Wiedererkennung

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte mal im Kino war. Schließlich habe ich mein Homekino, spricht Smart-TV, DVD-Player, Digital-Recorder und Netflix , schon so weit ausgebaut, dass mein Tag 48 Stunden bräuchte um mir alles anzusehen, was sich am Möglichkeiten mir schon allein zu Hause bietet.  Aber nichts von all dem erreicht für mich den Zauber einer Kinovorstellung. In völliger Dunkelheit und ohne Ablenkung kann ich in die Handlungen eintauchen, die sich vor meinen Augen auf der großen Kinoleinwand abspielen. Diese Intensität erreiche ich zu Haus auf der Couch und nicht selten noch zusätzlich mit einem Smartphone in der Hand, niemals erreichen.

Deshalb gönnte ich mir gestern den Film: „Das Pubertier“. Als Regisseur Leander Haußmann und Schauspieler Jan Liefers, beides bei mir ein „muss ich sehen“ . Also lies ich mich berieseln von grandiosen Schauspielern in dem Film das Leben einer Familie darstellten, dessen Kinder in die Pubertät sind. Vieles, was gezeigt wurde, kann ich unterschreiben. Ohje…was war meine Tochter damals zickig, war kaum auszuhalten. Und mein Sohn erst. Tagelang sah ich ihn nur unter der Kapuze. Und das Weckszenario jeden Morgen, mein Gott, was hat mich das Kraft gekostet. Danach spürte ich schon am Morgen die ersten Erschöpfungserscheinungen an meiner Willenskraft.

Leander Hausmann hat nach gleichnamiger Romanvorlage von Jan Weiler das Leben einer Familie mit den pubertären Kindern liebevoll in Szene gesetzt. Anfang kam schien mir alles etwas überzogen, doch dann hatte sich die Handlung eingegroovt und mir kamen am Schluss wie dem Vater die Tränen, als aus dem pubertären Kind eine kleine Erwachsene wurde und das Elternhaus verlies.

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buntes Wochenende

“Nee…den will ich nicht sehen “ …”und ich will den anderen nicht sehen”  So geht es eine Weile hin und her, bis Sohnemann und ich uns auf einen Film einigen können. “OK…dann treffen wir uns um 19 Uhr am Schröderplatz”

Wir entschieden uns für eine Spätvorstellung im Lichtspieltheater Wundervoll, kurz gesagt; LiWu. Ein altes Kino aus DDR Zeiten – ehemals Metropol Theater – was noch keine großartigen Umbauten hinter sich hat. Die Filme, die man sich dort ansehen kann, sind schon aus den großen Kinos raus, so wie der Film, für den wir uns entschieden haben.

“Bevor wir ins Kino gehen, spielen wir Billard im PleitegeierNa super, Sohnemann zeigt mir die Kneipen von Rostock Zwinkerndes Smiley. Die rustikale Kneipe liegt mitten in der Stadt und hat im Keller einen Billardraum. Wer es gelackt mag, für den ist die Kneipe jedoch nicht geeignet, Sie wird vorwiegend von jungen Leuten aufgesucht.

Bevor ich mich in das Kneipenleben und den Kinosaal stürze, flaniere ich noch eine Weile durch die Kröpeliner Straße. Hätte ich die Zeitung gelesen, hätte ich auch gewusst, dass am Samstag der Christopher Street Day wäre. Doch als ich in der Innenstadt eintraf war so gut wie alles schon gelaufen. Der Umzug war schon lange durch, die schrill bunt gekleideten Menschen waren schon am feiern.

Den Umzug 2015 habe ich leider verpasst. Der war bestimmt wieder eine Augenweide. Hier und da liefen noch ein paar “bunte Vögel” über den Neuen Markt. Die meisten, die ich sah, waren Mädels, die sich ebenso so schrill wie die Männer kleideten.

Vor ein paar Jahren zog ein Umzug an mir auf dem Boulevard vorbei. Ich war grade einkaufen und traf einen alten Bekannten. Wir unterhielten uns über längst vergangene Zeiten. “Da kommen wieder die Verrückten” sagte der Bekannte – ein sonst netter sanftmütiger Kerl – , als der Umzug sich mit Musik schon aus der Ferne ankündigte, Wieder einmal bestätigt sich, das die Menschen ohne Unterlass für mehr Toleranz kämpfen müssen. Niemand soll sich wegen seiner Veranlagung verstecken müssen.

Unter die CSD Besucher mischten sich auch die jungen Bräute, die mit ihren Freundinnen ihren Junggesellinnen Abschied machten.

Um 19 Uhr traf ich Sohnemann wie verabredet. Er brachte seinen Freund mit. Wir gingen zu dritt in den Pleitegeier um gemeinsam Billard zu spielen. Höchstleistungen waren von mir nicht zu erwarten. So weit ich zurück denken kann habe ich das 2. Mal in meinem Leben einen Oueue in der Hand und auch keinen Plan, wie ich die Poolbillardkugel einlochen soll. Unter dem Motto: “Dabei sein ist alles” übe ich nach meiner Verliererrunde noch am einlochen, als die Jungs schon gemütlich ihr Bier trinken.

Zum Abschluss des Tages war eine Filmvorstellung vorgesehen. Wir entschieden uns für “Escobar Paradise Lost” So eine richtige Ahnung hatte ich nicht, welch ein Film auf mich wartet, denn ich hatte mir den Inhalt nur flüchtig durchgelesen.

Ich wollte mich überraschen lassen. Anfangs dachte ich:”Naja” und dann.. “Oh je” .. und die Augen weit auf, Dann dachte ich” Oh nein” wir furchtbar, wie grausam. Statt auf die Leinwand zu schauen, schloss ich die Augen, statt zu hören, stopfte ich mir die Finger auf die Ohren. Ich wollte weder sehen noch hören, wie es weiter ging, denn der gesunde Menschenverstand sagte mir, wie es weiter gehen wird. “Auf keine Fall geht DAS gut aus”

Die Spannung stieg weiter, weiter und weiter, Ich war mit dem Protagonisten schon so sehr verbunden, dass ich mit ihm litt, Es wurde unerträglich für mich, ich entwickelte Fluchtgedanken. Vielleicht sollte ich aus dem Kino fliehen? Überstürzt aus dem Kino rennen? Oder bis zum bitteren Ende die Augen und Ohren schließen und mich längst zwischen die Sitze legen? An diesen unterschiedlichen Alternative nagte ich, während er Film seinem traurigen Ende entgegenlief.

“Ich konnte am Ende nicht anders” sagte Sohnemann “mir kamen die Tränen” Nach dem Film unterhielten wir uns nach lange über den Film. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass es den Drogenhändler tatsächlich gab und seinen Lebensweg auch real von Leichen gepflastert war, bis man ihn in den 90iger Jahren erschoss

Ostseemaus

Langzeitwirkung

Es gibt wohl kein Film. dessen Abschlussszene ich über Jahrzehnte niemals vergessen konnte, ich ihn niemals sehen konnte, ohne in mein Taschentuch zu schnäuzen. Selbst wenn ich an diese Szene heute noch denke, berührt mich der Moment, als die Hauptdarstellerin  sich entschließt, das hoffnungslose Warten auf ihren Liebsten zu beenden. Er war im Krieg gefallen. Sie hat die harte Realität akzeptiert und überreichte jeden eine Blume aus dem Strauß, der für ihren Liebsten war, an andere Heimkehrer. Dafür löst sie den gebundenen Strauß auf.

Eine symbolische Handlung, wie man mit einer traurigen Vergangenheit Frieden schließen kann. Die stagnierte Liebe über einfache Gesten an andre weiter reichen.

Erzählt wird in dem Film die Geschichte von Boris und Veronika – er nannte sie liebevoll “mein Eichhörnchen” und sie nannte ihn gleich 3 mal beim Namen “ach..Boriiis..Boriiis..Boriiiis “- , die ihren Anfang und ihr Ende mit Beginn des 2. Weltkrieges findet. Heute noch selig vor Glück und morgen ist schon alles vorbei.

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