ein bunter Abend

Langsam aber sicher installiert sich die Live-Kultur wieder in unser aktuelles Leben. Die Pandemie bremst den Hype noch etwas aus, doch der Saal, in dem ich gestern saß, war voll. Es kam rein, was rein durfte. Nur hier und da mussten die Veranstalter – das Volkstheater Rostock – ein paar Lücken zwischen Reihen und Sitzplätzen lassen, doch das tat dem Erlebnis keinen Abbruch. Auf dem Spielplan stand „Disco-Fieber“, 70er-Jahre-Musical von Juri Sternburg. Musik und Tanz ist immer gut und bring Schwung in unser Leben. Und wer auf dem Sound der 70iger Jahre stand, kam gestern Abend auf seine Kosten.

Fünf reizende Frauen, eine von ihnen war ich, machten sich gestern Abend auf den Weg in das Sommertheater von Rostock. Das ist eine alte Werkhalle auf dem ehemaligen Werftgelände der Neptun Werft. Was die rustikale Bühne nicht an Breite hatte, hatte sie in der Höhe. Über 3 Etagen spielten die Darsteller für ihr Publikum, die alle mit Mundschutz zusahen. Keine von uns wusste genau, ob wir den Mundschutz ablegen durften oder nicht, also machten wir es, wie die meisten der Zuschauer und behielten den Mundschutz auf. Ich fragte mich, wie das wohl für die Darsteller aussehen mag. All die Zuschauer mit weißen Tüchern vorm Gesicht.😷😷😷😷😷😷😁 Aber vielleicht sahen sie von uns auch nicht viel, denn die Künstler standen ja im grellen Bühnenlicht, das auf sie gerichtet war.

Wir waren ein dankbares Publikum und honorierten jeden Song – es waren viele – , mit Applaus, der zwischen den Szenen gespielt wurde. Und nach jeden Song wurde der Applaus länger und lauter. Die Zuschauer kamen in Schwung, kamen in Stimmung. Wir klatschten nicht nur, wir klatschten mit, im Rhythmus der Musik.

Das Ende des Musicals wurde mit einem opulenten Bühnenbild eingeleitet und der letzte Song „YMCA“ riss uns alle vom Hocker, bzw. von unseren Sitzplätzen. Die Begeisterung hatte sich im Zuschauer Saal weiter ausgebreite, als mir plötzlich Tränen aufstiegen. Urplötzlich musste ich an meine Cousine, meinen Cousin und meine Freundin denken, die all das nicht mehr miterleben dürfen. Vor einem Jahr dachte niemand im entferntesten daran, das ihr Leben ein jähes Ende finden wird.

Noch immer mischt sich die Trauer in meine Lebensfreude. Sie lässt mich die Lebensfreude nicht ungestört genießen, ganz im Gegenteil. In solchen Momenten, wie gestern Abend, drängt sie sich wieder mit in die erste Reihe und will gefühlt werden. Und sie macht mir deutlich, wie wichtig es ist, sein Leben im positiven Licht zu gestalten und jeden Moment des Leben zu genießen, wenn auch nicht jeder Moment mit Glück beseelt wird. Meinen Yogis sage ich immer: „Du kannst die äußere Welt nicht ändern, jedoch dein innere Einstellung zur äußeren Welt“ Momentan prallen sogar zwei Welten in meinem Inneren zusammen, die der Lebensfreude, die der Trauer und beide muss ich zulassen, .mitunter sogar zeitgleich, wie gestern Abend.

Treffen in Sassen

Der Zufall wollte es, dass unser Verein den Termin mit ein gemeinsames Wellness-Wochenende nicht wie alle die Jahre zuvor auf Anfang Juni wählte, sondern erstmalig für dieses Jahr auf Mitte August. Nicht zuletzt hatte die grundsätzliche Terminverlegung damit zu tun, weil ich Anfang Juni alljährlich für ein paar Tage nach Mallorca geflogen bin und mir dort „einen Bunten“ machte. Doch ich sollte das Wellness-Wochenende neben Gi Gong auch mit Yoga bereichern. Und die Terminverlagerung hat sich gelohnt. Im Juni 2020 wäre das Wochenende unter den CoronaHammer gekommen.

Schullandheim Sassen

Wir trafen uns in diesem Jahr im Schullandheim „Geschwister Scholl“ in Sassen. Ein alter 3-Seiten-Bauernhof, der zu einem Schullandheim umgebaut wurde und mich an meinen Geburtsort erinnerte. Vielleicht war das der Grund, warum ich mich sofort wohl und heimisch fühlte. Die Teilnehmer nutzten in der Vergangenheit regelmäßig das Angebot des Vereins, sodass diese Treffen fast schon familiären Charakter tragen. Gesagt wird ja auch, dass Vereine zum Teil Ersatz für die Familie sind, weil diese sich heutzutage über ganz Deutschland oder sogar weltweit verteilt.

Unser Wellness-Wochenende fand schon am letzten Wochenende statt und hatten daher super Wetter. Die Menschen verteilten sich auf das Gelände und am Abend schauten wir uns den Sternenhimmel an. Kaum zu glauben, aber in abgelegenen Orten, die kaum Lichtverschmutzung haben, kann man, wenn es dunkel wird, sogar die Milchstraße wieder sehen. Die jungen Leute – Teenies, die mit ihren Eltern kamen – schleppten sogar ihre Matratzen ins Freie und sahen zur Abwechslung nicht auf ihre Handys, sondern bestaunten den Sternenhimmel und zählten Sternschnuppen.

Na dann, mir nach, ihr Yogis

Am Samstag war ich mit meinem Yogaprogramm dran . Ich ließ mich überraschen, wer diesmal dabei sein wird. Die meisten Teilnehmer kamen ja aus dem Gi Gong und wer sich da ein wenig auskennt, weiß, dass es im Gi Gong um weiche sanfte Bewegungsabläufe geht, während Yoga auf Kraft und Dehnung aufbaut. Mein Programm sollte beiden gerecht werden, denen, die es weich und geschmeidig mögen und denen, die es etwas kräftiger mögen.

Vor dem Abendessen „pilgerten“ wir in die Landschaft durch Wald und Feld. Ziel war es, die naheliegenden Hünengräber zu besuchen. Ich komme von der Insel Rügen und bin neben Hünengräbern aufgewachsen. Auch das war ein Moment, der mich wieder in meine Jugend zurückkehren ließ.

Am Abend wurde gemeinsam gegrillt und bis in die Nacht erzählt. Wir hatten ja alle Zeit der Welt. 😊 Aber ganz so war es nicht. Kaum hatten wir uns niedergelassen und eingerichtet, war es auch schon Sonntag und wir fuhren wieder Richtung Heimat, Kinder, wie die Zeit vergeht 😎😀

Der Anfang ist gemacht

Mit dem ersten Schultag am Montag in Mecklenburg-Vorpommern nahmen nach 4 1/2 Monaten auch die Vereine ihre Tätigkeit auf. Alle warteten schon ungeduldig darauf, dass es weiter losgehen würde. Erstaunlicherweise blieben die Mitglieder der Gruppen bis auf einige wenige dem Verein treu. Kündigungen ihre Mitgliedschaft gab es nur vereinzelt, weil anfangs niemand wusste, wie es nach dem Lockdown weiter gehen wird. Schließlich durchleben wir alles und das weltweit das erste Mal eine Pandemie. Pandemie, ein Wort das ich nur aus Filmen kannte.

Ich durfte also am Montag als erste Trainerin den Reigen der Sportveranstaltungen der 3 Sportvereine, für die ich tätig bin, eröffnen. Wir, die Yogis, trafen uns nach 20 Wochen Trainingspause wieder in der Sporthalle und damit haben wir ein Stück Vertrautheit aus alten Zeiten zurückgewonnen und wir hoffen alle, dass wir nicht wieder auseinander laufen müssen. Die Infektionszahlen stiegen wieder an und der Staat überlegt schon, wie sie damit umgehen werden. Trotzdem hoffen wir, dass der Staat nicht wieder die Notbremse für alle ziehen muss, sondern nur hier und da etwas strenger vorgehen. Zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern mussten nur wenige Tage nach Schulbeginn ihre Tore wieder schließen.

Am Dienstag/Donnerstag waren die Kinder dran. Von 35 Kindern der Gruppe erschienen erst mal nur 6. Für meine Kollegin und mich war das auch erst mal ein guter Anfang. So können wir uns besser einspielen, d.h. den Umgang mit dem verpflichtenden Hygienekonzept. Die Kinder müssen sich gleich nach dem Betreten der Sporthalle die Hände waschen. Nach dem Benutzen der Sportgeräte werden alle Geräte vor dem Wegräumen wieder desinfiziert und nach dem Verlassen der Sporthalle werden die Klingen ebenfalls desinfiziert. Wir müssen eine neue Routine entwickeln. Aber die Kinder machen mit und halten sich an die Ansagen von uns Trainern.

Ab nächste Woche geht es dann mit den Vorschulkindern weiter. Dann wird es nicht mehr lange dauern und mein Kalender ist randvoll mit Trainingsterminen vollgepackt. Weil ich einer Vereinschefin versprochen habe: „Ich helfe dir beim Wiederaufbau“ hat sie mich reichlich mit Trainingszeiten eingedeckt und für die eine oder andere Gruppe sogar den „Hut“ aufgesetzt, d.h. ich trage die Hauptverantwortung die Sportstunde.

Dazu muss man wissen, das im Kindersport immer 2 oder sogar mitunter sogar 3 Trainer mit den Kindergruppen arbeiten. Davon leitet ein Trainer die Sportstunde und macht die Ansagen, er hat also den Hut auf und die anderen Trainer unterstützen Haupttrainer und Kinder. Ich bin nicht wirklich scharf den „Trainerhut“, sondern trage lieber dem Haupttrainer den Ball nach 😀😎

So gemütlich, wie die Enten durch Wasser gleiten, werden meine nächsten Wochen wohl nicht sein.