Fragen an den Herbst

Herbst im Wohngebiet

 

Ohne ein schönes Herbst Bild gemacht zu haben, komme ich selten nach Haus. Nicht jedes Bild eignet sich, um es hier auch zu zeigen. Doch das zarte Geäst  des Baumes vor einem Wohnblock auf dem Weg zur Straßenbahn sah im Vorbeigehen so schön aus, dass ich den Moment unbedingt festhalten wollte. Die Natur ändert ihr Aussehen momentan rasant und ich finde es  auch dieses Jahr wie jedes Jahr spannend, dieser Veränderung zu folgen. Digitale Kameras machen es möglich, den Prozess auch festzuhalten.

“Wie viele Jahre noch werde ich meine Bilder noch machen können?” fragte ich mich beim letzten mal, als ich mir die Bilder ansah. Ich befinde mich auch im Herbst, wenn man ein Menschenleben mit der Jahreszeit vergleicht. Noch sind meine Tage nicht gezählt und aus heutiger Sicht  auch noch nicht die Jahre. Aber ein Leben für die Ewigkeit wird auch nicht auf mich warten.

Mit dem älter werden bestaune ich den Wandlungsprozess der Natur mit wachsender Interesse.

Wo waren nur  früher meine Augen, frage ich mich dann manchmal?

Gehört es zum älter werden dazu, wenn man sich mehr und mehr dem Wunder der Natur bewusst wird? 

Wird die Natur auch bis zum letzten Tag die Faszination auf mich ausüben, wie jetzt? 

So wie die Äste und ihre Verzweigungen am entlaubten Baum sichtbar werden, werden auch im Alter menschliche Eigenschaften und gelebte Lebenseinstellungen sichtbar. Das Gesicht im Alter kann trotz Falten freundlich aussehen, weil Lachfalten die Mimik geprägt haben. Aber auch Griesgram, chronische Unzufriedenheit oder z.b.dauernde Traurigkeit hinterlassen ihre Spuren im Gesicht. Gehe ich im Alter nach vorn geneigt, weil eine gewisse Resignation mein Leben beeinflusst hat oder kann ich mich trotz alter Knochen immer noch einen aufrechten Gang pflegen?

Ostseemaus

Wann ist ein Mann ein Mann ?

Die “Prinzen” haben es auf ihren Punkt gebracht. “Frauen sind die neuen Männer”

Die Prinzen – Frauen sind die neuen Männer on MUZU.TV.

Frauen und Männer sehen zwar unterschiedlich aus, sind  aus ihrer Sicht in ihren Verhalten fast deckungsgleich mit den Männern.

Die Geschlechterrollen heben sich auf, die Frau geht zur Arbeit und der Mann bleibt zu Haus und windelt das Baby. Ein neues Rollenspiel nur mit Rollentausch? Werden aus den Männern weiche Frauenversteher, weil die Frauenwelt genau dies von Ihm verlangt und erwartet ? Aber ist ein Frauenversteher noch ein echter Mann oder hat sich das Symbol des Männlichkeit damit aufgelöst?

Für mich ist ein Mann ein Mann,

  • wenn er Besonnenheit ausstrahlt,
  • wenn er in keiner Lebenssituation wankt oder gar zu Boden geht.
  • Wenn er  in seiner Stärke statt auf Muskeln auf den Geist setzt.
  • Wenn er keine Pseudo- Männlichkeitsrituale wie Schlägereien und Sauftouren braucht, um eine Mann zu sein.

Ein Mann, der ins sich ruht, auf den Frau sich verlassen kann , den  wünschen sich alle Frauen, sie  wollen einen verlässlich berechenbaren männlichen Partner.

Aber das beantwortet die Frage, ob das ein Mann ist, im Sinne der Frage?

Wissenschaftlich gesehen geht “Abenteuer Forschung der Frage “wann ein Mann ein Mann ist”  nach. Für mich ein überraschendes Fazit, das meinen Blick auf die Männer noch einmal verändern wird, jedoch die oben aufgezählten individuellen Anforderungen an den Mann nicht außer Kraft setzt.

Von einem der auszog, ein richtiger Kerl zu werden, berichtet der Selbstversuch des Buchautors von “Chromosomen XY ungelöst” Christoph Koch, der sich den unterschiedlichen internationalen Anforderungen an den Mann stellte.

Ostseemaus

Bild

Licht ins Dunkle

Die dunkle Jahreszeit hat nun endgültig begonnen Das Tageslicht wird mit jedem Tag knapper. Das ist auch die Zeit der düsteren Gedanken,  Gedanken, die das helle Licht scheuen. Denn diese halten sich in einer Art Parallelwelt auf, in der nur durch die Dunkelheit erhellt wird.

Diese Erkenntnis, die mir just in diesem Moment in den Sinn kam. stellt das logische auf den Kopf. Wie kann Dunkelheit Licht ins Dunkle bringen ? Das kling eher absurd, als logisch. Das ist das innere Auge, das auch in der Dunkelheit sehen kann und wahrnimmt, was sonst im Dunkeln liegt und das sind bei mir, wie bei vielen Anderen auch, die Ängste, die sich wie kleine unsichtbare Maden als Parasit Gehirn drängen können. Erst die Dunkelheit macht sie für mich sichtbar.

Da ist die Angst vor dem Tod..bzw. vor dem Sterben –  oder die Angst vor einem Siechtum… ein Leiden, dass mich unfähig macht, mich selbst zu versorgen – damit verbunden die Angst davor, meinen Kindern aus dem oben genannten Grund zur Last zu fallen.  Den Urängsten folgt die Existenzangst – als Selbstständige ist sie mein täglicher Schatten.

Mit den genannten Ängsten stehe ich ganz sicher nicht allein da, sondern teile sie mit Millionen von Menschen.

Mein Seil, an dem ich mich halte ohne mich zu klammern, ist mein Urvertrauen.  Es hat zwar nicht mehr die Unerschütterlichkeit eines Babys, das darauf vertraut, dass seine Eltern es wärmen, ernähren, behüten und beschützen, denn diesen Kokon musste ich als Erwachsene lange verlassen. Aber ich orientiere mich an diesem Urvertrauen immer wieder neu..auch wenn Erschütterungen den Blick ab und zu darauf erschweren.

So ermöglicht der düstere Blick auf meine Ängste einen Blick auf mein Urvertrauen, das mich am Seil des Lebens hält.

Ostseemaus

plötzlich und unerwartet

“Ich bin ja noch neu” war die Erkenntnis von Sohnemann, als er als kleiner Junger erkannte, dass das Leben endlich ist. Ein beruhigendes Gefühl, wenn man als Mensch das Leben noch vor sich hat. Man fühlt sich unverletzbar, das Leben kann einem nichts anhaben und der Tod schon gar nicht. Krankheit und Tod gibt es nur für die anderen. Und wenn überhaupt, ist das eigene sterben nur im Greisenalter zu erwarten, dann, wenn der Körper ermüdet und schlaff in den Seilen hängt.  Eine Schutzblase, sie solange hält, bis es Menschen trifft, die in der eigenen Generation wie man selbst oder sogar noch jünger ist..

Gestern sah ich beim Zappen und vor dem Schlafen gehen  noch einen Bericht über den plötzlich und unerwarteten Tod die Schauspielerin Chantal de Freitas. Ich kannte sie nicht, erfuhr in dem Zusammenhang, dass sie mit den mir eher bekannten Schauspieler Kai Wisinger verheiratet war. Über die Todesursache der jungen Frau ist man sich nicht im klaren, sie sei plötzlich und unerwartet gestorben.

Schicksal, die es sich täglich mehrere gibt. Plötzlich wird ein Mensch mitten aus seinem Leben und dem Kreis seiner Angehörigen gerissen. Vielleicht hätte ich diesem kurzen Bericht doch nicht so intensiv folgen sollen. In der Nacht wälzte ich mich von einer Seite auf die andere. Egal, auf welcher Seite auch ich lag, die Schaurigkeit des Todes streifte mich auf jeder Seite. Die Morgendämmerung konnte die ewige Dunkelheit des eigenen Endes auch nicht erleuchten. Bereits verstorbene Verwandte und Bekannte kamen mir in den Sinn. Der Vater meines Sohnes, der mit 41 starb. Er kam eines Abends nach Hause, klagte über Unwohlsein und überlebte die Nacht nicht mehr. Meine Freundin, sie war nur leicht erkrankt , sich schonen wollte und sich zur Erwärmung einen Tee zubereitete. Sie nahm sich den frisch gebrühten Tee mit ans Bett und kam nicht mehr dazu, ihren Tee zu Ende zu trinken, sie verstarb, bevor sie die Tasse leeren konnte.

Für den Rest der verbleibenden aber schon hellen Nacht quälten mich viele Fragen.

Wann wird es für mich so weit sein?

Wann und wie wird es geschehen?

Werde ich einen schweren Weg des körperlichen und geistigen Verfalls gehen müssen?

Oder erwischt es mich plötzlich und unerwartet?

Werde ich alles, was ich im Leben noch zu erledigen habe auch schaffen?

Schon seid längerem  spüre ich innerliche Aufräumarbeiten, versuche zu Menschen, an die ich in der Vergangenheit mit Groll dachte, eine neue versöhnliche Sichtweise zu finden. Das ist mein Weg, meinen irdischen Frieden zu finden, damit auch  mein himmlischer Frieden möglich ist.

Weil ich ja nicht mehr “neu” bin, muss meine Seele sich mit der der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen. Sie tut es auf ihre Weise, mal über Träume oder sie nimmt Impulse aus  Berichte über den viel zu frühen Tod einer junger Frau, die noch mitten im Leben stand, auf.

Nach viel zu wenig Schlaf und noch schlaftrunken, will ich wissen, ob die Sonne noch für mich scheint. Ein strahlend blauer Himmel begrüßt mich, die Sonne hüllt die Welt in ihr gelbes Licht ein. Die Schaurigkeit der Nacht fällt von mir ab und mein Blick auf den Krankenwagen, der vor der Tür steht.

Diesmal ist er nicht für Sohnemann, denke ich erleichtert, denn für ihn stand der Krankenwagen schon häufig vor der Tür. Auch wenn er noch “neu” ist, das Leben hat ihm schon gezeigt, dass er verletzlich ist.

Das Leben geht weiter und weiter und weiter und weiter und weiter und irgend wann auch ohne mich.

Ostseemaus

nichts als die Wahrheit

“Du hast ein Aggressionsproblem” sagt mir mein Gegenüber. “Waaaasss iiiiccch ???????????” meine Augen wurden dabei wie Tennisbälle so groß. “Ja, du “ bestätigt mir mein Gegenüber. “Ich ????” Ich werte im Kopf und wehre ab. Ich und aggressiv, tzzzzz.. Ich, die sich lieber den Finger abbeißt. als mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Will ja niemand zu erschrecken.

Mein Gegenüber ist mein Trainingspartner und wir üben uns in der Aikido-Waffentechnik. Damit er sich in der Abwehr üben kann, soll ich ihm  mit dem Holzschwert eins über den Schädel ziehen. Mit dem Holzschwert in der Hand, bereit zum Angriff, er fixiert mich und schickt diesen Satz wie einen kleinen Pfeil schon mal ins Kampffeld, auf das wir uns gleich begeben werden.

“Ja…du hast ein Aggressionsproblem” bestätigt er noch mal. Was mein Gegenüber damit auch immer meint, das ist mir jetzt egal, es macht mich wütend und ich schwinge das Holzschwert,  ziehe ihm damit einen über den Schädel. In der ersten Stufe hat meine Gegenüber nur die Aufgabe, dem Schlag geschickt auszuweichen. Mein Holzschwer pfeift durch die Luft, zerschneidet sie, verschont aber den Kopf des meines Gegenüber und  sinkt dann zu Boden. Die Luft ist raus.

“Jetzt hast du kein Aggressionsproblem mehr” sagt mein Gegenüber  und freut sich, dass ich es durchgezogen habe und er mir meine Aggression bewusst machen konnte. Stimmt, als ich das Holzschwert durch die Luft sauen lies, da fühlte ich mich für einen Bruchteil von einer Sekunde befreit von etwas, was ich nicht fassen konnte. Und irgend etwas in mir fühlte sich leichter an.

Stimmt, ich hatte wie andere auch, Aggressionen, die jedoch kein Ventil fanden um Dampf abzulassen. Ich war gehemmt und konnte sie daher  nicht raus lassen. Aggressiv zu sein, so wurde mir im Elternhaus erklärt. ist was schlechtes, eine ganz schlechte Eigenschaft und überhaupt mögen die Menschen die ganz lieben Menschen viel lieber. Ich wollte immer ein liebes Mädchen sein und so bei meinen Mitmenschen auch immer beliebt sein. Aggression gab es für mich nur bei den anderen zu sehen und Konflikten wich ich aus.

Eine quälende Migräne begleitete mich während der letzten Tagen im schnellen Umschwung von Winter auf Frühling. Erst drückte die Migräne mich nieder, machte mich fast blind und verschob mich in die Dunkelheit, statt mich den warmen Sonnenstrahlen auszusetzen. Schmerzt der Kopf, schmerzt auch der Magen, ja sogar die Seele, die in der Dunkelheit gern alles aufarbeitet, was mir schon wochenlang im Magen lag. Im Höhepunkt der Migräne kommt der stechende Schmerz in die rechte Schläfe..Stich..Stich und noch ein Stich. Ein überdimensionales Stechinsekt brummt in und um meinen Kopf und sticht mit seinem Stacheln in die Gefäße, die direkt unter der linken Schläfe liegen. Dann die Ruhe, die Stille, die auch eine fallende Feder hörbar macht , nichts als Ruhe im Kopf . Ich stiege wie Phönix aus der Asche aus meinem Bett und wieder gestärkt ins Leben wieder ein.

Wie der  Zufall es so  will, fällt mir vor 2 Tagen ein Buch in die Hand in dem das Phänomen der Migräne aus einer anderen Sicht dargestellt wird. Migräne ist ein Orgasmus im Kopf. “Waaaaaaasss ???” wieder weiten sich meine Augen so groß wie Tennisbälle. Ich fühle mich vor einem Spiegel stellt, der mir mehr zeigt, als nur die Falten im Gesicht und die Kleidung, die ich trage. “Oooooooorgaaaaamus im Kopf ??????” hallt es in meinem Kopf nach – welch ein absurder Vergleich. Die Erklärung des Autors besagt, das unterdrückte Aggression und  Sexualität in den Kopf verlagert werden und dort explodieren können, das der pochende Migräne Anfall sozusagen ein orgasmischer Kopforgasmus ist. Puhh..das muss sich bei mir erst mal setzen. Zu viel innere Empörung hat diese These bei mir aufgewirbelt, doch das Gelesene wirkt nach.

Und da ist es wieder. Ich hab angeblich wieder mal ein Aggressionsproblem  und nicht nur das, zumindest laut  der These des Autors. Er empfiehlt, sich den aktuellen schmerzlichen Fragen des Lebens zustellen, die mir schwer im Magen liegen und im wahrsten Sinne des Wortes Kopfzerbrechen bereiten.

Und mit ehrlicher Betrachtung gesagt, beherrschen gegenwärtig diese Themenkomplexe mein Leben. Um den vergangener Zeit sichtbar gewordenen Konflikt zu löschen, bedarf es meiner seit´s ein gewisses Aggressionspotential, um mit Entschlossenheit handeln zu können. Auf der anderen Seite bin ich im Nichthandeln erstarrt.  Mir fallen plötzlich die Schuppen von den Augen und ich sehe mich wieder unentschlossen und zögerlich mit dem Schwert in Hand auf der Matte stehen und traue mich trotz innerer Wut nicht, das Schwert einmal durch die Lauf sausen zu lassen.

Ostseemaus

Philosophischer Gedankensplitter

Vielleicht hat das schon jeder einmal erlebt. Es gibt Worte bzw. Sätze, die man lies oder hört. die springen einem nicht nur ins Auge oder bohren sich als Ohrwurm ins Gehirn, nein die sinken  in die Tiefe der eigenen Seele und ziehen dort ihre Bahnen wir ein kleiner Trabant um die Erde.

Die Seele greift eine Information auf, die sich im Laufe den Lebens immer wieder zu finden sucht. Mal glaubt man, ganz eng mit ihr verbunden zu sein und ein anderes mal, schein sie in unerreichbarer Ferne. Zumindest geht es mir so..solange ich denken kann, versuche ich raus zu finden, wer ich bin und warum ich überhaupt auf dieser Welt bin. Nach so vielen Jahren der Suche hab ich im Groben schon ein Bild von mir, aber ob dieses komplett oder nur oberflächlich ist, das werde ich wohl erst am Ende meines Lebens erkennen.

Ein Aphorismus aus der vedischen Literatur wanderte gestern Abend beim Lesen gleich ganz tief unter meine Haut und suchte gleich nach Eckpunkten zu meinem eigenen Leben:

“Du bist wie deine tiefen, drängenden Wünsche.

Wie deine Wünsche, so dein Wille.

Wie dein Wille, so deine Tat, und

wie deine Tat, so ist dein Schicksal”

Heißt das, so wie ich bin, so wird mein Wille sein und der daraus resultierende Wille zeigt sich in meinen Taten und diese beeinflussen mein Schicksal ?

Oder..

Wenn ich über mein Schicksal nachdenke,  stehe ich wieder am Anfang meiner Selbstfindung “Wer bin ich? “

Ostseemaus

Sag mir wann….

Manchmal frage ich mich, wann denn mein Leben beginnt. Oder anders herum gefragt: „Hat mein Leben denn überhaupt schon begonnen“ Oder vielleicht hab ich es schon längst gelebt und bin jetzt nur noch ein Zombie, der zwischen den Welten von Leben und Tod umher geistert. Ein Zombie der Neuzeit…einer, der sich auch am Tag sehen lassen kann, ohne das es auffällt. Heut in der Welt des Scheins gibt sich jeder so, wie er auf andere wirken will. Z.B. ein Zombie, der den schein gibt, er stecke noch voller Leben, obwohl in Wirklichkeit kein Funken Leben in ihm steckt.

Aber wenn ich schon gelebt habe, wie sah denn mein Leben aus? War es bunt und von Freude geprägt, ode war es düster und von Kummer Leid geprägt? Hab ich überhaupt mitbekommen, damals – als ich noch am Leben war, aber es nicht bemerkte. Vielleicht glaube ich damals – mein Leben fängt irgend wann an