wie ein Schweigeseminar

23.Tag seit der Maßnahme

Meine Wochentage waren vor den Maßnahmen von Kindersport und Yoga geprägt. Das heißt, wochentags machte ich mir jeden Morgen noch vor dem Aufstehen bewusst, in welcher Sporthalle ich wann und wo anwesend sein muss und was ich am Samstag noch zu erledigen habe. Nur am Sonntag musste ich mir keine Gedanken machen.

Seit dem 16. März hat sich all das verändert. Obwohl mein Kalender mich noch an die laufenden Aktivitäten immer noch erinnert, bleibe ich zu Hause, als wäre es Sonntag und immer wieder Sonntag, ohne Sporthalle und Supermarkt.

Naja..der eine oder andere Gang muss doch noch gemacht werden. Supermarkt oder Post. Die suche ich nur selten auf. Ich verschicke weder Pakete, noch order ich mir per Internet Ware, die ich zur Zeit nicht kaufen kann. Schließlich will ich den Chef von Amzon nicht noch mehr Geld zukommen lassen. Denn der verdient sich an der Coronakrise dumm und dämlich und dabei hat er schon ein geschätztes Vermögen von 117,3 Mrd. USD. Ob er davon mal eine ebenso großzügige Spende machen wird ? Ja..hat er.

Gestern trug ich nur einen schnöden Brief zur Post. Als ich mich der kleinen Poststelle näherte, sah ich einen Haufen Menschen. Komisch, wie schnell man sich an neues gewöhnt. Vor 4 Wochen wären mir Menschengruppe nicht sonderlich aufgefallen, heute hält man schon den Atem an und fragt sich: „Dürfen die das?“ Als ich aber näher kam, erwies sich die Menschengruppe als lang gezogene Warteschlange von Menschen.

mein Vordemann

Erstaunlich auch, wie brav alles abläuft. Schweigende Menschen in der Reihe. Niemand spricht mit Niemandem. Das erinnerte mich an ein Schweigeseminar, das ich während meiner Yogalehrerausbildung – nur für ein paar Stunden – mit machte. Ich fühlte mich damals in mitten der schweigenden Mitschüler verloren und isoliert und brach sogar vorzeitig ab. Zufällig fuhr eine Bekannte mit dem Rad an der Gruppe vorbei. Wir winkten uns nur kurz zu und schon war sie wieder weg. Sonst hätten wir vielleicht noch ein kurzen Schnack abgehalten. In Coronazeiten geht das nicht mehr.

Auch wenn jeder Tag wie Sonntag scheint, ist es doch für mich die gruseligste Zeit. die ich seit der Wende erleben musste. Nur war damals der Grusel ein anderer, denn man wusste damals nicht, wie es weiter gehen würde. Frau Merkel erwähnte in ihrer Ansprache ja auch erst die Wende, als besonders ernste Zeit. korrigierte sich dann aber und stellte die heutige Situation mit dem Kriegsende 1945 gleich.

Aber egal, welchen Zeitpunkt sie wählte. damals zogen sich die Menschen aus dem Sumpf und das wird ihnen heute auch gelingen.