mit leuchtenden Augen

singt der Solist und toller Gesang gesamtes Schulchores aus New York: Die Aufnahme wurde schon vor 5 Jahren gemacht und inzwischen ist aus dem kleinen Solosänger schon ein großer Junge geworden. Ich höre mir diesen Song immer wieder gerne an. 

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Über Nacht

Ich habe darauf gewartet, dass sich die alten freudigen Gefühle wieder einstellen, wenn ich über die Brücke fahre. Aber vergeblich, diesmal traten sie nur spärlich auf. Vielleicht, weil der Rügendamm nicht mehr als Überfahrt vom Festland auf die Insel genutzt wird ? Zumindest von denen, die über die Autobahn auf die Insel wollen. Seit 2007 überspannt eine hohe Brücke den Strelasund.

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Mächtig gewaltig“, würde Egon von der Olsenbande sagen. Den alten Rügendamm gibt es noch, kann auch weiter befahren werden. Er signalisierte mir die alten Heimat und ließ mein Herz immer gleich höher schlagen. Doch wir fuhren über die neue Brücke und der Anblick, der sich für mich als Beifahrer für kurze Zeit bot, war herrlich. Ebenso herrlich, wie das Wetter. Sonne satt, so weit das Auge reichte.

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Schwesterherz und ich, wir taten uns wieder zusammen und fuhren nach einigen Jahren mal wieder Richtung Heimat. Auch bei ihr setzte das freudige Gefühl während der Überfahrt nicht mehr ein. wie sie es von früher kannte. Damals, als unsere Eltern noch lebten und wir uns wieder für ein paar Tage wie Kinder fühlen durften. Unsere Eltern sind schon seit Jahren im Himmel und das Elternhaus verkauft. Wir besuchten den Sohn unserer verstorbenen Schwester und der lebte in der Kleinstadt.

Unsere Neffe hatte uns zur Bergener Musiknacht eingeladen und weil Schwesterherz und ich die Tanzmäuse der Familie sind, ließen wir uns nicht lange bitten. Veranstaltungen dieser Art gibt es in fast allen Städten, nur ihre Bezeichnungen variieren. Kneipen und Restaurants öffnen bis 3 Uhr und in ihren Häusern spielen Bands. Nach Zahlung eines einmaligen Eintrittspreises kann man von Kneipe zu Kneipe ziehen und nach Livemusik tanzen.

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Wir zogen als Familie in und durch die Nacht. Aus dem ersten Lokal kamen uns zwei sich schupsenden Männer entgegen. Es brauchte nur einen minimalen Funken und eine handfeste Prügelei wäre daraus entstanden. Zum Glück verließen sie das Lokal und vielleicht haben sie im Freien ihren Kampf fortgesetzt. Im Lokal wäre dafür kein Platz gewesen, denn wir mussten uns sogar seitlich hinein schieben, um in die Lokalität zu kommen, Für Menschen mit Platzangst wäre das eine Unmöglichkeit. Mir macht solche Enge nichts aus und so drangen wir erst mal bis zum Tresen vor.

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Die Barkeeper waren voll im Stress und man durfte nicht ungeduldig werden, wenn man an ein Getränk wollte. Ich sah derweil in die Runde und dachte an die Zeit von damals zurück, als ich in der Stadt als Verkäuferin im Rundfunk- und Fernsehladen arbeitet. Damals waren die Menschen, die sind in dem kleinen Gang vor der Bar drängten, noch Kinder oder sogar noch Quark im Schaufenster.

Kinder, wir die Zeit vergeht. Sind seit dem wirklich schon 40 Jahre ins Land gegangen? Ja, es sind und es wird mich niemand mehr kennen. Ich bin für sie eine Fremde und sie sind für mich Fremde. Meine Nichte, die an dem Abend auch dabei war, zog mich mit den Worten: „Tante I…., ich habe eine Überraschung für dich“ an einer Hand aus den tanzenden Massen. Im engen Gang vor dem Tresen angekommen stellte sie mir einen jungen Mann vor, denn ich auf den ersten Blick nicht kannte. „Das ist F…. H…..“

„Waaaaaas. das ist F…..? „ Spontan brach in einen extremen, mir bis dato unbekannten überschwänglichen Gefühl von Wiedersehensfreude aus. Ich umarmte ihn und ließ ihn für ein paar Minuten nicht mehr aus meinen Armen. Was er wohl gedacht haben mag? Er war der Neffe meines Ex- Mannes und sah ihn seit Anfang der 80iger Jahre, also nach unserer Scheidung, nie mehr wieder. Das einzige, was von ihm in meiner Erinnerung haften blieb, war ein Kinderbild in Schwarzweiß, das von einem Fotografen gemacht wurde.

Nachdem ich mich dann wieder eingekriegt hatte, unterhielten wir uns über die vergangenen Zeiten und es dauerte nicht lange, bis wir auch das Familiengeheimnis in unsere Gespräch aufnahmen. Sein Großvater und der Vater meines Ex-Mannes verschwand Anfang der 50iger Jahre aus dem Leben seiner Familie über Nacht und ließ die Mutter seiner 6 Kinder allein zurück..

Mein Ex-Mann erzählte mir seine Version: Er ist einfach (in den Westen?) abgehauen. Doch von F…… erfuhr ich noch von anderen Versionen von den Kindern über das Verschwinden ihres Vaters über Nacht. Für den einen wurde er erschlagen, für den anderen hatte er sich das Leben genommen. Die Geschichten variierten, doch einiges haben sie gemeinsam. Der Mann verschwand über Nacht und niemand weiß, was aus ihm geworden ist-

Als wir bei dem traurigen Thema ankamen, stellten wir fest, dass die alte Familiengeschichte doch zu anstrengend für eine Musiknacht wäre und wir stürzten uns dann wieder in pralle Musikleben der Nacht und jeder ging zu seinen Leuten zurück. ich sah F….. nur noch einmal flüchtig, aber am nächsten Tag beschäftigte mich unsere Begegnung doch noch etwas. Ich fragte mich, warum ich so emotional auf das Wiedersehen reagierte? Er war für mich damals einer meiner Neffen und wir sahen uns eher selten. Aber ich nahm ihn schon damals, als er noch klein war, als freundlichen sympatischen Jungen war. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja doch noch einmal. 🙂

endlich…

..durfte ich heute die Uhren wieder zurück stellen. Kaum zu glauben, aber in meinem Haushalt befinden sich noch 5 Uhren, die ich per Hand nachstellen muss. D.h. ein Wecker, den ich für meinen Yogaunterricht nutze, den hatte ich nie umgestellt. Das ist noch ein gutes altes Stück aus der Zeit, als man von der Zeitumstellung nur aus der Geschichte wusste.

Ich erinnere mich noch an den Moment, als mein damaliger Mann den Zeiger schon am Abend eine Stunde vorstellte. Er war Frühaufsteher, dem machte es nichts aus. Mir  tat der Moment richtig weh, körperlich weh. Mit einem mal war es nicht mehr 19 Uhr, sondern schon 20 Uhr. Ich litt nicht nur bei dem Anblick, sondern auch bei dem Gedanken, am nächsten Tag eine Stunde früher aus dem Bett zu müssen. Nein, das war so gar nicht meins. Nein, ich wollte mich dagegen auflehnen, aber Entscheidungen der Politik nehmen auf Einzelschicksale, wie meins, keine Rücksicht. Ich glaube, ich litt in den ersten Jahren der Sommerzeit einige Wochen noch so vor mich hin, bevor ich mich daran gewöhnte. Dazu muss man wissen, dass ich KEIN Frühaufsteher bin. Nie konnte ich Menschen verstehen, die es an den Wochenenden morgens um 6 Uhr aus dem Bett trieb, weil sie es darin nicht mehr aushielten. Wie kann das sein ? Die gemütlich warme Höhle schon so früh zu verlassen, wenn man es nicht dringend sein muss? Muss das sein? Nein.

Die Erleichterung bei mir war groß, als die EU sich diesen Sommer der Zeitumstellung widmete. Soll das hin und her zwischen den Zeiten bald wieder vorbei sein? Die Bürger stimmten für „weg mit der Zeitumstellung“ und man wünscht sich die dauerhafte Sommerzeit. Nun ist diese im Gespräch. Das verlängerte Tageslicht am Abend ist verlockend.

Es dauerte nicht lange, da meldeten sich die Kritiker der dauerhaften SZ zu Wort. Der Schulbeginn sollte im Winter dann eine Stunde später beginnen. Ich kann die Lehrer verstehen, sie haben so schon Mühe, die Kinder in den ersten Stunden wach zu halten. Auch Mediziner meldeten sich zu Wort. Für den Körper wäre die Sommerzeit auf Dauer nicht gesund, weil die Aktivität sich nach dem Stand der Sonne richtet. Wenn die Sonne am höchsten steht, dann hat der Mensch die meiste Power. Wir würden also permanent gegen unseren BioRhythmus arbeiten und das würde uns Menschen auf Dauer krank machen. Unter anderen wurde die Zunahme von Depressionen prognostiziert und auf die erhöhten Ausgaben der Krankenkassen hingewiesen.

Ich trage beide Standpunkte mit und so weit ich weiß, hatte man in Russland das Projekt dauerhafte Sommerzeit schon mal gestartet und das nach kurzer Zeit wieder eingestampft. Die Menschen fanden aus der Müdigkeit nicht mehr raus, kamen morgen nur noch schwer aus den Betten. Darauf wurde die Winterzeit als dauerhaft erklärt, aber auch dies nicht zur Freude aller Russen. 

Der verlinkte Artikel ist lustig und unterhaltsam zu lesen, vor allen Dingen die Begründung, warum man nun doch wieder die Zeitumstellung wünsche.