Stubenhocker

Tag 12, seit dem Erlassen der Maßnahmen, die unser Leben wegen Corona so sehr einschränkt. In meinem Tagebuch bezeichne ich diese Zeit als Teilquarantäne, weil ich  seit letzten Samstag meine Wohnung nicht mehr verlassen habe. Statt dessen wurde nun meine Wohnung zum eingeschränkten Bewegungsraum, der sich sonst durch die ganze Stadt zog. Auf meinen Schrittzähler im Handy muss ich gar nicht mehr schauen. Aus den 5 bis 7 Kilometer Fußweg – ohne Kindersport in den Sporthallen, in denen ich ja auch genug Kreise zog – kommen nun täglich nur noch ein paar Meter zusammen.

Heute habe ich mich gefragt, warum ich so wenig Bock habe, vor die Tür zu gehen. Sind es die z.T. winterlichen Temperaturen, fehlt mir der Antrieb, weil ich keine Aufgaben mehr außer Haus habe? Oder finde ich an der Gammelei Gefallen? Heute kam ich drauf. Die Erkenntnis brauchte es, um in meinen Kopf vorzudringen. Wenn ich jetzt als Stubenhocker mutiere, dann nur aus einem einzigen Grund. In meinen 4 Wänden hat sich die Welt noch nicht verändert, vor der Tür aber schon. Die ungewohnte Einsamkeit auf den Straßen macht mir schmerzlich bewusst, wie sehr wir Menschen weltweit in einer schwierigen Situation stecken, aus der es für niemanden ein Entrinnen gibt. Akribisch verfolge ich die Fallzahlen in der Welt, in Mecklenburg-Vorpommer und Rostock. Zum Glück haben wir hier oben im Norden noch nicht soo viele Infizierte auf 100 000 Einwohner gerechet. Es sind immer noch unter 16. In Rostock wurden aktuell 50 Fälle gemeldet. Aber was macht das schon. Fängt das Leben wieder wie gewohnt an, wie wird der Verlauf der Infektionen sich dann darstellen ?

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Trotz alledem schlafe ich jede Nacht wie in Murmeltier, ohne dass ich von Albträumen geweckt werde. Naja..ein Albtraum weckte mich gestern schon. Ich hatte mein Händy auf einer Reise verloren. Ich saß im Reisebus und vertreib mir die Zeit mit dem Handy. Als es mir aus der Hand glitt, rutschte es durch eine Öffnung, die ich erst sah, als mein Blick dem Handy folgte. Ich konnte gar nicht glauben, dass mein Reisebus solch ein löchrigen Boden hatte, so das ich sogar ein Teil der Straße sehen konnte und das von meinem Sitzplatz aus. 

Ich stand jetzt vor der Entscheidung, entweder mein Handy sausen lassen oder meine Reise.Ich entschied mich für´s Handy und sprang aus dem fahrenden Bus. Komisch, warum war mein Handy mir so wichtig? Oder fand ich den löchrigen Boden zu suspekt? Er hätte ja auch durchbrechen können oder so. Naja.. als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und mein Handy auch wieder in meine Händen hielt. fand ich mich mitten in einer Gruppe von demontierenden Menschen wieder. Worum es den Demonstranten ging, konnte ich nach dem Aufwachen nicht mehr in meine Erinnerung zurück holen. Ich erinnerte mich nur daran, dass ich unentschlossen war, mich den Demonstranten anzuschließen. Als Traumdeuter kam man einiges an Erkenntnissen daraus ziehen. Eine Reise im Traum hat ja schon einen deutlichen Symbolwert. 

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Spatzen in der Morgensonne

Als erstes ging ich ich heute nach dem Aufwachen auf den Balkon und hielt die Spatzen mit meiner Kamera fest, die es sich in der Morgensonne gemütlich gemacht haben. Ansonsten waren nur die Hundehalter auf GassiGang und die jungen Eltern mit ihren Kleinkindern unterwegs. 

Aus dem Fenster

alte Geschichten aus Nachtgedanken

Die Aufzeichnung, die mir vor ein paar Tagen in die Hände fiel, lag 9 Jahre in meinem Regal in einem Schreibblock versteckt. Ich schrieb damals meine Gedanken nieder und nach 9 Jahren lesen sie sich, als hätte jemand anders die Hand geführt. Nicht, dass ich mich mit den Worten, die ich nieder schrieb, nicht mehr verbunden fühle, sondern weil ich damals wohl mehr in mein Inneres absteigen wollte, als heute.

„Lange nichts gehört“ 6.1.2011

„Mehr als Mitternacht vorbei und im Kopf ausgehöhlt, raffe ich mich doch noch auf, ein paar Worte über den Tag zu verlieren. Wie immer, ein Tag wie jeder andere – austauschbar und der Vergessenheit ausgeliefert., wie fast jeder Moment des Tages. Nur Erschütterungen oder erschütternde Ereignisse bleiben haften und auf ewgig mit der Erinnerung verbunden. Und diese häufen sich am Ende eines Lebens und lasten die Leichtigkeit der Seele, die Leichtigkeit mit der ich als junge Frau in mein Leben startete……… Was wollte ich alles aus meinen Leben machen, viele Pläne für mein Leben lagen schon auf der hohen Kante. Oh mein Gott, die meisten davon befinden sich heute noch verstaubt an jedem Ort, von dem ich nicht mal mehr weiß, wo er ist. Dort lagern sie heute noch, übereinander gestapelt und dich mit einer Staubschicht bedeckt und wie der Ort der Ablage mit den Jahren vergessen. ……………..Niemals hätte ich wider besseren Wissens damals gedacht, das ich den Lebensraum der Jugend verlassen werde. Mein leben dreht sich nur im Kreis, mit all seinen Erlebnissen, in die ich mich aus Neugier gestürzt habe. Das Leben erleben, was meine Devise. ………Doch heute sind all diese, für mich damals so wichtigen Erlebnisse verblasst und und kaum noch eine Erinnerung wert. Das ist eine Feststellung die ich mit diesem oberflächlichen Rückblick mache….Vielleicht findet sich beim stöbern das eine oder andere Erinnerungsstück, dass für eine längere Betrachtung geeignet wäre. …Ich lebte damals in einem geschützten Raum, den ich wenig später verließ und ich ganz andere Erfahrungen machen und unerfreuliche Ereignisse durchleben musste.……………………………………………

Ich schrieb diese Worte nach Mitternacht und die Gedanken flossen in ganz anderen Bahnen, als hätte ich sie tagsüber geschrieben. Die Nachtgedanken greifen halt Erinnerungen auf, die tagsüber im Dunkeln liegen und eher keine Rolle spielen.