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Kesse Gesellen

Um mein bestelltes Buch „Wütendes Wetter“ von der Thalia abzuholen, musste ich in die Innenstadt fahren. Ich hatte für Freitag so einiges auf dem Zetteln, dass erledigt werden musste. Deshalb ließ ich die Kocherei für mich weg und gönnte mir wieder mal eine von „Fränkies Bratwürsten mit Pommes“. Das ist nicht das gesündeste Essen, aber immer wieder lecker. Mein schlechtes Gewissen deshalb gleiche ich am Abend mit einem großen grünen Salat aus.

Es war gestern verregnet und windig. Deshalb aß ich meine schnelle Mahlzeit am Brunnen der Lebensfreude. Dort stehen überall Bänke auf denen ich mein PommesBratwurstTeller abstellen könnte. Nach kurzer Zeit stand ich unter Beobachtung. Neben den Tauben, nahmen mich auch kleine schwarze Dohlen meine Pommes ins Visier. Keine Pommes konnte in meinen Magen verschwinden, ohne das zwanzig Augenpaare darauf fixiert waren.

Ohne ihre FluchtDistanz in Gefahr zu bringen, versuchten die Dohlen den Pommes näher zu kommen. Eine von Ihnen war besonders kess und ließ schon mal auf der Bank nieder, damit waren die Pommes schon mal näher. Auf der Bank sitzend, wurde ich weiter angestarrt. Vielleicht fällt ja doch was runter. Unauffällig ließ ich eine Pommes auf den Boden fallen und binnen weniger Sekunden verdoppelte sich die VogelSchar.

„Füttern verboten“ heißt es ja in der Stadt, also musste ich mich zurück halten. Die Stadt hatte vor Monaten große fest verschlossene Abfallbehälter aufgestellt, in der keine Möve, kein Vögel mehr nach Essensresten graben kann. Doch ein paar Pommes von mir wollte ich den kleinen schwarzen Gesellen doch noch gönnen. Wer kann schon den Augen der Dohlen wiedersehen 😏😄

„Wir sind jung…“

Behangen mit Einkaufsbeuteln auf der rechten und linken Schulter und am Rücken mit einen voll beladenen Rucksack ging ich gestern zur Straßenbahnhaltestelle. Nur noch eine Minute und meine Bahn würde vorfahren. Perfektes Timing. Keine lange Wartezeit, in 25 Minuten kann ich in der Küche den Einkauf ablegen. Doch warum ein Motorrad von der Polizei mitten im Gleisbett stand, konnte ich mir nicht erklären. Außerdem war die Abfahrtszeit meiner Straßenbahn schon inzwischen längst überschritten. 🥴

„Bitte gehen sie zur Steintor-Haltestelle. Hier fährt erst mal keine Bahn ab.“ Ein freundlicher Polizist klärte uns auf, für 20 Minuten StraßenSperrung wird erst mal alles stillstehen.

Oh. Dann hörte ich sie schon, die Demonstranten. Sie rührten kräftig die Trommel. Wenig später war auch der Tross zu sehen.

Er schien nicht enden zu wollen. Ganz jung, jung und auch alt, sie setzten sich lautstark für den Klimaschutz ein und klagten an: „Wir sind jung. Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ dröhnte es aus den Lautsprechern.

Sprecherin

Wäre ich nicht so beladen gewesen und hätte ich nicht dringend nach hause gemusst – auf mich wartete eine YogaGruppe – hätte ich mich den Demonstranten angeschlossen, die grade an mir vorbei zogen. Ich konnte sie nur emotional begleiten und auf meine Anerkennung für die Generation konzentrueren, die sich endlich lautstark auf den Klimawandel aufmerksam macht.

Unwetter, Hochwasser und Dürren machen Natur und Mensch schon längere Zeit zu schaffen. Und seit der Hochwasserkatastrophe im Arltal wissen wir, der Klimawandel hat auch Deutschland erreicht.

Vor 20 Jahren fiel mir eher zufällig ein Buch in die Hand, dass schon in den 80iger Jahren geschrieben wurde. Der Titel kam mir rätselhaft vor „Wie der Erde die Luft ausgeht“, daher nahm ich es mir vor. Der Buchautor beschrieb die Veränderung auf der Erde, wie sie schon in den 80iger Jahren sichtbar waren. Diese betrafen nicht nur die Umwelt, sondern auch das Klima. Er ahnte schon damals, dass das nicht gut ausgehen kann.

Nachdem ich das Buch ausgelesen und den BuchDeckel zuklappte, hatte ich wochenlang eine geschundene und schwer verwunderte Erde vor meinem inneren Auge. Real waren diese Bilder im Frühsommer im Arltal zu sehen.

Der Philosoph Richard David Precht hatte sich auch mit Klimawandel beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass wir „Menschen uns retten sollten“. Das ist persönlicher, weil Klimawandel jeden persönlich trifft.

ein bunter Abend

Langsam aber sicher installiert sich die Live-Kultur wieder in unser aktuelles Leben. Die Pandemie bremst den Hype noch etwas aus, doch der Saal, in dem ich gestern saß, war voll. Es kam rein, was rein durfte. Nur hier und da mussten die Veranstalter – das Volkstheater Rostock – ein paar Lücken zwischen Reihen und Sitzplätzen lassen, doch das tat dem Erlebnis keinen Abbruch. Auf dem Spielplan stand „Disco-Fieber“, 70er-Jahre-Musical von Juri Sternburg. Musik und Tanz ist immer gut und bring Schwung in unser Leben. Und wer auf dem Sound der 70iger Jahre stand, kam gestern Abend auf seine Kosten.

Fünf reizende Frauen, eine von ihnen war ich, machten sich gestern Abend auf den Weg in das Sommertheater von Rostock. Das ist eine alte Werkhalle auf dem ehemaligen Werftgelände der Neptun Werft. Was die rustikale Bühne nicht an Breite hatte, hatte sie in der Höhe. Über 3 Etagen spielten die Darsteller für ihr Publikum, die alle mit Mundschutz zusahen. Keine von uns wusste genau, ob wir den Mundschutz ablegen durften oder nicht, also machten wir es, wie die meisten der Zuschauer und behielten den Mundschutz auf. Ich fragte mich, wie das wohl für die Darsteller aussehen mag. All die Zuschauer mit weißen Tüchern vorm Gesicht.😷😷😷😷😷😷😁 Aber vielleicht sahen sie von uns auch nicht viel, denn die Künstler standen ja im grellen Bühnenlicht, das auf sie gerichtet war.

Wir waren ein dankbares Publikum und honorierten jeden Song – es waren viele – , mit Applaus, der zwischen den Szenen gespielt wurde. Und nach jeden Song wurde der Applaus länger und lauter. Die Zuschauer kamen in Schwung, kamen in Stimmung. Wir klatschten nicht nur, wir klatschten mit, im Rhythmus der Musik.

Das Ende des Musicals wurde mit einem opulenten Bühnenbild eingeleitet und der letzte Song „YMCA“ riss uns alle vom Hocker, bzw. von unseren Sitzplätzen. Die Begeisterung hatte sich im Zuschauer Saal weiter ausgebreite, als mir plötzlich Tränen aufstiegen. Urplötzlich musste ich an meine Cousine, meinen Cousin und meine Freundin denken, die all das nicht mehr miterleben dürfen. Vor einem Jahr dachte niemand im entferntesten daran, das ihr Leben ein jähes Ende finden wird.

Noch immer mischt sich die Trauer in meine Lebensfreude. Sie lässt mich die Lebensfreude nicht ungestört genießen, ganz im Gegenteil. In solchen Momenten, wie gestern Abend, drängt sie sich wieder mit in die erste Reihe und will gefühlt werden. Und sie macht mir deutlich, wie wichtig es ist, sein Leben im positiven Licht zu gestalten und jeden Moment des Leben zu genießen, wenn auch nicht jeder Moment mit Glück beseelt wird. Meinen Yogis sage ich immer: „Du kannst die äußere Welt nicht ändern, jedoch dein innere Einstellung zur äußeren Welt“ Momentan prallen sogar zwei Welten in meinem Inneren zusammen, die der Lebensfreude, die der Trauer und beide muss ich zulassen, .mitunter sogar zeitgleich, wie gestern Abend.

Die Welt ist klein

Ereignisse, die tausende Kilometer von uns entfernt sind, werfen in Deutschland auch ihre Schatten. In der vergangenen Woche war weder das Virus, noch die Impfungen das Gesprächsthema Nr. 1, mit allen die ich traf. So wie ich, waren fast alle erschüttert über die Bilder von Afghanistan, die gegenwärtig eine großen Teil die Nachrichten ausmachen. kaum zu ertragen sind die Bilder, wie die Menschen sich fluchtartig ein sicheres Zuhause suchen müssen, fernab der Heimat.

Ich habe versucht, es mir vorzustellen, wie es sein mag, wenn ich von Null auf Jetzt mein trautes Heim und meine Heimat verlassen müsste, alles stehen und liegen lassend um das nackte Leben zu retten. Solch eine Vorstellung lässt sich in meinem Kopf gar nicht entwickeln.

Wie konnte das nur passieren, dass Taliban so schnell alle Regierungsgeschäfte an sich reißen konnte? Und überhaupt verstand ich erst jetzt, warum die Nato seit 20 Jahren Afghanistan kontrollierte. Ich hatte es nie hinterfragt. Und von Ortsmännern hörte ich auch das erste mal. Man findet nicht mal im Internet eine Deffinition darüber. Biden steht hinter seine Entscheidung, das afghanische Volk müsse und könne von nun an allein klar kommen. Aber ich denke, die Talibanen weiter millitärisch zu kontrollieren, kostet Unmengen Geld und das hat die Pandemie wohl verschluckt. Aber ob meine Annahme wirklich so ist, das weiß der Himmel.

Gestern fuhr ich noch mal stadteinwärts und traf gleich beim Aussteigen auf eine Kundgebung, die, man konnte es sehen, von Afghanen durchgefürt wurde.

Ich verstand kein Wort, von dem, was gesprochen wurde. Es war persich. In den Stimme der Redner hörte man die Tränen, in der eine tefe Traurigkeit lag. Viele derer, die dort standen, werden berechtigte Angst um ihre Angehörigen haben. Und, so lass ich in den Nachrichten, sie forderten ein sichere Rückholung der Ortsmänner ein.