paradox

46. Tag seit der Maßnahme

Schon den 11. Tag in Folge wurden in Rostock keine COVID-19-Erkrankungen mehr gemeldet. Die Zahl blieb seit dem auf 75 stehen. Noch 3 Tage, dann sind 14 Tage rum und Rostock ist „clean“. „Rostock ist Corona frei“, verkündete der Bürgermeister unserer Stadt schon vor ein paar Tagen. Es heißt: „Die Möglichkeit, sich in Rostock anzustecken, ist derzeit zwar nicht ausgeschlossen, die Wahrscheinlichkeit aber gering.“ (Zitat aus diesem Beitrag)

Die Frage ist, warum hat der Rostocker Bürgermeister dies seinen Bürgern wissen lassen, wohl wissend, dass es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt? Nicht alle haben seine Mitteilung mit Applaus aufgenommen, denn sie befürchteten einen laxen Umgang mit den Regeln, die uns von oben auferlegt wurden. Der OB wollte seinen Bürgern eine Perspektive bieten und das tat er, zumindest bei mir.

Jetzt braucht es nur eine Mauer um Rostock und das alte vertraute Leben kann wieder aufgenommen werden? Wir Rostocker wären wieder frei, dank einer Mauer um die Stadtgrenze? Ist das nicht paradox? Freiheit und Mauer in einem Satz?

Natürlich wird nicht ausgeschlossen, dass der Corona-Virus sich wieder einschleicht und ein neuer Hotspot aufploppt und alles wieder von vorn beginnt. Denn seit gestern sind die Spielplätze wieder offen und ab heute dürfen auch die großen Geschäfte wieder öffnen. In den letzten Wochen wir braven Bürger es ja, uns auf Abstand zu halten.

Mein 1. Mai war gestern vom herumsitzen geprägt. Na gut – Mittag gekocht habe ich zumindest im Stehen. Den Rest des Tages verbrachte ich auf dem Balkon zum Zeichnen und auf der Couch. Dabei sah ich mir den Film „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ an. Bei starken Szenen im Film kamen mir sogar die Tränen. Frau gönnt sich ja sonst nichts und zeigt auch Gefühle. Das Wetter war wie allerorts. Sonnig, verregnet und sogar Gewitter zog über die Stadt.

Maskerade

29. Tag der seit der Maßnahme

Nur wer es weiß, kann ihn erkennen. Der Ostermarkt nur als Symbol aufgebaut..zur Erinnerung an alte und bessere Zeiten. Aus der fahrenden Straßenbahn machte ich den Schnappschuss per Handy, Ich musste am Samstag noch mal stadteinwärts mit der Straßenbahn zum Einkauf in Einkaufszentrum. Nicht alles, was ich brauche, finde ich in den zahlreichen Supermärkten, die im meinem Wohnumfeld zu finden sind, obwohl ich von Supermärkten umzingelt bin.

Mit Mundschutz machte ich mich auf den Weg und stellte fest, ich war einige wenigen, die ein Mundschutz trugen. Das Tragen von Mundschutz ja ja auch von Experten umstritten, weil es keine gesicherten Erkenntnisse dafür gibt, das sie den Träger schützen. Man geht „nur“ davon aus, dass man im Falle einer eigenen Infektion für sein Umfeld weniger gefährlich ist, falls man plötzlich niesen oder sich schneuzen muss. Ich trug den Mundschutz, weil ich mir nicht unbewusst ins Gesicht greifen wollte. Hinter mir der Miniatur- Ostermarkt ..Zur Erinnerung für mich an die schwierigen Zeiten von 2020.

Zur Zeit werden wir auch von unseren Landespolitikern und Lokalpolitikern von unterschiedlichen Auffassungen zum Tragen vom Mundschutz konfrontiert. Frau Schwesig empfieht einen Mundschutz im öffentlichen Raum, wenn die Alltagsbeschränkungen wieder gelockert werden sollen. Der Rostocker OB hingegen sieht das Tragen eines Mundschutzes nur in geschlossenen Räumen für notwendig an. Auch wenn ich denke, dass die Maßnahmen vom OB ausreichend sind, kann ich die Ministerpräsidentin von MeckPom auch verstehen. Vielleicht wäre ein Mittelweg denkbar. im öffentlichen Raum möglich, im geschlossenen Raum nötig.

Trotzdem sollte inzwischen jeder wissen, dass der selbst genähte Mundschutz uns vor dem Virus nicht wirklich schützen kann. Wir kommen nicht um die Abstandshaltung und das Hände wachsen herum. Für einen Virus sind die für unsere Augen feinen Stoffgewebe große Eingangstore. So viele Stofflagen kann man gar nicht übereinander legen, als dass sie sie nicht durchdringen könnten. Mein selbst genähter Mundschutz hatte nur 2 Stofflagen und die waren schon nach wenigen Atemzügen von meiner Atemluft durchfeuchtet, von der erschwerten Atmung ganz zu schweigen.

Stubenhocker

Tag 12, seit dem Erlassen der Maßnahmen, die unser Leben wegen Corona so sehr einschränkt. In meinem Tagebuch bezeichne ich diese Zeit als Teilquarantäne, weil ich  seit letzten Samstag meine Wohnung nicht mehr verlassen habe. Statt dessen wurde nun meine Wohnung zum eingeschränkten Bewegungsraum, der sich sonst durch die ganze Stadt zog. Auf meinen Schrittzähler im Handy muss ich gar nicht mehr schauen. Aus den 5 bis 7 Kilometer Fußweg – ohne Kindersport in den Sporthallen, in denen ich ja auch genug Kreise zog – kommen nun täglich nur noch ein paar Meter zusammen.

Heute habe ich mich gefragt, warum ich so wenig Bock habe, vor die Tür zu gehen. Sind es die z.T. winterlichen Temperaturen, fehlt mir der Antrieb, weil ich keine Aufgaben mehr außer Haus habe? Oder finde ich an der Gammelei Gefallen? Heute kam ich drauf. Die Erkenntnis brauchte es, um in meinen Kopf vorzudringen. Wenn ich jetzt als Stubenhocker mutiere, dann nur aus einem einzigen Grund. In meinen 4 Wänden hat sich die Welt noch nicht verändert, vor der Tür aber schon. Die ungewohnte Einsamkeit auf den Straßen macht mir schmerzlich bewusst, wie sehr wir Menschen weltweit in einer schwierigen Situation stecken, aus der es für niemanden ein Entrinnen gibt. Akribisch verfolge ich die Fallzahlen in der Welt, in Mecklenburg-Vorpommer und Rostock. Zum Glück haben wir hier oben im Norden noch nicht soo viele Infizierte auf 100 000 Einwohner gerechet. Es sind immer noch unter 16. In Rostock wurden aktuell 50 Fälle gemeldet. Aber was macht das schon. Fängt das Leben wieder wie gewohnt an, wie wird der Verlauf der Infektionen sich dann darstellen ?

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Trotz alledem schlafe ich jede Nacht wie in Murmeltier, ohne dass ich von Albträumen geweckt werde. Naja..ein Albtraum weckte mich gestern schon. Ich hatte mein Händy auf einer Reise verloren. Ich saß im Reisebus und vertreib mir die Zeit mit dem Handy. Als es mir aus der Hand glitt, rutschte es durch eine Öffnung, die ich erst sah, als mein Blick dem Handy folgte. Ich konnte gar nicht glauben, dass mein Reisebus solch ein löchrigen Boden hatte, so das ich sogar ein Teil der Straße sehen konnte und das von meinem Sitzplatz aus. 

Ich stand jetzt vor der Entscheidung, entweder mein Handy sausen lassen oder meine Reise.Ich entschied mich für´s Handy und sprang aus dem fahrenden Bus. Komisch, warum war mein Handy mir so wichtig? Oder fand ich den löchrigen Boden zu suspekt? Er hätte ja auch durchbrechen können oder so. Naja.. als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und mein Handy auch wieder in meine Händen hielt. fand ich mich mitten in einer Gruppe von demontierenden Menschen wieder. Worum es den Demonstranten ging, konnte ich nach dem Aufwachen nicht mehr in meine Erinnerung zurück holen. Ich erinnerte mich nur daran, dass ich unentschlossen war, mich den Demonstranten anzuschließen. Als Traumdeuter kam man einiges an Erkenntnissen daraus ziehen. Eine Reise im Traum hat ja schon einen deutlichen Symbolwert. 

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Spatzen in der Morgensonne

Als erstes ging ich ich heute nach dem Aufwachen auf den Balkon und hielt die Spatzen mit meiner Kamera fest, die es sich in der Morgensonne gemütlich gemacht haben. Ansonsten waren nur die Hundehalter auf GassiGang und die jungen Eltern mit ihren Kleinkindern unterwegs. 

Aus dem Fenster