große Reise ohne Rückkehr

Ich hatte mal vor einiger Zeit gelesen, dass es Menschen mitunter einfacher fällt, wenn sie in dem Moment allein sind. In dem Moment, wenn sie die Welt für immer verlassen. Vielleicht hat Jan Fedder sich deshalb entschieden, die Welt zu verlassen, wenn seine schöne Frau nicht zu Haus ist.

Man wusste ja aus den Medien, dass er zeitweise sehr krank war. Doch ich schöpfte Hoffnung, dass es mit ihm wieder aufwärts geht, als ich ihn kürzlich in einem Interview im Fernsehen sah. Mir fiel auf, dass seine Worte schnalzend klangen. Aber er war grade dabei zu erklären, warum es so war. Die Ärzte haben aber das bester daraus gemacht.

Doch das Jahresende hat er dann doch nicht mehr geschafft, ist noch vor Silvester gegangen. Der Aufschrei über seinen viel zu frühen Tod war deutschlandweit und er hinterlässt nicht nur seine trauernde Familie sondern auch eine große große Fangemeinde.

Ich sah Jan Fedder das erste mal nicht in seinen berühmten Klassikern – Das Boot und Großstadt-Revier – von denen heute immer die Rede ist, sondern in einer kurzen Fernsehproduktion. Sie lief vor vielen Jahren, daher erinnere ich mich an den Titel nicht mehr. Ein Schauspieler spielte in ein paar wenigen 10-Minuten-Kurzgeschichten immer die Hauptrollen, die dem Zuschauer nacheinander gezeigt wurden. Und jedes mal stellten dieser einen ganz anderen Charakter dar. Der Zuschauer bekam in kurze Zeit die breite Palette der Schauspielkunst zu sehen. Und Jan Fedder begeisterte mich damals über alles, denn seine Mimik in einer Szene ersetzten tausend Worte. Er hatte mir damit einen unvergesslichen Unterhaltungmoment geschenkt.

Ich könnte heulen, dass er schon viel zu früh gehen musste.

wie das Leben so spielt

Nur noch 3 Wochen, dann ist für mich das Trainingsjahr beendet. Neben dem Yoga bin ich ja noch im Kindersport unterwegs. Die jüngsten sind 3 Jahre und die ältesten 10 Jahre alt. Die meisten von ihnen kommen entweder selber oder werden von den Eltern, bzw. von den Erziehern aus den Tagesstätten in die Sporthalle gebracht. Andere wieder sammeln wir Trainer im Kindergarten eine und gehen mit ihnen in die Sporthalle, die fußläufig nach 20 Minuten erreicht ist.

Bei der Gelegenheit möchte ich meinen Hut vor den Erziehern ziehen, deren Job es ist, die lieben kleinen den ganzen Tag zu betreuen. Schon wenn ich an die Prozedur denke, wenn die Kinder sich ihre Sportsachen anziehen müssen. Das kann schon mal Ewigkeiten dauern, den Kinder sind schnell abgelenkt. Aber das ist es nicht allein. Die Wintersachen sind oft steif, die Reißverschlüsse der Anoraks lassen sich häufig nur schwer bewegen. Ein Kraftakt für Kind und Trainer oder Erzieher, jedes mal.

Zum Glück stehe ich nicht allein davor. Zum Kindersport müssen ab einer bestimmt Anzahl von Kindern immer 2 Trainer vor Ort sein. Und vor kurzem bekam ich , nachdem die Gruppenstärke wieder auf 20 gestiegen war, eine 2. Mann an die Seite gestellt. Ein netter junger Mann mit Format, der bis zum Beginn seiner Ausbildung sind im Kindersport nützlich machen will. Man sieht ihm das an, er kommt nicht aus Deutschland. Er spricht aber sicher deutsch und kann mit den Kindern gut umgehen. Ich glaubte, er käme auch Thailand und wäre ca. 25 Jahre alt. Gefragt hatte ich ihn aber nicht. Er ist auch als Sportler unterwegs. In seiner Heimat hätte er Kickboxen gemacht, so erzählte er mir. Aber in Rostock fand er keinen Sportverein dafür, also mache er „nur noch“ Boxen.

Später erfuhr ich von der Chefin des Vereins, das „M.“ erst 18 Jahre alt wäre und er seit 4 Jahren in Deutschland lebe. Er kam als unbegleiteter Minderjähriger aus Syrien nach Deutschland. Seine Familie sei bei einem Angriff gestorben. Alle weg. Ich war sprachlos und ich fragte mich, was ein Mensch alles aushalten kann, wenn er muss. Wenn ich an meine eigene Jugend denke und an die Jugend meiner Kinder in seinem Alter. Wir hatten nur „Grappen“ im Kopf, wie es bei Teenager halt so ist. Und dieser Junge hatte das schlimmste erleben müssen, was Mensch nur erleben kann. Den Verlust seiner ganzen Familie. Ihn hat das Leben jedenfalls böse mitgespielt. Und nun baut er sich ein Leben in Deutschland auf. Er will Tischler werden und damit kann er später in seiner Heimat eine Menge anfangen.

Als ich am selben Tag in einer Poststelle darauf wartete, dass ich dran kam, wurde ich ungewollt Zuhörer eines Gespräches zwischen Postkunden und der Angestellten. Er regte sich auf, weil er sein Paket von der Poststelle abholen musste. Irgendwas muss ja schief gelaufen, sonst hätte er sich mit seinem Gezeter nicht so lange aufgehalten. „Und dann kommen da noch Zusteller, die kaum deutsch sprechen“ bemerkte er.und er würde ihnen schon beibringen, wie man zustellt und deutsch spricht. Dabei konnte ich zusehen, wie sein Kamm im Nacken schwoll und höher und höher wurde. Seine Arroganz hatte noch Wachstumspotential. Er macht aus einen Furz einen Kanonenschuss und glaubt, dass das Leben ihm böse mitspielt.

Die Anstellte zog sichtlich den Kopf ein, versuchte dabei nicht, den Kunden zu widersprechen. „Sie und wir müssen es dann ausbaden“ Ich fragte mich, was wir wirklich ausbaden müssen und was so schlimm daran is wenn wir unser Päckchen nicht so pünktlich in die Hand bekommen, wie wir uns es vorgestellt haben.

Achja..allen Bloggern einen schönen 1. Advent.

Gruß aus dem Jenseits

Ich hab geträumt heut Nacht. Nein, nicht heute Nacht. Ich wurde wach und musste aber noch nicht aufstehen. Ich bin nur Frühaufsteher, wenn die Umstände das von mir verlangen. Haben sie heute aber nicht, heute ist Samstag. Also drehte ich mich wieder auf die Seite und schlief noch ein weiteres Stündchen in das Wochenende hinein. Deshalb träumte in der zweiten Runde meines Schlafes. Aber wie es mit den Träumen so ist, kaum hat man die Augen auf, schon sind sie ins Nirwana verschwunden. Zumindest für den ersten Teil des Tages.

Der Traum wollte wohl doch nicht unvergessen bleiben und brachte sich doch noch in Erinnerung. Ich war grade mit schwerem Einkauf über den Schulter hängend auf dem Heimweg vom Supermarkt. Wie aus dem Nichts kam ich eine Sequenz meines Traumes wieder in den Sinn.

Ich hatte von meinem Ex-Mann geträumt. Vor 2 Jahren lag er schwer erkrankt in der Klinik und verstarb nach wenigen Tagen dort. Ich war die letzte, die ihn noch lebend sah und war entsetzt, wie sehr die Krankheit ihm zugesetzt hatte. Auf den ersten Blick erkannte ich ihn nicht, auf den zweiten Blick auch nicht, erst auf den dritten Blick erkannte ich ihn an den Haaren. Doch ich war froh, dass ich ihn noch verabschieden konnte, auch wenn er nicht mehr bei Bewusstsein war. Unsere zwei gemeinsamen Kinder hatte uns für immer verbunden, auch wenn wir unser Leben nach 13 gemeinsamen Jahren getrennt verbrachten.

Zwei Jahre nach seinem Tod meldete er sich heute morgen wieder in meinem Traum zurück. Er war der junger stattliche Mann, den ich damals heiratete. Er hatte grade die 30 erreicht und ich war Mitte 20.. Damals fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, wie man sich fühlen mag, wenn man dem Tode nahe ist. Wir gingen logischer Weise davon aus, dass wir das Greisenalter erreichen würden, bevor das Thema aktuell werden würde. Hatte er ein Fünkchen Angst vor dem Tod? Ich antwortete unbekümmert: „Ich denke, das man sich dann unendliche müde fühlen würde und man froh wäre, dass man endlich die Augen schließen könne“ Ich verglich ein Menschenleben mit einem langen beschwerlichen Arbeitstag, an dem man am Ende des Tages todmüde ins Bett fallen würde. Das beruhigte meinen damals noch jungen Mann. Er legte sich ins Ehebett und schlief beruhigt ein. 7 Jahre später schlief jeder in seinem Bett, jeder an einem anderen Ort. Niemand von uns beiden konnte den anderen mehr verstehen und den Zusammenbruch der Ehe aufhalten. Einer hatte Groll auf den anderen, über viele Jahre lang. Aber der Tod verändert noch einmal alles.

Im Traum begegneten wir uns, als stünden wir noch am Anfang unsere Ehe. Er sah wirklich gut aus. Warum war mir das damals nicht aufgefallen? Vielleicht weil seine Gesichtszüge keine Groll mehr zeigten. Wir tauschten uns kurz über unsere missglückte Ehe aus. Weder er noch ich hatten einen Groll aufeinander, so dass alle bisher gemachten üblen Nachreden vom Winde verweht wurden. Ich erzählte ihm, dass unsere Kinder unser damals gemeinsam gebautes Haus verkaufen und ich seinem Esstisch, 4 Stühle und Waschmaschine übernommen hätte. Er war zufrieden, dass einige seiner Möbel in meinem Haushalt eine zweite Chance bekommen hätte. ER schwand dann wieder aus meinem Traum und ich wurde ein zweites mal wach.

Fast jeder Verstorbene meiner Familie tauchte ca. 2 Jahre nach seinem Tod in meinen Träumen auf, als wollte er mir zeigen, dass es ihm auf der anderen Seite gut gehen und ihr geschundener Körper wieder jugendlich frisch aussieht.

Vielleicht zeigen mir die Träume auch an, dass die Trauerarbeit über ihren Verlust in meinem Inneren abgeschlossen ist. Wenn letzteres der Fall ist, dass trage ich noch einen unerledigten Trauerfall in meinem Herzen, weil mein Groll dies verhindert ?