Es gibt kein Zurückspulen

Wieder und wieder sagte meine Cousine heute am Telefon diesen Satz. „Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben“ Ihre Stimme hab ich noch im Ohr und die ständige Wiederholung machte aus ihrer Feststellung für mich schon fast so was wie einen Glaubenssatz. Vielleicht wird dadurch ja auch die Realität zurückgespult und eine andere Entwicklung wird möglich gemacht? Vielleicht wäre ihre jüngere Schwester dann doch nicht gestorben, vielleicht hätte sie doch noch 20 Jahre Lebenszeit bekommen, oder sogar 30 Jahre? Zumindest hätte sie dann das Alter ihrer noch lebenden Mutter erreicht. Doch auch wie im Falle von meinem Cousin musste auch die Mutter meiner Cousine erleben, wie ihr Kind schon vorzeitig die Welt verlassen musste. Das Coronavirus gab meiner Cousine keine Chance mehr.

Der Anruf erreichte mich schon kurz nach Weihnachten: „D. ist gestorben“ Wie furchtbar so ein Satz klingt, für den, der ihn aussprechen muss, für den, der ihn hören muss. Zwei von meinen Verwandten verstarben im Abstand von nur wenigen Tagen. Wahrscheinlich wusste der eine von den anderen nicht, wie schlecht es dem anderen ging.

Wir wuchsen gemeinsam in einem Dorf auf der Insel Rügen auf, bevor das Leben uns in alle Winde zerstreute. Vielleicht standen uns wir deshalb nahe, denn wenn wir uns später trafen, sahen wir uns noch als Kinder, die wir damals waren. Erst im zweiten Blick rückte die erwachsene Person, die wir inzwischen waren, in der Mittelpunkt.

Vor 3 Wochen wurde meine Cousine – sie lebte im Berliner Raum – beigesetzt, doch ich entschied mich, nicht daran teil zu nehmen. Als Nicht-Autofahrer bin ich auf Bus und Bahn angewiesen und ich wollte nicht noch ein weiteres Trauerspiel möglich machen und mir auf der Bahnstrecke das neue mutierte hochansteckende Coronavirus aufnacken. Ich werde im Sommer ihre Grabstelle besuchen und mich von mir verabschieden. Und mit Sicherheit werde ich auch an den Glaubenssatz festhalten und wie ihre Schwester diesen als Stoßgebet in den Himmel schicken.: „Ich kann es nicht glauben. Ich kann es nicht glauben“. 😥😥 Noch einmal bestätigte mir heute meine Cousine am Telefon, dass es ihrer jüngeren Schwester trotz ihrer Erkrankung den Umständen entsprechend gut ging, wenn sie das Virus nicht bekommen hätte. Und es tut weh, wenn der eine oder andere sagt: „Sie wäre an ihrer Erkrankung sowieso gestorben“ zumindest hörte ich das im Zusammenhang mit dem Tod meiner Cousine des öfteren.

Mit den Toten sprechen kann ich nicht, doch mein Unterbewusstsein schickt mir mitunter versöhnliche Träume, die mir den Umgang mit denen, die nicht mehr da sind, leichter machen. So auch der Traum, den ich kürzlich von meiner Cousine träumte. Das sind die Art Träume, die ich immer in Erinnerung behalte, egal, wie viele Jahre vergehen. Ich sah meine Cousine zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester (beide verstarben schon vor 20 und 15 Jahren) in der Sonne stehen,. Sie unterhielten sich und winkten mir freundlich zu, als ob sie mir sagen wollten:“Es geht uns gut“ An dem Morgen danach fühlte ich mich eher beschwingt und die Heulkrämpfe ließen etwas nach.

Wohin geht die Reise ?

Das Karl Dall die Welt so plötzlich verlassen musste, damit hatte vermutlich kaum jemand gerechnet. Oh mein Gott, wie schnell der Tod einen Menschen doch heimsuchen kann. Ein schwacher Trost – Karl musste nicht leiden. Ich denke, jeder würde sich solchen einen schnellen Abgang wünschen. Ich jedenfalls würde diesen Wunsch definitiv auf meine Löffelliste setzten. Zumindest ist jetzt ein Spaßvogel mit seiner Reise im Promi-Himmel gelandet und die Engel haben nun was zu lachen.

Uns hat er ja auch viele spaßige Momente im Laufe der Jahre zurückgelassen, wie z.B. damals seinen Blödelgesang zusammen mit „Insterburg &Co.„, den wohl auch fast jeder kennt. Damals sah ich Karl das erste Mal im TV und dieser Auftritt von ihm bliebt bis heut in meinem Gedächtnis. Mehr Eigenwerbung geht für einen „Hit“ nicht. Noch heute kann ich über seinen uneitlen Auftritt lachen. 😂😂😂😂

Weniger zu lachen ist, das das Virus weiter unser Leben bestimmt und ich denke, das wir uns bis zum Sommer 2021 damit noch rumschlagen müssen. Wir Mecklenburger sind noch nicht so sehr davon überschwemmt, wie der Süden des Landes. Auf der Karte vom RKI sieht Deutschland auf dem Handy aus, als würde Deutschland im Fieber liegen. Tief dunkelrot der Süden und orange der Norden. Ich äußere einfach meine Vermutung, warum das „Fieber“ trotz Lockdown steigt. Bauen die Coronaleugner die Brücken für das Virus, die von Mensch zu Mensch geht? Das war bei mir nur so ein Gedanke, als man in den Nachrichten eine Demo von Querdenkern zeigte, die ohne Mundschutz und Anstand unterwegs waren. Natürlich ist das eine Unterstellung, aber ich wollte nur meine Vermutung äußern.

Dass wir Menschen für Pandemien wie die, die wir grade erleben, mitverantwortlich sind, wurde mir noch mal deutlich bewusst, als ich vor 3 Tagen Prof. Stefan Schaltegger in der abendlichen NDR-Sendung „DAS folgte. Er sprach von Zoonosen, d. h. ein Virus springt von Tier auf Mensch über, und ebenso kann das Virus von Mensch wieder auf das Tier überspringen und wieder zurück. Das Virus muss sich anpassen, also verändert es sich fortlaufend. Soviel zur Theorie.

Zu 2/3 tragen wir Menschen – so seine Erkenntnis – dazu bei, dass das Virus immer wieder unser Leben bedrohen kann.

  • Wir holen das Virus
    • Damit erwähnte er u.a. die Wildtiermärkte.  
  • Wir gehen zu den Viren
    • Beispiel..Urbarmachung von Sümpfen oder dichten (Ur)Wäldern, auf denen anschießend auch Nutztiere gehalten werden
  • Wir schaffen die Viren
    • Massentierhaltung, wie wir sie kennen. Tiere, wie Schweine und Kühe werden im unnatürlichen Raum gehalten und mit unnatürlichem Futter ernährt. Damit werden Brutherde für Krankheitserreger geschaffen, die unser Leben ebenfalls bedrohen können. 

Ich habe keine Probleme, diesen Argumenten zu folgen – ich bin auf dem Lande groß geworden – und sehe daher unsere Zukunft in einer Vision, die deutlich anders ist, als sie heute noch die Wirtschaftsbosse sehen. Mehr, Höher, weiter und und und. Die Superlative über die Superlative, bis nichts mehr geht.

Unser Konsumverhalten muss wieder gesünder werden. Nicht nur für uns Mensch, sondern auch für die Natur, dann lenkt auch die Wirtschaft ein und damit haben wir als Verbraucher auch unsere Zukunft in der Hand. Das ist unser bescheidener aber nicht unbedeutender Beitrag, den wir für unsere Zukunft und damit für unsere Nachkommen leisten können.

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große Reise ohne Rückkehr

Ich hatte mal vor einiger Zeit gelesen, dass es Menschen mitunter einfacher fällt, wenn sie in dem Moment allein sind. In dem Moment, wenn sie die Welt für immer verlassen. Vielleicht hat Jan Fedder sich deshalb entschieden, die Welt zu verlassen, wenn seine schöne Frau nicht zu Haus ist.

Man wusste ja aus den Medien, dass er zeitweise sehr krank war. Doch ich schöpfte Hoffnung, dass es mit ihm wieder aufwärts geht, als ich ihn kürzlich in einem Interview im Fernsehen sah. Mir fiel auf, dass seine Worte schnalzend klangen. Aber er war grade dabei zu erklären, warum es so war. Die Ärzte haben aber das bester daraus gemacht.

Doch das Jahresende hat er dann doch nicht mehr geschafft, ist noch vor Silvester gegangen. Der Aufschrei über seinen viel zu frühen Tod war deutschlandweit und er hinterlässt nicht nur seine trauernde Familie sondern auch eine große große Fangemeinde.

Ich sah Jan Fedder das erste mal nicht in seinen berühmten Klassikern – Das Boot und Großstadt-Revier – von denen heute immer die Rede ist, sondern in einer kurzen Fernsehproduktion. Sie lief vor vielen Jahren, daher erinnere ich mich an den Titel nicht mehr. Ein Schauspieler spielte in ein paar wenigen 10-Minuten-Kurzgeschichten immer die Hauptrollen, die dem Zuschauer nacheinander gezeigt wurden. Und jedes mal stellten dieser einen ganz anderen Charakter dar. Der Zuschauer bekam in kurze Zeit die breite Palette der Schauspielkunst zu sehen. Und Jan Fedder begeisterte mich damals über alles, denn seine Mimik in einer Szene ersetzten tausend Worte. Er hatte mir damit einen unvergesslichen Unterhaltungmoment geschenkt.

Ich könnte heulen, dass er schon viel zu früh gehen musste.