Die Tage sind gezählt

Nein, nicht die Tage meiner Lebenszeit, sondern die Tage bis zu meinem Abflug. D.h. in 72 Stunden werde ich um diese Zeit im Hotel Playa Golf einchecken. Und wir Mädels hoffen darauf, dass wir wieder solch ein schönes Zimmer wie im letzten Jahr bekommen, wie auf dem unteren Bild zu sehen ist. Also in 72 Stunden werde ich es wissen und ich werde es euch wissen lassen.

Hotelbett mit Aussicht

Mit meinen Ablug lasse ich auch für 14 Tage meinen Job als Ehrenamtliche in 3 Sportvereinen hinter mir. Damit bessere ich nicht nur meine Rente auf, sondern ich halte über diese Tätigkeit Kontakt zu allen Altersgruppen von Menschen. Angefangen bei den ganz Kleinen – ab 3 Jahre – bis hin zu denen, die auch noch im Alter fit bleiben wollen. Ich habe mal gezählt, wieviele Menschen ich die Woche über bewege. Da kommen 100 Kinder von 3 – 10 Jahre und 35 Erwachsene zusammen. Wer hätte das gedacht, nicht mal ich 😀 .

Vorbereitung für die Kleinen

Die letzten Arbeitstage des alten Bürgermeisters in Rostock sind auch gezählt. Mit dem letzten Wahlsonntag steht fest, Rostock hat links – ehemaliger Sozialsenator LINKE – und weltoffen – einem Dänen ohne deutschen Pass – gewählt. Am 16.Juni 2019 wird es die Stichwahl zwischen den beiden ersten Kandidaten geben und erst dann werden die Rostocker wissen, wer die Strippen der Stadt in die Hände bekommt. Ich habe meine Stimme gestern schon in den Briefkasten geworfen. Die Briefwahl ist eine tolle Sache, so kann man keine Wahl verpassen. Als gelernter DDR- Bürger kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Wahl ohne meine Stimme an mir vorbei läuft.

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kleiner Mann, was nun?


Zum Glück habe ich mich damals in der letzten Phase meines Wachstums noch ausreichend gestreckt, so schaffte ich mit 4 cm den klar definierten „Kleinwuchs“ von unter 150 cm zu überschreiten. So bin ich nur klein, aber nicht kleinwüchsig.

Zur Zeit haben wir ein Kind in der Sportgruppe, der zu den Kleinwüchsigen zählt, wie man sie schon an ihrem Körperbau erkennt. Er macht mit, was er kann und wenn es ihm zu viel wird, darf er sich ausruhen. Für uns als Trainer ist es wichtig, dass wir keine „Extrawurst“ für ihn braten, nur der zwischenzeitlich Ausruhmodus ist erlaubt.

Und wir haben noch einen weiteren “ kleinen Mann“ in der Kindergruppe, der sich mit seinem Körper ganz anders auseinander setzen muss. Die Asthmasprayflasche muss er immer bei sich haben, ohne sie geht es nicht. Eher so nebenbei erzählte er mir, dass er am Herzen erkrankt wäre (oder mit einem Herzfehler geboren wurde – so genau weiß ich es nicht mehr) und deshalb hätte er das Asthma gekommen.

Wie sieht eine Trainingstunde mit solch einem kleine Kerl aus? Er will wie de anderen Kinder laufen, springen und toben, doch alle 15 Minuten muss ich mit ihm vor die Tür, damit er sich an der fischen Luft erholen kann. Nicht selten bricht er schon in der Sporthalle zusammen und schafft es allein ohne meine Hilfe nicht an die frische Luft.

Vorgestern wartete er – wegen der sommerlichen Temperaturen schon zusammengefallen und in den Schatten geflüchtet – mit den anderen Kindern vor der Sporthallentür darauf, dass er mit den anderen Kindern in die Halle stürmen zu dürfen. Er berappelt sich, doch kaum hatte er den Umkleideraum betreten, brach er wieder zusammen. Also entschied ich, er solle sich in der Sporthalle umziehen. Anders, als in der engen Umkleidekabine, in der sich auch noch viele Kinder aufhalten, zirkuliert die Luft in der großen Sporthalle besser. Und so war es auch. Er erholte sich schnell und trat wie die anderen Kinder zum Sport an.

Immer Donnerstags muss ich 30 Minuten die Kinder allein trainieren. Meine Kollegin kommt an den Tag immer später. Also kann ich mich um den“kleinen Mann“ nicht so intensiv kümmern. Ein weiteres Kind übernimmt in dem Fall die Fürsorge für den Kleinen. „Wenn es schlimm wird, dann rufst du mich“ gab ihm mit auf den Weg. Es sieht immer süß aus, wenn die beiden Jungs Hand in Hand an die Tür gehen.

Wenig später kam er aber aufgeregt in die Sporthalle zurück. „Frau H…., Frau H…., Frau H…, Ni….liegt im Flur auf dem Boden“ Es wurde also doch wieder schlimmer. Zum Glück war meine Kollegin schon eingetroffen und übernahm das Training. In solchen Momenten wird deutlich, warum immer zwei Trainer im Kindertraining vor Ort sein müssen. Ich konnte mich sofort wieder um den kleinen Mann kümmern. Er lag seitlich ausgestreckt und kraftlos im engen Flur, der von der Sonne aufgeheizt war und kam aus eigenen Kräften nicht wieder hoch. Ich hob ihn auf und unter dem Armen gestützt gingen wir wieder zur großen Ausgangstür, die zum Glück im Schattenbereich lag. Er erholte sich relativ schnell und ließ auch keine weiter Zeit verstreichen und fädelt sich sofort wieder in das laufende Training ein.

Diese Intervalle durchlaufen wir mit dem Kleinen zu jeder Traningseinheit. Der Vater erklärte uns, dass sein Sohn dieses Problem nur in der Sporthalle hätte, ansonsten hüpft er umher, ohne von den eben geschilderten Problem geplagt zu werden.

Ich frage mich, ob der Kleine wirklich nur in der Sporthalle so sehr wegen seines Herz- und Asthmaleidens eingeschränkt ist. Vielleicht wird er von seinen fürsorglichen Eltern eher ausgebremst? Für mich aber ist auffällig, dass er sich ganz schnell erholt und genau so schnell wieder ins Training einsteigt, natürlich auch mit „Hochgewindigkeit“, wie seine Altersgleichen es tun.

Und ich frage mich, ob das alles ist, was der Kleine an Lebensqualität auch für die Zukunft zu erwarten hat ? Wie sieht seine Prognose aus? Wird sie besser oder schlechter? Welcher Schatten geht seinem Leben voraus?

auf ein Neues

Ich gebe zu, ich war richtig aufgeregt. Schon mehr als 5 Jahre stand ich nicht mehr auf der Matte und hatte keine Ahnung, ob ich es überhaupt noch bringe. Doch ich hatte meinem Trainer zugesagt und wollte auf den letzten Drücker keinen Rückzieher mehr machen. Also Augen zu und durch.  Aber vielleicht ist es ja auch wie beim Radfahren, d.h. wenn man es kann, verlernt man es auch nicht mehr. Aber eine weitere Frage quälte mich auf dem Weg zur Sporthalle. „Wird meine Kondition für 2 Stunden überhaupt reichen?“ denn ich wollte mich ja nicht nach 20 Minuten an den Mattenrand  und auf „Altersbonus“ setzen müssen, weil meine Batterie schon leer ist.

Kurz vor der Sporthalle traf ich auf die alten und neue „Hasen“, einer war größer als der andere. Einige von ihnen kannte ich noch aus alten Zeiten. Entsprechend groß war die Wiedersehensfreude. Und dann wurde es ernst für mich, ich hoffte, das mein Comeback gelingen würde und setze mich in die Reihe derer, die im Gegensatz zu mir, regelmäßig Aikido trainierten.

Zu Beginn zeigt der Trainer, welche Technik als nächstes geübt wird.

Anschließend stürmen die Aikidokas die Matte und übern die Technik, die der Trainer zuvor gezeigt hat.

Ich (Rotschopf auf dem Bild) kämpfte mich durch meine Selbstzweifel und mit jeder Wiederholung kam die alte Sicherheit zurück. Mein Körpergedächnis hatte mich nicht in Stich gelassen, ich konnte auf fast alles, was ich schon vor Jahren  an Techniken erlernte,  wieder zurück greifen.

Manche Wurftechniken – Sumi Otoschi – sehen spektakulär aus, wie auf dem Bild zu sehen ist. Aber der Wurf zeigt am deutlichsten, worum es im Aikido geht, es geht nur um Verteidigung.  Man erlernt daher keine Angriffs- sondern nur Verteidigungstechniken, die mit geschickten Hebel umgesetzt werden und den Gegner zu Fall bringen soll. . Weder Gewichts- noch Altersklassen spielen eine Rolle, allein die Geschicklichkeit zählt.

Achja. fast hätte ich vergessen zu erwähnen. Meine Kondition hat über die 2 Stunden gereicht.

Am nächsten Tag fand ich einen kurzen Bericht darüber, den das Stadtteilbüro dazu zusammengestellt hatte. Wer rein schauen möchte – der Bericht dazu wird gleich am Anfang gezeigt.

Die Ohren mit Schwung angelegt

Viele Eltern schicken ihre Kinder schon in frühen Kindesalter zum Sport. Manche von ihnen können grade erst laufen und schon finden sie sich in einer großen Sporthalle wieder. Und ? Sie haben Spaß. Die Kindergärten, in denen die Kleinen tagsüber sind, verfügen z.T. auch über Sporträume, aber solche eine große Sporthalle hat was. Das gefällt auch die Kleinen.

Während die Kleinen mit ihrem Trainer in die Tiefen der Sporthalle – hier eine Turnerhalle – verschwinden, schauen die Eltern von Rand der Halle ihren Kindern zu.

Das Training wird altersgerecht durchgeführt. Im Breitensport stehen laufen, springen, klettern, kriechen, hopsen auf dem Programm. Sie lernen dabei Koordination, Kondition, Geschicklichkeit und Ausdauer. Die Kleinen wollen gefordert werden.

Am letzten Mittwoch kamen 2 weitere Kinder in die Gruppe, ein Junge und ein Mädchen. Während der Junge sich sofort an Werk machte, wollte das Mädchen sich das Geschehen lieber aus der Ferne ansehen.  Als ich dem Mädchen dabei behilflich sein wollte um die „Schwelle“ zu überschreiten und ihr dazu meine Hand reichte, schlug sie diese heftig weg. Sie hatte mich wieder abgeschlagen  😀 . Wie klar doch die Charaktere der Menschen im Kleinkindalter schon zu erkennen sind. Wie die Oma meine Sohnes immer sagte: „Da legst du die Ohren mit Schwund an“ 😉

Dem Jungen wiederum konnte es gar nicht schnell genug gehen. Er stürzte sich ins Geschehen, überwand den Parkour locker, der für unterschiedliche Bewegungsarten aufgebaut wurde, Es drehte sogar noch eine Extra-Runde, borvor er sich der nächsten Aufgabe stellte. Das kleine Mädchen wagte sich später dann doch noch in die Gruppe, um dann in Intervallen wieder zur Mutter zu flüchten. Sie hatte sich auf`s Pendeln eingespielt.

Nach 60 Minuten Trainingszeit übergaben wir – es sind immer 2 Trainer im Einsatz – den Eltern ihre Kinder wieder. Bevor ich die Halle verlassen konnte, musste ich prüfen, ob alle meine Teilnehmer die Umkleide verlassen haben. So kam ich mit der Mutter ins Gespräch, deren Sohn  sich ohne Umschweife in die Gruppe einband.  Die Mutter erzählte mir nebenbei, das sie für ihren Sohn noch keine Kindergartenplatz bekommen hätte. Deshalb sei ein Sportverein für ihn jetzt wichtig. Sie wären erst kürzlich nach Rostock gekommen und das eher Hals über Kopf. Der Vater neige zur häuslicher Gewalt und deshalb wären sie quasi in einer Nacht- und Nebelaktion in eine fremde Stadt gezogen.

Ich hatte also eine kleine Flüchtlingsfamilie vor mir. Die Mutter des Kindes hat entschieden, sich und ihren Sohn aus der schwierigen Lage, in der sie sich befanden, zu befreien. Richtig entschieden, dachte ich mir. Dabei erinnerte ich mich an einen Satz, den ein Lehrer vor Jahren zu uns Schülern sagte. Die Mutter entschied sich, nur für ihr Kind dazu sein und dazu benötigte sie Ruhe und Kraft. „Du musst immer dafür sorgen, dass es dir gut geht, dann kannst du auch anderen helfen“ Dieser Satz nistete sich damals sofort in den Fundus meine gesammelten Lebensweisheiten ein, auf den ich immer mal wieder zurück greife. Er passte zur Entscheidung der jungen Mutter.

Noch auf dem Heimweg musste ich an das Schicksal dieser kleinen Familie denken und wünschte ihnen das beste für ihr neues Leben in Rostock. Vielleicht kann man als Trainer im Sportverein seinen Teil zum Gelingen beitragen. Ich würde es mir wünschen.