Das Leben geht weiter und weiter

Bevor meine Enkelin zum Sommerbesuch bei mir anreiste, bat sie mich, nicht über die Trauer zu sprechen, die in den letzten Monate und Tage mein Leben überschattet. „Bitte nicht, es stresst mich auch“ bat sie mich und ich versprach, mich nur dem Hier und Jetzt zu widmen. Das ist das Gute an Kindern. Sie zwingen einen, sich nur auf die Gegenwart zu konzentrieren, ja sogar die kleinen Zipperlein zu ignorieren, die sonst auch ganz gern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchten. Meine Selbstbeschau endet mit ihrem Besuch abrupt. In dieser Woche ist eine meiner Enkeltöchter (auf dem Bild Richtung Fingerzeig sehen) bei mir, nächste Woche werden 2 meiner 3 Enkelsöhne bei mir sein.

Zum Glück lebe ich dort, wo andere, Urlaub machen, in Strandnähe. Für Strandbesuche könnte das Wetter besser sein und uns bleibt nur, in die Lücke von Regentage zu springen.. Mit 14 Jahren ist meine Enkeltochter jedoch aus dem Alter raus, in dem sie Kleckerburgen baut. Und Zack sind die verspielten Kinderjahre vorbei und die Schwärmerei für einen auserwählten Star – in ihren Fall Wincent Weiß – macht es deutlich, die jugendlich Teenie-Zeit hat unwiderruflich begonnen.

Aber nicht nur Wincent Weiß bestimmt ihr Leben, sondern auch das Handy. Auf dem Bild zu sehen, wie sie die untergehende Abendsonne im Spiegelbild einer Pfütze mit ihren Handy festhalten will. Heut hat sich mich um eine Kopflänge überholt, doch ihr Start ins Leben war denkbar schlecht. Eintrag im alten Blog von Twoday.

MiniPüppi

Es vergeht kein Tag, ohne dass ich mich bei meiner Tochter nach ihrem Befinden erkundige. Die kleine MiniPüppi, die viel zu früh auf die Welt kam und ihr Überleben den medizinischen Fortschritt verdankt.

Klein zart und zerbrechlich liegt sie im Brustkasten und wartet darauf, ihr wahres Geburtsdatum und Geburtsgewicht zu erreichen. Die kleinen Fortschritte in ihrem kurzen Leben machten uns alle optimistisch.

Der Beatmungschlauch gehört schon der Vergangenheit an. Die kleine Lunge schafft es jetzt mit Hilfe einer schnorchelhaften Nasendusche schon allein. Und auf diese Weise schnorchelt sie sich von einem Tag zu anderen.

Zweimal am Tag kommen ihre Eltern zum Kuscheln. Die KrankenSchwestern heben den zarten Körper aus dem Brutkasten und legen es Mutter oder Vater auf die entblößte Brust. Und MiniPüppi kuschelt sich gleich wie ein kleiner Frosch auf die nackte Haut ihrer Eltern. Geräuschvoll bedankt sie sich für die Wohltat. Wie von einen Welpen hören sich ihre Töne an, die sagen wollen „Das gefällt mir“ und sie schmiegt sich noch mehr an Mutti´s oder Papa´s Brust….

Heute ist das alles Geschichte und nichts erinnert an die Zeit, als wir damals um ihr Leben bangten. Das Leben ging weiter und geht heute auch weiter. Nach dem letzten Ereignissen hat das Leben für mich die Gestalt von einem Fließband, das ständig in Bewegung ist und die Menschen auf aber auch abspringen.

um die Persönlichkeit beraubt

„Mir bleibt ein schöner Sommer , solange es eben dauert“ schrieb meine Freundin mir vor 6 Wochen, nachdem sie 3 Wochen zuvor von ihrer fatalen Diagnose erfuhr. „Etwas später darfst du mich anrufen“ Also ließ ich 4 Wochen Zeit ins Land gehen, nicht nur, weil sie mich darum bat, sondern auch weil ich selber verreiste, um meine Schwester nach einer OP zu pflegen.

Bevor ich nach meiner Ankunft zu meine Freundin fahren wollte, erkundigte ich mich bei ihrem Ex-Mann nach ihren aktuellen Befinden. Als sie noch ein Paar waren, lebten wir im selben Haus. Nach ihrer Trennung verließ die Familie einer nach dem anderen das Haus, doch der Kontakt blieb weiterhin herzlich – zu beiden. Deshalb wollte ich über ihn erfahren, wie es gesundheitlich um meine Freundin steht.

Was er mir zu berichten hatte, wollte ich nicht hören, darauf war ich nicht vorbereite. Jeder Satz von ihm ließ mich innerlich stöhnend zusammensacken, tiefer und tiefer. „Sprechen kann sie nicht mehr“ oh mein Gott. „nur noch Handzeichen. Sie kann nicht mehr hören, nicht mehr laufen und bei meinem letzten Besuch hatte sie mich nicht mehr erkannt“. Meine Freundin wurde binnen kurzer Zeit durch ihre Erkrankung um ihre Persönlichkeit gebracht.

Noch einmal erzählen, wie in alten Zeiten, war nicht mehr möglich, wird nie mehr möglich sein. Ich hatte in der Vergangenheit meine Schwester während ihrer Krebserkrankung begleitet und daher eine andere zeitliche Vorstellung und außerdem hatte der Sommer ja erst angefangen. Nach dem Telefonat saß ich erst mal betreten auf meiner Couch und sah förmlich die Sterne um meinen Kopf kreisen, wie sie gern im Zeichentrick gezeigt werden, wenn einer ordentlich etwas auf die Rübe bekommen hatte.

Gleich darauf erfasste mich ein schwerer Konflikt. Besuche ich sie noch an ihrem Sterbebett und lebe die nächsten Jahre mit der Erinnerung an ihren geschundenen Körper und ihrer geschundenen Seele, ober behalte ich sie so in Erinnerung, als wir uns das letzte mal eher zufällig trafen, freundlich strahlend und liebevoll? Oder als wir das letzte mal im Februar diesem Jahres telefonierten, wie immer mit einem Ratschlag um die Ecke kommend. Niemand von uns konnte ahnen, dass es unsere letzten Begegnung sein sollte.

Ich gebe zu, mein Ar… ging auf Grundeis, bei dem Gedanken, sie zu besuchen. Ich war ja auf das, was ihr Ex mir zu ihrem Zustand sagte, nicht vorbereite und der Gedanken, sie derart geschunden zu sehen, machte mir Angst. Trotzdem bat ich ihn gestern, wenn er wieder zu ihr fahren würde, ob er mich dann mitnähme, so als moralische Stütze für mich. Ich wollte bei Ankunft kurz aus seinem Auto springen, schnell zu ihr ans Bett huschen und wenn ich den Anblick nicht mehr ertrage, das Zimmer wieder verlassen. Auch das wäre nicht mehr möglich, erklärte er mir heute. „Sie wurde gestern ins Hospiz gebracht. Unsere Söhne schaffen es mit ihrer Pflege nicht mehr“ und er empfahl mir, sie besser so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie als gesunde Frau kannte. Daraus kann ich schließen, dass nicht nur ihre Persönlichkeit von der Krankheit entfremdet wurde, sondern auch ihre körperliche Erscheinung schwer gezeichnet war.

Es ist wirklich zum heulen, zum heulen, zum heulen, zum heulen, zum heulen, zum heulen, heulen, heulen, heulen, heulen 😰😰😰😰😰😰😰😰😰