Schlagwort: Polizei

Sie werden platziert

Nach dem Kulturabend am Freitag warfen wir uns gestern wieder in das einfache Leben rund um unser Hotel. Wieder mal war die Bierstrasse unser Ziel, zu Yvonne im Las Palmas. Yvonne bekellnert uns so lange, wie wir Mallorca bereisen.

Doch im Gegensatz zu den Jahren davor muss man nun bei Yvonne einen Termin machen, damit sie für uns einen Tisch reserviert. Sonst ist schnell Schluß mit lustig, auch auf der Bierstrasse, die nach wie vor einen Anziehungspunkt für „Streuner“ auf der Suche nach Spaß ist. Wer nicht reserviert hat, wird nicht platziert wird, muss weiter ziehen.

Auch für die Raucher gibt es neue Regeln. Sie dürfen nicht am Tisch rauchen, müssen sich an außerhalb vom abgesteckten Gastronomiebereich ihren Glimmstengel anstecken. Warum,wieso, weshalb konnte uns auch das Personal nicht sagen.

Von Rauchern vorübergehend verlassener Tisch

Uns Mädels macht das nichts aus. Die letzten Raucher unter uns haben schon vor Jahren ihren Glimmstengel beiseite gelegt. Wir halten uns nur an schöngeistige Getränke fest. 🥂

Während die Mädels mit den Tischnachbarn ins Gespräch kommen, beobachte ich gern den Lauf der Dinge, d.h. ich schau mir die Menschen um mich herum an. Ich finde es einfach spannend, wie unterschiedlich die Menschen sich in diesem Umfeld und mit angeheiterten Gemüt geben. Die Palette reicht von stiller Beobachter, so wie ich, oder bis zum (un)gezügelten ausgelassen sein.

Mache ziehen nur durch die Strasse, um von den besoffenen deutschen „MalleKöpfen“ ein Bild zu machen und ziehen dann weiter. Andere wollen dabei sein und filmen sich mitten im bunten Treiben, so wie die Oma mit ihrer Enkeltochter gestern Abend.

Zumindest denke ich, dass die beiden Frauen Oma und Enkeltochter waren, die mir gestern in dem bunten Reigen der Menschen auffielen. Sie hatten nicht reserviert und wurden daher nicht platziert. Sie standen nur in der Menge Menschen, die sich grade durch die Straße schob. Beide trugen die blinkenden HaarReifen, die von den fliegenden Händlern bis tief in die Nacht angeboten werden. Beide hielten ihr Smartphone hoch und filmten sich mitten im Trubel. Es lief grade ein Schunkellied und entsprechend war die Stimmung, alle schunkelten mit, ob sie platziert waren oder nicht. Danach verschwanden die beiden aus meinem Blickfeld.

Dafür rückte etwas anderes in mein Blickfeld. Zwei Frauen mit ernsten Gesichtern und Ordner oder den Armen. Keine Frage, die beiden Frauen kamen von der Behörde und überprüfen die Einhaltung der Regeln des Landes. Die Zügel der Maßnahmen wurde kurz vor unserer Anreise gelockert, doch im Ergebnis der Kontrollen wieder etwas gestrafft. Zumindest für das Las Palmeras. Statt 12 dürfen wieder nur noch 8 Personen an ein Tisch sitzen, denn nur dann lässt sich sicher stellen, dass die Mindestzahl von 200 Personen in dem Bereich einhslten. Mehr dürfen wegen der Grundfläche dort als Gäste nicht platziert werden.

Im nächsten Jahr wird zum Glück all dass nur noch Geschichte sein und jeder darf wieder nach seiner Fasson sein Leben leben. Für Mallorca ist die Pandemie eine gute Gelegenheit, den Sauftourismus weiter zu drosseln, denn allnächtlich treibt die Polizei die hängen gebliebenen „Streuner“ auf der Promenade auseinander. Während sie von rechts nach links die Leute von der StrandMauer vertrieben, versammeln sich auf der linken Seite der Promenade die jungen Wilden erneut zu einem großen Pulk. Ein Spiel wie Katz und Maus. 😄

Blick aus meinem Hotelbett auf die Promenade.

Wie lange das Katz- und Mausspiel die Nacht über dauert, weiß ich nicht. Doch in den frühen Morgenstunden herrscht Ruhe im Schiff. 😄

Holland in Not

Nur noch schnell die 7 Sachen für die  Yogastunde in den Rucksack verstauen, dann kann ich auch schon den Abflug

machen. Meine Wanduhr zeigt  175  Uhr an. Ich habe 30 Minuten, als es an Wohnungstür klingelt. Wer da? Hoffentlich steht nicht wieder ein Vertreter vor der Tür, um mir einen neuen Stromanbieter schmackhaft zu machen. Ein Blick durch Guckloch, ich sehe nix. Zumindest niemand in Schlips und Kragen, der sich vor der Tür noch schnell  ein entspanntes Lächeln ins Gesicht meißelt.

Wer da? Ein kleines Mädchen steht vor mir.  Sie  wohnt im selben Haus, ein paar Etagen über mir. Sie  hat immer, wenn wir uns begegnen,  ein freundliches Lächeln und  ein nettes Wort für mich auf den Lippen. Heute sieht sie gar nicht fröhlich aus, so kenne ich sie nicht.  Nein, sie sieht traurig und ängstlich aus. „ich mag nicht mehr in unsere Wohnung.“ erzählte sie mir mit weinerlicher Stimme. „komm erst mal rein“ ich  bitte sie in die Wohnung, lass mir erzählen, warum sie nicht mehr in ihre Wohnung mag.

„Der Kumpel von Mutti hat mich gehau`´n“ Ohje.. deshalb sieht die Kleine so erschrocken und verängstigt aus. Es dauert etwas, bis ich Klarheit habe und kann mir einen möglichen Reim darauf machen. Den „Kumpel “ (ich nehme an, ein Bekannter) wurde von Mutti als „Sitter“ eingesetzt, weil sie außer Haus musste . Statt sich darauf zu konzentrieren betrank er sich und rastete aus. Er hat die Kleine geschupst oder gestoßen oder geschlagen und damit einen mächtigen Schrecken eingejagt.

Ach herje.. Holland ist in Not. Mutti nicht zu Haus und die Telefonnummer von Mutti hat die Kleine auch nicht. Draußen ist es kalt und dunkel und sicher nicht der beste Ort für die Kleine, auf Heimkehr ihrer Mutti zu warten. Ich überlege hin und her, was ich machen kann. Ich könnte die Kleine zur Mutter bringen, die sich zur Zeit im anderen Wohngebiet aufhält. Aber dann stehen die Teilnehmer der Yogagruppe vor verschlossenen Türen. Die Kleine mit zur Yogastunde mitnehmen? Das wollte die Kleine nicht. Den Mann in der Wohnung zur Räson bringen? Dafür würde der Terminator der Richtige sein, ich nicht. Sollte ich die Polizei rufen? 

Wir besprechen Möglichkeiten. Uns fällt nichts machbares ein. Die Polizei möchte die Kleine nicht, sie will ihre Mutti nicht erschrecken und sie hat Angst vor dem Kumpel, er könnte deshalb noch verärgerter werden und ihr das übel nehmen.  Ich denke darüber nach, ob ich sie allein in meiner Wohnung lasse, während ich die Yogastunde gebe? Nein, das geht auch nicht. Dann würde die Mutter sie nicht finden, wenn sie wieder heim kommt.

Wir stecken in der Zwickmühle. Ich mache der Kleinen den Vorschlag, dass ich die Polizei könnte, damit diese sie dann zu ihrer Mutter bringt. In Kopf der Kleinen arbeitet es genau so, wie in meinem Kopf. Sie will nicht in die Wohnung und sie will auch ihre Mutti nicht erschrecken, mit großem Aufgebot und Polizei, Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich gleich mit Polizei daher kommen soll. Doch dann bat sie mich: „Rufen sie die Polizei“

Nun geht alles ganz schnell. Der Notruf ist zügig abgesetzt, Der Beamte tackert alle wichtigen Angaben meiner Anzeige in die Tastatur „Der Streifenwagen ist gleich bei ihnen“ Wir halten gemeinsam am Fenster Ausschau nach dem Streifenwagen, So von Null auf jetzt wird der nicht vor der Tür stehen. „Da“ rief die Kleine „da, ist Mutti“  Sie zeigt auf den grauen Umriss einer Frau, sie sich suchend umschaut. „Ich möchte zu Mutti“ bat sie mich. „klar“ und schon stürmt sie raus.

Wenig später mache ich mich auch auf den Weg machen. Die Yogastunde würde ich noch pünktlich beginnen können. Als ich vor die Tür trete, lässt sich grade ein ein junger Polizeibeamter den Ausweis der Mutter zeigen. Die Kleine ist noch an der Hand der Beamtin. Die Mutter war sichtlich beschämt „ich hatte meine Tochter schon gesucht“ sie beute sich zur mir rüber, um mir das auf die Schnelle zu sagen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich schlecht fühlt, aber wer rechnet sich mit einem Ausraster des „Sitters“ Ein Mann von 40 Jahren hätte ja auch erst später die zahlreichen Biere hinter die Binde kippen können. Darauf wollte er nicht warten und erschreckt obendrein noch das Kind,w as ihm für kurze Zeit anvertraut wurde.

Am nächsten Tag lächelte die Kleine mich wieder an, als ich an ihr vorbei ging. !Alles wieder in Ordnung“ fragte ich. „Ja, alles wieder in Ordnung. Der Kumpel ist weggelaufen“

überlebt

..hat das Mädchen sicher eine schwer zu verkraftende Tortur. Ihre Flucht hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet. Mehr zufällig fuhr ich heute mit der Straßenbahn vorbei, als die Polizei in die Wohnung des Tatverdächtigen vordringen wollte.

Das Haus war schon umstellt. Das Mädchen wurde kurz zuvor in einem der verfallenen Gebäude gefunden. Genau in dieser Gegend brach die Ortung ihres Handys ab – am Petri Damm. Was hat das lebenslustige Mädchen nur alles über sich ergehen lassen müssen, aber sie war trotz ihrer Verletzung taff genug um zu fliehen.

Hier muss das Mädel für ein paar Tage festgehalten worden sein. Das Gelände war komplett umstell und ein in der Luft stehender Hubschrauber ging über diesem Bereich.

Wenig später überholte unsere Straßenbahn ein Konvoi von Polizeiwagen und in der Mitte der Krankenwagen mit dem Mädchen darin Richtig Klinik. Ein bewegender Moment für alle, die in der Bahn saßen. Alle atmeten erleichtert auf..das Böse konnte sich nicht durchsetzen.

Jetzt wird nach dem Sexualtäter gefahndet und ich hoffe, dass die Polizei ihn bald Dingfest machen kann.

Ostseemaus