Aufstieg

Man glaubt es kaum, aber auch im Trainingsbetrieb kann man Karriere machen. „Du bist jetzt die Stützpunktleiterin“ Meine Kollegin ist ab dieses Jahr in Trainer-Rente gegangen. Die hatte sich um alles gekümmert, was drum rum war, Anwesenheit feststellen, die Gespräche mit den Eltern führen und was es sonst noch zu regeln gab. Ich wollte aber noch weiter machen. Mit den Kindern arbeiten hält jung, schon allein, weil man sich immer wach sein muss, wenn man mit Ihnen arbeitet. !00% Präsenz ist das Minimum, was man aufbringen muss. Noch besser wären 200 – 300 %

Im August stand ich erst einmal ein paar Wochen mit den Kindern allein in der Sporthalle. Puhh..ich kann euch sahen, das war in den letzten Wochen ein richtiges Stück Arbeit. Steht man allein und ohne Plan vor den Kindern, dann „fressen“ sie einen und machen was sie wollen. Ab September kommt endlich der Zweitrainer mit in die Gruppe und dann wird s leichter. Der Zulauf ist groß, auf der Liste stehen schon 30 Kinder.

Gestern übergab ich erst mal die Gruppe an meine Vertretung, denn bei mir steht wieder Mallorca auf dem Plan.

Nach 2 Jahren sind wir reizenden Mädels wieder da, auf der Lieblingsinsel der Deutschen. Es wird in diesem Jahr alles eher verhalten ablaufen, aber immerhin, es geht wieder los. Ab September reist eher die ältere Generation an, d. h. die Mehrheit der Touristen sind wie ich im Rentenalter. Also werde ich morgen mit der Eurowings aufsteigen und mein Abendbrot schon im unserem geliebten Hotel einnehmen und anschließend die Füße hochlegen. 🤩😎

Viel mit Tanzen wird es noch nicht gehen, aber damit kann ich leben. Im Geiste nehme ich alle mit, die nicht mehr unter uns sind. Ich werde, wann immer es geh, in Liebe an sie denken und hoffen, dass es ihnen, da wo sie jetzt sind, genau so gut geht, wie mir.

Angesichts der Schicksale der drei Verblichenen, kann ich jedem nur raten, statt im Groll zu verharren, sich auf die Freude im Leben zu konzentrieren.

Nicht mit Schicksal gehadert

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht aus dem Moment kopfschüttelnd stehen bleibe und sie frage: „Wie kannst du nur einfach so sterben?“ Mal fühlt sich es sich wie ein Frage an, ein anderes mal wie ein Vorwurf: „Wie kannst du einfach so wegsterben?“ Was bleibt ist die Erinnerung an gemeinsame Zeiten und die Stimme, die immer noch durch meine Hinterkopf geistert. Ich höre sie so, als würde sie zu mir sprechen. „Du weißt, ich hadere nie mit meinem Schicksal“ sagt ihre Stimme aus dem jenseits dann zu mir.

Ihre Söhne schrieben alle per Mail an, die sie kannten, wann und wo ihre Besetzung sein würde. So bekam jeder, der es wollte, die letzte Gelegenheit, sich von ihr zu verabschieden. In dem Zusammenhang beschrieben sie für alle, die es noch nicht wussten, wie dramatisch schnell die Krankheit bei ihr verlaufen ist. Mitte April bekam sie die Diagnose und wie die Heilungschancen wären. Keine. Eine Therapie würde ihre Lebenszeit um wenige Monate verlängern. Also entschied sie sich mit vollem Bewusstsein gegen eine Therapie und lies es auf sich zukommen. Solange sie konnte, gönnte sie sich täglich noch ein Bratwurst. Anfangs gingen ihre Söhne mit ihr zum Strand, wo der Bratwurststand war, später fuhren sie sie mit dem Rollstuhl zum Bratwurststand. Bis auch das nicht mehr ging und ihre Söhne sie ins Hospiz brachten.

Ihr bleiben nur noch 10 Wochen um sich von Leben zu verabschieden. dann ging sie für immer. „Sie hat das beste daraus gemacht“ beschrieben sie Söhne die letzten gemeinsamen Wochen mit ihr. „Ich hadere nie mit meinen Schicksal“ klang wieder in meinen Ohren. Ich hoffe, ich habe später auch diese Kraft.

Sie wurde in der Nähe ihrer Wohnung beigesetzt. In einem kleinen Ort wie Graal-Müritz ist man vielleicht immer in der Nähe, egal, wo man wohnt. Ich fuhr mit zwei Bekannten mit, die sich so wie ich , auch von ihr verabschieden wollten. Als wir eintrafen, war die Feierhalle bereits voll. Sie war beliebt und es waren kurz überschlagen fast 100 Trauergäste dort. Die Söhne begleiteten ihre Mutter auf ihren letzten Weg und auch für ihre Beisetzung hatten sie das Zepter in der Hand. Der Jüngste hielt die Trauerrede und der Ältere spielte die Musik ein. Meinen Respekt. Noch einmal schritten mir gemeinsam durch ihre Leben, dass wie viele Leben auch von auf und nieder geprägt war. „Ich hadere nicht mit meinem Schicksal“ klang wieder in meinem Ohren.

Nein, sie hat nie geklagt und gejammert , sondern nimmer versucht, alles zu verstehen. Auch wenn dsie kopflastig war, war sie doch auch spirituell. Ihren Söhnen sagte sie, wie würde jetzt in eine andere Energie wechseln und immer noch da für sie sein.

Ihr Jüngster hielt die Trauerrede und sprach mit einer trauernden Stimme , er lies sie nicht im Tränen abgleiten. Er sprach von L….. und nur selten erwähnte es den Begriff „Mutter“, doch wenn er es tat, brach seine Stimme und die Worte blieben für ein paar Sekunden aus, bis er sie wiederfand. Seine Mutter liebte über alles die Ostsee und war eine Wasserratte vor dem Herren. Das spiegelte sich auch im Altar wieder, den die Jungs für sie echt seemännisch gestalteten. Neben ihrem Bild lagen die großen Schwimmflossen, mit denen sie sich noch schneller in der Ostsee bewegen konnten.

Und seemännisch sollte es weiter gehen. Man bat die Trauergemeinde mit einzustimmen und es erklang ein altes Seemannslied. Nur zögerlich und mit leisen Stimmen sangen wer wir mit, mit jeder Strophe wurden wir lauter und am Ende schunkelten wir mit. Satt einer Trauerfeier gingen alle noch einmal an ihren geliebten Ostseestrand und sprangen für sie noch einmal in die Fluten.

Auch wenn meine Freundin nicht mit ihrem Schicksal gehadert hatte, ich tue es mit ihrem viel zu frühen Tod immer noch und es wird noch eine Weile dauern, bis ich sie wirklich aus meinem Inneren gehen lassen kann. 😢😰

um die Persönlichkeit beraubt

„Mir bleibt ein schöner Sommer , solange es eben dauert“ schrieb meine Freundin mir vor 6 Wochen, nachdem sie 3 Wochen zuvor von ihrer fatalen Diagnose erfuhr. „Etwas später darfst du mich anrufen“ Also ließ ich 4 Wochen Zeit ins Land gehen, nicht nur, weil sie mich darum bat, sondern auch weil ich selber verreiste, um meine Schwester nach einer OP zu pflegen.

Bevor ich nach meiner Ankunft zu meine Freundin fahren wollte, erkundigte ich mich bei ihrem Ex-Mann nach ihren aktuellen Befinden. Als sie noch ein Paar waren, lebten wir im selben Haus. Nach ihrer Trennung verließ die Familie einer nach dem anderen das Haus, doch der Kontakt blieb weiterhin herzlich – zu beiden. Deshalb wollte ich über ihn erfahren, wie es gesundheitlich um meine Freundin steht.

Was er mir zu berichten hatte, wollte ich nicht hören, darauf war ich nicht vorbereite. Jeder Satz von ihm ließ mich innerlich stöhnend zusammensacken, tiefer und tiefer. „Sprechen kann sie nicht mehr“ oh mein Gott. „nur noch Handzeichen. Sie kann nicht mehr hören, nicht mehr laufen und bei meinem letzten Besuch hatte sie mich nicht mehr erkannt“. Meine Freundin wurde binnen kurzer Zeit durch ihre Erkrankung um ihre Persönlichkeit gebracht.

Noch einmal erzählen, wie in alten Zeiten, war nicht mehr möglich, wird nie mehr möglich sein. Ich hatte in der Vergangenheit meine Schwester während ihrer Krebserkrankung begleitet und daher eine andere zeitliche Vorstellung und außerdem hatte der Sommer ja erst angefangen. Nach dem Telefonat saß ich erst mal betreten auf meiner Couch und sah förmlich die Sterne um meinen Kopf kreisen, wie sie gern im Zeichentrick gezeigt werden, wenn einer ordentlich etwas auf die Rübe bekommen hatte.

Gleich darauf erfasste mich ein schwerer Konflikt. Besuche ich sie noch an ihrem Sterbebett und lebe die nächsten Jahre mit der Erinnerung an ihren geschundenen Körper und ihrer geschundenen Seele, ober behalte ich sie so in Erinnerung, als wir uns das letzte mal eher zufällig trafen, freundlich strahlend und liebevoll? Oder als wir das letzte mal im Februar diesem Jahres telefonierten, wie immer mit einem Ratschlag um die Ecke kommend. Niemand von uns konnte ahnen, dass es unsere letzten Begegnung sein sollte.

Ich gebe zu, mein Ar… ging auf Grundeis, bei dem Gedanken, sie zu besuchen. Ich war ja auf das, was ihr Ex mir zu ihrem Zustand sagte, nicht vorbereite und der Gedanken, sie derart geschunden zu sehen, machte mir Angst. Trotzdem bat ich ihn gestern, wenn er wieder zu ihr fahren würde, ob er mich dann mitnähme, so als moralische Stütze für mich. Ich wollte bei Ankunft kurz aus seinem Auto springen, schnell zu ihr ans Bett huschen und wenn ich den Anblick nicht mehr ertrage, das Zimmer wieder verlassen. Auch das wäre nicht mehr möglich, erklärte er mir heute. „Sie wurde gestern ins Hospiz gebracht. Unsere Söhne schaffen es mit ihrer Pflege nicht mehr“ und er empfahl mir, sie besser so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie als gesunde Frau kannte. Daraus kann ich schließen, dass nicht nur ihre Persönlichkeit von der Krankheit entfremdet wurde, sondern auch ihre körperliche Erscheinung schwer gezeichnet war.

Es ist wirklich zum heulen, zum heulen, zum heulen, zum heulen, zum heulen, zum heulen, heulen, heulen, heulen, heulen 😰😰😰😰😰😰😰😰😰