Dem Himmel so nah

Ich erinnere mich noch genau an dem Moment, als ich von der schrecklichen Nachricht erfuhr. Die Erde schien deshalb still zu stehen und die Menschen hatten nur noch Gesprächsthema, der Tod von Lady Di.

Ich arbeitete damals in der Immobilienbranche. Ende August, Anfang September fand in Rostock die Immobilienmesse statt und es war Sonntag. Ich war an dem Tag Standbetreuer für unsere Baufirma. Ich machte mich schon früh auf den Weg ans andere Ende der Stadt. Damals war man nicht permanent online, wie heute, als bekam ich bis zu meinem Eintreffen in die Messehalle nichts von den neusten Nachrichten mit. Auch am Morgen hörte ich weder Radio oder hatte vielleicht die Flimmerkiste laufen. Nichts dergleichen. Für mich war die Welt noch so,wie sie am Tag zuvor war.

In der Messehalle angekommen, begrüße mich mein Kollege mit den Worten: „Weißt du noch nicht, was passiert ist ?“ Er stand vor mir, die Arme vor dem Brustkorb verschränkt und schaute mich fragend an. „Nein, weiß ich nicht. Was ist denn passiert?“ „Lady Di ist tot“ er sah immer noch bestürzt aus. Mein Kollegen kannte ich als jemand, der sich nicht mit Yellopress und Königshäuser beschäftigte, diese Themen waren ihn zu banal und klatschträchtig. Aber der Tod von Lady Di muss ihn tief getroffen haben.  „Nein, das glaube ich nicht“ Ich erinnerte mich noch an den letzten Zeitungsartikel, denn ich über Lady Di las. Man veröffentlichte Urlaubsbilder. Lady Di war im Badeanzug zu sehen und saß auf dem Dach einer Yacht. Ich hatte sie gestern doch noch „gesehen“, wie kann das sein?

Bis heute ist mir der Moment noch genau in Erinnerung, als ich das erst mal vom Tod Dianas hörte.

Was die Welt erschütterte, konnte ich noch nicht glauben Erst als ich am Abend die Nachrichten dazu sah, begriff ist, dass das Unglaubliche doch passiert war Jeder, aber auch jeder Sender beschäftigte sich mit Dianas Tod. Und ich sah mir alle Beträge an, die ich zeitliche nacheinander sehen konnten. Ich hoffte, das ein Sender den Menschen sagen konnte, Diana hat den Unfall doch überlebt und ist auf den Weg der Besserung. Ich hoffte, man könnte die Zeit zurück drehen und die Fahrt würde im 2. Anlauf doch nicht tödlich verlaufen. Dem war aber nicht so.. was die Welt nicht glauben wollte. war passiert. Nach einer Woche kam die schreckliche Nachricht dann auch in meinem Innersten an.

Die Königin der Herzen  hat für immer die Welt verlassen

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für immer verlassen

„Das ist mit K. letzten Sommer ja auch schnell gegangen” Ich traf nach ewigen Zeiten zufällig eine Bekannte auf der Straße. Wir hatten uns ein gutes Jahr nicht mehr gesehen. Und wie das so ist, bringt man sich auf die Schnelle  über die Ereignissen der vergangen Zeit auf den Laufenden.

Ich erzählte vom dem fatalen Treppensturz meine Sohnes, den es nach 9 Wochen Reha erst wieder nach Hause brachte und am kommenden Montag zu seinem Arbeitsplatz bringen würde. Und meine Bekannte brachte mich über K. auf dem laufenden. Sie kennt K. vom Line-Dance und ich kenne K. seit 30 Jahren. K. wohnt im Nachbarhaus und war der Mann einer früheren Kollegin. Wenn K. und ich uns vorm Haus trafen, gingen wir nie an einander vorbei, ohne ein paar Worte zu wechseln. Wir hatten eines gemeinsam. Wir zogen mit unseren Familien in den damals grade fertig gestellten Wohnblock, der zum Teil noch Baustelle war. 30 Jahre teilten den selben Ausblick aus unseren Wohnungen

Fast alle Mieter von damals suchten schon das Weite. Neubaublöcke waren zu DDR Zeiten noch beliebt, nach der Wende versuchten sehr viele wieder in die Innenstadt zu komme. Nur K. und ich gehörten nur noch zu “Erstausstattung”. Wir hatten also eine gemeinsame 30 jährige Geschichte.

Auch wenn ich K. nicht persönlich vor dem Haus traf, ich wusste, wann er zu Hause war und wann nicht. Der fuhr seit einer gefühlten Ewigkeit den orange farbenen Transporter names “…Sonnenschein” , wie auf dem Foto zu sehen ist. K. brachte damit behinderte Kinder von A nach B.

Doch was geschah mit K.. Was ging im letzten Jahr mit ihm so schnell? Ich ahnte nichts gutes.”Du willst doch nicht etwa sagen…“? , Was ich ahnte aber nicht zu glauben wagte und schon gar nicht aussprechen, Sie bestätige mir. “Ja. es stimmt. K. ist letztes Jahr überraschend verstorben. Von jetzt auf Gleich, sozusagen” Das war wirklich eine Schreckendnachricht für mich, denn K. war ne ganze Ecke jünger als ich.  Und das Schlimme für mich war, ich hatte es nicht bemerkt. Denn erst  just in dem Moment, als ich von seinem Tod erfuhr, fiel mir auf, dass ich K. nicht mehr gesehen und schon gar nicht mehr gesprochen hatte und das das  der orangene Transporter auch nicht mehr auf dem gewohnten Platz stand. Mit einem mal begriff ich, K. war tot, . K. wahr schon vor einem Jahr gegangen. Das kann doch nicht wahr sein, aber es war so. Grade vor ein paar Tagen hatte ich Sohnemann mit einem Schmunzeln erzählt, wie K. sich eine Freundin nach der anderen aus dem Internet geholt hatte.

Weil ich K. schon so lange kannte, wusste ich auch einiges aus seinem Privatleben,. Es war nicht einfach. Als ich seiner gedachte, fiel mir auf, das er im Grunde ein verlassenes Kind und später ein verlassener Mann  war. Erst verließ der Vater die Familie, damals war  K.  noch ein Kind.. Darauf hin stürzte die Mutter sich in Alkohol, vom dem sie Zeit ihres Lebens nie wieder weg kommen sollte. Nach seiner Familiengründung, aus dem 2 Kinder hervor gegangen sind, verließ seine Frau nach 7 oder 8 Jahren Ehe ihn. Kurze Zeit später brach seine geliebte Tochter den Kontakt mit ihm ab und verweigerte damit auch den Kontakt zu seinem Enkelkind.

Seither bemühte K. sich um eine Partnerin, was im Internetzeitalter dem Single gar nicht mehr so schwierig ist, Datingportale gibt es ja genug und so sah ich K. immer mal wieder mit einer “Neuen” im Arm, sie wechselten aber immer.Die letzte Frau, von der er mir erzählte, war alkoholabhängig und K. glaubte, sie vor dem Untergang retten zu können. Und K. erzählte mir, wie traurig er war, weil seine geliebte Tochter eine Großmutter “mietete”, die auf ihr Baby aufpassen sollte. K. erfuhr darüber über das lokale Fernsehen. Damals startete man ein Projekt in der Stadt, bei dem Omas oder Opas auch sich um Kleinkinder kümmern würden, wenn die Jungeltern keine Zeit hatten. K. tat mir unendlich leid. Er war wirklich von allen verlassen worden, die zu seiner Familie gehörten.

Ich hoffe für K., dass er trotz alledem auf seine Weise glücklich geworden ist, denn ich erlebte ihn nie niedergeschlagen

Ruhe in Frieden K. Sad smile

nur schwer zu fassen

Ich zermartere mir grade das Hirn und finde darin nur den einen Satz „Wenn du nicht weißt, worüber du schreiben willst, dann lass es sein“ Es einfach lassen, das wäre eine Möglichkeit. Immerhin konnte ich diesen Satz aus meinen Hirnwindungen ziehen. Hat Goethe den bedeutenden Satz gesagt? Ich weiß es nicht genau, aber einer von den großen Dichtern hat es gesagt. Dennoch verharre ich weiter vor dem „unbeschriebenen Blatt“ und warte auf das, worauf sich mein Kopf einschießen könnte

Komisch, warum halten sich bestimmte Sätze in einem Kopf auf der 1.Seite meines Gedächtnisses und andere wieder fallen einfach durch ein Sieb? Werden auf nimmer Wiedersehen verschüttet? Nach welchen System ordnet mein Kopf die Dinge, an die ich mich schnell wieder erinnern oder besser schnell wieder vergessen sollte  Ich habe keine Ahnung, aber es geschieht. Mein Kopf sortiert vor „Die guten ins Töpfchen, sie schlechten ins Kröpfchen“

Und es gibt Ereignisse, die sich für immer in Erinnerung fest einschreiben und sich nicht über das Sieb für Grobes verschütteln lassen. Das Jahr 2016 hatte einiges davon. Nicht nur in den Reihen des Promis hat der Sensemann gewütet, nein, auch in den eigen Reihen hat er seine Sense eingesetzt. Gleich zwei Männer hat es im letzten Jahr getroffen.

Ich nenne sie  „Ernst“, weil sie beide die selben Vornamen tragen Der ältere Egon zog sich im Geiste schon vor Jahren zurück. Er erkrankte an Demenz und vielleicht war sein Tod auch eine Erlösung für ihn. Aber Kafka brachte es auf den Punkt.

Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt trotzdem, wenn es passiert ist

Selbst wenn man auf den Tod vorbereitet ist, man erschrickt und ist bestürzt, wenn es doch passiert. Im Sommer verstarb der Vater unserer Kinder.

Was mag im Menschen vor sich gehen, wenn er auf dem Tod eines nahen Angehörigen nicht vorbereitet ist?

Wenn dieser am Morgen wie jeden Tag zur Arbeit geht, den Nachmittag aber nicht mehr überlebt? Wenn ihm sein Leben gewaltsam durch einen anderen genommen wurde? Durch einen, oh meine, durch 10 Schüsse wurde den Mann das Leben genommen. Mir fällt kein Gefühl dafür ein, das in solch einem Moment  vorherrschend sein kann. Selbst Entsetzen und Bestürzung ist zu milde ausgedrückt. Ist es Wut, Hass, Rache, Ohnmacht, Trauer? Ich denke, eine Überlagerung all dieser Gefühle und die Verarbeitung der blutigen Tat  hat für die Angehörigen noch gar nicht beginnen können. Der Getötete, der Schwager meiner Schwester, wurde aus dem Leben gerissen werden, das hatte ein anderer für ihn entschieden.

Jetzt weiß ich, warum ich vorhin so schwer in die Gänge kam. Ich wollte über den Tod schreiben und dieses Thema fließt nicht so locker flockig über die Tastatur. Ich  konnte noch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Mit Schreckenstaten hat sich das Jahr 2016 verabschiedet und mit Schreckenstaten hat das Jahr 2017 begonnen.