Kopfzerbrechen

Kinder haben es heute auch nicht leicht. Ja..auch wenn es den Kindern im Gegensatz zu meiner Generation gut geht und sie alles haben, wovon man zu meiner Kinderjahre noch nicht mal zu geträumt wagte oder unsere Fantasie damals nicht so weit reichte, was das Leben der Kinder heut ausmacht. Sie stehen heute unter einem anderen Stress, als wir damals. Denk ich mal.

Am Donnerstag kam eins der Mädchen mit Kopfschmerzen zum Kindertraining. Sie litt so vor sich hin, hielt permanent ihre Hände an die Schläfen und konnte sich nicht wirklich am Sport beteiligen. Manchmal schieben die Mädels auch Migräne vor, weil sie keinen Bock auf Sport haben, die Eltern aber wollen, dass sie zum Sport gehen. Aber dieses Mädel litt wirklich. Deshalb trieb ich sie nicht an, wie ich es sonst mache. Wir sind als Trainer keine Antreiber. Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde. Aber wenn wir einem Kind erlauben, sich auf die Bank zu setzten und dem Training als Zuschauer zu folgen, dann sitzt am Ende die komplette Gruppe auf der Bank und wir Trainer werden zum Alleinunterhalter. 😀

Bei diesem Mädchen machte ich einen Ausnahme und ich legte ihr meine Hände an die Schläfe. Ich machte vor Jahren eine REIKI Ausbildung und ich wollte ihr mit einem Händen etwas Entspannung geben. Das mit dem Reiki sagte ich dem Mädchen nicht, sondern ich machte genau das, was das Mädchen selbst schon die ganze Zeit gemacht hatte. sich die Hände auflegen.

Nach ein paar Minuten kündigte ich ihr an, dass ich die Hände langsam wieder entfernen werde. Langsam entfernen ist wichtig, so endet die Berührung nicht abrupt. Ihre rechte Schläfe folge meiner Hand, sie neigte dabei den Kopf zum Seite. Ich musste schmunzeln. Das Mädchen ist sonst ruppig und nun war sie Wachs in meinen Händen. Ihre Freundin stand daneben und litt mit. Ich wollte noch einen kleinen Scherz am Rande machen und sagte beiläufig, weil sie ihren Kopf immer noch neigt, um den Kontakt nicht abbrechen zu lassen „Oh, Mathe hat dir heute wohl deinen Kopf schwer gemacht und du hast dir darüber den Kopf zerbrochen“ Den Zusammenhang zwischen ihrer Migräne und Mathe stellte einfach so her, weil er mir just in dem Moment in den Sinn kam.

Da hatte ich was gesagt. Eine ganze Klage-Lawine hatte ich damit los getreten. Ich hatte wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Mädels hatten an dem Tag Dezimalrechnung und sie wurden damit von ihrem Lehrer getriezt. Sie wussten mit dem Begriff „Dezi“ noch nichts anzufangen und sollten ihr Wissen schon anwenden. Nach dem klagen ging es dem Mädel schon etwas basser, baten mich aber darum, ob sie wegen der frischen Luft mal kurz vor die Tür gehen dürften. „Aber wieder bei mir zurück melden“ das ist wichtig, denn unsere Aufsichtspflicht als Trainer endet erst nach dem Training. Solange muss ich die Kinder im Auge haben und das geht nur, wenn sie die Halle nicht verlassen.

die 5. Jahreszeit beginnt

Die Narrenzeit beginnt just in diesem Moment,

am 11. 11. 11 Uhr 11

Wir Nordstaatler sind da eher zurückhaltend, aber der 11. 11. geht an uns auch nicht kommentarlos vorbei.

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an eine Unterrichtsstunde während der Schulzeit. Wir waren in der 9. oder 10. Klasse und zum Start der 5. Jahreszeit hatten wir Mathe. Der Lehrer, mit dem schlichten Namen Herr Schulz, war ein seriöser Mann, besprach mit uns die Formeln, brachte uns wirklich was bei. Er  war durch und durch Lehrer, nicht kumpelhaft aber auch nicht über die Maßen streng. Er hatte unseren Respekt.

In der Pause davor besprachen wir unseren Plan. Wir wollten um 11 Uhr 11 lärmend wie die Narren durch die Unterricht laufen. Doch als die Zeit näher kam, trauten wir uns nicht. Wir saßen vor unserem Lehrer, der mit einem großen Dreieck aus Holz an der Tafel stand und die mathematische Regeln der Dreiecksberechnung erklärte. Unsere Aufmerksamkeit zum Unterrichtsstoff schwand und beschäftigte sich nur mit unseren geplanten karnevalistischen Ausbruch, der aber ins Stocken geriet.

Als die Zeit 11 Uhr 11 dran war, wurde es in der Klasse totenstill. Auch unser Lehrer sprach kein Wort mehr. Wir erwarteten eine Maßregelung, weil wir unaufmerksam waren. Diese kam aber nicht. Aber etwas lag in der Luft, aber was? Das wussten wir nicht.“Warum traut ihr euch nicht?“ fragte er uns. Dann sprang unsrer Mathelehrer wild herum, mit den großen Holzdreieck in der linken Hand sah das echt komisch aus. Endlich trauten wir uns auch und begrüßten wie unser Mathelehrer  die 5.  Jahreszeit mit einem lauten Getöse.

Kurze Zeit später folgten wir  wieder konzentriert der Unterrichtsführung unseres Mathelehrer, der mit seinem Auftritt noch höher in unseren Respekt aufstieg. Auch hatte er sich – aber nicht nur damit – bei mir bis heute in mein Gedächtnis eingeprägt.

Ostseemaus