Den kenne ich doch

„Das Gesicht kenne ich doch“ flammt es in mir auf. Jedenfalls kommt es mir das Gesicht bekannt vor. Ich sehe zwar nur die seitliche Silhouette und doch „DAS muss er sein oder doch nicht?“ Nein, das kann er nicht sein. Das Gesicht ist  jung und die Person, an die es mich erinnert, ist wie ich in die Jahre gekommen. Wir arbeiteten vor und nach der Wende als Kollegen zusammen. Vor mehr als 10 Jahre verloren wir uns wieder aus den Augen. All die Jahre dachte ich nicht an ihn, bis zu dem Moment, als ich die Silhouette der fremden Person sah. „Ob er noch lebt?“ frage ich mich und sofort schlagen sich ein paar innere Seiten der Vergangenheit auf.

Ich nenne ihn mal S. Ein eher kleiner Mann, zurückhaltend und immer nett. Ich erlebte ihn nie ungehalten oder was noch schwieriger ist, als ungenießbar. An allem, wie S. mir begegnete, war zu erkennen, das S. gern mit mir eine Paar zusammengekommen wäre. Während er mich liebte – er sagte er mir öfter – , mochte ich ihn nur. Das reichte jedoch nicht für eine gemeinsame Zukunft aus. Wir waren Kollegen und Freunde.

Und doch, jedesmal wenn unsere Lebenswege sich kreuzten, trennte S. sich von seiner aktuellen Frau. Er tat mit deshalb leid und doch konnte ich sein Schicksal nicht ändern. Es wäre mit mir nur auf Treibsand gebaut worden.

Das letzte mal. als ich S. traf, kurierte er sich grade nach einem Unfall  aus. Ein tiefer Sturz von der Leiter hatte sein Schulterblatt gebrochen und damit hatte er Mühe seinen Alltag zu meistern.   S. wirkte  in meinen Augen zusammengefallen und deshalb befürchtete ich , dass er sich von dem Sturz nicht mehr ganz erholen kann. Das war nur einen Eingebung, die ich registrierte und als letzten Eindruck mitnahm. Mit der Verabschiedung wünschte ihn gute Besserung. Vielleicht kann S. entgegen meiner damaligen Eingebung seine Lebensabend genießen. Ich würde es ihm von Herzen wünschen.

Rückblick

 

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Beam mich rüber….

Wer hätte das gedacht, aber heute haben wir nicht nur den 16.März sondern heute haben wir auch den Weltschlaftag.  Er soll uns daran erinnern, wie wichtig für unsere Lebenskraft und – freude gesunder erholsamer Schlaf ist. Aber er erinnert auch daran, dass es noch zu viele Menschen gibt, die an Schlafstörungen leiden. Sie können nicht mehr abschalten, weil vielleicht unterschwelliger Druck den gesunden Schlaf stört oder man es schlicht und einfach verlernt hat, abzuschalten um sich den Träumen und Fantasien zu widmen.

Für mich gehören Schlafprobleme schon lange der Vergangenheit an. Das aber nicht, weil ich keine Druck mehr hatte, ganz im Gegenteil. Ich war jahrelang Selbstständig und  jeden Abend schlich sich die Existenzangst mit in mein Bett. Sie besiedelte jedoch nicht meinen Kopf, nein, sie schlang sich eng um meinen Leib und verursachte damit leichte Stromschläge in den Bauch und diese ließen mich nicht schlafen.

Ein wirksamer Gegenspieler, meine Fantasie. Diese holte mich fast jede Nacht sicher aus der Schlaflosigkeit ab. Ich nutze dafür ein Pool an Erinnerung aus längst vergangener Zeit. Einer Zeit in der ich noch ganz ohne Sorgen durch Welt die sprang und das Leben für mich ein einziger Spaß war. Meine Kindheit, meine Jugend. Dabei möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich von Natur aus ein Funtyp bin und daher meine Erinnerung grade in dieser Hinsicht am aktivsten war. D.h. bevor mir der Spaß am Leben verging, musste schon meine Menge geschehen, was zum Glück nicht geschah.

Also beame ich mich vor dem Einschlafen in die Zeit meiner Jugend zurück. Aber nicht die ersten Flirts stehen dabei im Mittelpunkt meiner nächtlichen Zeitreise, sondern das einfache schlichte Familienleben. Bevorzugt, die Familienfeiern, bin ja ein Funtyp. Dabei taucht immer selbe Bild in meiner Erinnerung auf. Ich sah meine große Familie in den Sommermonaten im Garten um einen großen gedeckten Tisch sitzen. Anlass dafür gab es im Sommer  genug.  Alle waren bester Laune, jeder freute sich auf die selbst gebackenen Kuchen, die wir am Vormittag für die Gäste gebacken hatten.

Die angenehme Stimmung durch das Zusammensein meiner Familie und Verwandten – damals lebte die Familien nicht so zerstreut wie heut – hat sich fest in meine Erinnerung eingeprägt und die Erinnerung daran, entspannt mich noch heute. Damit erübrigt sich für mich jede schlaflose Nacht oder Schlaftablette.

Muttertag

Ehre das Mutterherz,
solange es schlägt,
wenn es im Grabe liegt,
ist es zu spät

Den Spruch fand man in meinen Kinderjahren in fast jedem Poesiebuch und in meinem stand es mehrfach, wie ich auch diesen kurzen Spruch mehrfach in andere Poesiealben meiner Mitschüler  schrieb.

Damals war der Gedanke daran, dass ich die eigene Mutter irgendwann mal auf dem Friedhof besuchen müsste, in meinem Kopf gar nicht vorhanden. Später, als ich älter wurde und erkannte, wie verletzbar  das Leben sein kann, mochte  ich daran nicht denken, es war für mich immer noch unvorstellbar, dass eines Tages die eigene Mutter für immer gehen muss.

Als es dann doch geschehen war, stand die Welt für mich still. Wohin sollte ich nun, wenn ich in Not war? Vorher vertraue ich alles, was mir auf der Seele brannte, meiner Mutter an. Der Verlust war schmerzlich, ich fühlte mich schwach  und verletzlich. Ich lag im wahrsten Sinne des Wortes am Boden und schloss die Augen.

Die Augen verschließen, vor der Sorgen, die ich damals zu der Zeit hatte, da war alles,. Ich versank in einem Traum oder eine Traumreise?  Im Traum lag ich nicht auf dem Fußboden, sondern auf der Wiese. Warme Sonnenstrahlen erwärmten  und eine frische Brise erfrischte meinen Körper. Ich lag direkt vor einem Hügel. auf dem die Gänseblümchen den  Rasen mit weißen Punkten gesprenkelt. Ich sah auf den Hügel, in dessen Blickrichtung ich mich gelegt hatte.. Der Hügel reichte aus der Perspektive fast bis in den Himmel und der Gipfel berührte den Himmel.

daisy-50997_640Auf der anderen Seite des Hügels zum Gipfel schein jemand aufzusteigen. Erst sah ich nur den Kopf, dann wuchs der Körper und nahm Gestalt an. Als die Gestalt den Gipfel überschritten und auf den Weg zu mir war, erkannte ich die Gestalt. Es war meine Mutter, sie zu mir kam, als sei sie vom Himmel herabgestiegen. Ihr Lächeln, das ich schon aus der Ferne erkannte, erweckten schon meine Lebensgeister, die kurz zuvor ermüdet waren. Meine Mutter kam näher und berührte mich in dem Traum. Sofort kehrte meine Kraft wieder zurück und mein Lebenswille stellte mich wieder auf die Beine.

Als ich erwachte, war meine Mutter  verschwunden, ich lag immer noch auf dem Fußboden meines Wohnzimmers, doch meine Energie war wieder zurück gekehrt. Vielleicht trat ich im Traum mit meiner Mutter noch über ihren Tod hinaus mit ihr in Kontakt. Noch bis heute habe ich das schöne Bild vor Augen, wie meine Mutter den Hügel zu mir herabsteigt.

Ostseemaus

plötzlich gegangen

Können gute Wünsche im Himmel wahr werden ?  Ich hoffe es….

Es gehört zu jedem Aufenthalt in meinem Heimatdorf dazu – ein kurzer Besuch bei einem Teil meiner Familie, die dort schon seid ein paar Jahren in Frieden ruht.

Es ist ein schöner unverbaubarer Platz, der Friedhof des Ortes.  Er liegt auf einer kleinen Anhöhe. Man kann sogar einen Zipfel vom großen Jasmunder Bodden sehen, eine kleine Bucht, als Kinder badeten wir darin.

Damals war die Schule noch im Wohnort . Wir Kinder hatten die Schule quasi vor der Haustür.

Noch heute sind die Überreste unserer Grundschule von damals sehen. Ohje…wie lange ist das her…kaum zu glauben, doch damals hechelte ich dem 18. Geburtstag entgegen – wollte möglichst schnell erwachsen werden. Warum drängelt es die Jungend in diesen Lebensabschnitt ? Heut wünschte ich mir, die Jungend hätte länger gedauert. Mit dem Wissen von heute würde ich jeden Tag doppel genießen. Mit Ausnahme der Klassenarbeiten hatten wir damals keinen Druck und Zukunftsängste waren uns fremd.  Zu gern erinnere ich mich an die Zeit und die Erinnerung verstärkt sich, begegnet man jemanden, mit dem man in einer Klasse war.

Als ich im Juni wieder mal auf dem Friedhof war..dachte ich mir: “Mach doch einen kleinen Handy-Videoclip, dann kannst du deine Lieben per Clip immer mal wieder aufsuchen”. Gesagt – getan. Mein Schwesterherz geht vor und ich folge ihr mit der laufenden Kamera. Ein älterer Herr kommt uns entgegen, ist aber nur kurz im Bild.

Nach einem kurzen Schwenk ist er auch schon wieder aus dem Bild. Mein Blick ist auf den Bildschirm der Kamera fixiert und die auf mein Schwesterherz. Wir stehen stumm an der Grabstelle und denken an die Zeit. als die Familie noch komplett war. Da spricht uns der  ältere Herr an und erkundigt sich nach einer Frau und nennt dabei meinem Mädchennamen.

Ich schaue ihn an und erkenne Günter – ein Mitschüler. 10 Jahre haben wir die Schulbank gedrückt und fast 20 Jahre ist es her, als wir uns zuletzt sahen, bei einem einmaligen Klassentreffen.  Die Wiedersehensfreude war groß und die alten Zeiten lebten noch einmal auf.

Günter war kein großer Mann. Vielleicht war er deshalb schüchtern und zurück haltend. Aber von seiner kindliche Warmherzigkeit hat er nichts eingebüßt. Eine Frau für´s Leben fand er nie. Bis seine Mutter starb, lebte er bei ihr. Das heißt, er verlies sein Elternhaus nie. Jede Frau, die er mit nach Hause brachte, musste erst die Güte-Kontrolle der Mutter überstehen und sie fand, keine Frau war gut genug für Günter. Und doch brachte es eine Frau etwas weiter und ein Kind von Günter auf die Welt. Und damit war das Glück für Günter auch schon aufgebraucht. Ich weiß nicht, ob Günter es so gesehen hat…aber im Dorf erzählte man sich, das die Mutter ihren Sohn nicht gehen lassen will.

Er war erst frei, als seine Mutter starb und ihre Grabstelle besuchte er an dem Tag, als wir uns trafen.

Als ich ihn flüchtig sah, war er ein älterer Mann für mich, als ich ihn als meinen Mitschüler erkannte, war er wieder der Junge von damals…eben nur etwas dicklicher und runzliger. Ähnlich wird es ihm mit mir auch ergangen sein.

Günter hatte jetzt doch eine Lebenspartnerin. Sie pflegte ein Grab und er wollte nur Wasser von der Zapfstelle holen, als wir uns zufällig trafen. Mich freute es, das Günter doch noch eine Frau gefunden hat und auf seine alten Tage nicht mit der Angst vor dem Alleinsein verbringen musste, wie seine Mutter. Wenig später stand seine Partnerin neben uns und Günter stellte mich als seine Mitschülerin von damals vor. Wir wurden barsch von ihr unterbrochen. Sie forderte Günter mit harten Ton auf, ihr zu folgen :”Wir haben keine Zeit” Einen Blick für mich und mein Schwesterherz, die auch bei uns stand, hatte sie nicht. Mit einem flüchtigen “Tschüss” zu mir folgte Günter seiner Frau. Über meinem Rücken lief ein kalter Schauer “Armer Günter” dachte ich, als ich ins Auto stiegt, mit dem Schwesterherz und ich Richtung Heimat fuhren.

Seid dem sind 4 Monte ins Land gegangen und gestern erfuhr ich, das Gunter jetzt auch auf dem Friedhof ruht, wahrscheinlich neben seiner Mutter. Mein Bruder fand die Todesanzeige von Günter in der Tagespresse. Er ist plötzlich verstorben.

Mann oh Mann – Günter, was machst du für Sachen. Du warst im Juni doch noch bestens drauf und heut gibt es dich nicht mehr.

Ich wünsche dir von Herzen, dann dich im Himmel liebevolle Engel begleiten werden und du so doch noch eine warmherzige Begleiterin an deine Seite bekommst.