es weihnachtet sehr

Gestern hörte ich so im vorbeigehen im Radio, dass die Telefonseelsorge an den Weihnachtstagen Hochkonjunktur hätte. Die Mitarbeiter sollten pro Gespräch eine gute Stunden einplanen und gut im Zuhören geübt sein. Daher müssten noch zusätzliche Mitarbeiter über die Feiertag diesen schwierigen Job mit übernehmen. An diesen Tagen werden demnach viele Menschen von ihren Gefühlen überrollt. Vor ein paar Tagen hatte sogar ein Gast des Hotel Neptun seinen Gefühlen freien Lauf gelassen und sein Leben dort beendet. Oh, wie schrecklich und traurig für alle, die ihn von nun an vermissen werden und deren Tränen in Trauer um ihn unter den Weihnachtsbaum fließen werden. Es sei denn, der Gast hatte niemanden (mehr), der ihm eine Träne nachweint.

Aber wieder zurück zur Telefonseelsorge, deren Aufgabe es ist, Menschen über einen kritischen Punkt zu helfen, damit es nicht zu solch einer traurigen Eskalation kommt. Zu den Weihnachtstage gibt es , so ein Mitarbeiter, zwei große Schwerpunktthemen. Entweder, weil die Menschen an den Tagen allein sind und niemanden haben, oder weil die Familie anrück und sie deshalb in Stress kommen. Entweder zu wenig oder zu viel. Gar nicht so einfach der Mensch und sein Leben, dass er ja Tag für Tag lebt und organisiert.

Meine Weihachten hatte ich sich seit ein paar Jahren gravierend geändert. Der große „Familienauflauf“ , wie ich ihn immer liebte, findet nicht mehr statt. Der zentrale Sammelpunkt war damals unser Elternhaus und seit es unsere Eltern nicht mehr gibt, bröckelt es, was das Weihnachten in der erweiterten Familie betrifft. Ich bleibe in der Nähe von Sohnemann, der sonst niemanden hat, der auf ihn wartet, wenn er nach der Arbeit – Gastronomie – erst weit nach Mitternacht heim kommt.

Also fuhr ich gestern mit Sohnemann nach Warnemünde und machte dort einen Spaziergang an der frischen Ostseeluft. Er ging in sein Restaurant und ich ganz allein mit mir und meinen Gedanken den alten Strom entlang.

An solch einem Tag bzw. Nachmittag wie heilig Abend hat man Warnemünde fast für sich allein. Nur hier und da ein paar Glühweinstände, die gut besucht wurden.

Ansonsten waren die Straßen leer. Auch nicht schlecht, solch einen gut besuchten Ort wie Warnemünde mal fast für sich allein zu haben.

Man entdeckt , wenn etwas anderes läuft, als sonst, immer mal was neues, auch an sich. Ich rechnete mit einer aufkommenden Traurigkeit, weil ich den Rest des Tages und Abends allein verbringen musste. Der Tannenbaum stand geschmückt im Wohnzimmer und die Geschenke standen darunter, wie in Millionen anderen Wohnzimmern auch. Die Bescherung sollte aber erst stattfinden, wenn Sohnemann wieder heim kam. Dafür sollte es 2 Uhr werden. Das Restaurant, würde bis Mitternacht offen haben und die Küche wurde angewiesen, diese nicht vorher zu schließen. Also würde ich bis zur Übermüdung allein sein. Würde sich die Traurigkeit später einstellen?

Eine Traurigkeit, auch nicht unterschwellig, setze auch später nicht ein. Ganz im Gegenteil, ich genoss das Alleinsein und vermisste den Stress, vor Weihnachten gar nicht. Vielleicht hatte ich alles, was mit großen Familientreffen zu tun hat, schon damals abgearbeitet, als meine Eltern noch lebten. Ich partizipiere davon heute noch. Ich beame mich einfach in die Zeit zurück, erinnere mich an das Gefühl, dass ich damals hatte und habe aktuell wieder das Gefühl einer fröhlichen Weihnachten in mir.

So ganz allein verstrich der Abend dann aber doch nicht. Dank der Smarthphone und Facetime zeigten meine Enkelkinder mir,was sie von ihren Eltern bekommen haben. Damit hatten sie eine gute Stunde zu tun. Morgen kommt eine meiner Enkeltöchter dann schon mit dem Zug zu mir. Sie will mit ihrer Oma ein paar Tage ganz allein sein und 2 Tage später darf dann die große Schwester nachkommen. Mit den zwei reizenden Enkelkindern und Schwestern verbringe ich dann den Rest des Jahres. 😀

Ich wünsche allen Bloggern und Lesern ein schönes Weihnachtsfest und eine entspannte Zeit mit denen, mit denen ihr gern zusammen seid.

Männerstress

Heute hab ich mich noch mal auf den Rostocker Weihnachtsmarkt gewagt. Das Wetter und die letzten Weihnachtseinkäufe haben heute viele Menschen in die Einkaufsstraße gelockt. Die Straßenbahnen waren voll, die Geschäfte waren voll und die Straßen waren voll. Neben der Weihnachtsmusik, die von den Schaustellern unter die Menschenmassen gedonnert wurde, konnte ich ganz deutlich auch das Quengeln der Kinder und das Knurren der Männer raus hören. Sie hatten wirklich Null-Bock auf das Gewühl in den Geschäften, während die Frauen sich mit Freude ins Getümmel stürzen.

Ich ging mit dem Menschenstrom ins größte Einkaufszentrum von Rostock, das „KTC“. Vor mir gingen zwei Männer. Einer von ihnen hielt sein Kind an der Hand. Ich schnappte die wenigen Worte auf : „Wenn ich Massen schon sehe, die alle KTC strömen“ knurrte einer von ihnen. Der andere bestätige den Stress, dem auch er sich nicht entziehen konnte. Wahrscheinlich waren ihre Frau schon im Einkaufszentrum und sie folgten ihnen brav. Ich konnte mit etwas Fantasie ihre aufgestellten Haare sehen. Aber mit gefangen, mit gehangen .

Wenig später. Ich hatte Hunger und kaufte mir eine Bratwurst mit Pommes und Currysoße. Obwohl die Kröpeliner Straße voller „Fressbuden“ stand, auch der Bratwurststand – Fränkis Currybratwurst- hatte voll zu tun. Ich musste mich schlank machen, damit ich an einem Stehtisch mein Essen abstellen konnte. Und auch hier wurde ich ungewollter Mithörer eines Gesprächs. Zwei Frauen und ein Mann gönnten sich wie ich eine kleine Mahlzeit zwischendurch. Kaum hatte der Mann den letzten Rest seiner Bratwurst verdrückt, verdrückte er sich . „Oder soll ich mit euch mitkommen?“ frage er höflich aber unlustig die beiden Frauen, die er begleitet. „Oh nein, du wärst uns nur ein Klotz am Bein“ . Erleichtert zog der Mann Leine, nachdem sie einen Zeitpunkt vereinbart hatten, wann sie sich wieder treffen wollten. Die Frauen nahmen sich 2 Stunden Zeit für ihren Einkaufsbummel und er bekam 2 Stunden frei zum bummeln.

Anstehen musste man heute überall. Egal, ob an der Kasse oder an der Toilette, ja, ich musste mich sogar an eine lange Schlange zum Geldautomaten anstellen.

Kopfkino

Winterzeit, Kinozeit. Kinozeit ? Also wenn man am Wochenende und an Feiertagen in der Innenstadt von Rostock ins Kino gehen will, dem rate ich, nicht auf den letzten Drücker zu kommen. Vor 4 Wochen musste ich sogar einen Film sausen lassen, weil ich auf den allerletzten Drücker kam und eine lange Warteschlange vor mir hatte. Den Anfang des Filmes auch mitzubekommen, wäre bei der Schlage aussichtslos gewesen. Ich hätte mich wie zu Hause auf der Couch vor dem TV nur mitten drin reinzappen können, aber das wollte ich nicht. Aber ich hatte dazu gelernt : Nicht auf den letzten Drücker kommen.

Gestern war ich wieder im Kino. Und damit ich nicht den Anfang verpassen, stand ist schon eine Stunde vor Filmstart am Kinoschalter und sicherte mir meinen Platz. Man weiß ja nie. Der Weihnachtsmarkt war vollen Menschen und wenn nur ein paar davon einen Abstecher ins Kino machen wollten, wäre das Kino 4 voll gewesen.

Ich wollte mir den Film „Last Christmas“ ansehen. Ja..es wurde nach dem berühmtestem Song von und mit George Micheal benannt. Den Trailer dazu hatte ich schon gesehen. Es sah nach einem kitschen Weihnachtsfilm mit viel Bling Bling aus. Warum nicht? Die Musik von George Michael in einem Film serviert zu bekommen, nach seinem Tod. Das wollte ich mir doch ansehen, bevor der Film wieder aus den Kino verschwindet. Ich erwartete einen besinnlich kitschigen Weihachtsfilm und ? Ich wurde enttäuscht. Nicht von Film, aber was meine Erwartungen betrifft.

Erwartungen sind und bleiben die Quelle allen Leides. Man führt im Kopf Regie und ist enttäuscht, wenn das Leben nicht mitspielt“

Die klugen Worte sind nicht von mir, das haben die Buddhisten erkannt und ich las das rote Zitat beiläufig in einem Buch und schon hatte es sich in meinem Kopf eingenistet

Der Film Last Christmas begann auch genau so, wie ich es erwartet hatte und deshalb glaubte ich auch sicher, wohin das Ende führen wird. Aber Pustekuchen, trotz aller Komik wurde der Hintergrund der Geschichte ernster und ernster und machte wohl jeden Zuschauer nachdenklicher über Schicksale, die man nicht mal seinem Feind wünschen würde.

Inspiriert von berühmtesten Song aller Zeiten „Last Christmas“, einem Song, der um die Weihnachtszeit wohl jedem zu Ohren kommt, regte die berühmte Schauspielerin „Emma Thompsen“ zu einer rührenden und nachdenklichen Geschichte an, die sie ihren Zuschauern um die Weihnachtszeit erzählen wollte.

Last Christmas, I gave you my heart
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I'll give it to someone special
Letzte Weihnachten schenkte ich dir mein Herz
Aber schon am nächsten Tag hast du es verschenkt
Dieses Jahr, um mich vor Tränen zu retten
Ich werde es jemandem etwas Besonderes geben

Emma Thompsen hat aus den Zeilen von George Michael eine ganz besondere Geschichte gemacht, über die man noch einige Zeit nachdenken kann. Ich will die Geschichte hier nicht erzählen, damit die Überraschung bleibt, falls der eine oder andere sich den Film noch ansehen will. Auch wenn es viel zu lachen gab, ich kämpfte am Ende, als die Wahrheit an Licht kam, mit den Tränen. Und ich fand, die Geschichte war von sowas gar nicht kitschig. Die Darsteller haben alles gegeben, mich überzeugt und die Geschichte gemacht.

Ich gab dem Eintrag den Titel „Kopfkino“ weil er dem Film entspricht.