Tag und Nacht

Treffe ich am Urlaubsort ein, dann denke ich: „Toll, noch so und so viel Tage liegen vor mir“ Eine gefühlte Ewigkeit mit viel Zeit, die ich für mich allein habe. Ich muss weder zur Arbeit, noch putzen, noch Betten manchen, noch Essen kochen, noch abwaschen, ich muss nur aufstehen und den Tag für mich gut sein lassen. Ich sag euch was, man kann sich daran gewöhnen. Aber ohne einen Volltreffer im Lotto wird sich das Luxusleben nur auf ein paar Tage im Jahr beschränken.

Unser Stammhotel

Mit Meerblick war gebucht, aber das Zimmer wird erst vor Ort vergeben. Wir hatten Glück und bekamen auf Wunsch ein Zimmer in der 6. Etage des Hotels. Höher hinaus kommt man in dem Hotel nicht. Die beliebte Mittelmeerbucht lag uns zu Füßen.

Für alle Besucher, die die absolute Stille lieben, wird dieser Ort zu laut sein. Denn Tag und Nacht dringt der Straßenlärm und das permanente Rauschen des Mittelmeeres bis ins Zimmer vor. Aber für uns war der Lärm kein Thema. Ich kann den Lärm gut ausblenden oder ich schloss die Balkontür, wenn ich noch bis in die Puppen schlafen wollte. Außerdem zog es uns jeden Abend in die Nacht und wir kamen erst gegen 5 Uhr wieder heim.

Uns zog es am Tag an den Strand und am Abend in die bunte Nacht.

Ebenso, was dem Lärm betrifft, gilt auch für die Menschen am Strand, die eng bei einander liegen. Im Juni und Juli sollen der Strand leer gewesen sein, aber im September strömten wie gewohnt die Massen wieder nach Mallorca. Die „Mittelalter“ hielt der Insel die Treue, die jungen Wilden blieben in diesem Jahr weg. Die haben sich ein anderen Domizil gesucht. Die Maßnahmen gegen den Sauftourismus haben erste Wirkungen gezeigt.

Wir hatten so unsere Laufstrecke, wenn es in die Nacht geht. Wir trafen immer gegen 22.30 Uhr in der Bierstrasse. Die Plätze waren knapp und die Stimmung auf Hochtouren. Als erstes machen wir uns zu „Yvönnchen“ auf dem Weg.(links im Bild)

Yvonne arbeitet im „Palmeiras Biergarten“ als Kellnerin und das nun schon seit 20 Jahren. Wir nennen sie Yvönnchen, weil sie kaum zu sehen ist, wenn sie sich mit dem voll beladenden Tablett durch die Menschen drängt.

Um 0 Uhr wird die donnernde Musik abgeschaltet und bis wir uns auf den Weg zur nächsten Etappe machen, dauert es etwas. Die Gespräche zu Ende führen, die Rechnung bezahlen. Doch um 1 Uhr kennt auch das Personal kein Pardon. Sie stapeln Tisch und Hochstühle, fegen die Straße und spätestens um 1.30 Uhr ist von dem Treiben der Menschen nichts mehr zu sehen.

Auf uns wartet eine weitete Etappe. Der Bolero, eine Diskothek mit einer Liveband, die sich „Sunny Way“ nennt. Mal nix aus der Tonspurkonserve, sondern live gespielt und gesungen. Die Band begrüßte uns mit Freude, man kennt uns schon :D. Zum Abschluß dieses Beitages noch ein kleiner zusammengestellter Videoclip, der die Sängerin nach getaner Arbeit zeigt. Sie tanzt mit einem Kellner, der auch froh ist, das die lange Nacht bald beendet ist.

Brautschau

Keine Frage, der Schalk unter uns 4 Geschwistern ist unsere jüngste Schwester. Damit will ich nicht sagen, dass sie das Leben nicht ernst nimmt. Sie ist der Meinung,

das das Leben lustiger ist, wenn man sich auch Spaß im Leben gönnt. Schlagfertig reagiert sie auf ihr Umfeld und so richtig in Fahrt kommt sie, wenn wir auf Mallorca unterwegs ist..

Es ist kein Geheimnis und jeder weiß – auch der Nicht-Malle-Besucher – das die meisten Urlauber auf der Promenade angeheitert  unterwegs sind und die sonst Fremden so tun, als kennen sie sich schon seid Jahren.. Der Alkohol hebt die Distanz zwischen fremden Menschen auf und viele geben sich so dort so, wie sie sich es zu Hause nicht trauen würden. Wer will schon als Blödmann bezeichnet werden.

Doch auf dem Strandabschnitt vom B6 („Balneario Nº 6“ (spanisch für „Heilbad“). ist vieles erlaubt und findet sogar Anklang. Nach wüsten Saufereien hält der Zuschauertourist heute jedoch vergeblich Ausschau. Spanien hat aufgeräumt und duldet nicht mehr alles. was deutsche aber auch englische Touristen ihnen boten.

Während sich meine beiden Mädels ab und zu schon  ein Bier am Strand gönnen, halte ich mich eher an der Wasserflasche fest. Der erste Tropfen Alkohol darf erst am Abend über meine Kehle schwappen. In der Hitze der spanischen Sonne wäre ich für den Abend dann nicht mehr zu gebrauchen.

Am Abend erwacht die 2 Welt am S´Arenal . Auch wir wollen in die Nachtwelt abtauchen .„Atemlos durch die Nacht“ ist die Hymne vom S`Arneal geworden. Unser Weg war jeden Abend der selbe.  Die Bierstrasse auf den Weg in die Nacht bietet zur Einstimmung jede Menge Spaß und dieser wird nicht von der donnernd lauten Musik angeheizt, sondern auch von reichlich Alkohol der Dank Happy Hour  doppelt sprudeln kann.

Ich bin auch wieder nur mit einer schwachen Nummer dabei.. Wodka Wasser… nicht jeder Manns Sache. Ich musste mir keine Sorgen machen, dass mir jemand meinen Longdrink weg nehmen würde. Selbst als ich ihn verschenken wollte ich ihn nicht los werden. Die Mädels trinken lieber GinTonic. Die Herrlichkeiten, die ab und zu unseren Tisch aufsuchen trinken lieber ihr Bier.

Im September reist die Altersgruppe Ü 40 an und entsprechend werden die coolen Sprüche auf den Tshirts zur Schau getragen. Aber Spaß muss sein und wer auch richtig über sich selbst lachen kann,, hat echten Humor.

Wenn es 23 Uhr ist, erlischt das Licht auf der Bierstrasse und die Gäste zünden die Wunderkerzen an….

..und es erklingt die alte Weise.. Sierra Madre, das ursprünglich von Ronny geschrieben und gesungen wurde. Diese kurze Einlage ist aus der Bierstrasse heute nicht mehr wegzudenken.

Weit sichtbar ist das Lichtermeer der zahlreichen Wunderkerzen zu sehen. Die Menschen sind für kurze Zeit angetan und erfüllt von dem Klang der einfachen Weise, die das einfache und arbeitsreiche Leben der Bergbauern beschreibt.

Für eine Stunde donnert weiter die Musik aus den Lautsprechern., denn ab 24 Uhr ist Schluss mit lustig, donnernde Musik darf nur noch in Innenräume gespielt werden –   All die Gassenhauer, die alle mitsingen können, ach wenn die Zunge schon zu schwer von Bier und Longdrinks geworden ist.  Wir Mädels stellen fest, dass wir alles andere als Textsicher sind und wir genau wie die meisten Besucher der Bierstraße nur eine oder 2 Zeilen vom Refrain drauf haben. Aber wen stört das schon, die Musik ist eh laut genug und unsere Stimmen werden übertönt.

Unter den Gästen sind diesmal auch Besucher dabei, die sich auf Brautschau machen wollen. Die aufgelockerte Stimmung macht das anbandeln leichter und vielleicht wird ja was draus. In einem älteren Blogbeitrag beschriebt ich die Suche nach einem Mann am S´Arenal.

Wir Mädels singen und geben dabei unser Bestes, während die Musik weiter über unsere Köpfe hinweg donnert, als sich ein junger ..um nicht zu sagen, ganz junger Mann zu uns durcharbeitet. Er reicht er mir die Hand und ich nehme an, er will nur “Gib mir 5” mit mir spielen. Ich gebe ihm meine “5” und er arbeite sich weiter an das Ohr meiner Schwestern ran. Bei dem Lärm ist eine Verständigung schlecht aber nicht unmöglich. Irgend wann hat er es geschafft, sein Anliegen ins Ohr meiner Schwester zu transportieren. Sie wären 2 Brüder und hätten ihren Vater mitgebracht.  Er zeigte auf einen der Biertische an dem ein schwankender Mann  – Mitte Ende 50 vielleicht – stand und seine Augen nur mit Mühe offen halten konnte. wahrscheinlich war eins von 30 Bierchen schlecht.

“Wir suchen für unseren Vater eine Frau” und weil sie meine Schwester angesprochen hatten, war klar, die Jungs konnten sie sich ganz gut als Stiefmutter vorstellen.

Wie ich eingangs schon schreib meine Schwester ist schlagfertig und sagt nicht nein: “Ok…er soll aber erst mal nüchtern werden, dann sehen wir weiter” Wir sahen den Vater mit seinen 2 Söhnen nur noch einmal und das am selben Abend, auf den Weg zum Oberbayer.

Die Jungs stützen ihren Vater und waren fest entschlossen eine Frau für ihn zu finden. Ich musste  schmunzeln und fand es schon eher rührend, wie die Jungs das Glück für ihren Vater auf die Sprünge helfen wollten.

Ostseemaus

Nachteulen

Auf Mallorca muss man sich entscheiden, ob man den Tag Tag sein lässt ober ob man die Nacht zum Tag macht. Die lauen Sommerabende laden auf jeden Fall dazu ein, die Nacht auch zum Tag zu machen. Und mit dieser Absicht ist man als Urlauber dort nicht allein.

Schon an der nächsten Straßenecke trifft man auf buntes Treiben, soweit das Auge reicht.

Alle sind in Feierlaune. Dicht gedrängt an den Stehtischen stehen die Menschen und versuchen gegen den Lärm der Musik mit einander zu sprechen. Jeden Abend  lockt Happy hour bis 24 Uhr  die Menschen an, uns auch.

In unsere Ohren dröhnt immer wieder die selbe Musik. Sie ist der Motor, der die Feierlaune antreibt und der Alkohol der Sprit, der sie am laufen hält. Das Konzept funktioniert jeden Abend aufs neue…vom Mai bis Oktober.

Die alkoholisierte emotionale Hochstimmung bekommt jeden Abend von den Betreibern noch ein kostenloses Sahnehäubchen drauf gesetzt. Gegen 23.30 findet jeder Gast Wunderkerze an seinem Platz, die alle zur selben Zeit zum sprühen gebracht werden.Jeden Abend das selbe, jeden Abend der selbe Spaß, jeden Abend für die Gäste das selbe Vergnügen.

Wer seinen Platz am Rand eingenommen hat, muss sich auf die fliegenden Händler einstellen. Sie dürfen nur am Rand ihren Handel treiben.

Sie alle sind junge Männer aus Senegal und verdienen sich ihren Lebensunterhalt damit, dass sie die Urlauber Tag und Nacht mit ihrem Schnickschnack umschwirren, um ihn für 1 €  oder mehr an den Mann zu bringen. Wenn ich tagtäglich die Jungs laufen sah, war ich froh, am anderen Ende der Welt geboren zu sein. Ich sitze am fetten Ende de Wurst, muss meine Heimat nicht verlassen um leben zu können. Die Jungs sind unermüdlich und das sicher nicht ohne Druck aus einer für den Urlauber unsichtbaren Ecke.

An dem Abend hatten wir viel Spaß, auch mit den Jungs. Dieser Abend fing wie jeder Abend an.

Ankommen an der Bierstraße, um sich mit reißen zu lassen. Wie tauchen unter im dichten Gedränge, um noch einen Tisch für die 5 lustigen Weiber zu ergattern.

Fast alle Plätze sind besetzt, doch am Rand war noch ausreichend Platz für 5 Frauen. Und damit sind wir auch gleich im Visier der zahlreichen fliegenden Händlern, die im 3 Minuten Takt versuchen, um all ihren Schnickschnack zu verkaufen. Mit “Blink Blick” oder  “Guter Preis” und “Heute Happy hour” wollen sie uns ihr nutzloses Zeug schmackhaft machen. Meine Schwester wird dann doch irgend wann weich und kauft den Jungs was ab.

Der Alkoholpegel im Blut steigert die Kauflust und wenn die Jungs erst mal mitgekriegt haben, das jemand etwas kauft, wird um von ihnen umschwirrt, wie die Motten das Licht. Sie kommen nun von links und von rechts, um uns ihre Ware anzubieten. Wir waren jetzt Kunden geworden, wir hören uns an, was der fliegende Händler uns noch verkaufen kann

Auf die dekorative Perücke haben wir alle verzichtet, doch er hatte es besseres nach unserem Geschmack. Die perfekte Maskerade. Eine Brille mit blinkender Nase und heraus hängender Zug. Als meine Schwester sich das Ding probeweise auf die Nase setzt, krieg ich mich nicht mehr ein und komme aus dem lachen nicht mehr raus und gönne nun auch den anderen den Spaß an meinem Anblick.

Nach 15 Minuten Lachflash kann ich wieder ohne Lachanfall reden und stelle fest, ich bin angekommen. Angekommen im Land der Bekloppten. Jetzt ist es nicht mehr weit, bis ich meinen Affen auf dem Käfig lasse.

Wir wollen mehr von den Spaßbrillen und werden zu Großabnehmern. Darauf sind die fliegenden Händler nicht vorbereitet und laufen wie die Bienen umher, um uns die weiteren Brillen zu beschaffen. Doch die Brillen, die sie uns vorlegen, haben eine Erdbeere als Zunge, wir wollen eine Zunge. Und wieder Birsen die fliegenden Händler durch die Gegend und um die passenden Brillen aufzutreiben.

Doch dann..oh Schreck, an einer Brille fehlt eine Augenbraue. Die Maskerade sieht zwar blöd aus, doch nur mit einer Augenbaue ist das bekloppt. Und wieder laufen die Jungs los und versuchen eine Brille aufzutreiben, wo beide Augenbrauen noch dran sind. Und das dauert und dauert. “Passt mal auf” sagt mein Schwesterherz “wenn die jetzt wiederkommen, dann haben sie an der anderen Brille manipuliert die Augenbraue abgerissen und sie werden uns erklären, dass das so sein soll”.

Kaum hat sie es ausgesprochen, als 2 fliegende Händler an unseren Tisch kommen. Einer von ihnen legt uns die Brille vor, ohne Augenbrauen. Wie erwartet haben sie die andere entfernt und wollten uns nun erzählen, das das bei dieser Brille eben so ist. 

Sie beraten und beraten, was sie nun machen sollen. Auf keinen Fall wollen sie sich das Geschäft nicht durch die Lappen gehen lassen. Ihre Gesichter sind ernst, wie die eines Immobilienmaklers, der ein Haus mit Mängeln schön redet um es an den Mann zu bringen.Sie haben für ihre Bemühungen unseren vollen Respekt und wir nehmen ihnen die Brille ohne Augenbraue ab. Wären diese Jungs richtig ausgebildet, dann könnte der Händler l sich über gutes Verkaufspersonal freuen. Die Jungs sind echt fleißig, laufen wie die Bienen und wir nehmen ihnen die Ausrede ab. Die fehlenden Augenbrauen malen wir später selber nach, beschließen wir.

Ostseemaus