Krisen sind wie Leuchttürme

Das Bild sendete ich als Morgengruß über WhatsApp. Ich war grade auf dem Rückweg vom Kindersport. 45 kleine „Springfrösche“ in 2 Gruppen und die wollten und sollten „besportelt“ werden. Mein Rentenalter hatte ich mir früher einmal viel ruhiger vorgestellt. So mit abhängen auf der Couch und so. Mal hier und mal da hin fahren und dann sich wieder am Strand rumtummeln. Aber es hat sich anders entwickelt und immer noch im prallen Leben verankert.

Achja.. ich bekam auf mein Morgengruß- Bild auch eine Antwort: „Verdammt lange Beine“ und mir fiel dann auch gleich eine passenden Antwort ein. „Genau, bin an meinen Aufgaben gewachsen“ und dabei hatte die großen und kleinen Krisen im Hinterkopf, die ich in dem Moment, als sie auftraten, meistern musste. Und die Kinder lieferten mir diese Woche genügend Krisen und ich fand mich in dem Moment erst einmal vor einer unüberwindbaren Wand.

Fall 1. Der sture H.

Er trieb mir nicht zum ersten mal die Schweißperlen auf die Stirn. H. ist ein Kindergartenkind, der regelmäßig mit zum Kindersport kommt. Die Sporthalle befindet sich 20 Minuten Fußweg entfernt vom Kindergarten und das bedeutet für uns Trainer , wir müssen mit einer Kindergruppe von 15 Kindern quer durch´s Wohngebiet zu marschieren. Und H. bemerkte auf halben Wege, dass er unterwegs ein Spielzeug (in Miniaturgröße) verloren hatte. Er wollte sofort und stehendes Fußes umdrehen und sich auf den Rückweg machen um es zu suchen.

Und damit begann die Krise. zwischen ihm und mir. Wenn H. etwas will oder nicht will, bewegt er sich keinen Zentimeter, er bleibt stehen und stur, hört nicht mehr zu, leiht mir weder Ohr noch seinen Blick, er will nur noch eins und zwar das, was er will. Er wollte zurück und ich musste mit der Kinderschar zur Sporthalle. Und es begann ein Kampf zwischen ihm und mir. Er schrie „ich will zurück“ und doch ich schob in die Richtung, in die restlichen 14 Kinder schon unterwegs waren. Er ließ sich nicht umstimmen und wurde lauter und lauter. Er war über fokussiert und mir musste es gelingen, ihn aus dem Fokus zu holen, den er allein nicht mehr verlassen konnte.

In all dem Chaos fiel mir eine Witz Pointe von Mittermeier ein, als er von gestressten Eltern im Flugzeug erzählte. „Wenn du nicht artig bist und du nicht gleich aufhörst, dann dreht der Pilot um und wir fliegen wieder nach Hause“ 😁😁😁😁😁😁 Weiß der Teufel, warum mir grade der Witz einfiel, aber ich erzählte dem kleinen sturen und aufgebrachten H. , dass ein Flugzeug ja auch nicht umdrehen und zurück fliegen kann, nur er weil auf dem Weg dorthin etwas verloren hätte.

Ich wusste nicht, ob der Kleine mich verstanden hatte, doch er lenket gleich auf das Flugzeug ein und erzählte mir, er sei schon mal geflogen und er das toll fand. Ich interessierte mich nun ausgiebig für seine erste Flugerfahrung und dabei vergaß der sture H. sein verloren gegangenes Spielzeug, dass nicht größer als sein Mittelfinger war. Während er und ich uns über seinem ersten Flug unterhielten, bedankte ich mich innerlich bei Mittermeier .

Fall 2. Die traurige A.

Die Arbeit in den Sporthallen mit dem Kleinen (bis 10 Jahre) stellt mich fast täglich vor neue Herausforderungen und kein „Fall“ ist wie der andere. Am Donnerstag musste wieder nach einen Weg suchen, um ein Mädchen aus einer Krise zu helfen und all dass muss mitten in der Trainingsstunde passieren. Eins von den Mädels saß weinend am Boden, weil kurz zuvor die Mutter die Sporthalle verlassen hatte. Sie wollte ihrer Tochter beim Sport zuschauen, ging jedoch vorzeitig, worauf das Mädel mit Tränen reagierte und vom Sport nichts mehr wissen wollte.

Ich bat sie, den Kopf nicht hängen zu lassen, doch sie verharrte ins sich zusammengesunken am Boden. Da fiel mir ein, dass ich eine Woche zuvor mit meinem Handy ein Bild von ihr gemacht hatte, als sie nach einem Wettkampf mit auf dem Siegertreppchen stehen konnte. „Hab ich dir das Bild schon gezeigt?“ „Nein, haben sie nicht“ Sie stand auf und ich ging mit mir auf die andere Seite der Sporthalle, dort befand sich meine Tasche mit dem Handy. Sie sah sich das Bild an und die eingetrübte Stimmung verschwand und wenig später sah ich sie mit Spaß bei der Sache, an den Sportübungen.

Die Titelzeile „Krisen sind wie Leuchttürme“ ist noch ein altes Erinnerungsstück als längst vergangen Zeiten. Damals steckte ich als junge Frau in einer schweren Krise und wusste nicht mehr, ob für mich jemals die Sonne wieder scheinen würde. Die Tage absolvierte ich kraftlos und die Nächte verbrachte ich schlaflos. Und während der schlaflosen Nächte verfolgte ich einmal die Woche im Radio eine Ratgebersendung für Sorgen und Nöte der Menschen. Man konnte anrufen und seine Fragen stellen und ein Psychologe antwortete auf die Lebensfrage der Anrufer.

Nicht nur ich hing damals in den Seilen, sondern viele andere auch. Das war zwar kein Trost, aber ich war nicht allein in einer schwierigen Situation. Und auf eine sorgenvollen Anfrage leitete der Moderator eine Antwort mit dem Satz:„Krisen sind sie wie Leuchttürme“ ein. „Sie weisen einem die Richtung, wenn der alte Pfand in einem Sackgasse geführt hat“.

vierbeiniger Lehrmeister

Mit Hund, Katze, Maus, Hühner, Kühe und Pferde wuchs ich auf einem Bauernhof auf. Normal all die Tier um mich herum. Schnell wusste man als Kind, welchen Tieren man lieber aus dem Weg gehen sollten, wie z.B. Gänse und Puten, wenn sie einen langen Hals machten, nix wie weg. Andere Tiere wurden zu Freunden erklärt, weil sie mit uns Menschenkindern kommunizierten. Dazu gehörte unser Hofhund, ein schwarzer Mischlingshund, namens Bobbi. Damals bekamen die Hunde noch klassische Hundenamen wie Hasso oder Bobbi oder Bello.

Neben der Hauptaufgabe eines Hofhundes, den Hof zu bewachen oder auch nur Ratten und Mäuse vom Hof fernzuhalten, spielte er auch mit uns Kindern. Lief mit uns um die Wette  oder hielt sich nur so in unsere Nähe auf, nur um dabei uns zu sein.

Später als Stadtmensch musste ich auf die Gesellschaft des Hundes verzichten. Das soll sich im Zukunft ändern. Bis es so weit ist, schau ich mir andere Hunde an, die von ihren Haltern über Youtube an den Späßen ihrer Hunde teilhaben lassen, wie dieser kleine Clip zeigt.

Achja.. vor kurzem las ich, das der Anblick von Hundewelpen den Menschen sanfter macht, den Blutdruck senken und die Stimmung aus dem Tal holen kann.  Vorausgesetzt. man mag Hunde, dann kann man sich schon an ihren Bildern erfreuen. Manchmal braucht es nicht viel um wieder in Stimmung zu kommen.

Ostseesemaus