durchbeißen….

und dabei nicht ins Gras beißen..das sollte jetzt mein Lebensmotto sein. Aber zum Glück kommen solche Ängste bei mir kaum in den Sinn, wenn auch ab und zu mein Bauchkribbeln anzeigt, dass noch immer etwas in der Luft hängt, was noch nicht zu fassen ist.

Momentan gehen massenweise Klopapierwitze um und ich frage mich dabei jedes mal, warum für den Menschen das Klopapier jetzt so wichtig ist? Wir laufen ja nicht Gefahr, massenhaft an einer Darmgrippe oder einer Ruhr zu erkranken. Aber vielleicht geht dem, der massenhaft Klopapier hortet, der Arsch auf Grundeis? Wäre nachvollziehbar. So etwas, was wir grade erleben, hat noch nie in unseren Wohlstandszeitalter jemand erlebt.

Was mir Bauchkribbeln macht, ist die Frage, wie schnell die Wirtschaft sich davon wieder erholen wird? Wird Sohnemann seinen Arbeitsplatz verlieren, weil keiner mehr Geld für ein Restaurant übrig hat und es niemand für die Gastronomie noch zu bewirten gibt? Und überhaupt, werden kleine Unternehmen, die jetzt schon am Boden liegen, wieder auf die Beine kommen? Sohnemann ist grade unterwegs, er muss sich als Kurzarbeiter beim Arbeitsmarkt melden und ich gehe davon aus, das die dort heute Warteschlange unendlich ist.

Rostock Kröpeliner Str. heute 11.30 Uhr

Heute kam ich endlich telefonisch zum behandelnden Arzt von Sohnemann durch und man wollte mir ein Rezept für sein Medikament gegen Epilepsie ausstellen. Damit sollte sicher gestellt werden, dass sein für ihn so wichtiges Medikament vorerst nicht ausgeht. Die sonst vor belebte Einkaufsstraße war fast leer. Ich konnte ohne große Mühe an jeden auf 2 m Abstand vorbei gehen.

Rostock – Neuer Markt – heute 11.35 Uhr

Und auch der Neue Markt war fast menschenleer. Nur ein paar Stände haben geöffnet und die wurden auch kaum besucht. Die Bäckereien, die rundherum sonst ihre Tische schon längst auf den Außenbereich in die Sonne geschoben hätten, hatten heute nur ihre Ladentür geöffnet. Dabei ist das Wetter überschwänglich frühlingshaft und hätte mit Sicherheit jede Menge Menschen auf den Marktplatz gelockt.

Bombentag

Der Anrufer wechselt hektisch von Handy auf s Festnetz und zurück. Jemand will mich dringenst erreichen. Mein Handy ist fast immer auf leise gestellt und am Morgen sowieso.  Übers Festnetzt kommt das Gespräch mit dem unbekannten Anrufe zu Stande. Natürlich befürchte ich einen verbrecherischen Anruf, davor wird wieder seit Tagen hier oben im Norden gewarnt. Aber es war der Wohnungsverwalter von Sohnemanns Wohnung. Sohnemann lebt seit seinem Unfall noch bei mir und wird demnächst aus meinen Fittichen entlassen.

„Wann  haben sie ihren Sohn das letzte mal gesehen?“ damit leitet der Verwalter das Gespräch ein. „Gestern“ antworte ich brav „er hatte gestern Spätschicht und schläft noch“ „Aus der Wohnung ihres Sohnes riecht es nach Gas, ihr Sohn muss sofort kommen. Oder wollen sie, das das Haus in die Luft fliegt?“ Noch während der Verwalter auf mich einredet, rüttelt ich Sohnemann wach, damit er persönlich mit ihm sprechen kann. „Bin gleich da, aber 20 Minuten wird es dauern“ und schon springt Sohnemann mit  tausend Fragezeichen im Kopf in seine Klamotten und macht sich auf den Weg. Er hat ums verrecken keine Erklärung dafür, warum es aus seiner Wohnung nach Gas riecht, denn er kocht elektrisch.

Ungeduldig warte ich auf den Rückruf von Sohnemann, während mein Gehirn schon dabei ist, Szenarien zu entwickeln. Hat Sohnemann das letzte mal, als er in seiner Wohnung war, ein Gerät angelassen und das kokelt nun vor sich hin. Aber würde das nach Gas riechen ? Nein. “

„Wie gut es die Haftpflichtversicherung gibt“, denke ich, als endlich der erlösende Anruf von Sohnemann eintrifft. Was er mir dann zu erzählen hat, hat mir fast den Atem verschlagen und erst  nach und nach wurde mir die Tragweite dessen bewusst.

pexels-photo-191648Lange Rede kurzer Sinn. Also kurz gesagt, durch die (Keller)Wohnung von Sohnemann geht ein Stück der Gasleitung, die die Mieter das Hauses mit Gas versorgt. Sohnemann gehört jedoch nicht dazu. Im Sommer ist permanent ein Fenster angekippt, im aber Winter geschlossen. D.h. das Fenster ist schon seit 3 oder Wochen geschlossen. Das hatte zur Folge, dass der Gasgeruch aus seiner Wohnung kam und ein Techniker stellte fest, dass das kurze Stück der Gasleitung in seiner Wohnung ein Leck hatte.

Mit dieser Info entwickelte mein Kopf neue Szenarien. Was wäre wenn Sohnemann in der Wohnung mit geschlossenen Fernster geschlafen hätte? Wäre er am Morgen  überhaupt aufgewacht? Oder hätte die nächste Zigarette, die er sich in seiner Wohnung angesteckt hätte, die Butze in die Luft fliegen lassen? Unfälle dieser Art kommen ja immer mal wieder vor.

Und noch etwas später verstand ich erst den Sinn der Frage „Wann haben sie ihren Sohn das letzte mal gesehen? Befürchtete der Verwalter, dass Sohnemann vielleicht schon an einer Gasvergiftung gestorben ist. Die Aufregung des Verwalters lässt dies vermuten. Ich bin für meinen Teil froh, dass ich Sohnemann nach dem Unfall doch noch etwas länger unter meine Fittiche gehalten habe. Er sollte erst im Frühjahr von mir wieder entlassen werden. Wie gut , das ich mich durchgesetzt habe.

wieder im Käfig

Den braven Bürger versetzte die Nachricht vor fast 14 Tagen in Angst und Schrecken. Auch wunderte mich, warum der Hubschrauber sogar kurz vor Mitternacht in der Luft hin und seine Scheinwerfer den Boden absuchten. Das kleine Wäldchen, vom die Rede war, lag ich in meiner Sichtweite, stünden keine großen Wohnblöcke dazwischen.

Niemand wollte ich vorstellen, dem Strafgefangen die Arme zu laufen, der seid dem 9. März auf der Flucht war. Es handelte ich um eine Insassen der forensischen Klinik ins Rostock Gehlsdorf, einem abgelegenen Stadtteil von Rostock, es liegt auf der anderen Seite der Warnow.  Wer am dem Platz steht, an dem ich das Haderbild macht, hat die´forensische Klinik im Rücken

Das gesamte Gebiet am Rande der Warnow ist zum Naherholungsgebiet ausgebaut worden und auf einem Flanierweg kommt man der Klinik relativ nah,

jedoch nicht so nahe, wie es auf dem Bild scheint. So ganz wohl fühle ich mich nicht, wenn ich daran vorbei gehe, aber wie man sieht, eine Flucht aus dem Gelände ist kaum vorstellbar.

Und doch ist es einem Insassen gelungen und er floh am vorletzten Montag. Er nutze einen Besuch zum Arzt der HNO Klinik und diese liegt mitten in der Stadt. Er überwältige seine Begleitpersonen und entzog sich so für fast 14 Tage auf dem Gewahrsam der Justiz.

Nervosität machte sich unter der Bevölkerung breit. Aber nicht nur das, auch Unverständnis und Kopfschütteln und Zweifel an ihre Sicherheit, die ihnen gewährt werden sollte.

Seid  gestern Abend, die erlösende Nachricht. Sie haben ihn und fanden ihn in Berlin in einem Obdachlosenheim. Eine Mögliche Ursache sahen sie in Gelingen seines Fluchtplanes, dass er wegen der bevorstehenden OP in der HNO- Klinik von dem Termin schon 3 Tage vorher wusste und so auch 3 Tage Zeit hatte, ein Fluchtplan zu schmieden.

Ostseemaus