Schlagwort: Menschen

Wartezeit vertreiben

Vor einer Stunde haben wir aus gecheckt. Bis zum Abflug vertreiben wir uns die Zeit im Spa-Bereich des Hotels. Hier ist es kühl und weniger laut. Nur gedämpfte HouseMusik wir eingespielt. Ein Erholung für die Ohren. In der Promenade ist es immer laut.

Während due Mädels noch ein paar spanische Kosmetika besorgen, hab ich es mir auf dem Liegestuhl am Pool gemütlich gemacht und arbeite mich weiter durch meine Lektüre. Wieder mal eine spannende Geschichte..In diesem Fall von der Grundlagenfirschung der RNA bis zur Anwendung der Biotechnologie. Und wie immer ein langer Weg von der Vision bis zur Anwendung. Heute bekannt als der Impfstoff, mit dem sich die meisten haben impfen lassen..mit Biontech.

Das große Ziel dieser Technologie ist es ein Impfstoff gegen Krebs und Diabetes zu entwickeln

Sie werden platziert

Nach dem Kulturabend am Freitag warfen wir uns gestern wieder in das einfache Leben rund um unser Hotel. Wieder mal war die Bierstrasse unser Ziel, zu Yvonne im Las Palmas. Yvonne bekellnert uns so lange, wie wir Mallorca bereisen.

Doch im Gegensatz zu den Jahren davor muss man nun bei Yvonne einen Termin machen, damit sie für uns einen Tisch reserviert. Sonst ist schnell Schluß mit lustig, auch auf der Bierstrasse, die nach wie vor einen Anziehungspunkt für „Streuner“ auf der Suche nach Spaß ist. Wer nicht reserviert hat, wird nicht platziert wird, muss weiter ziehen.

Auch für die Raucher gibt es neue Regeln. Sie dürfen nicht am Tisch rauchen, müssen sich an außerhalb vom abgesteckten Gastronomiebereich ihren Glimmstengel anstecken. Warum,wieso, weshalb konnte uns auch das Personal nicht sagen.

Von Rauchern vorübergehend verlassener Tisch

Uns Mädels macht das nichts aus. Die letzten Raucher unter uns haben schon vor Jahren ihren Glimmstengel beiseite gelegt. Wir halten uns nur an schöngeistige Getränke fest. 🥂

Während die Mädels mit den Tischnachbarn ins Gespräch kommen, beobachte ich gern den Lauf der Dinge, d.h. ich schau mir die Menschen um mich herum an. Ich finde es einfach spannend, wie unterschiedlich die Menschen sich in diesem Umfeld und mit angeheiterten Gemüt geben. Die Palette reicht von stiller Beobachter, so wie ich, oder bis zum (un)gezügelten ausgelassen sein.

Mache ziehen nur durch die Strasse, um von den besoffenen deutschen „MalleKöpfen“ ein Bild zu machen und ziehen dann weiter. Andere wollen dabei sein und filmen sich mitten im bunten Treiben, so wie die Oma mit ihrer Enkeltochter gestern Abend.

Zumindest denke ich, dass die beiden Frauen Oma und Enkeltochter waren, die mir gestern in dem bunten Reigen der Menschen auffielen. Sie hatten nicht reserviert und wurden daher nicht platziert. Sie standen nur in der Menge Menschen, die sich grade durch die Straße schob. Beide trugen die blinkenden HaarReifen, die von den fliegenden Händlern bis tief in die Nacht angeboten werden. Beide hielten ihr Smartphone hoch und filmten sich mitten im Trubel. Es lief grade ein Schunkellied und entsprechend war die Stimmung, alle schunkelten mit, ob sie platziert waren oder nicht. Danach verschwanden die beiden aus meinem Blickfeld.

Dafür rückte etwas anderes in mein Blickfeld. Zwei Frauen mit ernsten Gesichtern und Ordner oder den Armen. Keine Frage, die beiden Frauen kamen von der Behörde und überprüfen die Einhaltung der Regeln des Landes. Die Zügel der Maßnahmen wurde kurz vor unserer Anreise gelockert, doch im Ergebnis der Kontrollen wieder etwas gestrafft. Zumindest für das Las Palmeras. Statt 12 dürfen wieder nur noch 8 Personen an ein Tisch sitzen, denn nur dann lässt sich sicher stellen, dass die Mindestzahl von 200 Personen in dem Bereich einhslten. Mehr dürfen wegen der Grundfläche dort als Gäste nicht platziert werden.

Im nächsten Jahr wird zum Glück all dass nur noch Geschichte sein und jeder darf wieder nach seiner Fasson sein Leben leben. Für Mallorca ist die Pandemie eine gute Gelegenheit, den Sauftourismus weiter zu drosseln, denn allnächtlich treibt die Polizei die hängen gebliebenen „Streuner“ auf der Promenade auseinander. Während sie von rechts nach links die Leute von der StrandMauer vertrieben, versammeln sich auf der linken Seite der Promenade die jungen Wilden erneut zu einem großen Pulk. Ein Spiel wie Katz und Maus. 😄

Blick aus meinem Hotelbett auf die Promenade.

Wie lange das Katz- und Mausspiel die Nacht über dauert, weiß ich nicht. Doch in den frühen Morgenstunden herrscht Ruhe im Schiff. 😄

Neuer Blick

Ich war das erste mal mit einem Rollstuhlfahrer in der Innenstadt unterwegs und nach kurzer Zeit nahm ich auch all die anderen Rollstuhlfahrer wahr, die in Begleitung oder auch allein unterwegs waren. Einige kamen mit ihrem Gefährt flott um die Ecke, andere bewegten sich vorsichtig damit durch die Menschenmenge.

K…… wartete mit seiner Lebensgefährtin vor seinem Haus auf mich. Dank WhatsApp kann man das Timing bis kurz vor der Ankunft präzisieren. Ich übernahm K. 😄, seine Lebensgefährtin nahm frei. Um den Rollstuhl in der Straßenbahn so zu buksieren, das auch noch andere Fahrgäste im Gang daran vorbei kommen, daran müssen wir noch üben. 🥴🤩

Während der Fahrt in die Innenstadt rief ich die andere Bekannte an, sie wollte am „Brunnen der Lebensfreude“ auf uns warten. Als wir eintrafen, begrüßte sie K…. herzlich und freudig. Sie wurde vor 2. Jahren auch von einer harten Diagnose getroffen, Multibke Sklerose. Sie nahm diese ohne klagen an, passte ihr Leben an, dazu gehört auch Spore. Sie gehört für mich zur Kategorie „wertvoller Mensch“, weil sie mich immer wieder durch ihren klaren Sachverstand beeindruckte.

Zu dritt steuerten wird auf das EisCafe zu. Ich dachte so bei mir: „Der Mann hat es gut. Drei Frauen kümmern sich um ihn „😄 😄 Wie erwartet war die Stadt voller Menschen und die Plätze im Außenbereich vom „Milano“ knapp. Aber lange mussten wir nicht warten. Das Wetter war gut, ein Gemisch aus dicken Wolken und Sonne. Wenig später stand vor jedem von uns ein großer Eisbecher vor der Nase.

Während unserer Unterhaltung fand K…. wieder zu seinem alten Charme zurück, steuerte zur spaßigen Unterhaltung auch mal den einen oder anderen Witz bei. Das war K., wie wir ihn aus vergangenen Zeiten kannten, dafür aber ohne Schnauzbart, jedoch mit Brille und Rollstuhl. 😄 Vielleicht hat er auch für einen Moment seine körperliche Behinderung vergessen.

Für uns alle überraschend übergab ein fremder Mann uns beiden Frauen je eine langstielige gelbe Blume. Ich sah ihn verwundert misstrauisch an. Niemand hat was zu verschenken. Der Blumenspender wird sicher über unsere verwunderten Gesichter geschmunzelt haben. Was ich nicht sah, sahen die anderen beiden. Er kam von einem InfoStand der „Grünen“. Klar, wir sind ja mitten im Wahlkampf. Er übergab uns Frauen aber nicht die Blume, damit wir die Grünen, sondern „Weil sie sich umeinander kümmern“

Einen besseren Abschluss hätte dieser Ausflug nicht finden können 🤗🤗🤗

Lange vorbereitet

Heute stelle ich mich der harten Realität des Lebens, auch wenn mein Vorhaben eher harmlos klingt. Ich werde einen netten Mann zum gemeinsamen Kaffee trinken „entführen“. Den kleinen Ausflug haben wir terminlich 3 Monate vorbereitet. Heute hat jeder von uns die Zeit.

Bis vor 2 Jahren war er mein Quotenmann in einer Yoga Gruppe, bis ein Schlaganfall ihn vor im Juni 2019 seinem alten Leben ein Ende setzte.

Seit dieser Zeit kämpft er sich nun Stück für Stück mit kurzen Babyschritten ins Leben zurück. Doch ohne Hilfe von außen ist sein Leben nicht mehr möglich.

Nachdem er damals aus der Gruppe von Null auf Jetzt verschwand, hielt uns seine Lebenspartnerin über seinen gesundheitlichen Zustand auf dem Laufenden. Sie ist ebenfalls Mitglied der Gruppe. So konnte ich ihrem Gesicht ansehen, das sie immer mal wieder ein mentales Tief durchlief.

Im Mai besuchte ich beide zu Haus. Er kam mir mit freundlichen Augen strahlend im Rollstuhl entgegen. Dieser gibt ihm wieder etwas von der alten Freiheit zurück. Und da alle Verkehrsmittel in Rostock barrierefrei sind, werden wir heute das Wohngebiet gemeinsam verlassen und ins Stadtzentrum fahren. Dort wartet schon eine weitere Frau aus der Gruppe auf uns. Ich hoffe nun auf Sonnenschein und gute Laune und was genau so wichtig auf freie Plätze im Außenbereich vom Café. So können wir ihm zeigen, dass er trotz seiner Abwesenheit nicht aus unseren Köpfen verschwunden ist.

eine diffuse Angst geht um

Auch bei meinen Yogis gibt es die unterschiedlichsten Auffassungen im Umgang mit der Pandemie und den staatlich angeordneten Maßnahmen. Während der eine Angst davor hat, dass wirtschaftlichen Folgen eine langanhaltenden Lockdowns seinen Wohlstand auffressen wird, hat die andere Angst um ihren Ehemann, der wegen zahlreicher Vorerkrankungen durch das Virus besonders gefährdet ist und so geht es weiter und weiter. Jeder hat zur Zeit mit seinen eigenen Ängsten zu kämpfen und nicht selten wird die Frustration, die aus der Angst entsteht auf die Politik projiziert und diese bekommt Attribute wie machtgierig, egoistisch, unfähig, dumm, dämlich und und angehängt. Und während er eine seine „Bewertung zur Lage“ ausgesprochen hat, fühlt sich der andere davon angegriffen. Deshalb wandte ich mich gestern mit einer WhatsApp-„Apell“ an meine Yogis.

Liebe Yogis, das SpringBild steht zur Zeit auch symbolisch für den Umgang mit der Pandemie in unseren Menschenköpfen. Der erste Blick lässt mich auf dem Bild entweder eine junge oder eine alte Frau sehen, eine Schöne oder eine Hässliche. Jedoch ist es uns nicht möglich, beide Bilder gleichzeitig zu sehen. Die Wahrnehmung der äußeren Welt trifft dabei auf eine innere Landkarte, die Schlussendlich entscheidet, wie die äußere Welt in unserem Inneren modelliert wird. Und je nachdem, was ich in dem Bild sehe, ich werde meinen Blick darauf schärfen, damit nicht das Bild im Bild meine Wahrnehmung stört.

Ähnliches spielt sich zur Zeit in der Gesellschaft im Umgang mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion ab. Während der eine sieht, dass der Staat seiner Fürsorgepflicht nachkommt, sieht der andere darin eine Beschneidung der seiner persönlichen Rechte, ja sogar die Gefahr, das die Demokratie im Land schweren Schaden nimmt. Die Welt um uns herum ist für alle gleich, jedoch entwirft sie durch unsere individuelle Wahrnehmung auf unsere innere Landkarte die unterschiedlichsten Bilder der innere Welt.

Die unterschiedlichsten Reflexionen der realen Welt treffen zur Zeit aufeinander und jeder ist bemüht, die Kontur seines wahrgenommenen Bildes nachzuzeichnen, um diese hervorzuheben, damit es sich vom anderen Bild absetzt. Doch ist das sinnvoll für unsere gemeinsame Zukunft nach der Pandemie? Die Frage ist, wann und warum ich mich angegriffen fühle, wenn mir jemand das andere Bild im Bild nahe bringen will?


Yoga besteht nicht nur daraus, täglich Yogaübungen zu machen, sondern auch die Bewegungen meines Geistes und das Ausschlagen der Emotionen zu beobachten, denn sie sind die „Blei- und Farbstifte“ die wir nutzen, um unsere innere Landkarte weiter zu gestalten. Wenn sie jedoch beginnt, mit Nadelstichen, ähnlich wie beim Tätowieren mit Giftstoffen, unter die Haut unserer Seele fixiert wird, kann unser Bewusstsein nicht mehr zwischen den Bildern hin- und herschalten, wie es mit dem SpringBild möglich ist.


Passt weiter auf euch auf 😷