wie das Leben so spielt

Nur noch 3 Wochen, dann ist für mich das Trainingsjahr beendet. Neben dem Yoga bin ich ja noch im Kindersport unterwegs. Die jüngsten sind 3 Jahre und die ältesten 10 Jahre alt. Die meisten von ihnen kommen entweder selber oder werden von den Eltern, bzw. von den Erziehern aus den Tagesstätten in die Sporthalle gebracht. Andere wieder sammeln wir Trainer im Kindergarten eine und gehen mit ihnen in die Sporthalle, die fußläufig nach 20 Minuten erreicht ist.

Bei der Gelegenheit möchte ich meinen Hut vor den Erziehern ziehen, deren Job es ist, die lieben kleinen den ganzen Tag zu betreuen. Schon wenn ich an die Prozedur denke, wenn die Kinder sich ihre Sportsachen anziehen müssen. Das kann schon mal Ewigkeiten dauern, den Kinder sind schnell abgelenkt. Aber das ist es nicht allein. Die Wintersachen sind oft steif, die Reißverschlüsse der Anoraks lassen sich häufig nur schwer bewegen. Ein Kraftakt für Kind und Trainer oder Erzieher, jedes mal.

Zum Glück stehe ich nicht allein davor. Zum Kindersport müssen ab einer bestimmt Anzahl von Kindern immer 2 Trainer vor Ort sein. Und vor kurzem bekam ich , nachdem die Gruppenstärke wieder auf 20 gestiegen war, eine 2. Mann an die Seite gestellt. Ein netter junger Mann mit Format, der bis zum Beginn seiner Ausbildung sind im Kindersport nützlich machen will. Man sieht ihm das an, er kommt nicht aus Deutschland. Er spricht aber sicher deutsch und kann mit den Kindern gut umgehen. Ich glaubte, er käme auch Thailand und wäre ca. 25 Jahre alt. Gefragt hatte ich ihn aber nicht. Er ist auch als Sportler unterwegs. In seiner Heimat hätte er Kickboxen gemacht, so erzählte er mir. Aber in Rostock fand er keinen Sportverein dafür, also mache er „nur noch“ Boxen.

Später erfuhr ich von der Chefin des Vereins, das „M.“ erst 18 Jahre alt wäre und er seit 4 Jahren in Deutschland lebe. Er kam als unbegleiteter Minderjähriger aus Syrien nach Deutschland. Seine Familie sei bei einem Angriff gestorben. Alle weg. Ich war sprachlos und ich fragte mich, was ein Mensch alles aushalten kann, wenn er muss. Wenn ich an meine eigene Jugend denke und an die Jugend meiner Kinder in seinem Alter. Wir hatten nur „Grappen“ im Kopf, wie es bei Teenager halt so ist. Und dieser Junge hatte das schlimmste erleben müssen, was Mensch nur erleben kann. Den Verlust seiner ganzen Familie. Ihn hat das Leben jedenfalls böse mitgespielt. Und nun baut er sich ein Leben in Deutschland auf. Er will Tischler werden und damit kann er später in seiner Heimat eine Menge anfangen.

Als ich am selben Tag in einer Poststelle darauf wartete, dass ich dran kam, wurde ich ungewollt Zuhörer eines Gespräches zwischen Postkunden und der Angestellten. Er regte sich auf, weil er sein Paket von der Poststelle abholen musste. Irgendwas muss ja schief gelaufen, sonst hätte er sich mit seinem Gezeter nicht so lange aufgehalten. „Und dann kommen da noch Zusteller, die kaum deutsch sprechen“ bemerkte er.und er würde ihnen schon beibringen, wie man zustellt und deutsch spricht. Dabei konnte ich zusehen, wie sein Kamm im Nacken schwoll und höher und höher wurde. Seine Arroganz hatte noch Wachstumspotential. Er macht aus einen Furz einen Kanonenschuss und glaubt, dass das Leben ihm böse mitspielt.

Die Anstellte zog sichtlich den Kopf ein, versuchte dabei nicht, den Kunden zu widersprechen. „Sie und wir müssen es dann ausbaden“ Ich fragte mich, was wir wirklich ausbaden müssen und was so schlimm daran is wenn wir unser Päckchen nicht so pünktlich in die Hand bekommen, wie wir uns es vorgestellt haben.

Achja..allen Bloggern einen schönen 1. Advent.