Lametta muss ran

Ganz so schick, wie auf dem Titelbild sieht mein Weihnachtsbaum nicht aus. Aber was ist schon schick. Das legt ja der eigene Geschmack fest. Für mich war vorgestern noch gar nicht klar, ob ich überhaupt einen Baum aufstelle oder ob ich in diesem Jahr mit ein paar Tannenzweigen meine Wohnung weihnachtlich schmücke. Wäre es nach Sohnemann gegangen „Deko zu Weihnachten? Nicht nötig.“ „Okay, dann nur ein paar Zweige. Schließlich sollen die Weihnachtstage sich vom Alltag unterschieden“

Doch „höhere Mächte“ hatten es anders für uns geplant. Der Netto Supermarkt bot am Dienstag die letzten Weihnachtsbäume für 1 € an. 1 € ? Die sparsame Hausfrau entschied: „Den nehmen wir“ Die Entscheidung fiel unverzüglich. Nach 4 Stunden Suche fand ich endlich auch den Tannenständer im Keller. Nun ist mein Keller gründlich aufgeräumt und der Baum schmückt die Wohnzimmerecke und verbreitet Weihnachtsstimmung.

Er sollte schlicht aussehen, auf Wunsch des einzelnen Herren, der eigentlich gar kein Tannenbaum wollte, nur eine Lichterkette und weiße Weihnachtskugeln. Wenn schon keine weiße Weihnacht, dann wenigstens einen weiß geschmückten Baum. Wegen der Fransel ließ ich das Lametta weg. Für den einzelnen Herren, der eigentlich keinen Tannenbaum wollte, undenkbar, ein Tannenbaum ohne Lametta. „Lametta muss ran“ reklamierte er meinen ersten Entwurf. Glücklicherweise hatte ich noch ein paar Fransel Lametta aus dem vergangenen 30 Jahren übrig. Gleichmäßig verteilt lassen sie den Baum mit etwas Fantasie verschneit aussehen.

Ich wünsche allen Bloggern ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest. Entspannte Tage im Kreis der Familie, auch wenn der Kreis in diesem Jahr nur klein sein darf.

es weihnachtet sehr

Gestern hörte ich so im vorbeigehen im Radio, dass die Telefonseelsorge an den Weihnachtstagen Hochkonjunktur hätte. Die Mitarbeiter sollten pro Gespräch eine gute Stunden einplanen und gut im Zuhören geübt sein. Daher müssten noch zusätzliche Mitarbeiter über die Feiertag diesen schwierigen Job mit übernehmen. An diesen Tagen werden demnach viele Menschen von ihren Gefühlen überrollt. Vor ein paar Tagen hatte sogar ein Gast des Hotel Neptun seinen Gefühlen freien Lauf gelassen und sein Leben dort beendet. Oh, wie schrecklich und traurig für alle, die ihn von nun an vermissen werden und deren Tränen in Trauer um ihn unter den Weihnachtsbaum fließen werden. Es sei denn, der Gast hatte niemanden (mehr), der ihm eine Träne nachweint.

Aber wieder zurück zur Telefonseelsorge, deren Aufgabe es ist, Menschen über einen kritischen Punkt zu helfen, damit es nicht zu solch einer traurigen Eskalation kommt. Zu den Weihnachtstage gibt es , so ein Mitarbeiter, zwei große Schwerpunktthemen. Entweder, weil die Menschen an den Tagen allein sind und niemanden haben, oder weil die Familie anrück und sie deshalb in Stress kommen. Entweder zu wenig oder zu viel. Gar nicht so einfach der Mensch und sein Leben, dass er ja Tag für Tag lebt und organisiert.

Meine Weihachten hatte ich sich seit ein paar Jahren gravierend geändert. Der große „Familienauflauf“ , wie ich ihn immer liebte, findet nicht mehr statt. Der zentrale Sammelpunkt war damals unser Elternhaus und seit es unsere Eltern nicht mehr gibt, bröckelt es, was das Weihnachten in der erweiterten Familie betrifft. Ich bleibe in der Nähe von Sohnemann, der sonst niemanden hat, der auf ihn wartet, wenn er nach der Arbeit – Gastronomie – erst weit nach Mitternacht heim kommt.

Also fuhr ich gestern mit Sohnemann nach Warnemünde und machte dort einen Spaziergang an der frischen Ostseeluft. Er ging in sein Restaurant und ich ganz allein mit mir und meinen Gedanken den alten Strom entlang.

An solch einem Tag bzw. Nachmittag wie heilig Abend hat man Warnemünde fast für sich allein. Nur hier und da ein paar Glühweinstände, die gut besucht wurden.

Ansonsten waren die Straßen leer. Auch nicht schlecht, solch einen gut besuchten Ort wie Warnemünde mal fast für sich allein zu haben.

Man entdeckt , wenn etwas anderes läuft, als sonst, immer mal was neues, auch an sich. Ich rechnete mit einer aufkommenden Traurigkeit, weil ich den Rest des Tages und Abends allein verbringen musste. Der Tannenbaum stand geschmückt im Wohnzimmer und die Geschenke standen darunter, wie in Millionen anderen Wohnzimmern auch. Die Bescherung sollte aber erst stattfinden, wenn Sohnemann wieder heim kam. Dafür sollte es 2 Uhr werden. Das Restaurant, würde bis Mitternacht offen haben und die Küche wurde angewiesen, diese nicht vorher zu schließen. Also würde ich bis zur Übermüdung allein sein. Würde sich die Traurigkeit später einstellen?

Eine Traurigkeit, auch nicht unterschwellig, setze auch später nicht ein. Ganz im Gegenteil, ich genoss das Alleinsein und vermisste den Stress, vor Weihnachten gar nicht. Vielleicht hatte ich alles, was mit großen Familientreffen zu tun hat, schon damals abgearbeitet, als meine Eltern noch lebten. Ich partizipiere davon heute noch. Ich beame mich einfach in die Zeit zurück, erinnere mich an das Gefühl, dass ich damals hatte und habe aktuell wieder das Gefühl einer fröhlichen Weihnachten in mir.

So ganz allein verstrich der Abend dann aber doch nicht. Dank der Smarthphone und Facetime zeigten meine Enkelkinder mir,was sie von ihren Eltern bekommen haben. Damit hatten sie eine gute Stunde zu tun. Morgen kommt eine meiner Enkeltöchter dann schon mit dem Zug zu mir. Sie will mit ihrer Oma ein paar Tage ganz allein sein und 2 Tage später darf dann die große Schwester nachkommen. Mit den zwei reizenden Enkelkindern und Schwestern verbringe ich dann den Rest des Jahres. 😀

Ich wünsche allen Bloggern und Lesern ein schönes Weihnachtsfest und eine entspannte Zeit mit denen, mit denen ihr gern zusammen seid.

Männerstress

Heute hab ich mich noch mal auf den Rostocker Weihnachtsmarkt gewagt. Das Wetter und die letzten Weihnachtseinkäufe haben heute viele Menschen in die Einkaufsstraße gelockt. Die Straßenbahnen waren voll, die Geschäfte waren voll und die Straßen waren voll. Neben der Weihnachtsmusik, die von den Schaustellern unter die Menschenmassen gedonnert wurde, konnte ich ganz deutlich auch das Quengeln der Kinder und das Knurren der Männer raus hören. Sie hatten wirklich Null-Bock auf das Gewühl in den Geschäften, während die Frauen sich mit Freude ins Getümmel stürzen.

Ich ging mit dem Menschenstrom ins größte Einkaufszentrum von Rostock, das „KTC“. Vor mir gingen zwei Männer. Einer von ihnen hielt sein Kind an der Hand. Ich schnappte die wenigen Worte auf : „Wenn ich Massen schon sehe, die alle KTC strömen“ knurrte einer von ihnen. Der andere bestätige den Stress, dem auch er sich nicht entziehen konnte. Wahrscheinlich waren ihre Frau schon im Einkaufszentrum und sie folgten ihnen brav. Ich konnte mit etwas Fantasie ihre aufgestellten Haare sehen. Aber mit gefangen, mit gehangen .

Wenig später. Ich hatte Hunger und kaufte mir eine Bratwurst mit Pommes und Currysoße. Obwohl die Kröpeliner Straße voller „Fressbuden“ stand, auch der Bratwurststand – Fränkis Currybratwurst- hatte voll zu tun. Ich musste mich schlank machen, damit ich an einem Stehtisch mein Essen abstellen konnte. Und auch hier wurde ich ungewollter Mithörer eines Gesprächs. Zwei Frauen und ein Mann gönnten sich wie ich eine kleine Mahlzeit zwischendurch. Kaum hatte der Mann den letzten Rest seiner Bratwurst verdrückt, verdrückte er sich . „Oder soll ich mit euch mitkommen?“ frage er höflich aber unlustig die beiden Frauen, die er begleitet. „Oh nein, du wärst uns nur ein Klotz am Bein“ . Erleichtert zog der Mann Leine, nachdem sie einen Zeitpunkt vereinbart hatten, wann sie sich wieder treffen wollten. Die Frauen nahmen sich 2 Stunden Zeit für ihren Einkaufsbummel und er bekam 2 Stunden frei zum bummeln.

Anstehen musste man heute überall. Egal, ob an der Kasse oder an der Toilette, ja, ich musste mich sogar an eine lange Schlange zum Geldautomaten anstellen.