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flüchtige verbale Streiflichter

Nicht nur zahlreiche Menschen sondern auch ihre Worte streifen mich, wenn ich mit Bus oder  Straßenbahn durch die Stadt fahre.

Mich wollte er auch verprügeln” Dieser Satz streifte nicht nur im Flüsterton mein Ohr, sondern er stand laut und deutlich  mitten im Bus, in dem nur 3 Fahrgäste waren. Eine kräftige gebaute Frau. Sie nahm gleich 2 Sitzplätze in Beschlag und ein kleines Hutzelmännchen, der ihr gegenüber saß und sich sitzend an seiner Krücke festhielt. (Das Bild zeigt die beschriebenen Fahrgäste nicht)

“Erst wollte er mich poppen und dann verprügeln” erzählte sie dem Hutzelmännchen weiter” laut und unüberhörbar auch für mich. Ich hätte extrem schwerhörig sein müsse um diesen Satz nicht zu hören “Wir trafen uns im Rosengarten und da hatte er es versucht. Dem hab ich es aber gezeigt”

Hinter meinem Rücken unterhalten sich beide weiter so laut, als wäre ich nicht da, dabei stand ist trotz leere Plätze nur 1 Meter non ihnen entfernt..

“Sie hat wieder gesoffen und war blau” erzählt die Frau weiter “man konnte mir ihr nicht mehr reden” Jetzt findet auch das Hutzelmännchen ein paar Worte, sitzend gestützt auf seiner Krücke: ”Selber Schuld, wenn die so blöd ist” und das war es auch schon, was er zu sagen hatte. Ihr war das deutlich zu wenig. “Ihr findet das alles lustig, dabei gibt da nichts zu lachen” maßregelt sie das Hutzelmännchen.

Der Bus hat die Endhaltestell erreicht, wir steigen gemeinsam aus. Erst jetzt kann ich einen längen Blick auf die Frau werfen, deren Stimmt so kräftig war. Eine große stämmige Frau, langhaarig, gebaut, wie ein Kerl, der wie ein Baum. aussah. Wer sie angreifen wollte, wäre selber Schuld, denke ich mal Die beiden steigen in den nächsten Bus, ich nehme die nächste Straßenbahn. 

Der Tag ist so gut wie schon gelaufen. Jeder der aussteigenden Fahrgäste strebt wie ich  nach Haus, der Feierabend wartet.

“Ich wollte nur deine liebliche Stimme hören” Ein junger Mann überholt mich mit seinem Smartphone am Ohr.. Mit federnden Schritten zieh er an mir vorüber und erklärt seiner Liebe seine Liebe und wie sehr er sie am Tag vermisst hätte” Und dann verschwindet er aus meine Blickfeld, taucht in der Menschengruppe unter, die wie ich nach Hause in den Feierabend strebt.

Ostseemaus

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erst mal ahnungslos

Die großen gewaltigen Demonstrationen zum 1. Mai gibt es schon seid der Wende nicht mehr. Unter dem Meer von roten Fahnen zogen damals die Arbeiter und Bauern an einer Tribüne vorbei, auf der die Führung der Stadt alles an sich vorbei ziehen ließen. Damals bildete ich Lehrlinge aus und diese weigerten sich, die Fahren zu tragen. Fanden es irgendwie blöd, mit wehenden Fahnen durch die Stadt zu ziehen. Mit grimmigen Augen musste ich nachhelfen, denn damals war die Maidemonstration unsere Bürgerpflicht. Mich störte das damals nicht, ich mochte die wehenden Fahnen begleitet von Kampfliedern  wie “Auf auf zum Kampf, zum Kampf” obwohl die Zeiten. als das Lied damals geschrieben wurde,schon lange vorbei war.

Heute leben wir im Wohlstand und Demokratie, die Demonstrationen sind keine Bürgerpflicht mehr. Jeder kann,wenn er will und wenn er nicht will, macht er sich einen bunten Tag. Denkt vielleicht hier und da mal an die harten Kämpfe der Revolutionäre,  die uns danke ihres Kampfgeistes dieses Leben ermöglichten.

Ich war wie im letzten Beitrag beschrieben im Tierheim und nutze für die Heimfahrt eine Bahn, die über das Bahnhofsgelände fuhr. In der Stadt waren Demonstrationen angekündigt. Die anderen Bahnlinien durchfahren diesen Bereich, sie könnten darin  stecken bleiben.  Darauf hatte ich keine Lust, war heute nicht auf Kampf links gegen rechts eingestellt. Gemütlich fuhr ich mit der Bahn an den Grünbereichen der Stadt vorbei. bis die Bahn abtauchte und die Bahnhofshaltestelle anfuhr. Dort hielt die Bahn länger als gewöhnlich, obwohl das Ein- und Austeigen schon beendet war. Ich saß auf einem Einzelplatz  und wartete auf Weitefahrt, als von rechts erst die Polizei und dann ein dicker Strom von Demonstranten die Haltestelle ausfüllten, es wurden mehr und mehr. “Wollen die mit Polizeischutz durch den Tunnel über die Bahngleise zum Stadtzentrum marschieren ?” fragte ich mich. “Einsteigen werden sie bestimmt nicht” Immer mehr Demonstranten rückten nach und schoben sich auf den Bahnsteig. “Umfallen kann nun niemand mehr”  dachte ich noch,. als die Türen der Bahn sich öffneten. Der Strom der Demonstranten rückte ein und schob sich in die Bahn.

Flüchten oder Bleiben? Das war die Frage, die ich zwar innerlich klären aber nicht mehr umsetzen konnte – plötzlich war ich mitten drin. So wie die Omas kurz zuvor flüchteten, das ging für mich nicht mehr. Die Massen schoben und schoben und schoben sich.

“Kommt rein, hier ist noch Platz” wurde die noch draußen stehenden aufgefordert,  nachzurücken. “Ob der Boden der Straßenbahn halten wird?” stellte ich mich als nächstes die ängstliche Frage. “Nicht dass der Boden wegbricht und die Bahn ohne uns weiter fährt, “Jetzt geht nichts mehr” eine Stimme aus dem Hintergrund stoppte den Zustrom. Gehorsam blieben die anderen draußen und warten auf die nächste Bahn, die 15 Minuten später einlaufen würde.

Nachdem die Türen geschlossen wurden, setzte sich auch schon die Bahn Richtung Ausfahrt aus dem Bahnhof durch den Tunnel in Gang, Nachdem wir die Dunkelheit des Tunnels verlassen hatte, wirkte die Enge in der Bahn  nicht mehr so bedrückend auf mich. Sind ja nur 3 Haltestellen, dann streift auch diese Bahn den Stadtkern. Ich bin sicher, dann sind alle wieder raus.

Pustekuchen..sie steigen nicht aus, bogen mit mir in Richtung Osten der Stadt ab. Ich denke an das Mahnmal für den damals 25 jährigen jungen Türken  Mehmet Turgut, der von der von der NSU-Terrorzelle vor 10 Jahren willkürlich hingerichtet wurde.  Wollten die Demonstranten diesen Ort aufsuchen?

In der Bahn blieb es ruhig, sogar zufällige Zusteiger drängten sich an den Haltestellen  in die Bahn. Das erste mal in meinem Leben werde ich mit Polizeischutz heim gebracht. Bündig folgte  die Polizei der Bahn. Auweia. Jetzt erst ging mir ein Licht auf. Sitz ich grade mitten unter den NDLern?

Die bekamen doch keine Genehmigung im Nordosten der Stadt aufzumarschieren. Aber  warum werden sie mit Polizeiaufgebot nun doch zum Nordosten geleitet?

An jeder Haltestelle eine Patrouille, die den Demonstranten zeigen sollten, wir behalten euch im Auge.

Wie beim Hase und Igel Wettlauf, sah es auch hier aus. Als die Bahn am Dierkower Kreuz eintraf, sah ich schon das Aufgebot, dass ich dort aufbaute. Nun wurde mir der Platz, auf den ich saß, dann doch zu heiß. ich drängte mich raus, während 2 Mädels quietschend sich in die knallvolle Bahn von Rechten drängten. Sie  fanden das wohl eher lustig und abenteuerlich.

Als ich auf den Bahnsteig stand und mich entfernte, weil ich den Rest des Weges auf Schusters Rappen  heim zu gehen, bekam ich erst mit, dass ich  von Demonstranten und Polizei umzingelt war.

Ich glaube, zu dem Zeitpunkt, als ich die Bahn verlies, war  anzahlmäßig mehr Polizei vor Ort, als Demonstranten in der Bahn.  Das wachende Auge des Staates schwebte auch über unseren Köpfen.

Das fliegende Auge schwebte noch stundenlang über unser Gebiet, niemand konnte eine Untat begehen, ohne von fliegenden Auge erfasst zu werden.Wie beruhigend. Ich zog heim und auf meinen Heimweg lag das Denkmal des jungen Türken, der heute 35 Jahre gewesen wäre und mit Sicherheit nicht die rechten unterstützt hätte.

Still und friedlich sah das Denkmal in der Sonne aus, Seid seiner Einweihung wurden ein paar neue Bäume gepflanzt. Das wird in Zukunft ein Ort des Innehaltens und Nachdenkens werden.

Später erfuhr ich, dass die NPDler von der Polizei umgeleitet wurden. Die S-Bahn war ausgefallen, denn ursprünglich wollten alle in den Nordwesten der Stadt. Ihre Kundgebung hielten sie in Dierkow ab und ein paar Splittergruppen nahmen dann doch noch Kurs aus das Denkmal, aber insgesamt blieb alles ruhig. Ich war froh, als ich heil wieder zu Hause ankam und dann irgendwann auch das Gedonner der Hobschrauberrotoren über mir  nicht mehr zu hören war.

Heute ist der 1.Mai 2014  wieder Vergangenheit und in nächsten Jahr mische ich mich lieber unter diese Menschen, dessen Gesinnung ich teile und diese ist auf keinen Fall rechts.

Ostseemaus