 35 Kindern der Gruppe erschienen erst mal nur 6. Für meine Kollegin und mich war das auch erst mal ein guter Anfang. So können wir uns besser einspielen, d.h. den Umgang mit dem verpflichtenden Hygienekonzept. Die Kinder müssen sich gleich nach dem Betreten der Sporthalle die Hände waschen. Nach dem Benutzen der Sportgeräte werden alle Geräte vor dem Wegräumen wieder desinfiziert und nach dem Verlassen der Sporthalle werden die Klingen ebenfalls desinfiziert. Wir müssen eine neue Routine entwickeln. Aber die Kinder machen mit und halten sich an die Ansagen von uns Trainern.

Ab nächste Woche geht es dann mit den Vorschulkindern weiter. Dann wird es nicht mehr lange dauern und mein Kalender ist randvoll mit Trainingsterminen vollgepackt. Weil ich einer Vereinschefin versprochen habe: „Ich helfe dir beim Wiederaufbau“ hat sie mich reichlich mit Trainingszeiten eingedeckt und für die eine oder andere Gruppe sogar den „Hut“ aufgesetzt, d.h. ich trage die Hauptverantwortung die Sportstunde.

Dazu muss man wissen, das im Kindersport immer 2 oder sogar mitunter sogar 3 Trainer mit den Kindergruppen arbeiten. Davon leitet ein Trainer die Sportstunde und macht die Ansagen, er hat also den Hut auf und die anderen Trainer unterstützen Haupttrainer und Kinder. Ich bin nicht wirklich scharf den „Trainerhut“, sondern trage lieber dem Haupttrainer den Ball nach 😀😎

So gemütlich, wie die Enten durch Wasser gleiten, werden meine nächsten Wochen wohl nicht sein.

Zeit ohne Internet?

Nach guten 4 Wochen Schreibpause raffe ich mich endlich auf, um wieder Beiträge für meinen Blog zu schreiben. Während ich mein handschriftliches Tagebuch weiter geführt hatte, lag mein Blog leider etwas auf Eis. Dafür gab es einen triftigen Grund. Meine Enkelkinder waren zu Besuch und ich war wieder wie eine junge Mutter eingespannt. Die Mädels (14 und 15) sind mir schon über den Kopf gewachsen und ich hatte Mühe, ihnen zu folgen.

Ich musste mit flinker Socke folgen

Zwei Teenies, von denen jedes seinen eigenen Interessen folgte. Die Große hatte sich über Netflix die Serie „Orange is the New Black“, eine Frauenknast-Serie, hergemacht und die Kleinere von den beiden fertigte ununterbrochen kleine Videoclips von ihrem Sänger Schwarm Wincent Weiss an. Selbst der Strand von Warnemünde war für sie deshalb nur Nebensache.

Vorbei ist die Zeit von Badespaß am Ostseestrand und Kleckerburgen bauen. Von einem Jahr auf das andere Jahr änderten sich die Schwerpunkte der Mädels. Mich sahen sie mit Bedauern an, weil ich meine Jugend in einer Zeit verbrachte, als es noch kein Internet gab.

Stimmt, ein Internet gab es in meiner Jugend nicht. Nicht einmal eine Vision davon, dass es so etwas wie ein Internet geben würde. TV gab es, aber nur in Schwarz-Weiß und ein teures TV-Gerät gab es nur in wenigen Haushalten. Also suchten wir als Teenies unsere Idole im Dorf. Es gab Dorfkapellen und diese Jungs hatten wir damals ins Auge gefasst und waren immer voller Hoffnung, das unser Schwarm uns auf der Tanzfläche wahrnahm. Und wenn mich mal ein Blick von meinen Schwarm traf, fiel ich fast in Ohnmacht. Als ganz so langweilig war meine Jugend dann doch nicht. Aber die Mädels sahen mich trotzdem mit Bedauern an. 😁😀

Und zum Abschluss noch ein paar maritime Bilder vom Stadthafen Rostock (leicht überzeichnet)

Tag und Nacht

45. Tag seit der Maßnahme

  • Tag und Nacht.
  • Tag und Nacht.
  • Tag und Nacht.
    • keine Termine
      • keine Verpflichtungen

An solch ein eintöniges Leben kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht sah mein Leben als Baby mal so aus.

Wie doch alles aus dem Gleichgewicht gerät. Viele Menschen müssen jetzt knüppeln, bis „der Arzt kommt“, andere wieder müssen zu Hause die Zeit, die Corona uns aufdiktiert, absitzen. Gestern wusste ich nicht auf Anhieb, in welchen Wochentag ich mich hineingeschlafen hatte. Lagerkoller? Ach ja, gestern war Mittwoch, also ist heute Donnerstag. Es verschwimmen bei mir zwar nicht Tag und Nacht, aber die Wochen verschwimmen zu einem riesigen Batzen Freizeit, mit dem ich nicht immer gleich weiß, was ich damit anfangen soll.

Ich könnte doch dies, oder das machen, oder doch lieber das andere? Wollte ich nicht endlich mal alle meine Bücher lesen, die sich in meiner Wohnung schon in zwei Regalen stapeln? Und, was ist mit dem Zeichnen? Zentangle hatte ich mir angeeignet und jetzt wäre genug Zeit dafür. Aber der Mund-Nasen-Schutz will auch noch genäht werden. Einer wird nicht reichen. Oder soll ich besser den Mundschutz kaufen?. Seit heute sollen LIDL Und Aldi Süd Einweg-Schutzmasken zum Selbstkostenpreis im Verkauf haben. Aber Schutzmasken nach einmaligen Gebrauch wegwerfen? Ich glaube, ich entscheide mich besser doch wieder zu dem selbstgenähten Exemplar aus ausgediehnten Bettlaken. Den Nähplatz hatte ich ja schon eingerichtet.

Zum Glück bleib die Natur im Bewegung

Telefonitis

„Die Deutschen telefonieren wieder mehr“ so die Schlagzeile im Videotext, den ich gestern las. Dem kann ich nur zustimmen. Ich kann gar nicht sagen, wieviel Stunden ich in den letzten Tagen telefoniert habe, aber gestern kam ich auf 6 Stunden. Nicht am Stück, sondern auf den Tag verteilt.

Um die Mittagszeit meldete meine Enkeltochter sich bei mir über FaceTime und hielt mir gleich ihren umfangreichen Fragezettel ihrer Schule in die Kamera – Überschrift: Himmelskunde. Erste Frage: Was ist ein Zenit? Zweite Frage: Was ist Nadir? Also den Zenit konnte ich mir noch aus den Ärmel schütteln, aber den Nadir hatte ich nicht mehr auf den Schirm. Aber Wikipedia hat mir weiter geholfen. Damit die Schulkinder die halbe Wiki nicht abschreiben, sollen sie eigene Worte dafür finden. Nächste Frage: „Was ist ein geozentrisches Weltbild und was ein heliozentrisiches Weltbild?“ Cool…ich war gestern ganz gut in der Weiterbildung von Astronomie unterwegs. Guter Nebeneffekt. Grade was die unterschiedlichen Weltbilder betrifft, sie lassen sich auch ganz gut auf Menschen übertragen. Die mit einen geozentrischen Weltbild glauben, die ganze Welt dreht sich um sie 😀. Wir arbeiteten uns noch durch die Erdrotiation und nahmen uns dann den Mond vor, der ja auch ein spannendes Thema ist. Meine Enkeltochter machte sich ein paar Notizen und wollte später alles dann in Ruhe ausarbeiten, 

Während ich das Essen vorbereitet und mit mich meiner Enkeltochter über das astronomische Themen sprach, klingelt mein Telefon. Ein früherer Kollege rief mich an. Ich musste ihn erst vertrösten „Ich melde mich später noch mal zurück“. Das Mittag sollte nicht kalt werden und meine Enkeltochter wollte noch ein paar Antworten auf ihre Fragen von mir. Dann hatte ich Zeit für´s Telefonat. Wir telefonieren gute 2 Stunden. Thema: Coronavirus, Coronakrise und noch mal´s Corona. Es fiel uns echt schwer, auf ein anderen Thema einzugehen, wir kamen immer wieder auf Corona zurück. Nach 2 Std. telefonieren lehnte ich mich erst mal auf meiner Couch zurück. Mittlerweile war es schon fast 17 Uhr geworden und ich wollte die neusten Nachrichten zum Thema Coronakrise sehen.

Am Abend, als ich erneut in der Küche stand – ich war grade am Schnippeln und Kochen –  rief meine Schwester aus Kiel an. Wir sprachen über, wie sollte es anders sein, über Corona und das niemand weiß, was auf uns noch zukommt. Ich erzählte ihr mit Schrecken über eine Nachricht zum Coronavirus, die ich ebenfalls im Videotext gelesen hatte. Es handelte sich dabei aber um eine positive Nachricht, die für mich aber trotzdem eine Schreckensnachricht enthielt. Ein geheilter italienische Coronapatient konnte die Klinik verlassen. nach 18 Tage am Beatmungsgerät war er glücklich, wieder selbstständig atmen zu können. OH Schreck, niemals hätte ich gedacht, dass man solange auf die Beatmungstechnik angewiesen sein wird und mir wurde schlagartig klar, warum man zur Zeit massenhaft Beatmunsgeräte aus dem Boden stampfen muss. Ich mache gleich mal eine Milchmädchenrechnung auf. 60 – 70 % werden. laut Viriolgen, an dem Coronavisus erkranken, davon wird der Krankheitsverlauf bei 10 – 20 % eher dramatisch verlaufen und 10 % werden werden nach aller Wahrscheinlichkeit beatmungspflichtig. Darüber wurden wir ja schon seit Tagen großflächig aufgeklärt, aber über die Länge der Zeit am Beatmungsgerät erfuhr ich erst durch diese Nachricht im Videotext. Auch wenn meine Schwester und ich uns über Gott und die Welt unterhielten, wir kamen immer wieder auf den Coronavirus zurück. 

Ein Gespenst geht um

Krisen sind wie Leuchttürme

Das Bild sendete ich als Morgengruß über WhatsApp. Ich war grade auf dem Rückweg vom Kindersport. 45 kleine „Springfrösche“ in 2 Gruppen und die wollten und sollten „besportelt“ werden. Mein Rentenalter hatte ich mir früher einmal viel ruhiger vorgestellt. So mit abhängen auf der Couch und so. Mal hier und mal da hin fahren und dann sich wieder am Strand rumtummeln. Aber es hat sich anders entwickelt und immer noch im prallen Leben verankert.

Achja.. ich bekam auf mein Morgengruß- Bild auch eine Antwort: „Verdammt lange Beine“ und mir fiel dann auch gleich eine passenden Antwort ein. „Genau, bin an meinen Aufgaben gewachsen“ und dabei hatte die großen und kleinen Krisen im Hinterkopf, die ich in dem Moment, als sie auftraten, meistern musste. Und die Kinder lieferten mir diese Woche genügend Krisen und ich fand mich in dem Moment erst einmal vor einer unüberwindbaren Wand.

Fall 1. Der sture H.

Er trieb mir nicht zum ersten mal die Schweißperlen auf die Stirn. H. ist ein Kindergartenkind, der regelmäßig mit zum Kindersport kommt. Die Sporthalle befindet sich 20 Minuten Fußweg entfernt vom Kindergarten und das bedeutet für uns Trainer , wir müssen mit einer Kindergruppe von 15 Kindern quer durch´s Wohngebiet zu marschieren. Und H. bemerkte auf halben Wege, dass er unterwegs ein Spielzeug (in Miniaturgröße) verloren hatte. Er wollte sofort und stehendes Fußes umdrehen und sich auf den Rückweg machen um es zu suchen.

Und damit begann die Krise. zwischen ihm und mir. Wenn H. etwas will oder nicht will, bewegt er sich keinen Zentimeter, er bleibt stehen und stur, hört nicht mehr zu, leiht mir weder Ohr noch seinen Blick, er will nur noch eins und zwar das, was er will. Er wollte zurück und ich musste mit der Kinderschar zur Sporthalle. Und es begann ein Kampf zwischen ihm und mir. Er schrie „ich will zurück“ und doch ich schob in die Richtung, in die restlichen 14 Kinder schon unterwegs waren. Er ließ sich nicht umstimmen und wurde lauter und lauter. Er war über fokussiert und mir musste es gelingen, ihn aus dem Fokus zu holen, den er allein nicht mehr verlassen konnte.

In all dem Chaos fiel mir eine Witz Pointe von Mittermeier ein, als er von gestressten Eltern im Flugzeug erzählte. „Wenn du nicht artig bist und du nicht gleich aufhörst, dann dreht der Pilot um und wir fliegen wieder nach Hause“ 😁😁😁😁😁😁 Weiß der Teufel, warum mir grade der Witz einfiel, aber ich erzählte dem kleinen sturen und aufgebrachten H. , dass ein Flugzeug ja auch nicht umdrehen und zurück fliegen kann, nur er weil auf dem Weg dorthin etwas verloren hätte.

Ich wusste nicht, ob der Kleine mich verstanden hatte, doch er lenket gleich auf das Flugzeug ein und erzählte mir, er sei schon mal geflogen und er das toll fand. Ich interessierte mich nun ausgiebig für seine erste Flugerfahrung und dabei vergaß der sture H. sein verloren gegangenes Spielzeug, dass nicht größer als sein Mittelfinger war. Während er und ich uns über seinem ersten Flug unterhielten, bedankte ich mich innerlich bei Mittermeier .

Fall 2. Die traurige A.

Die Arbeit in den Sporthallen mit dem Kleinen (bis 10 Jahre) stellt mich fast täglich vor neue Herausforderungen und kein „Fall“ ist wie der andere. Am Donnerstag musste wieder nach einen Weg suchen, um ein Mädchen aus einer Krise zu helfen und all dass muss mitten in der Trainingsstunde passieren. Eins von den Mädels saß weinend am Boden, weil kurz zuvor die Mutter die Sporthalle verlassen hatte. Sie wollte ihrer Tochter beim Sport zuschauen, ging jedoch vorzeitig, worauf das Mädel mit Tränen reagierte und vom Sport nichts mehr wissen wollte.

Ich bat sie, den Kopf nicht hängen zu lassen, doch sie verharrte ins sich zusammengesunken am Boden. Da fiel mir ein, dass ich eine Woche zuvor mit meinem Handy ein Bild von ihr gemacht hatte, als sie nach einem Wettkampf mit auf dem Siegertreppchen stehen konnte. „Hab ich dir das Bild schon gezeigt?“ „Nein, haben sie nicht“ Sie stand auf und ich ging mit mir auf die andere Seite der Sporthalle, dort befand sich meine Tasche mit dem Handy. Sie sah sich das Bild an und die eingetrübte Stimmung verschwand und wenig später sah ich sie mit Spaß bei der Sache, an den Sportübungen.

Die Titelzeile „Krisen sind wie Leuchttürme“ ist noch ein altes Erinnerungsstück als längst vergangen Zeiten. Damals steckte ich als junge Frau in einer schweren Krise und wusste nicht mehr, ob für mich jemals die Sonne wieder scheinen würde. Die Tage absolvierte ich kraftlos und die Nächte verbrachte ich schlaflos. Und während der schlaflosen Nächte verfolgte ich einmal die Woche im Radio eine Ratgebersendung für Sorgen und Nöte der Menschen. Man konnte anrufen und seine Fragen stellen und ein Psychologe antwortete auf die Lebensfrage der Anrufer.

Nicht nur ich hing damals in den Seilen, sondern viele andere auch. Das war zwar kein Trost, aber ich war nicht allein in einer schwierigen Situation. Und auf eine sorgenvollen Anfrage leitete der Moderator eine Antwort mit dem Satz:„Krisen sind sie wie Leuchttürme“ ein. „Sie weisen einem die Richtung, wenn der alte Pfand in einem Sackgasse geführt hat“.

so spielt das Leben

Das Jahr 2020 fing für mich ganz gut an. Ich war zufrieden mit dem Start. So kann es weiter gehen. Tag für Tag, jeden Tag. Doch dann kam die Nachricht über WhatsApp rein: „Kannst du mich von der Notfallstation abholen?“ Oh..Shit. Keine 4 Wochen liegt der letzte epileptische Anfall von Sohnemann zurück und schon wieder landete er auf der Notfallstation der Rostocker Uni. Er hatte doch grade erst das Haus verlassen, d.h. weit kann er nicht gekommen sein. Ich betete, dass er sich nicht weiter verletzt hatte, aber wenn er mir selber schreibt, wird er wieder glimpflig davon gekommen sein. So schlussfolgerte jedenfalls meine Denke zur Selbstberuhigung.

Und wieder mal stand ich auf den langen Gang der neurologischen Notfallstation, allein und auf der Suche nach Sohnemann.

Ein junger Arzt schickte mich in eins der Behandlungsräume: „Dort liegt ihr Sohn. Sie können zu ihm“ Übermüdet und angekämpft lag er da aber unverletzt. Keine Schramme am Kopf, keine abgeschürfte Hand, kein abgeschürftes Knie, ja, sogar der typische Zungenbiss fehlte. Ich war erleichtert und die Erschöpfung kam vom generalisierten Krampfanfall.

Müde und abgekämpft, zudeckte mit Winterschal

„Ich bekam im Bus, den Anfall und kam erst wieder zu mir, als sich die Sanitäter über mich beugten. Der Busfahrer hatte mich krampfen sehen und die Sanitäre gerufen“ Dann schlief er wieder ein. Der Zufall wollte es, dass Sohnemann an dem Tag genau im Blickfeld des Busfahrer saß und vor ihm eine hohe Scheibe, die den Fahrgast vom Eingang abtrennt. Dadurch fiel er nicht hart zu Boden und bleib sogar auf seinem Platz.

Mit Sohnemann lag auch ein Opa, durch einen Vorhang als Sichtschutz voneinander getrennt, im selben Raum. Opa war auch ein Notfall auf der neurologischen Notfallstation, aber er hörte sich an, als wäre er ein Notfall für einen Lungenspezialisten. Er stöhnte, röchelte und hustete ununterbrochen und wenn er hustete, befürchtete ich, es könne ersticken. Oh man, alt werden ist wirklich nichts für Weicheier und schwache Nerven. Es dauerte eine Weile, bis eine Schwerster kam und Opa etwas beruhigendes gab. Hab aber vergessen, was die Schwester ihm gab

Wenig später, nach einem kurzen Arztgespräch, durfte Sohnemann mit mir zusammen die Klinik verlassen. Er wurde, so steht es dann immer in den Entlassungspapieren, „in die mütterliche Häuslichkeit entlassen“ mit der Empfehlung, er möge den Alkohol eher meiden als lieben. Diesmal nahm er sich den Hinweis zu herzen und meidet seit dem jeden Tropfen Alkohol.

Doch mein Kopf ratterte weiter und weiter. War nur allein der Alkohol Schuld an dem Anfall? Ich las vor einiger Zeit, dass der Hauptauslöser STRESS – ich schreibe es mal so, wie es da geschrieben stand, mit Großbuchstaben und fetter Schrift – für den Anfall sei.. Mein Kopf rotierte auf der Basis weiter. Ich wollte mich erinnern, was davor ihn gestresst haben könnte. Ich spreche von mentalem Stress und nicht von Arbeitsstress. Und ich wurde fündig. Zwei Abende vor jedem Anfall erzählte er mir von einer Stresssituation eher beiläufig, doch ich kenne Sohnemann genau und weiß, dass de Stress für ihn einen unlösbaren Konflikt darstellte. Das hatte ihn zerrissen und seinem Kopf überlastet.

Nachlese Jahreswechsel

Okay, ein Drittel Januar ist schon wieder rum und ich komme noch mit dem Jahreswechsel daher.  Etwas spät, aber noch nicht zu spät. Die letzte Woche war voll mit Trainingszeit gepackt, da hatte ich am Abend keinen Bock mehr, den PC hoch zufahren.

Aber heute kann ich mir die Zeit dafür nehmen. Durch das Wohnzimmer schnurrt grade der Saugroboter, in der Küche summt der Geschirrautomat und im Bad brummt die Waschmaschine. „Hausfrau lässt arbeiten, während sie die klappernden Tasten der Tastatur hören kann“ 😀 Ein buntes Gemisch an Geräuschen. Ansonsten gibt es keine weitere Geräuschkulisse mehr in meiner Wohnung. Früher hörte ich noch hammerlaute Techno-Musik, doch diese wilden Jahre sind vorbei, vorbei, wie das vergangene Jahr. Früher war eine Silvesterparty ohne berauschenden Alkohol mit Jux und Knallerei für mich undenkbar, heute schaue ich nur zu, wie andere ihr Geld in die Luft jagen und sich einen Kater antrinken. Mein Silvesterspektakel besteht aus alkoholfreien Sekt und Wunderkerzen.

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Einmal mit der Fähre Hohe Düne, hin und zurück. Die Ostsee erfrischt bei der Überfahrt jeden Geist und meine verschnupfte Nase erholte sich ebenfalls. Zum Glück, denn ich übernahm den Infekt meiner Enkeltochter und fühlte mich am Silverstermorgen elend und schlapp. Es gab nichts, was mir nicht weht tat. Bis zum späten Nachmittag hatte ich mich wieder berappelt und  mit einer IBU die Symptome im Griff, die frische Luft der Ostsee trug ihren Teil dazu bei.

Ostsee am Silversterabend

Mit dem Mädels verbrachte ich den Silversternachmittag in Warnemünde.

Aber noch bevor die Silvesterparty  auf der Promenade in die Vollen ging, machten wir uns auf den Rückweg. Es war schon dunkel, als wieder auf der Fähre standen und uns übersetzten ließen. Auf halber Strecke wunderte ich mich, warum das Ufer sich seitlich weg bewegte. Wollte der Fährmann etwa rückwärts die Passagiere und Autos auf der anderen Seite absetzten ober litt ich gar wegen des Infektes unter einer Schwindel-Attacke?  beides war nicht der Fall. Der Fährmann machte sich am Silvesterabend einen eigenen Spaß und drehte die Fähre auf halber Höhe einmal um die eigene Achse und fuhr normal weiter. Er legte also während er Überfahrt einen kleinen Tanzmove ein. Nach der Verblüffung der Fahrgäste kam als nächstes ein Raunen und anschließend ein Beifall. Auch die Fahrgäste hatten ihren Spaß am Spaß des Fährmanns.

Für den Silverster-Abend nahmen wir uns nichts spektakuläres vor. Auf Pro 7 lief der Film: „Der Schuh des Manitus“ bei dem wir herzlich ablachen konnten und für den Rest des Abends bis Mitternacht übernahm mein TV die weitere Unterhaltung für die Mädels und mich. Mit ihren 13 und 14 Jahren haben sie nach kein Verlagen nach Partyrausch. Das sah, wenn ich so an meine Teene-Zeit zurück denke, bei mir schon etwas anders aus. Im mir steckte schon früh eine Partymaus und wäre ich damals so gediegen, wie meine Enkelkinder ins neue Jahr gerutscht, dann hätte mir bestimmt was gefehlt.

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Aber die Mädels hatten immer noch ihren Spaß mit meinen Wunderkerzen auf dem Balkon, während massenhaft die gesprengten Silvesterraketen sich um Himmel mit einem Knall zu weiten Fontänen öffneten.

Live ist live

Nur 14 Tage frei gehabt, aber sie kamen mir gefühlt wie 4 Wochen und mehr noch vor. Doch seit gestern bin ich wieder im vollen Trainingsbetrieb und ich fand erstaunlich schnell in den Alltag wieder zurück. Naja..logisch, hab ja auch schon zig Jahre Übung darin, von Gammel- auf Arbeitstag umzuschalten. 

Die zurückliegende Zeit hatten meine Enkeltöchter in Beschlag genommen. Sie nahmen aber nicht nur die Zeit, sondern auch meine Couch, meinen Fernseher, mein Bett und alles, was sonst meinen Tagesabaluf ausmacht, in Beschlag. 😀

Am zweiten Weihnachtstag kam eins meiner Enkeltöchter. Sie hatte ihre 4 Geschwister in Hamburg zurück gelassen, denn sie wollte mit ihrer Oma ganz allein sein, mit Kaffee trinken und Kino gehen und so. Sie stand voll im meinem Mittelpunkt 😀 , was will Kind mehr.

Ein paar Tage später kam ihre große Schwester dazu und hatte schon einen Plan in der Tasche,  was wir uns auf Netflix alles ansehen sollten.  Die Jugend von heute schaut kaum noch auf die TV Programme und Formate, die es täglich zu sehen gibt. Nein, bei den Jugendlichen von heute wird heute nur noch gestreamt.  Ich musste für diese Zeit auf meine Dokus verzichten.

Nun war es an mir, die Tage zur Jahreswende zu gestalten und geplant war ein Besuch im Zoo in den Abendstunden. Wir sahen uns sie geheimnisvollen Lichterwelten  im Rostocker Zoo an. So große Lust hatten meine Mädels nicht, denn die Lichterwelten waren ja nicht gestreamt.  Doch dann ließen sie sich doch von dem Zauber der beleuchteten Zootiere doch noch vereinnahmen. 

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Das ist nur ein kleiner bildlicher Eindruck von dem, was der Rostocker Zoo für seine Winterbesucher zu zeigen hatte. Die Mädels waren jedenfalls begeistert. Wir streiften fast 2 Stunden über das dunkle Zoogelände, während die realen Tiere schliefen. Denn der Einlass  war ja erst ab 18 Uhr. So, wie auf dem unteren Bild sah der Schlaf bei den Papageien aus. Die Kopfhaltung erinnerte mich stark an meinen Sekundenschlaf auf der Couch. 

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Der schlafende Papagei, wie er auf dem Bild zu sehen ist, war jedenfalls im Tiefschlaf und ließ sich auch von den zahlreichen  Besuchern im Papageienhaus nicht aus dem Schlaf bringen. Schlaf ist eben Schlaf.

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Am Ende hatten die Mädels dann doch ihren Spaß an dem von innen beleuchteten Zootieren und nachdem wir alle alles ausgiebig fotografiert hatten, verließen wir den Zoo nach 2 Stunden  wieder. Vor uns lag noch Silvester und das Neujahr. Damit es den Mädels nicht langweilig wird, hatte ich für diese Tage auch meine Pläne, aber davon morgen mehr.