eine diffuse Angst geht um

Auch bei meinen Yogis gibt es die unterschiedlichsten Auffassungen im Umgang mit der Pandemie und den staatlich angeordneten Maßnahmen. Während der eine Angst davor hat, dass wirtschaftlichen Folgen eine langanhaltenden Lockdowns seinen Wohlstand auffressen wird, hat die andere Angst um ihren Ehemann, der wegen zahlreicher Vorerkrankungen durch das Virus besonders gefährdet ist und so geht es weiter und weiter. Jeder hat zur Zeit mit seinen eigenen Ängsten zu kämpfen und nicht selten wird die Frustration, die aus der Angst entsteht auf die Politik projiziert und diese bekommt Attribute wie machtgierig, egoistisch, unfähig, dumm, dämlich und und angehängt. Und während er eine seine „Bewertung zur Lage“ ausgesprochen hat, fühlt sich der andere davon angegriffen. Deshalb wandte ich mich gestern mit einer WhatsApp-„Apell“ an meine Yogis.

Liebe Yogis, das SpringBild steht zur Zeit auch symbolisch für den Umgang mit der Pandemie in unseren Menschenköpfen. Der erste Blick lässt mich auf dem Bild entweder eine junge oder eine alte Frau sehen, eine Schöne oder eine Hässliche. Jedoch ist es uns nicht möglich, beide Bilder gleichzeitig zu sehen. Die Wahrnehmung der äußeren Welt trifft dabei auf eine innere Landkarte, die Schlussendlich entscheidet, wie die äußere Welt in unserem Inneren modelliert wird. Und je nachdem, was ich in dem Bild sehe, ich werde meinen Blick darauf schärfen, damit nicht das Bild im Bild meine Wahrnehmung stört.

Ähnliches spielt sich zur Zeit in der Gesellschaft im Umgang mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion ab. Während der eine sieht, dass der Staat seiner Fürsorgepflicht nachkommt, sieht der andere darin eine Beschneidung der seiner persönlichen Rechte, ja sogar die Gefahr, das die Demokratie im Land schweren Schaden nimmt. Die Welt um uns herum ist für alle gleich, jedoch entwirft sie durch unsere individuelle Wahrnehmung auf unsere innere Landkarte die unterschiedlichsten Bilder der innere Welt.

Die unterschiedlichsten Reflexionen der realen Welt treffen zur Zeit aufeinander und jeder ist bemüht, die Kontur seines wahrgenommenen Bildes nachzuzeichnen, um diese hervorzuheben, damit es sich vom anderen Bild absetzt. Doch ist das sinnvoll für unsere gemeinsame Zukunft nach der Pandemie? Die Frage ist, wann und warum ich mich angegriffen fühle, wenn mir jemand das andere Bild im Bild nahe bringen will?


Yoga besteht nicht nur daraus, täglich Yogaübungen zu machen, sondern auch die Bewegungen meines Geistes und das Ausschlagen der Emotionen zu beobachten, denn sie sind die „Blei- und Farbstifte“ die wir nutzen, um unsere innere Landkarte weiter zu gestalten. Wenn sie jedoch beginnt, mit Nadelstichen, ähnlich wie beim Tätowieren mit Giftstoffen, unter die Haut unserer Seele fixiert wird, kann unser Bewusstsein nicht mehr zwischen den Bildern hin- und herschalten, wie es mit dem SpringBild möglich ist.


Passt weiter auf euch auf 😷

Weißt du wie das ist ?

Nur noch heute Nachmittag 2 Kindergruppen, dass ich habe ich die letzte Trainerwoche im Februar geschafft.

Gestern war der lange Donnerstag, d.h. von Mittags bis zum Abends 22 Uhr. Und damit mich der Hungerhaken auf der Tour von einer Sporthalle zur anderen nicht quält, gönne ich mir vor dem Start immer eine gute Mahlzeit in der Innerstadt. Ich wollte im Rostocker Hof, in dem es einen großen „Fressbereich“ gibt, Risotto essen. Eine leichte Mahlzeit, die satt macht und lange vorhält.

Nach dem 2 tägigen Nahverkehrstreik in Rostock und Mecklenburg Vorpoimmern war die Innenstadt wieder gefüllt und ich musste sogar anstehen, bis man mich am Stand bedienen konnte. Jedoch wäre ich auf dem schmalen Gang dorthin fast über eine Frau gestolpert, die lang ausgestreckt am Boden lag. Sie sah schlafend wie ein Baby aus, so mit den Armen in U-Form nach oben gestreckt. Es sah aus, als wäre sie urplötzlich von Hochstuhl gefallen und sich dabei eine Bewußtlosigkeit zugezogen hatte. Zwei Frauen hockten neben ihr. Die anderen, die scheinbar zu dieser Gruppe gehörten, aßen unbeeindruckt ihr Essen. Jeder der helfen wollte, wurde wieder weggeschickt. Trotz der ungewöhnlichen Situation waren alle entspannt, die die bewusstlose Frau begleiteten.

Ich stand schon eine Weile in der Warteschlange – die Mahlzeit wird vor den Kunden frisch zubereitet – bis ich endlich mein Risotto-Teller rüber gereicht bekam. Nach 10 Minuten konnte ich mich damit an den Tisch setzen und essen.

Ich fand die ganze Situation irgendwie subtil. Während eine Frau mitten im Getümmel bewusstlos am Boden lag – die Sanitäter waren inzwischen schon eingetroffen und verschafften sich einen Überblick – aßen die anderen Menschen rundherum und ließen sich ihr Essen schmecken. Die Welt drehte sich trotz alledem einfach weiter und weiter. Und ich nahm ja auch meine Mahlzeit ein, während ich einen Blick auf Sanitäter mit ihren Instrumenten und einer Infusionsflasche hatte.

Die fahrbare Tragbahre stand schon tief abgesenkt neben der noch bewusstlosen Frau und sie lag noch am Boden, als ich nach gefühlte 30 Minuten den Rostocker Hof verließ. Ich wollte beim rausgehen noch einen Blick drauf werfen, aber mein Sohn zog mich weg. „Weiß du, wie blöd es ist, wenn man am Boden liegt, grade wieder zu sich gekommen ist und die Augen aufmacht und die Leute einen anstarren?“

In dem Moment wusste ist, warum ich nicht so intensiv auf den Anblick der am Boden liegen Frau reagierte, wie ist es sonst von mir gewöhnt war. Ich war einfach nur froh, dass es diesmal nicht Sohnemann getroffen hatte.

Wat dem een sien Uhl

ist dem anderen sien Nachtigall.

Traurig aber wahr.

Männer

Bevor wir unsere Yogastunde beginnen , erzählen die Yogis, wie ihreWoche so war. Dafür gebe ich einen kleinen Stein in die Runde, der dann von Hand zu Hand gereicht wird. Jeder, der den Stein in der Hand hält, erzählt, was er erzählen möchte. Die Gruppe besteht aus 9 Frauen und einem Mann. 

Gestern Abend machte der Stein wie immer zu Beginn seine Runde und eine Teilnehmerin erzählte, wie sie am letzten Wochenende den Rügendamm überquert hatte. Das Großveranstaltung nennt sich Rügenbrücken-Marathon. Ein Massenevent 🙂  für Marathonläufer, für Läufer, für Walking und wer wollte, konnte als Spaziergänger die Rügenbrücke überqueren. „Dabei sein ist alles“ hieß es für den, der keine Rekorde anstrebte.

„Ich hatte eine Fußverletzung und nahm deshalb nur in Nordic Walking mit meinem Mann daran teil“ erzählte uns die Lauf begeisterte Teilnehmerin. „Aber, wie Männer so sind. Als er die Ziellinie sah, ließ er mich einfach zurück und beeilte sich, um schnell die Ziellinie zu überqueren“ Sie lachte darüber. Es amüsierte sie „Wie Männer halt so sind“

Darauf hin sprach ich kurz den einzigen männlichen Yogi der Gruppe an: „S, du kannst dann, wenn du möchtest das Image des Mannes wieder aufpolieren“ 😀 Gesagt, getan, Als er dran war, erklärte er seine Version und wie er es machen würde.

„Wenn meine Frau es nicht mehr geschafft hätte, hätte ich sie auf den Arm genommen und auf Händen vor mir her durch das Ziel getragen, so dass sie das Gefühl gehabt hätte, als erste durchs Ziel zu laufen“ 😀

Ich dachte: „Was für ein Mann“ Seine Frau, die auch zur Gruppe gehört, schmunzelte und war sicher in dem Moment stolz auf ihren Mann. 😀 😀 😀