sowas passiert

Am vorletzten Montag zog ich das letzte mal vor den großen Ferien und der Sommerpause des Vereins mit den Vier- und Fünfjährigen als kleine Truppe vom Kindergarten zur Sporthalle, natürlich mit Begleitperson. 15 – 20 Minuten Fußweg sind dabei immer einzuplanen.

Dieses mal verrenkten wir uns die Hälse, weil über uns ein höllischer Lärm war. Ich kannte das Geräusch aus früheren Zeiten aus DDR-Zeiten, wenn die Düsenjets über unsere Köpfe hinweg flogen. Auch dieser ohrenbetäubende Lärm ließ vermuten, dass es Düsenjets waren, doch sehe konnten wir sie nicht.

Sofort kam eine alte Erinnerung zurück. Sie liegt schon viele Jahre zurück. Ich lebte damals noch auf der Insel Rügen bei meinen Eltern und hatte an dem Tag große Wäsche. Noch mit Waschkessel und Wäsche aufkochen und so. Mit Waschbrett die Wäsche waschen, mit der Hand spülen und dann endlich kam das erste technische Gerät dazu, die Wäscheschleuder. Ich sag euch, damals was Wäsche machen eine echte Knüppelarbeit.

Ich stand also am Waschbottich und hievte die Wäsche mit einem Wäscheknüppel von A nach B. , als ein höllischer Lärm über dem Dach des Hauses zu hören war. Dann war nix mehr zu hören, alles wieder still. Man hätte glauben können, ein kleines Flugzeug wäre auf dem Dach des Hauses gelandet. Wir waren ja am tieffliegen der Armeeflugzeuge gewöhnt. Deshalb dachte ich mir nicht weiter etwas dabei. Das das Getöse diesmal lauter als sonst waren, sowas kann passieren. Ich machte weiter, die Wäsche sollte möglich schnell auf die Leine.

Wenig später erfuhr ich, dass das ohrenbetäubende Geräusch vom abstürzenden Kampfflieger war. Wenige hundert Meter von unseren Haus entfernt ging der Flieger zu Boden und verschwand in einem Rapsfeld. Als ich mir die Absturzstelle ansehen wollte, war sie schon weitläufig abgesperrt und ich konnte nur noch den Erdhügel sehen. Es war eine russische Maschine die bei einer Übung beschädigt wurde. Der Pilot konnte noch dafür sorgen, dass die Maschine nicht in die Häuserzeile fiel – es hätte auch mein Elternhaus treffen können – und dann verließ er mit dem Schleudersitz seine abstürzende Maschine. Es dauerte einige Tage, bis auch die letzte Schraube vom verunglückten Flieger geborgen wurde.

Für die Leute des Dorfes gab später nach dem Schrecken noch etwas Spaß. Die russischen Hubschrauber luden die Neugierigen in ihre Hubschrauber ein und machten eine kostenlosen Rundflug um ihr Dorf. Damit war der Schrecken vergessen. Sowas kann auch passieren.

Nach dem Kindersport letzte Woche hatte ich etwas Zeit und blätterte auf dem Smartphone die aktuellen Nachrichten durch und las mit Schrecken die Nachricht, das zwei Eurofighter in Mecklenburg Vorpommern vom Himmel gefallen wären. Ohje..das waren bestimmt die ca. 45 Minuten zuvor über dem Stadtrand von Rostock ihre Übungsflüge machten. Eine Bekannte, die die Eurofighter gesehen hatte, beschrieb ihre wilde Aktion direkt am an unseren Stadtrand.

Traurig, dass einer von den Jungs sein Leben dabei verlor. Ein junger Mann, der sein Leben noch vor sich hatte. Und wieder hat die Bundeswehr einen weiteren Verlust zu beklagen. Gestern ging die Nachricht um, das es diesmal einen Hubschrauber erwischt hat und wieder ist eine junge Person gestorben. Sowas passiert. Doch besser wäre, wenn so etwas nicht passieren würde.

gegen die Wand

Es gibt Dinge, die man sich mehrmals anhören oder absehen muss, damit der Verstand begreift, was er nicht begreifen kann, aber begreifen muss, weil das Unbegreifliche Realität ist. Vielleicht schaute ich mir deshalb die Nachrichten im TV wieder und wieder an. Aber es gibt keine Zweifel, er hat es getan.

Eine Achterbahn der Gefühle durchlaufen alle, die die neusten Nachrichten über den Absturz des Flugzeuges verfolgen. Was in den Menschen vor sich geht, dessen Angehörigen darin umkamen, kann ich mir kaum vorstellen und als unerträglich zusammenfassen. Auch seine Eltern, die mit der Tat ihres Sohnes nun leben müssen, was geht in ihnen vor?

Um das Unbegreifliche zu begreifen, läuft mein gesunder Menschenverstand wiederholt gegen eine Wand.

Ein 28 jähriger entscheidet in 10 000 Meter über den Wolken über das Leben und ihre Köpfe derer hinweg, dessen Leben ihn anvertraut wurden. Er ließ den Flieger an einer massiven Bergwand  zerschellen.

Als ich das gestern hörte, kam mir u.a. spontan (neben der Depression)  Liebeskummer in den Sinn. Natürlich hatte man mich nach meiner wagen Äußerung gleich in den Boden gestampft. Verfolge ich die Nachrichten, starben die Menschen im Flug von Barcelona nach Düsseldorf auch deshalb ?

Ostseemaus

Trauer

Sicherheit bleibt eine Illusion, die wir Menschen  zu gern erträumen. Realität wird sie deshalb nicht. Das Leben zeigte heute, wie hart das Leben zuschlagen kann. 8 Minuten im Sinkflug, eine Ewigkeit für die, die ahnen, das das kein gutes Ende nehmen wird. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, welche Panik unter den Fluggästen ausgebrochen sein muss, bevor das Flugzeug in den Bergen zerschellte.

Als ich heut Vormittag meinen Fernseher nebenbei laufen lies, dachte ich zuerst an eine Dokumentation über Katastrophen im Flugwesen. An einen zeitnahem Unfall dachte ich nicht. Es dauerte ein paar Momente, bis ich begriff, das die Beiträge Liveschaltungen waren, die über die schreckliche Wahrheizt berichteten.

Ein deutsches Flugzeug ist über den Alpen abgestürzt. Keine Überlebenden heißt es. Mein Kopf wollte dies nicht als wahre Begebenheit akzeptiere, aber auf allen Kanälen wurde bereits darüber berichtet.

Für mich ein Schock und diesmal ist er so nah dran, wie bisher noch nie. Oh Gott, wie hart hat das Schicksal zugeschlagen. Fast surreal das Geschehen wie aus einer Zwischenwelt.

Mein Beileid für alle Betroffenen.

Und doch,  das klingt selbst jetzt, wenn ich es schreibe, so platt und ohne Inhalt.Was kann man einem Angehörigen sagen, der seine Lieben verloren hat. ? Mich macht es sprachlos.

Osteemaus