Die Welt von oben

Mein Reisegepäck ist bereit und ich bin es auch. Hinter mir liegen aufregende Wochen. Eigentlich fühle ich mich reif für die Insel und Abstand von all den traurigen Ereignissen könnte mir gut tun.

Zum Zeitpunkt der Abreise ist es so heiß, wie ich es nur aus Spanien kenne. Denn immerhin ist es schon Mitte September. Deshalb bin ich froh, dass ich den spanischen Fächer vom letzten Spanienbesuch noch auf die Schnelle in meine Handtasche warf. Er ha sich als Klimaanlage bewährt und mit mir während der 3 stündigen Busfahrt genug frische Luft beschert.

Dann ist  es wieder soweit. Der Flieger steht  für uns bereit. Nein, nicht ganz. Er kam zu spät von Mallorca und wir mussten warten, bis wir an Bord können. Aber dann, dann ist es soweit.

Alle Plätze sind schnell besetzt und die Spannung steigt – bei mir. Nicht das ich Flugangst hätte, aber ich bin froh, wenn ich die Röhre wieder verlassen kann und das ohne das Abenteuer der Turbulenzen erlebt zu haben. Bis nach Palma der Mallorca sind es nur 2 Std. und 40 Minuten. Damit habe ich den Zenit meiner Belastbarkeit als Fluggast erreicht.

Der Start lässt dann auch nicht lange auf sich warten und der Flieger bewegt sich langsam aber stetig auf die Startbahn.

Dann hebt der Flieger auch schon ab. Kaum zu glauben, aber wenige Sekunden beschleunigt der Flieger nur, düste dann los und schon liegt er in der Luft,

Der Zufall wollte es, dass ich eine Woche vor dem Start mit meiner Hamburger Familie bei einem Spaziergang in die Nähe des Hamburger Flughafens kam und so den Start auch von Boden aus erleben konnte.

Um mich von dem Unbehagen, den der Start bei mir dann doch immer wieder verursacht, abzulenken. nehme ich mit meiner Kamera alles auf, was mir unter die Linse kommt. Hier ein schöner Blick auf Hamburg. und wie man sieht, eine wirklich grüne Stadt.

Und wieder ein Stück höher.. kaum zu glauben. Ich staune jedes mal auf s Neue, warsdie Menschheit alles entwickelt hat und um sich nicht nur auf dem Boden bewegen zu müssen

Nach 2 Stunden ist die Insel wieder in Sicht. Der Landeanflug dauert ca. 20 Minuten, dann ist es wieder geschafft.

Die Welt sieht unter mir wie ich Schachbrett aus. Klein und filigran die kleinen Orte, die sich in die Karree´s einschmiegen.

Ungewöhnlich war der Anblick eines Golfplatzes aus luftigen Höhen. Um genau zu sein, habe ich auch noch nie einen Golfplatz gesehen, weder von Boden aus noch aus der Luft. Ich fragte mich spontan, wie man in Spanien, ein Land das im Sommer unter Gluthitze leidet, eine solch grünen und satt aussehenden Rasenfläche erhalten kann.

Die Landung ist  sanft und erleichternd für mich. Keine Rüttelei während des Fluges, keine Turbulenzen, die mich hätten in Angst versetzt.

Zur Begrüßung beschert Spanien uns einen so wunderschönen Abendhimmel Ein Woche Spanien liegt vor uns.

Ostseemaus

durch den Wind

 

Die dritte im Bunde bin ich ..die fast immer Unsichtbare auf den Erinnerungsfotos unserer gemeinsamen Urlaubsreisen nach Spanien, auf die Lieblingsinsel der Deutschen. 7 Tage Mallorca warten auf uns 3 Weiber, mit viel Sonne und Spaß. Dafür stehen  wir auch schon 2 Uhr auf  um pünktlich um 5.30 Uhr im Flieger zu sitzen. Niemand soll auf uns warten müssen und die Crews  wartet  auf  keinen Fall auf uns. Unsere Sitzplätze wurden online bestellt. so gehen wir sicher, dass wir auch zusammen sitzen und nicht auf den Airbus verteilt werden. Man weiß ja nie, ob einem oben in den Lüften die Angst packt, dann kann man sich aneinander festhalten

“Ich sitze am liebsten im Gang” sagt die Dunkelhaarige. “Ich ich sitze ungern am Fenster” sagt die Blonde. So war klar, wo mein Platz war, am Fenster. Von dort aus kann ich die besten Bilder machen. Fotografieren lenkt mich während des Fluges ab. Nachdem die Türen geschlossen wurden, begrüßt der Pilot uns Passagiere, wie bei jedem Flug.  Dabei weist  er auf die Winde hin, auf die wir in den höheren Lüften treffen werden. “Mit 200 km/h Gegenwind und direkt auf die Nase des Fliegern werden wir etwas später auf Mallorca landen” Der Pilot rechnete mit einer Verspätung von ca. 20 Minuten. Der kurze Hinweis des Piloten versetzt mich leicht unter Strom. “Oh je, das kann ja heiter werden” Augenblicklich durchläuft mein Gehirn alle Dokumentationen über schwierige Flüge  oder Abstürze. ich  kann sie kaum bändigen. “Ach wäre ich doch in Düsseldorf geblieben” genauer gesagt, in Rostock geblieben.

Der Flieger schiebt sich auf die Startbahn, tourt sich hoch und gibt sich selbst den extremen Anschub zum abheben und aufsteigen.  Kaum nehme ich das Donnern der Räder auf der Startpiste wahr, schon hebt sich das Vorderteil und bringt den Flieger in Schräglage. Wir heben ab. Unter uns liegt die zum Teil noch schlafende Stadt Hamburg.  Komisches Gefühl sich wie ein Vogel von der Erde zu lösen und frei zu schweben. Wir Menschen werden für die nächsten 2 1/2 Stunden das lebende Eingeweide des metallischen Vogels sein. Ich atme durch und versuche damit die Spannung unter meiner Schädeldecke zu besänftigen.

Es dauert nicht lange und der Wind unter den Flügeln rüttelt die Maschine kräftig durch. Die Flügel flattern im Wind und mein Herz springt mir dabei fast aus der Brust. Der Flieger bewegt nach meinem Gefühl wie ein mechanisches Rodeo in alle möglichen Neigungen – nach vorn nach hinten nach links nach rechts nach oben nach unten. Mit anderen Worten der Flieger wird ordentlich durchgerüttelt.  Und ich bewege mich dabei Zentimeter für Zentimeter an den Abgrund meiner Angst. Die  Mädels neben mir schlafen. Eine von ihnen hat schon jede Menge Flugerfahrungen und fand die Bewegungen des Flieders nicht wirklich aufregend und die andere hatte sie sich ruhig gestellt, weil sie unter einen leichten Anflug von Flugangst leidet.

In kurzen Zeitabständen sehe ich wieder und wieder auf die Uhr. Die Zeit kriecht dahin,  eine gefühlte Stunde werden wir schon  durchgerüttelt. Enttäuschend für mich, denn es waren erst reale 20 Minuten seid dem Start verstrichen. Und das soll ich noch 2 Stunden und länger ertragen?  Vielleicht hätte ich auch eine Scheißegal-Pille nehmen sollen. Aber nun war es zu spät. Ich krampfe mich am Knie meiner Schwester fest und vermeide den Blick aus dem Fenster. Ich will die Flügeln nicht sehen, sie sich logischer Weise den Turbulenzen  anpassen müssen.

Ich war schon längst über den Abgrund meiner Angst abgestürzt und stehe vor dem Tor meiner Panik und atme durch, so tief es geht, das bringt für Sekunden eine Beruhigung. Aber das war es auch schon.  Soll ich das Rütteln noch 2 Stunden durchstehen, werde ich als Wrack den Flieger verlassen und statt 7 Tage Spaß auf Mallorca 7 Tage Erholung brauchen. Ich werde mehr als nur durch den Wind sein

Die Mädels neben mir schlafen und ich kämpfe mit meiner Angst, als sich der Pilot meldet und sich an die Passagiere wendet. “Zu ihrer Beruhigung” klingt es aus den Lautsprechern. Augenblicklich habe ich das Gefühl, dass mich jemand Unsichtbares an die Hand nimmt und mich aus den Tal der Angst führt. Dann erklärt er den Passagieren, dass die 200 km/h Windgeschwindigkeit vertikal in der Luft liegt und man deshalb nicht ausweichen kann, aber  für den Airbus keine schwierige Sache wären und die Turbulenzen, die wir grade erleben als leichte Turbulenzen bezeichnet werden. “Ich habe mit meinem Kollegen gesprochen der 1 Minute vor uns fliegt. Er ist 300 Meter höher gestiegen und dort ist es etwas ruhiger”

Wie gesagt so geschehen. Nur wenige Minuten später liegt der Flieger wieder ruhig in der Luft und gleitet wie auf Butter durch die Luft in Richtung Spanien um auf Mallorca zu landen.  Auch bei mir kehrt wieder Ruhe ein und ich kann mich auf das Fotografieren konzentrieren.

Hier ein paar Bilder vom Landeanflug.

Auf dem Weg zur Gepäckausgabe verfliegen meine  Ängste, sie lösen sich in Luft auf.

Bis wir unser Hotelzimmer beziehen können, vertreiben wir uns die Zeit im Restaurant MG Café

Ostseemaus