lass(t) mich in Ruhe

Ihre Fluchtdistanz hielt sie auf 15 m. Das entsprach der Breite der Sporthalle, in der wir uns aufhielten. Kam ich auch nur 2 Schritte näher, lief sie mit den Worten “Lass mich in Ruhe” in die nächste Ecke der Sporthalle. Sie wollte niemanden mehr an sich ran lassen, nicht näher als die Breite oder Länge der Sporthalle hergab.. Bewegten sich die Kindergruppe, die bereits schon mitten im Training war, in ihre Nähe, floh sie ebenfalls, Sie wollte niemanden in ihrer Nähe haben. Was hatte die Kleine so sehr in Aufregung versetzt?

Vor Beginn der Trainingszeit gab es Beschwerden über sie. Sie hätte dies und das gemacht. Alles sah für mich nach einen Ausraster aus und nicht zuletzt deshalb, weil die Mutter uns eine Info zukommen lies, bei der sie darauf hinwies, ihre Tochter wäre ab und zu schwierig im Umgang.

Nun war es also so weit. Bis data gab es keinen Vorfall, bei dem die Kleine aufgefallen wäre. Sie war neu in der Gruppe und ich sah sie gern an, weil sie ein echt hübsches Mädchen war. Einer ihrer Eltern kam nicht aus Deutschland, das war an den pechschwarzen Haaren und der dunklen Haut zu erkennen.

Das Kind, was in der Sporthalle vor uns davon lief, wirkte auf mich, wie ein Menschenkind das auf der Flucht war. Trotzdem musste ich darauf achten, dass sie nicht aus der Halle verschwand und vielleicht nach Hause flüchten wollte. Unsere Aufsicht als Trainer geht bis zum Ende der Trainingszeit und diese dürfen wir auch bei eine Konflikt nicht vernachlässigen.

Während meine Kollegin das Training weiter  fortsetzte, behielt ich die Kleine im Auge. Durch die Bewegung der Kindergruppe floh sie letztendlich aus der Halle. Ich musste ihr folgen und das nur, um sie zu bitten, sie möchte in der Halle bleiben und wenn sie kein Training mitmachen möchte, von der Zuschauertribüne ganz weit oben uns zuschauen.  Aber die Kleine floh durch die Gänge im Hinterland der Sporthalle. Sie versteckte sich in den Ecken oder in der Umkleidekabine. Auch wenn sie sich bedrängt fühlt, durfte und wollte ich sie mit ihrem aufgewühlten Gemüht nicht allein lassen .

Schließlich stoppte sie in  einem der Umkleideräume und lies mich nur ihre Hand sehen, der Körper verschwand hinter der Ecke. Ich versprach ihr, dass ich NICHTnäher kommen würde, wenn sie dort, wo sie jetzt ist, bliebe. Sie glaubte mir und blieb stehen. Ich erzählte ihr, dass  sie für mich immer ein hübsches Mädchen war, “aber heute sehe ich davon nichts mehr, von dem hübschen Mädchen” ich fragte sie, wo das hübsche Mädchen der letzte Tage geblieben war.  Sie begann zu weinen, konnte kaum sprechen. Ich sah nur ihre Hand und hörte ihre Stimme. So nach und nach erzählte sie mir von dem Streit, der sich beim Umkleiden in der Kabine ereignet hatte. Ein Mädchen der Gruppe hätte ihr die schwarzen Haaren und die dunkle Haus vorgeworfen. Sie weinte, der Raum bebte dabei, in dem sie sich aufhielt. Ich ging zu ihr und sie lies es zu. Mir wurde klar die Kleine fühlte sich verletzt und “rastete” deshalb aus.

Ich gab ihr zu verstehen, dass wir so etwas in unserer Gruppe nicht dulden werden und versicherten ihr unseren Beistand, wenn das noch einmal vorkommen würde. Mit ihr zusammen an der Hand kehrten wir in die Halle zurück, die Trainingsstunde war schon fast rum. Sie wollte auch die letzten Minuten nicht daran teilnehmen. Also lud ich sie ein, auf einer Matte in unserer Nähe zu sitzen. Das tat sie auch, versteckte aber immer noch ihren Körper hinter dem Sportgerät, das in der Nähe stand. Nebenbei erzählte sie mir, dass ihr Vater aus Indien wäre, sie ihn aber noch nie gesehen hätte. Sie wollte ihn auch nicht sehen, auch wenn er in Deutschlang lebt, erklärte sie mir mit großen Augen.  Ich dachte mir, daher könnte ihre Verletzlichkeit rühren.

Zügig informierte ich meine Kollegin, die das Training während meiner Abwesenheit leitete. Sie nahm die beiden Mädchen zusammen,  die während der Umkleidezeit aneinander geraten waren. Sie versprachen sich in die Hand, sich in Zukunft einander zu respektieren. Dem kleinen Mädchen versicherte ich noch einmal, dass sie uns vertrauen kann und ich denke, nach diesem Vorfall wird sie dies auch im Zukunft tun.

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durchsichtig ?

Ne Brille könnte ich schon gebrauchen, denn meine Augen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Aber wenn ich nicht grade die winzige kleinen Zahlen der Börse lesen muss, kann ich noch ganz gut sehen.

Doch stelle ich meine Sehfähigkeit trotzdem in Frage und kann mir nicht erklären, warum ich manchmal wie blind bin. Aber fang ich erst mal da an, wo meine Sehfähigkeit noch in Ordnung schien. Seid ein paar Monaten springe ich für einen fehlenden Trainer ein. Die kleinen Hasen sind zwischen 4 und 8 Jahre alt, da muss ein 2. Trainer mit in der Halle stehen. Mit aufpassen, antreiben, die Nase putzen, auf den Arm nehmen,wenn die Tränen laufen und auf den Schoß nehmen, wenn die Beine kurzzeitig nicht mehr mitmachen wollen.

30 Kinder und noch nicht kenne ich all ihre Namen, aber ihre Eigenarten schon. Kinder haben ja eine so deutliche Körpersprache und zusammen mit ihren Randbemerkungen, die sie hier und da mal fallen lassen, kann man sich bald ein Bild von ihrem noch kurzen Leben machen.

Einige Eltern begleiten ihre Schützlinge, schauen hinter der Brüstung zu, wie ihre Kleinen sich die Hacken ablaufen. Ein Vater ist fast immer dabei..deshalb kamen wir auch schon mehrmals ins Gespräch. Ich nutze ab und zu mal eine freie Minute, um den Eltern zu sagen, wie gut sich ihre Sprösslinge beim Sport machen. So kam ich auch mit dem Vater ins Gespräch. Er war immer sehr nett, machte auf mich einen schüchternen und saften Eindruck. So nebenbei erfuhr ich von meiner Kollegin – die Hauptrainerin – das er schon mal 5 Jahre in der Obdachlosigkeit gelebt hat.

Die DDR-Zeit kannte keine Obdachlosen und heute sieht man Obdachlose in Rostock auch keine. Sie verstecken sich und wenn es im Winter richtig knackig kalt ist, suchen Hilfskräfte nach ihnen, damit sie ihnen warmes Essen geben können. Doch, wie der Vater beweist, finden Menschen wieder aus diesem Leben raus und in ein normales Leben mit eigener Familie wieder zurück.

Doch was hat das alles mit meiner unerklärlichen Kurzsichtigkeit zu tun?

Schon mehr als einmal sah ich den Vater auf der Straße erst wenn ich an ihm vorbei war und das nur aus dem letzten Augenwinkel. Wahrscheinlich spürte ich nur seinen Blick und reagierte darauf. Schon 3 mal passierte mir dieses Missgeschick, obwohl ich soweit in seine Nähe kam, dass ich mit ihm mit den Augen oder direkt hätte sprechen können. Das letzte mal stand er plötzlich vor der Sporthalle vor mir, wie aus dem Nichts..so jedenfalls meine Wahrnehmung. Dabei stand er schon an Tür und wartete darauf, das die Halle geöffnet wurde.

Ich frage mich, warum ich den Mann auf der Straße erst nicht sehe und dann als Reflektion dann doch noch ? Jedes mal denke ich “Wo kommt er denn plötzlich her? “

Momentan sieht er mich nicht mehr an, wahrscheinlich ist er verärgert, was ich ganz gut nachvollziehen kann.

Ostseemaus

Fliegerposten

Was den Fußball betrifft bin ich dumm wie Bodenstroh. Ich hab 0 Ahnung und kann mit Sicherheit nur sagen, wenn ein Tor gefallen ist.

Und nicht ohne Schmunzel schau ich den Hansa Fans hinterher, wenn sie  sich zur Feier des Fußballtages verkleiden und die Pfingstochsen aussehen. Damit möchte damit keinen Hansa Fan zu nahe treten – sorry. Aber was den Tabellenplatz in der Liga betrifft, können sie wenig Einfluss nehmen. Außer anfeuern haben sie keine weitere Möglichkeiten.

Da sind der Trainer und die Mannschaft gefragt.

Für FC Hansa zeichnete die wieder mal eine Talfahrt ab. Sie seinen mit 9 Punkten  auf dem 14. Tabellenplatz gelandet. Das ist entschieden zu nah am Verliererposten.

Der Vorstand zieht die Reißleine und schmeißt den aktuellen Trauner raus.

Trainer Wolfgang Wolf wird gegen Trainer Marc Fascher ausgetauscht.

Das ist der übliche Weg, wenn eine Mannschaft in den unteren Reihen landet. Die Entlassung der Fußballtrainer ist in jedem Fall vorprogrammiert…denn nur einer kann gewinnen. Nur eine Mannschaft kann die Tabellenspitze erreichen.

So ein Trainer eines Fußballvereins befindet sich so oder so immer auf einem Fliegerposten. Kein leichtes Los.

Aber erst mal geht es mit Daumen hoch in die nächste Runde und auf den Erfolgskurs. Fascher wird´s schon richten.

Ostseemaus